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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Kosmos und Kontingenz"
RessourcentypCall for Papers
TitelKosmos und Kontingenz
BeschreibungKonferenz “Kosmos und Kontingenz”, Sommer 2014 in Berlin

Die Konferenz wird veranstaltet vom PhD-Net “Das Wissen der Literatur” (Humboldt-Universität zu Berlin, Harvard University, Princeton University und University of California, Berkeley [verantwortlich: Prof. Dr. Joseph Vogl]) und dem DFG-Graduiertenkolleg “Lebensformen und Lebenswissen” (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und Universität Potsdam [verantwortlich: Prof. Dr. Andrea Allerkamp]).

Zeitpunkt/Ort: Do., den 10., bis Sa., den 12. Juli 2014, Berlin

Welche Bedeutung kommt Kontingenz innerhalb von Kosmologien zu? Welche historischen Verschiebungen erfahren die Konzepte des Kosmos’ und der Kontingenz und wie bilden sie sich aneinander aus? Und wie lassen sich schließlich die Beziehungen zwischen dem Himmel, den Dingen und Lebewesen darstellen und erzählen?
Diese Leitfragen umreißen den Themenkreis der Konferenz “Kosmos und Kontingenz“. Ausgangspunkt der Überlegungen ist dabei Lukrez’ Lehrgedicht “De rerum natura“: Ein kosmischer Wirbel durchzieht hier gleichermaßen “Sternengeflimmer”, wie das Wimmeln des “Belebten” und den “Strom der Atome”. Angetrieben wird seine Bewegung durch das ‘clinamen’, durch winzige, grundlose Abweichungen in einem ansonsten parallellaufenden ‘Atomregen’. Damit wird der Kosmos insgesamt als Unbestimmtheits- und Möglichkeitsraum fundiert, der veränderlich ist und damit auch veränderbar. Am Anfang steht kein ordnender Schöpfer, sondern eine Turbulenz, nicht eine geordnete Form, sondern die Formung.
Man hat Kontingenz-Kosmologien wie die des Lukrez immer wieder als Wahnsinn oder heidnisches Wissen verurteilt und Strategien der systematischen Kontingenzreduktion entwickelt (etwa im mittelalterlichen Ordo-Denken und im mechanistischen Universum der Aufklärung). Anliegen der Tagung ist es nun, entgegen den dominanten Erzählungen, die die Stabilität, Ordnung und Erkennbarkeit des Kosmos’ betonen, eine bislang latent gebliebene Gegengeschichte zu entwerfen. Arbeitshypothese hierbei ist, dass sich die Geschichte der (westlichen) Kultur entlang ihrer Kosmologien neu erzählen lässt, wobei Fragen der Kontingenz stets eine fundamentale Verunsicherung, aber gerade auch Möglichkeiten für freie Entscheidungen sowie veränderte Darstellungsverfahren bedeuten. Mit ihrem Ausgang bei Lukrez sind sie gleichfalls bestimmend für den Beginn der Neuzeit (Blumenberg, Greenblatt) wie noch für Konzepte der Gegenwart (Althusser, Meillassoux, Serres).
Die Konferenz “Kosmos und Kontingenz” bestimmt ihre Gegenstände dabei aus der Perspektive der historischen Epistemologie: Erstens wird nach dem Wechselverhältnis der – historisch variablen – Konzepte der Kontingenz und des Kosmos’ gefragt. Vor dem Hintergrund physikalischer Bestimmungsversuche werden Aneignungen sowie Ausschlussverfahren von Kontingenz im kosmologischen Zusammenhang untersucht. Hieraus ergeben sich die folgenden Umbrüche: Optische Astronomie [ab 1600], Newton’sche Mechanik und Statistik [ab 1750], Thermodynamik [ab 1840] und Raumzeit [ab 1910] sowie gegenwärtige Konzepte. Zu fragen wäre etwa danach, ob der Kosmos ein vollständig determiniertes System ist, oder ob er sich selbst definiert. Dabei wird die Frage nach der Rolle von Zufallsereignissen einerseits und der ‚agency‘ und damit dem Handlungspotenzial andererseits im Zentrum stehen.
Zweitens wird die Tagung dabei der Tatsache Rechnung tragen, dass Wissensordnungen stets auf spezifische Darstellungsverfahren angewiesen sind. Anders als in vielen Motiv-, Astronomie-, und Philosophiegeschichten üblich, wird somit der Wechselbezug von Kosmos und Kontingenz mit poetischen und ästhetischen Konzepten untersucht. Welche ästhetischen Entscheidungen treffen die jeweiligen Kosmologien? Welche Transformationen erfahren sie? Hierbei wäre etwa auch nach der Entwicklung des ‘Lehrgedichts’ zum ‘Roman’ zu fragen: In welchem Verhältnis stehen Kosmologie und Roman (Lukács)? Ist der Roman selbst eine Kosmologie? Welche Bedeutung kommen Kosmos und Kontingenz bei der Entstehung des Konzepts der ‘Fiktion’ zu (etwa ausgehend von Leibniz), welche Bedeutung haben sie für das Aufkommen der ‘Ästhetik’ (in Auseinandersetzung mit der Newton’schen Physik) oder im 19. und 20. Jahrhundert innerhalb der kontrafaktischen Erzählung (Blanqui)? Welche neuen Darstellungsoptionen bietet der Film (z.B. bei Méliès, Kubrick und Kluge)? Und wie sieht die Kosmologie des 21. Jahrhunderts aus? Welche Aufgabe wird dabei etwa den interaktiven Medien zukommen?
Schließlich möchte die Tagung nach der neuen Aktualität der Kosmologie in der Gegenwartsliteratur, bzw. -kunst und in Form einer “Kosmopolitik” fragen. Mit der Vernetzung von mikro- und makrokosmischem Schicksal im ‘Anthropozän’ scheint eine Perspektivenveränderung dringlich (Latour). Welche Handlungsoptionen eröffnen sich im vernetzten Kosmos? Eröffnet die Vielheit der Welten einen noch unbekannten (Möglichkeits-) Raum, in dem Pluralität und materialistische Ganzheit denkbar werden jenseits der problematischen Sehnsüchte nach einer organischen Totalität? Inwiefern werden ökonomische und politische Legitimationsfragen – von der Vergangenheit bis in die jüngste Gegenwart – kosmologisch ausgehandelt? Lässt sich der Kosmos als Operator einer „mise en égalité“ begreifen – als gemeinsamer Diskussions- und Handlungsraum heterogener politischer Gruppen (Stengers)?

Für die aufgeführten Themenvorschläge erbitten wir Abstracts von max. 500 Wörtern sowie einen knappen CV bis zum 2. Februar 2014.

Konzeption und Organisation
Reto Rössler, M.A. (HU Berlin), Tim Sparenberg, M.A. (Viadrina), Philipp Weber, M.A. (Viadrina)




“Cosmos and Contingency” Conference, Summer 2014 in Berlin

The conference is organized by the PhD-Net “Knowledge in Literature” (Humboldt-Universität zu Berlin, Harvard University, Princeton University, and the University of California, Berkeley [led by Prof. Dr. Joseph Vogl] and the DFG-Graduiertenkolleg “Forms of Life and Forms of Knowledge” (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder and Universität Potsdam [led by Prof. Dr. Andrea Allerkamp]).

Date and Location: Thursday, July 10 to Saturday, July 12, 2014 Berlin

The conference sets out to interrogate the complex interrelations of “cosmos” and “contingengy”. Arguing that these two terms have always been intricately linked in Western thought, rather than being mutually exclusive or antagonistic, the key questions connected to this premise are: What does “contingency” refer to in context of discourses of cosmology? Does the concept of contingency fulfill different functions for different cosmologies? What kinds of historical transformations do the concepts of “contingency” and “cosmos” undergo? How do they complement one another? And finally, in which ways have these constellations changed historically? How can the relationship between the heavens, objects, and living beings be represented and explained?

These questions form the framework for this conference on “Cosmos and Contingency”. The starting point for these reflections is Lucretius’s didactic poem “De rerum natura”: A cosmic vortex sweeps up “flickering stars” and “animate things” in a “stream of atoms”. Its movement is driven by the “clinamen” by tiny, unfounded deviations in the otherwise parallel movement of the “stream of atoms”. This makes the cosmos as a whole a space of indeterminacy and possibility, which is transforming and so also transformable. At the beginning there is neither an intelligent creator nor ordered form, but turbulence and formation.

‘Cosmologies of contingency’ such as the one proposed by Lucretius are often regarded as insane or as heathen knowledge, and strategies are developed for the systematic reduction of contingency (such as the medieval notion of ordo and the mechanical universe of the Enlightenment). Contrary to these notions, the aim of the conference is to develop an alternative history to the one that emphasizes the stability, order, and comprehensibility of the cosmos. Discussing whether the cosmos is a completely determinate system, or whether it defines itself, the question of the role of chance events, on the one hand, and “agency,” and the accompanying potential for action, on the other hand, emerges. Thus, as issues of contingency not only suggest a fundamental destabilization but also possibilities for free decisions and different modes of representation, this approach may open up new paths for the study of the history of (Western) culture.

The conference on “Cosmos and Contingency” approaches its objects from the perspective of historical epistemology. First, we want to examine the interdependence of the – historically variable – concepts of “contingency” and “cosmos.” And against the background of attempts of explanation in physics, we will also investigate appropriations and exclusions of contingency in the context of cosmology, which result in the following scientific upheavals: optical astronomy [after 1600], Newtonian mechanics and statistics [after 1750], thermodynamics [after 1840] and space-time [after 1910] as well as contemporary conceptions – since, starting from Lucretius, these cosmologies of contingency are also important for the early-modern period (Blumenberg, Greenblatt) as well as for 20th conceptions (Althusser, Meillassoux, Serres) or contemporary concerns of agency and chance.

Second, the conference is based on the notion that epistemic orders are always determined by specific forms of representation. In contrast to many other approaches to the history of astronomy and philosophy, we want to investigate the interrelation of cosmos and contingency from the perspective of poetics and aesthetics. What kinds of aesthetic decisions do cosmologies make? Tracing the trajectory from “didactic poem” to the “novel”, is there a connection between contingency or cosmology and the novel, as Lukács suggested? Is the novel itself a cosmology? What meanings do “cosmology” and “contingency” take on with the development of the concept of “fiction”? What meaning do they have in context of the emergence of “aesthetics” (in contrast to Newtonian physics), or in the counterfactual stories of the 19th and 20th centuries (Blanqui)? What kinds of new modes of representation are offered by film (e.g. Méliès, Kubrick, and Kluge)? And what does the cosmology of the 21st century look like? What will be the role of interactive media?

Finally, we would like to consider the most recent topicality of cosmology in contemporary literature and art in the form of “cosmopolitics”. With the integration of micro- and macrocosmic fates in the “Anthropocene”, a transformation of perspective is needed (Latour). What kinds of options for action are opened in an integrated cosmos? Does the multitude of worlds open a hitherto unknown space (of possibility) in which plurality and material totality are thinkable outside of the problematic desire for organized totality? How are economic and political questions of legitimacy – from the past until the most recent present – negotiated cosmologically? Can the cosmos be understood as the operator of a “mise en égalité” – as a collective space of discussion and action for heterogeneous political groups (Stengers)?

The conference is a joint venture of two PhD-programs: PhD-Net “Knowledge in Literature” (Humboldt-Universität zu Berlin, Harvard University, Princeton University, and the University of California, Berkeley) and the DFG-Graduiertenkolleg “Forms of Life and Forms of Knowledge” (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder and Universität Potsdam).

For the topics listed above we ask for abstracts of max. 500 words and a brief CV until February 2nd 2014 latest. – Email: cosmosandcontingency@gmail.com

Conference convenors
Reto Rössler, M.A. (HU Berlin), Tim Sparenberg, M.A. (Viadrina), Philipp Weber, M.A. (Viadrina)

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss02.02.2014
Beginn10.07.2014
Ende12.07.2014
PersonName: Sparenberg, Tim  
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: cosmosandcontingency@gmail.com 
KontaktdatenName/Institution: Das PhD-Net "Das Wissen der Literatur" an der Humboldt-Universität zu Berlin 
Strasse/Postfach: Unter den Linden 6 
Postleitzahl: D-10099  
Stadt: Berlin 
Telefon: +49 030 2093 9701 
Fax: +49 030 2093 9653 
E-Mail: v.thanner@hu-berlin.de 
Internetadresse: http://www2.hu-berlin.de/wissen-literatur/ 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeErzähltheorie; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 700 - 1150; Literatur 1580 - 1700; Literatur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Motiv- u. Stoffgeschichte; Rhetorik
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.04.00 Wissenschaftsgeschichte; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen; 13.00.00 Goethezeit; 13.00.00 Goethezeit > 13.12.00 Gattungen und Formen; 14.00.00 Romantik; 14.00.00 Romantik > 14.10.00 Gattungen und Formen; 14.00.00 Romantik > 14.10.00 Gattungen und Formen > 14.10.03 Epik; 14.00.00 Romantik > 14.11.00 Stoffe. Motive. Themen; 15.00.00 19. Jahrhundert; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart
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