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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Sick [sic!?] Krankheit in kinder- und jugendliterarischen Medien"
RessourcentypCall for Papers
TitelSick [sic!?] Krankheit in kinder- und jugendliterarischen Medien
BeschreibungCALL FOR PAPERS
(For English please scroll down)


Sick [sic!?] Krankheit in kinder- und jugendliterarischen Medien
11.–12. April 2014 in Frankfurt am Main
Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität
Organisation: Agnes Blümer, Iris Schäfer, Anika Ullmann

Krankheitsnarrative erscheinen in der aktuellen Kinder- und Jugendliteratur in einem völlig neuen Licht. So zeichnet sich etwa in John Greens „The Fault in Our Stars" (2012, dt: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter") und Jenny Downhams „Before I Die" (2007, dt.: „Bevor ich sterbe") eine neue Schonungslosigkeit, aber auch eine neue Leichtigkeit im Umgang mit Krankheit in der Kinder- und Jugendliteratur und in den verschiedensten Medien für Kinder und Jugendliche ab.
Mit der Fokus-Verlagerung auf chronische und tödliche Krankheiten geht eine Betonung des Krankheitszustandes als einem Zustand, in dem die Endlichkeit der eigenen Existenz besonders deutlich wird, einher. Sowohl die Realität als auch die eigene Person wird auf eine andere Weise wahrgenommen. Auch wenn die Vorstellung von einem Krankheitszustand als einem besonderen, geradezu idealen Zustand des Erkenntnisgewinns bereits in den Jahren 1799/1800 von Novalis geprägt wurde, der chronische Krankheiten als „Lehrjahre der Gemütsbildung und Lebenskunst“ bezeichnete, ist die Tatsache, dass diese romantisierte Vorstellung im Laufe der letzten Jahren ihren Weg in die Kinder- und Jugendliteratur gefunden hat, als völlig neue Entwicklung einzustufen.
Im Rahmen eines internationalen Workshops soll die Frage nach der neuen Darstellung und der Bedeutung von Krankheit in Kinder- und Jugendmedien gestellt werden. Da Krankheits- und Abweichungsnarrative überaus komplexe Gebilde sind, ergibt sich ein breit gefächertes Spektrum an Diskussionsmöglichkeiten:
So stellt Michel Foucault in „Die Geburt der Klinik" für die Medizin des 19. Jahrhunderts fest, sie orientiere sich „mehr an der Normalität als an der Gesundheit“ (2011, 53). Er zeigt damit auf, dass auch gesunde Körper (wie etwa der behinderte Körper) über ihre normabweichenden Merkmale als pathologisch wahrgenommen werden können. Die Beschreibung eines Zustandes als pathologisch schließt im Umkehrschluss also auch immer eine Beschreibung dessen ein, was als normal und somit gesund eingestuft wird. Hinzu kommt, dass es unzählige, kulturell bedingte Vorstellungen von Krankheit und Gesundheit gibt, die sich partiell überschneiden, ebenso wie Krankheit und Gesundheit an sich als überlappende Konzepte zu bezeichnen sind.
Krankheit soll hier also in einem weiten Sinne verstanden werden, d.h. sowohl körperliche und geistige Krankheiten sollen mit einbezogen werden. Julie Elman bemerkt in ihrem Aufsatz „Nothing Feels as Real. Teen Sick-Lit, Sadness, and the Condition of Adolescence“: „Possessing non-normative bodies, however, people with disease and disabled people are often subjected to similar forms of ableism and marginalization.“ (2012, 177) Daher ist auch die Präsentation von Behinderung in der Kinder- und Jugendliteratur von Interesse für die Diskussion.
Beiträge können Krankheit als Motiv ebenso behandeln wie Krankheit als Prinzip der Darstellung oder als Metapher. So scheinen zum Beispiel Kindheit und Adoleszenz als Lebensphasen, in denen gewisse Normabweichungen toleriert werden, in denen sich Körper und Körpergefühl spürbar verändern, eine gewisse Nähe zum Prinzip der Krankheit als Krisenzustand aufzuweisen. Sind Kindheit und Adoleszenz also gewissermaßen ‚krankhafte‘ Phasen? Welche Besonderheiten ergeben sich somit daraus, wenn Krankheit für oder im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen thematisiert wird?
Die verschiedenartige Kommunikation durch und über Krankheit, sowie die Sicht- und Unsichtbarkeit von Krankheit können anhand von Bilderbüchern, in Erzählungen für Kinder, in Jugendromanen, in Filmen und Serien, in Computerspielen, Blogs und allen anderen Medien für Kinder und Jugendliche nachgezeichnet werden. Hier gilt es beispielsweise, auf den Zusammenhang von Krankheit und Genres einzugehen (also etwa: Krankheiten innerhalb der Problemliteratur, in der Mädchenliteratur, u.s.w.), Krankheit als narratives Prinzip oder als Generierung von Storylines zu untersuchen, „den Kranken" (oder auch den Arzt/die Ärztin oder den Therapeuten/die Therapeutin) als stereotype Figur (etwa in Fernsehserien) zu betrachten, die Konnotationen verschiedener Krankheiten zu vergleichen, Räume der Krankheit und ihre mediale Darstellung zu analysieren oder den Zusammenhang von Krankheit und Geschlecht in den Blick zu nehmen.

Es sind jeweils 25- bis 30-minütige Vorträge mit anschließender Diskussion vorgesehen.

Mögliche Themen, Aspekte, Zugänge und Schwerpunkte, jeweils mit Bezug auf kinder- und jugendliterarische Medien wären:
Kinder- und jugendliterarische Medien als Ort der Rede über Krankheit (und Gesundheit)
Lebensphasen (z.B. Kindheit, Adoleszenz, Pubertät etc.) als Krankheitsphasen
Krankheit in unterschiedlichen kinder-und jugendliterarischen Genres
Kulturell bedingte Vorstellungen von Krankheit und Gesundheit
Zeit- und Modekrankheiten im Spiegelbild verschiedener Texte
Geschlechts- und gesellschaftsspezifische Krankheiten
Behinderung und Krankheit als Darstellungen normabweichender Körper
Krankheit und Gesundheit als sich gegenseitig überschneidende Konzepte
Die Inszenierung von Symptomen und Krankheiten als Metaphern
Kommunikative Aspekte von Krankheiten bzw. Krankheitsdarstellungen (Ansteckungsprozesse, Viralität, Online-Kommunikationen u.s.w.)
Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit von Krankheiten
Krankheit und Komik
Abstracts mit maximal 350 Wörtern in deutscher oder englischer Sprache werden bis zum 15. Januar 2014 erbeten an: anika.ullmann@gmx.de

Eine Auswahl der Vorträge ist bis zum 15. Februar 2014 geplant.

Kontakt:
Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend,
Agnes Blümer, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main




CALL FOR PAPERS:

Sick [sic!?] Sickness in media for children and young adults
11.–12. April 2014 in Frankfurt/Main, Germany
Institut für Jugendbuchforschung, Goethe-University
Organisation: Agnes Blümer, Iris Schäfer, Anika Ullmann


There has been a change in the presentation of narratives of sickness in recent literature for children and young adults. Novels like John Green’s 'The Fault in Our Stars' (2012) and Jenny Downham’s 'Before I Die' (2007) seem to feature a new ruthlessness as well as a new ease when it comes to discussing sickness in children’s and young adult literature and media for children and young adults.
A change in focus to a depiction of chronic and fatal diseases seems to have taken place that is accompanied by an emphasis on sickness as a state when the finiteness of existence becomes especially apparent. Reality as well as one’s own personhood are being perceived in a new way. The idea of sickness as an almost ideal, insightful state has been shaped in 1799 / 1800 by Novalis who regarded chronic illness as a cultivation of the mind and an education in the art of living. Nevertheless, the fact that this romanticized concept has, in recent years, found its way into the works of children’s and young adult literature seems to be a new development.
This international workshop seeks to discuss the changes in the depiction of sickness and the new meanings that are linked to this depiction in literature and media for children and young adults. As narratives of sickness and deviance are very complex this topic opens up a broad spectrum of possibilities for discussion:
In his book 'Die Geburt der Klinik' Michel Foucault observes for the medicine of the 19th century that it orients itself more towards 'Normalität' than 'Gesundheit' (2011, 53). He hereby shows that a healthy body (like for example the disabled body) can nevertheless be perceived to be pathological if it exhibits signs that deviate from an idea of the normal body.
To call a state pathological thus needs be connected to a discussion of what is said to be normal and thus healthy. Furthermore, sickness and health represent concepts that vary and overlap depending on the cultural background against which they are being discussed.
Sickness is defined here in its broadest sense. Physical as well as mental illnesses shall be included in our discussion. In her essay 'Nothing Feels as Real. Teen Sick-Lit, Sadness, and the Condition of Adolescence' Julie Elman remarks: „Possessing non-normative bodies, however, people with disease and disabled people are often subjected to similar forms of ableism and marginalization.“ (2012, 177) In this sense portrayals of disabilities in children’s and young adult literature are as well of interest to our workshop.
Papers can tackle sickness as a motive as well as a mode of presentation or a metaphor. Childhood and adolescence as stages in life when deviance from norm is an accepted state, when the body and one’s emotions towards one’s body change, seem to exhibit a certain closeness to illness. Are childhood and adolescence ‘diseased’ stages? Which particularities become important when sickness is addressed in works for and connected to children and young adults?
It might as well be interesting to highlight the connection between sickness and genre (for example regarding the problem novel or novels for girls), investigate sickness as a narratological principle, as means to generate story lines or to focus on ‘the sick‘ (the doctor or therapist) as a stereotypical figure (for example in TV shows). It could further be fertile to compare the connotations of different illnesses, look at spaces of sickness and their depiction in media or focus the discussion on gender and sickness.
This variety of communications through and about sickness as well as the visibility and invisibility of sickness can be discussed using picture books, children’s books, novels for young adults, movies, TV shows, computer games, blogs or any other media for children.
Talks should be 25 to 30 minutes long. There will be time for discussion after each presentation.

Possible topics, aspects, approaches and focus points in regards to literature and media for children and young adults are:
Sickness (and health) as a topic
Life stages (e.g. childhood, adolescence, puberty) as ‘diseased’ stages
Sickness and genres
Cultural concepts of sickness and health
Fashionable complaints and illnesses typical for certain times as they are presented in several texts
Gender or society specific illnesses
Disability and sickness and the non-normative body
Sickness and health as overlapping concepts
The staging of symptoms and sickness as a metaphor
Communicative aspects of sickness (infection, virality, online communication)
Visibility and invisibility of sickness
Sickness and comedy
Please send your abstracts (350 words in German or English) until the 15th of January 2014 to: anika.ullmann@gmx.de

Presentations will be selected and we will contact you by the 15th of February 2014.

Contact:
Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend,
Agnes Blümer, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt am Main
Bewerbungsschluss15.01.2014
Beginn11.04.2014
Ende12.04.2014
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/35164

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