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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Imaginationen des Endes"
RessourcentypCall for Papers
TitelImaginationen des Endes
BeschreibungCALL FOR PAPERS

Tagung am Lehrstuhl für Germanistik der Ermland und Masuren Universität in Olsztyn/ Polen
verbunden mit einem DAAD-Alumnitreffen
8.-9. Mai 2014
Imaginationen des Endes
Deadline
30. November 2013 – Einreichen der Abstracts an: anetajachimowicz@o2.pl
Bis 10. Dezember: Mitteilung über die Annahme des Vorschlages

„Ich meine, dass alles schon passiert ist. Die Zukunft ist schon angekommen, alles ist schon angekommen, alles ist schon da. Es lohnt sich nicht, zu träumen, oder irgendeine Utopie der Umwälzung oder der Revolution zu nähren. […]. Alles hat Sinn und Ordnung verloren. Es ist keine Übertreibung, wenn wir sagen, alles sei schon eingetreten.“ (Baudrillard)
Mit diesem Statement verkündigte Baudrillard 1983 den „Tod der Moderne“ und verschrieb sich einem allgemeinen Denksystem der 80er Jahre, das größtenteils von den Reflexionen über das „Ende der Geschichte“ beherrscht war. Die Debatte reichte vom Tod des Subjekts und Autors über das Ende der Erzählung, Literatur und Kunst (Derrida) bis hin zum Ende des Abendlandes oder des Menschen schlechthin (Our Posthuman Future, Fukuyama) in den 90er Jahren. Die Post- und End-Theorien waren aber keinesfalls ein Einzelphänomen des Poststrukturalismus oder der breit verstandenen Postmoderne. Schon in den 50er Jahren sagte Arnold Gehlen „das Ende der Geschichte“ nach dem Zweiten Weltkrieg voraus und konstatierte 1961 die „kulturelle Kristallisation“ der erschöpften Gegenwart, die nur aus den Beständen der Vergangenheit lebt. Gehlen sprach vom „Ende der Ideengeschichte“, der Stabilisierung“, „Überraschungslosigkeit“ und „Gleichförmigkeit“ sowie dem „gestörten Zeit-Bewusstsein“ des Menschen im Zeitalter der technologischen Beschleunigungen. Erkenntlich ist in dieser These der Einfluss der Benjaminschen Auffassung vom Kunstwerk im „Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit“ aus den 30er Jahren. Auch Benjamin sprach von einem Ende: dem Ende der „Aura“ des Kunstwerks und der Veränderung der sozialen Funktion der Medien. Auf der Medienkritik basiert die Simulationstheorie Baudrillards, der die Wirklichkeit als eine „Wiederholung des Gleichen im scheinbar Ungleichen“ beschrieb und eine „Agonie des Realen“ postulierte. Es lässt sich konstatieren, dass das ganze postnitzscheanische Zeitalter entweder von den Apologeten oder den Kritikern der End-Theorien gekennzeichnet ist.
Die Vorstellungen des Endes haben auch heutzutage an ihrer Aktualität nichts verloren, auch wenn ihr Schwerpunkt auf andere Sachbereiche verlegt wurde. Es ist die ökonomische und politische Krisenzeit, die neue Diskussionen um verschiedene „Enden“ breitenwirksam fördert. Berichtet wird vom möglichen Ende der Europäischen Union und der Euro-Währung, vom Ende der amerikanischen Hegemonie oder der der westlichen Staaten in der Weltpolitik. Im Blickpunkt stehen ebenfalls die neuen sozialen Formen des gemeinsamen Lebens, welche die tradierten gefährden und zum Ende des universellen Wertesystems oder sogar zum Ende der Menschheit hinführen sollen. Dieselbe Resonanz hat die Diskussion um die alternde westliche Gesellschaft, die – dem Aussterben nahe – durch das Einfließen der Ankömmlinge aus den fremden Kulturen bedroht und „entwurzelt“ werden kann. Man könnte die Liste von End-Thesen, die heutzutage im Mittelpunkt medialer Aufmerksamkeit stehen, lange fortsetzen und auf solche Bereiche wie Internet, neue Medien, Funktionalisierung des Körpers, Laizismus der westlichen Gesellschaft, Vernachlässigung der Humanwissenschaften sowie die Erziehung ausbreiten.
Das sind nur einige der zahlreichen End-Visionen, die wissenschaftliche und öffentliche Diskurse nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute geprägt haben. Die Literatur hat sich den Denksystemen der Zeit gegenüber niemals gleichgültig verhalten. Daher ist das zentrale Anliegen der Tagung zu überprüfen, inwieweit die mannigfaltigen Imaginationen des Endes die Literatur in Inhalt und Form beeinflusst haben. Es wird versucht, folgenden Fragen nachzugehen und das Augenmerk darauf zu legen, wie diese Fragen in der Literatur zum Ausdruck kommen:
- nähert sich die Menschheit einem Ende, wie es die Posthistoire-Theorien angekündigt haben, auch wenn die Posthistoire – wenn man den Lexika den Glauben schenkt – längst passe ist? Wenn ja, welche Formen nehmen diese Enden an.
- Sind die End-Vorstellungen unmittelbar mit ökonomischen, intellektuellen oder moralischen Krisen verbunden? Sind sie für alle Krisen-Perioden in der Weltgeschichte oder nur für den Menschen der Moderne kennzeichnend?
- Haben wir heute überhaupt mit der "Entwertung" der Werte zu tun? Wenn ja, ist das ausschließlich ein Phänomen der abendländischen Kultur?
- Sind die postulierten End-Thesen nicht lediglich ein rhetorisches Phänomen, das in der Wirklichkeit keine Widerspiegelung findet? Vielleicht sind sie nur Projektionen der Ängste des Individuums hinsichtlich der umgebenden Krisen-Erscheinungen (Ich-Krise, Geschichtsverlust, steigende Arbeitslosigkeit, Pluralisierung der Erscheinungen, Verlust des Realitätsbezuges, Gender-Problematik, Verflachung der Ideenwelten, Beschleunigung des Lebenstempos, wachsende gesellschaftliche und materielle Anforderungen usw.)?
- Sind die End-Thesen nicht nur eine nostalgische Reflexion des Einzelnen darüber, dass die Zeit, in dem man lebt, außergewöhnlich und unwiederholbar ist, und dass jegliche neuen Formen der Wirklichkeit den vergangenen Erscheinungen nicht gewachsen sind?
- Welche Funktion spielen in der Poetik des Endes religiöse Bedingungen (Neigung zur Laisierung, religiöse Konflikte, religiöse Expansion, Terrorismus)?
- Hat die Literatur mit der Rückkehr des Erzählens und der Verkündung der „Wiedergeburt des Autors” ihr eigenes Ende überwunden?
- Und schließlich: Werden nach diesen Enden – wie in einem dialektischen Prozess – andere "Geburten" zustande kommen? Haben diese Enden immer nur einen negativen, dekadenten oder apokalyptischen Ausklang oder sind sie auch als Beginn einer neuen vitalen Qualität aufzufassen? (Beispiele aus dem Bereich der Literatur: postdramatisches Theater, intertextuelle Literatur, Pop-Literatur; weltgeschichtlich: natürliche Assimilation der Kulturen und Völker usw.)
- Sind die End-Visionen nicht ein anthropologisches Phänomen, in der Natur eines Menschen/ der Allgemeinheit eingeschrieben?

Auch wenn die End-Theorien meistens dekadente und apokalyptische Visionen ausbreiten, kann die neue Fokussierung des Tagungsthemas dazu beitragen, diese Sicht zu relativieren. Daher sind die Beiträge willkommen, die sich mit dem Thema sowohl synchronisch als auch diachronisch beschäftigen. In historischer Perspektive wäre nach dem Wandel der unterschiedlichen End-Erscheinungen (in) der Literatur zu fragen. Synchron gesehen wäre die Erfassung der Thematisierung der gegenwärtigen End-Diskurse (in) der Literatur von großer Relevanz.
Tagungssprache ist Deutsch.
Fahrtkosten können nicht erstattet werden.
Die Übernachtung wird gewährleistet
Die Veröffentlichung des Bandes ist geplant.

Wir bitten darum, Abstracts (höchstens eine Seite) bis zum 30. November 2013 an die E-Mail-Adresse anetajachimowicz@o2.pl zu schicken.
Mit allen Fragen wenden Sie sich bitte an: Dr. Aneta Jachimowicz
Mobiltel. (+48) 664768470

anetajachimowicz@o2.pl
Organisatoren:
Dr. Aneta Jachimowicz
Dr. Alina Kuzborska
Lehrstuhl für Germanistik
Ermland und Masuren Universität in Olsztyn
Kurta Obitza 1
10-725 Olsztyn
Pok. 215
Mag. Dirk H. Steinhoff
DAAD-Lektor
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortOlsztyn/ Polen
Bewerbungsschluss30.11.2013
PersonName: Dr. Aneta Jachimowicz 
Funktion: Lehrstuhl für Germanistik der Ermland und Masuren Universität in Olsztyn 
E-Mail: anetajachimowicz@o2.pl 
KontaktdatenName/Institution: Dr. Aneta Jachimowicz 
Strasse/Postfach: Kurta Obitza 1  
Postleitzahl: 10 725 
Stadt: Olsztyn 
Telefon: (0048) 664768470 
E-Mail: anetajachimowicz@o2.pl 
LandPolen
Zusätzliches Suchwortcall for papers
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