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Ergebnisanzeige "Peripetie und Peripatetik: Umschlag(s)-/Bewegungen. Eine musik- und literaturwissenschaftliche Tagung"
RessourcentypCall for Papers
TitelPeripetie und Peripatetik: Umschlag(s)-/Bewegungen. Eine musik- und literaturwissenschaftliche Tagung
BeschreibungRheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft
Strukturiertes Promotionsprogramm:

Peripetie und Peripatetik: Umschlag(s)-/Bewegungen.
Eine musik- und literaturwissenschaftliche Tagung

10. – 11. Juli 2014: Senatssaal im Universitätshauptgebäude, Universität Bonn


Viele kanonische und weniger kanonische Raumtheorien arbeiten mit Begriffen, die zunächst wie binäre Oppositionen erscheinen: Der reduktive und benannte Ort (lieu) steht bei Michel de Certeau dem komplexen und irreduziblen Raum (espace) gegenüber; Deleuze & Guattari unterscheiden den ‚glatten Raum‘ (espace lisse) des Unmarkierten und Nomadischen vom ‚gekerbten Raum‘ (espace strié) des gebauten Stadtraums und des Sesshaften. Und auch Marc Augé differenziert zwischen dem geschichtsträchtigen und identitätsstiftenden Ort (lieu) und dem anonymen und transitiven Nicht–Ort (non-lieux) der Übermoderne. Doch da so die Gefahr einer allzu simplen Ordnung besteht, ist all diesen Auffassungen von Raum eine poststrukturalistische Hintertür eingebaut: Zwischen ‚Raum‘ und ‚Ort‘, ‚glatt‘ und ‚gekerbt‘, ‚Ort‘ und ‚Nicht-Ort‘ gibt es permanent Umschlagsmomente: „Ein Raum ist ein Ort, mit dem man etwas macht“ (de Certeau).
Gleichzeitig wird hier bereits deutlich, welche Praxis den Schlüssel zu diesen Raumauffassungen bildet: Es ist die Bewegung im Raum, die den Raum überhaupt erst ‚produziert‘ – und die immer ein widerständiges und dekonstruierendes Potential hat. So setzt zum Beispiel de Certeau dem voyeuristischen jedoch zugleich machtbesetzten ,Blick von oben‘ den ‚Akt des Gehens‘ entgegen, der für das urbane System das sei, was der Sprechakt für die Sprache oder für die formulierte Aussage ist. Bewegung im Raum hinterlässt Spuren, Linien, produziert 'den Raum', erzeugt eine – wenn auch subversive – Art von Text und Textur.
Dieses Verhältnis zwischen Bewegung und Textualität wird von dem Anthropologen Tim Ingold auf basale Kulturtechniken zurückgeführt: Für ihn besteht eine Verwandtschaft zwischen „storytelling” und „wayfaring”, wobei es sich bei Letzterem um die Fortbewegungs- und Lebensweise des nomadischen Jägers oder des Reisenden ohne Ziel handelt, der keinen vorgezeichneten Wegen folgt, sondern sie durch seine Wanderschaft erst produziert. „Wayfaring“, das „trails“ und „lines of inhabitation“ hinterlässt, steht für Ingold in einem diametralen Gegensatz zu „transport“, der „routes“ und „lines of occupation“ folgt, die wiederum in Verknüpfung mit de Certeaus ‚Blick von oben‘ und dem Paradigma der klassischen Kartographie als Be- und Einschreibung von ‚lieux‘ gesehen werden könnten – und die in Ingolds Verständnis von Narration mit einem 'präexistenten Plot' korrelieren.
Könnte es sich hierbei um einen Ansatz handeln, Räumlichkeit und Textualität zusammenzudenken, der sich auch in der Literaturwissenschaft anwenden lässt? Welche Umschlagsmomente gibt es innerhalb der Raumtheorien und wie werden diese in literarischen Texten greifbar? Behalten Raumtransformationen/-umschläge Konsequenzen für die narrative Ausgestaltung von Texten bereit und wenn ja, inwiefern?
Ausgehend von Ingold möchte die Tagung diese Fragen in eine interdisziplinäre Herangehensweise einbinden, finden sich doch in Ingolds Lines auch Ansätze, um die Parallelsetzung von Räumlichkeit und Textualität auf Musik zu übertragen. Hier ergeben sich unmittelbar Kontaktstellen zu verschiedenen Positionen aus der Musikwissenschaft, insbesondere auch zu den seit dem 1990er Jahren in der englischsprachigen Forschung gemachten Versuchen, musikalische Strukturen als Narrative zu begreifen. Eine solche Perspektive auf die immanente Räumlichkeit musikalischer (Werk-)Strukturen oder auf imaginäre Tonräume ist jedoch mit Problemen behaftet: Nicht nur wird der Gegenstandsbereich oft auf bestimmte Formen von Musik beschränkt, daneben sollten auch Hörräume und Soundscapes sowie die Räume musikalischer Praxis bzw. des ‚musicking’ (Christopher Small) auf Momente und Bewegungen des Umschlags befragt werden.

Wir freuen uns auf Vortragsvorschläge aus z.B. folgenden Bereichen:

- Bewegung und Wanderung als 'Raumproduktion' im literarischen Text
- 'Nomadische Linien' und 'Transportlinien'
- Räumlichkeit und Textualität
- Räume der Musik (als Struktur/Text wie auch als Praxis); Soundscapes und Soundinstallation
- Certeaus 'Blick von oben' und Deleuzes 'Nahsicht': Visualität und Raum

Abstracts (max. 300 Wörter) bitte bis zum 31.01.2014 an: raumpraktiken@gmail.com

Organisatoren/Innen:
Dana Bönisch, Alexander Kleinschrodt, Stefanie Kunkel, Isabell Mandt, Eva Marxen, Sarah Monreal
Kontakt: raumpraktiken@gmail.com

Koordinatorin des Strukturierten Promotionsprogramms: Prof. Dr. Karina Kellermann
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBonn
Bewerbungsschluss31.01.2014
KontaktdatenName/Institution: Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 
Strasse/Postfach: Am Hof 1d 
Postleitzahl: 53113 
Stadt: Bonn 
E-Mail: raumpraktiken@gmail.com  
Internetadresse: http://www.germanistik.uni-bonn.de/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.01.00 Forschung; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.04.00 Studien; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.08.00 Gattungen und Formen > 19.08.03 Epik; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.09.00 Stoffe. Motive. Themen; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.11.00 Österreich
Ediert von  H-Germanistik
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