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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Philister - Problemgeschichte einer Sozialfigur der neueren deutschen Literaturgeschichte"
RessourcentypCall for Papers
TitelPhilister - Problemgeschichte einer Sozialfigur der neueren deutschen Literaturgeschichte
BeschreibungTagung: Philister - Problemgeschichte einer Sozialfigur der neueren deutschen Literaturgeschichte

Call for Papers

Das ICI Berlin (http://www.ici-berlin.org/) veranstaltet unter der Leitung von Georg Stanitzek (Siegen) in Zusammenarbeit mit Till Dembeck (Mainz) und Remigius Bunia (Friedrichshafen) vom 2. bis zum 5. Juli 2008 eine von der DFG finanzierte Konferenz über die Sozialfigur des Philisters. Zahlreiche einschlägig ausgewiesene führende Vertreterinnen und Vertreter der Literatur und Kulturwissenschaften haben ihre Teilnahme bereits verbindlich zugesichert. Zum Zweck der Nachwuchsförderung bitten die Veranstalter Doktoranden und Postdoktoranden um Vorschläge für einen Beitrag zur Konferenz. Bis zu drei Bewerbungen können berücksichtigt werden.

Beim "Philister" handelt es sich um eine der wichtigsten Sozialfiguren der deutschen Literatur und Kulturgeschichte -- und eine der am wenigsten beachteten. Die Tagung soll die Erforschung dieses semantischen Phänomens voranbringen, das regelmäßig im Schlagschatten des neuzeitlichen Bildungsdiskurses liegt. Das Phänomen aus dem Schatten herauszuholen, verspricht eine nachhaltige Bereicherung der kulturwissenschaftlichen Forschung und wird dazu beitragen, einige in diesem Schatten verborgene komplexe Voraussetzungen zu erhellen. Denn "Philister" ist ein Begriff, der sich nicht nur im Alten Testament findet, sondern auch im Schnittpunkt von Antisemitismus und Nationalbewegung im 19. Jahrhundert; er tritt nicht nur in -- und seit -- Goethes "Leiden des jungen Werthers" als Gegenbegriff zum Genie auf, sondern sein semantisches Potential lässt sich über 1968 bis in die gegenwärtige Literatur- und Kunstproduktion (C. Schlingensief et al.) nachverfolgen.

Methodisch wird unter anderem die Hypothese zu diskutieren sein, dass es sich bei diesen und weiteren einzelnen "Positionen" um Elemente eines Konnexes der semantischen Evolution, näherhin um weit verzweigte "Ausläufer" oder Variationen der alttestamentlichen Simson-Episode handelt. Um diese Hypothese zu verfolgen und zu untersuchen, sollen fünf Sektionen gebildet werden, die sich mit wichtigen Wendepunkten in der Geschichte des Ausdrucks auseinandersetzen. Es soll so das Netz, in dem sich über Jahrhunderte die Kristallisationspunkte der Philistersemantik verknüpft haben, sichtbar werden. Im Einzelnen sollen sich die Sektionen mit der Prägung des neuzeitlichen Philisterbegriffs im studentischen Milieu um 1700, mit der Neufassung des Begriffs im Kontext der Geniesemantik im 18. Jahrhundert, mit der romantischen Transformation von Genie- und Philisterbegriff, mit der Entwicklung des Begriffs des "Bildungsphilisters" im 19. Jahrhundert und mit Phänomenen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beschäftigen, welche -- ohne den Begriff unbedingt explizit zu verwenden -- dennoch sein semantisches Potenzial beerben.

Gefragt werden soll damit auch nach Grundzügen, welche die Rede vom Philister -- über all diese diachronen semantischen Verschiebungen und Transformationen hinweg -- grundsätzlich kennzeichnen. Beispielsweise soll untersucht werden, wie sich der "Philister" zur Unterscheidung Eigenes/Fremdes verhält, denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass im Grunde jeder riskiert, selbst den Philistern zuzugehören. Nimmt man am antiphiliströsen Diskurs teil, muss man nämlich fortlaufend das Philisterhafte als das Andere (Fremde) konstruieren, um sich jedes Mal aufs Neue von ihm abgrenzen zu können. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage nach der einerseits ethnischen, andererseits allgemein gruppenkonstitutiven Valenz des Begriffs zu stellen. Demgemäß ist die Philistersemantik in ihrer Evolution auf die jeweiligen Vorstellungen von sozialer Ordnung zu beziehen. Als These lässt sich vorab formulieren, dass die Philistersemantik immer eine Selbstsetzung junger Männer als Oberschicht impliziert, und zwar auf dem Wege der Beanspruchung einer Kombination von ästhetischer mit Protest-Kompetenz. Damit steht zum einen die Frage nach der geschlechtlichen Wertigkeit der Kategorie zur Debatte. Zum anderen ist der Beobachtung nachzugehen, dass die genannte Selbstsetzung in der Regel durch eine erstaunliche Gewaltnähe gekennzeichnet ist.

Die Tagung teilt sich in folgende, nacheinander stattfindende Sektionen auf:

+ Sektion I: Jena um 1700 -- die neuzeitliche Erfindung des Philisterbegriffs
+ Sektion II: Genie und Philister im 18. Jahrhundert
+ Sektion III: Die romantische Fassung des Philisterbegriffs
+ Sektion IV: Um 1900 -- Bildungsphilister versus nietzscheanische Boheme
+ Sektion V: Aktuelle Rekurrenzen der Philistersemantik

Eine ausführliche Beschreibung findet sich auf der Webseite
http://www.tagung-philister.de.

Reise- und Übernachtungskosten können erstattet werden.

Vorschläge für einen Beitrag (mit einer Länge von rund einer Seite) sind --zusammen mit einer kurzen biografischen Notiz -- als PDF- oder Word-Dokument bis zum 14. März an die Adresse cfp@tagung-philister.de zu senden.

(Dieser Call for Papers findet sich auch auf
http://www.tagung-philister.de/s/cfp.)

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss14.03.2008
Beginn02.07.2008
Ende05.07.2008
PersonName: Bunia, Remigius [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: mail@litwiss.bunia.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945
Klassifikation11.00.00 17. Jahrhundert > 11.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 13.00.00 Goethezeit > 13.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 14.00.00 Romantik > 14.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
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