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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Argumente und Rhetorik in der Physik"
RessourcentypCall for Papers
TitelArgumente und Rhetorik in der Physik
BeschreibungArgumente und Rhetorik in der Physik

Gemeinsame Tagung des FV Geschichte der Physik sowie der AG Philosophie der Physik in der DPG und des neuen Zentrums für Literatur und Naturwissenschaft (ELINAS) an der Universität Erlangen
12.-14 Dez. 2014 in Erlangen

Physik, Literaturwissenschaft und Argumentationsanalyse haben mehr miteinander zu tun als man auf den ersten Blick annehmen könnte: zum einen waren Figuren der Physikgeschichte immer wieder Thema literarischer Auseinandersetzung (von Dürrenmatts Physiker oder Kipphardts Oppenheimer bis zu Frayns Copenhagen), zum anderen ließen sich umgekehrt viele Physiker von Denkfiguren aus der Literatur inspirieren (so etwa Niels Bohr von der Figur des dänischen Studenten aus einer Novelle von Poul Martin Møller bei der Entwicklung seines Komplementaritätsprinzips). Es gibt jedoch noch weit engere Querbezüge, denen auf dieser Tagung gezielt nachgegangen werden soll:

• Auch Physiker halten Vorträge und bedienen sich dabei rhetorischer Kunstgriffe (nur selten so bewusst und gekonnt wie etwa Carl Friedrich von Weizsäcker, für den dies im Verlauf der Tagung an einem Beispiel analysiert werden wird), wenngleich ganz anders im Stil als ihre Kollegen aus den Geisteswissenschaften , so dennoch keinesfalls weniger effektiv.

• Auch Physiker schreiben Texte wie z.B. wissenschaftliche Aufsätze, Bücher oder Forschungs-anträge, in denen sie argumentieren (auch wenn sie dabei nur in den seltensten Fällen die topoi von Aristoteles oder die formalen Schlussformen der Syllogistik vor Augen haben werden).

• Gelegentlich können wir in Abfolgen von Entwürfen, handschriftlichen Verbesserungen oder eingefügten Änderungen in späteren Auflagen von Büchern sogar verfolgen, wie an Texten von Physiker/innen rhetorisch ‚gefeilt‘ wurde und Argumente dabei weiter ‚zugespitzt‘ wurden.

• Der Gebrauch von Metaphern (Kraft), Analogien oder anderen in der Literatur viel verwendeten Denkfiguren (z.B. Polarität) kann kreative Reorganisationen von Wissensbeständen auslösen und ist insofern auch in der physikalischen Fachprosa keine Seltenheit.

• Aus historischer Perspektive ist noch zu ergänzen, dass wissenschaftliche Textsorten und Gattungen (wie etwa Aufsatz, Reviews, Vorträge/Vorlesungen, Forschungsnotizen, populärwissenschaftliche Schriften, Lehrbücher) und ihre medien- und textsortenspezifischen Merkmale (wie z.B. Fußnoten), Argumentationsstile und Narrationsschemata keineswegs unveränderlich sind, sondern sich aus älteren Formen entwickelt und ausdifferenziert haben.

Rhetorik und Argument gehören dabei in vielen Fällen eng zusammen. Erstere ist dann nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern intrikat mit Letzterem verflochten. Denn ohne ‚einleuchtend‘ zu argumentieren, werden weder Forschungsgelder akquiriert noch kritische Kollegen überzeugt. Doch wie präpariert man aus einem Antragstext dessen Kernargument heraus? Wie interpretiert man verwendete Metaphern (wie z.B. die hier weiter oben stehende vom „Einleuchten“), Analogien (wie die von Niels Bohr zwischen den Abenteuern eines dänischen Studenten und der Unmöglichkeit einer Beobachtung des Experimentiervorgangs, ohne diesen zu stören) oder Stilfiguren?

In der Physikgeschichte ebenso wie in der Wissenschaftstheorie oder Literaturwissenschaft haben wir immer wieder Erzeugnisse aus diesen argumentativen und rhetorischen Kontexten vor uns, allerdings oft ohne selbst das komplette Handwerkszeug zu beherrschen, mit dem man diesen Quellen analytisch begegnen kann. An ausgewählten Beispielen wollen wir auf dieser Tagung daher kennenlernen, wie solche Analysen aus historischer, philosophischer, argumentationstheoretischer und literatur¬wissen¬schaftlicher Perspektive aussehen können. Dabei sollen der Analyse von rhetorischen und didaktischen Figuren in der Physik sowie ihrer Aufnahme in der Literatur einer internen Analyse der Argumentstruktur in fachlichen Publikationen gegenübergestellt werden, um auszuloten, in welchem Verhältnis inhaltliche Argumentation und rhetorische Darstellung zueinander stehen, ob sie sich etwa überhaupt scharf trennen lassen. Wir wollen die Möglichkeiten, die Chancen und auch die Grenzen derartiger Verfahren ausloten und insbesondere auch erkunden, wie sie stärker als bisher fruchtbar miteinander kombiniert werden könnten, um so die an dieser Stelle kontraproduktive Trennung unserer vier Disziplinenfelder ein Stück weit zu überwinden. Dabei stehen wir in Resonanz zu anderen Bemühungen in diese Richtung, etwa der British Society for Literature and Science, den alljährlichen Studientagen für Literatur und Wissenschaftsgeschichte und Initiativen des Arbeitskreises Literatur und Physik in Erlangen, an dem u.a. das Dept. Germanistik und Komparatistik sowie das Institut für Theoretische Physik im Verbund mit anderen Kollegen beteiligt sind und die jetzt auch zur Gründung von ELINAS geführt haben.

Als Hauptvortragende haben zugesagt:
Prof. Dr. Michael Hampe (ETH Zürich): Erklärung und Erzählung in der Kosmologie

Prof. Dr. Klaus Hentschel (Stuttgart): Zur Rhetorik von Carl Friedrich von Weizsäcker

Dr. Aura Heydenreich & Prof. Dr. Klaus Mecke (Univ. Erlangen): Metapher und Messerzählung. Zur Rekonfiguration des Wissens in der Physik

Prof. Dr. Miklos Rédei (LSE, London): Wissenschaftheoretische Eigenschaften der Physik in Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften"

Prof. Dr. Winfried Thielmann (TU Chemnitz): "And therefore I have chosen to define...“ - zu den sprachlichen Voraussetzungen einer wissenschaftlichen Eristik in der Physik. Eine diachrone Betrachtung.

Die Tagungsgebühr wird bei Anmeldung bis zum 30.9.2014 ca. 30 € betragen, danach 50 €).

Für Studierende der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen ist die Teilnahme kostenfrei.

Wir bitten um die Einreichung von Vorschlägen für Vorträge (30 min. + 15 min Disk.) mit 1 S. Abstract bis 15. Jan. 2014 per email an lehmkuhl@caltech.edu und Aura.Heydenreich@fau.de


Prof. Dr. Klaus Hentschel
Abt. f. Geschichte der Naturwissenschaften & Technik
Historisches Institut,
Universität Stuttgart
Keplerstr. 7
D-70174 Stuttgart

Dr. Aura Heydenreich
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Department Germanistik und Komparatistik
Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte
Bismarckstraße 1 B
D-91054 Erlangen

Jun. Prof. Dr. Dennis Lehmkuhl
Faculty of Philosophy
University of Oxford
Radcliffe Humanities, Woodstock Road
Oxford, OX2 6GG
United Kingdom

Prof. Dr. Klaus Mecke
Institut für Theoretische Physik
Universität Erlangen-Nürnberg
Staudtstrasse 7,
D-91058 Erlangen




Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortErlangen
Bewerbungsschluss15.01.2014
Anmeldeschluss31.08.2014
Beginn12.12.2014
Ende14.12.2014
PersonName: Dr. Aura Heydenreich 
Funktion: Akademische Rätin / Department Germanistik / FAU Erlangen 
KontaktdatenName/Institution: Dr. Aura Heydenreich / Department Germanistik / FAU Erlangen 
Strasse/Postfach: Bismarckstraße 1B 
Postleitzahl: 91054 
Stadt: Erlangen 
Telefon: 09131-8522978 
Fax: 09131-8522056 
E-Mail: aura.heydenreich@fau.de 
Internetadresse: http://www.ndl.germanistik.phil.uni-erlangen.de/personal/mitarbeiterinnen/aura-heydenreich.shtml 
LandDeutschland
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