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Ergebnisanzeige "Gleichzeitigkeit. Narrative Synchronisierungsmodelle in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit "
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelGleichzeitigkeit. Narrative Synchronisierungsmodelle in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
BeschreibungTagung zum Thema ‚Gleichzeitigkeit. Narrative Synchronisierungsmodelle in der Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit’
10.-12. Oktober 2013
Zürich (Tagungszentrum Boldern, Boldernstraße 83, CH-8708 Männedorf)

Prof. Dr. Susanne Köbele
Dr. Coralie Rippl
Deutsches Seminar
Universität Zürich

Die Tagung versteht sich als Beitrag zur aktuellen Frage nach dem Erzählen von Zeit in den Literaturen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Die kulturwissenschaftliche Perspektive, die die einschlägige Forschung zum Thema Zeit (eng gebunden an das Paradigma Raum) in den 1990er Jahren geprägt hat, hat hier viele Anregungen gegeben. Doch kamen im engeren Sinne narratologische Fragen, die auf die systematische Gestaltung diegetischer Zeit und deren grundlegende poetologische Relevanz zielten, nur am Rande in den Blick. Dieses Desiderat ist in der Erzählforschung immer wieder diagnostiziert worden, für die Mediävistik besonders im Kontext der Bemühungen um eine ‚historische Narratologie’. Vor diesem Hintergrund möchte die geplante Tagung die Aufmerksamkeit gezielt auf ein bisher kaum beachtetes narratologisches Spezifikum lenken: Gleichzeitigkeit (Simultaneität).
Ist vormodernes Erzählen, wie man immer wieder lesen kann, von ereignislogischer Linearität dominiert? Erzähltechniken, die Gleichzeitigkeit erzeugen, geraten in dieser einseitigen Sicht vorschnell aus dem Blick. Gerade im Phänomen der Gleichzeitigkeit überschneidet sich erzählerisch reizvoll die räumliche Organisation des ‚Nebeneinander’ mit der zeitlichen des ‚Nacheinander’. Wie stehen diese Koordinaten zueinander (aggregativ? metonymisch? symbolisch?), wenn mittelalterliche und frühneuzeitliche Texte Gleichzeitigkeit erzählen?
Die Beschäftigung mit narrativen Synchronisierungsmodellen führt ins Zentrum der historischen Erzählforschung. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Problem der ‚Kohärenz’, nicht nur für die Text-, sondern auch die Bildwissenschaften. Auf welcher Ebene lassen sich textuelle mit bildlichen Simultandarstellungen vergleichen, zumal dann, wenn überlieferungsbedingt enge Text-Bild-Relationen bestehen? Und wie steht es, jenseits medialer Interferenz, mit der spezifischen Performanz mittelalterlicher Literatur? Wie unterscheiden sich schriftliterarisch geprägte Synchronisierungsmodelle von performativen, etwa solchen im Geistlichen Spiel (man denke an die Institution der Simultanbühne)? Welche Synchronisierungsmodi kommen in anderen geistlichen Texttypen (etwa der Vision, dem religiösen Epos) zum Zuge‚ ‚synchrone Typologien’ etwa, in denen heilsgeschichtliches Nacheinander und figurale Simultaneität zusammenfallen? Und wie verhält sich zum Epischen die Lyrik und ihre spezifische Strategie einer ‚Vergegenwärtigung’? Gelten in geistlicher Literatur für das Verhältnis von Heilszeit und Weltzeit kategorial verschiedene Voraussetzungen im Vergleich mit weltlichem (höfischem, heldenepischem) Erzählen von Gleichzeitigkeit? Bedürfen prominente narratologische Kategorien einer historischen Differenzierung, etwa der einflussreiche Dualismus von ‚Erzählzeit’ und ‚erzählter Zeit’?
Die geplante Tagung kann anknüpfen an aktuelle neugermanistische Überlegungen zu einer Narratologie der Zeit, mit dem ausdrücklichen Ziel einer historischen Präzisierung und systematischen Differenzierung. Es geht um die Spezifik vormodernen Erzählens von Gleichzeitigkeit. Die Schlüsselfrage lautet: Gibt es – gattungs-, kontext-, diskursabhängig – unterschiedliche Modi (Formen, Techniken, Konzepte) und Funktionen der Darstellung und Erzeugung von Gleichzeitigkeit?


Programm



DONNERSTAG, 10.10.2013


14.30 Kaffee, Ankunft der Gäste

15.00 Begrüßung und Einführung (Susanne Köbele und Coralie Rippl)


I. Heilsgeschichtliche Sukzession und figurale Simultaneität: Gleichzeitigkeit und Gegenwärtigkeit


Moderation: Burkhard Hasebrink (Freiburg)

15.30 Bernhard Huss (Berlin): Endlichkeit und Ewigkeit: Verfahren (auto)biographischer, historischer und religiös-metaphysischer Simultaneisierung in Francesco Petrarcas 'Trionfi'

16.45 Christian Kiening (Zürich): Schöpfungszeit

18.30 Abendessen


Moderation: Susanne Köbele (Zürich)

20.00 Gerhard Regn (München): Gleichzeitigkeit und Ereignishaftigkeit in Dantes 'Commedia'




FREITAG, 11.10.2013


Moderation: Carmen Cardelle de Hartmann (Zürich)

9.00 Frank Bezner (Berkeley): Politik der Gleichzeitigkeit: Narration und Temporalität in der spätmittelalterlichen lateinischen Historiographie

10.15 Kaffeepause


II. ‚Gleichzeitigkeit erzählen’ in der Perspektive historischer Narratologie: Nacheinander und Nebeneinander in Zeit und Raum


Moderation: Maximilian Benz (Zürich)

10.45 Uta Störmer-Caysa (Mainz): Löcher in der Formgeschichte. Erwägungen zum historischen Verlust und Wiedergewinn von Mehrsträngigkeit

Moderation: Lena Oetjens (Zürich)

12.00 Cordula Kropik (Jena): Tristrants Doppelleben. Strukturelle Simultaneität und handlungslogische Sukzession

13.15 Mittagspause

Moderation: Mireille Schnyder (Zürich)

14.30 Susanne Reichlin (München): Verweigerung, Störung, Retardierung als Mittel der Synchronisierung in Wolframs 'Willehalm'

15.45 Kaffeepause

16.15 Rabea Kohnen (Bochum): Geschichtete Geschichte im 'Orendel'

18.00 Abendessen


Moderation: Coralie Rippl (Zürich)

19.30 Jan-Dirk Müller (München): Erinnerungstafeln – oder: müssen Erzählungen zeitlich koordiniert sein? ('Chanson de Roland' und 'Rolandslied')




SAMSTAG, 12.10.2013


Moderation: Constanze Geisthardt (Zürich)

9.00 Lukas Werner (Wuppertal): Gleichzeitigkeit im Schelmenroman: Formen und Funktionen

10.15 Kaffeepause


III. Gleichzeitigkeit als Performanzphänomen


Moderation: Carola Jäggi (Zürich)

10.45 Cornelia Herberichs (Stuttgart): Zur ‚Zeit des Weltgerichts’

12.00 Henrike Manuwald (Freiburg): In der selben wîle dar... Gleichzeitigkeit in verbalen und piktoralen Erzählungen vom Christusereignis

13.15 Schlussworte

14.00 Mittagessen und Abreise


Veranstalter:

Prof. Dr. Susanne Köbele und Dr. Coralie Rippl
Universität Zürich
Deutsches Seminar
Schönberggasse 9
CH-8001 Zürich

Kontakt bei Interesse:

Josiane Aepli
Lehrstuhlsekretariat
Deutsches Seminar
Schönberggasse 9
CH-8001 Zürich
Tel.: 0041 (0)44 634 25 41
Mail: josiane.aepli@ds.uzh.ch
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMännedorf
Beginn10.10.2013
Ende12.10.2013
PersonName: Rippl, Coralie (Dr.) 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: coralie.rippl@ds.uzh.ch 
Name: Aepli, Josiane 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: josiane.aepli@ds.uzh.ch 
KontaktdatenName/Institution: LS für Ältere deutsche Literaturwissenschaft 
Strasse/Postfach: Schönberggasse 9 
Postleitzahl: CH-8001 
Stadt: Zürich 
E-Mail: josiane.aepli@ds.uzh.ch 
LandSchweiz
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Erzähltheorie; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 700 - 1150; Literatur 1150 - 1300; Literatur 1300 - 1500; Literatur 1500 - 1580; Literatur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Rhetorik
Zusätzliches SuchwortSimultaneität; simultaneity; Zeit; Raum; Narratologie; Gegenwärtigkeit; Synchronie
Ediert von  H-Germanistik
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