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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "un_sichtbar. Geschlechterwissen in auto_biographischen Texten"
RessourcentypCall for Papers
Titelun_sichtbar. Geschlechterwissen in auto_biographischen Texten
Beschreibungun_sichtbar. Geschlechterwissen in auto_biographischen Texten*

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe "Auto_Biographie -- De_Rekonstruktionen" der Forschungsplattform Geschlechterforschung an der Universität Innsbruck (http://www.uibk.ac.at/geschlechterforschung/) beschäftigt sich aus geschlechterkritischer Perspektive mit Fragen von Subjekt- und Identitätskonstruktionen sowie Wissens- und Handlungspotentialen in autobiographischen Quellen und biographischen Texten im weitesten Sinn. Im Rahmen dieser Aktivitäten ist ein Themenband (Publikationsjahr 2014) zu Praktiken des Erschließens, Sichtbarmachens (making visible) und Sichtbarhaltens (keeping visible) von Geschlechterwissen in seinen auto_biographischen Dimensionen geplant. Der Begriff "Geschlechterwissen" zielt zugleich auf ein diskursives als auch praktisches Wissen sowie die darauf basierenden Widersprüche im konkreten sozialen Handeln (Dölling 2005). Unter diesem Gesichtspunkt sollen soziale/historische/kulturelle Kontexte rekonstruiert werden, unter denen "Verschiedenes gewusst und damit auch potenziell ?wirklich? wird" (Wetterer 2008, 17).

Eine der zentralen Aufgaben der Frauenforschung seit ihren Anfängen war das Sichtbarmachen (making visible) von Frauen und ihren kulturellen, wissenschaftlichen, politischen, technischen und weiteren Leistungen. Die wissenschaftliche Auswertung von autobiographischen Zeugnissen und die Auseinandersetzung mit biographischen Fragestellungen waren und sind nach wie vor wichtige Arbeitsgebiete dieses Projekts, das sowohl als feministisch-politisches als auch gesellschaftskritisches Anliegen innerhalb verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen betrieben wird. In den letzten Jahren haben sich Aufgabenstellung, Voraussetzungen und Herausforderungen verändert bzw. verschoben, unter anderem unter dem Eindruck digitaler und virtueller Techniken des Veröffentlichens, Sicherns und Sichtbarmachens. Auch vor diesem Hintergrund erscheint es angebracht, das engagierte Projekt der 1970er-Jahre zu evaluieren und neu zu denken: In etlichen Wissensbereichen wird konstatiert, dass die Anstrengungen des Sichtbarmachens zwar in ihren Ergebnissen (Lexika, Biographien, Editionen, Werkverzeichnisse, Studien usw.) durchaus erfolgreich waren, die Implementierung und die Integration in den wissenschaftlichen und kulturellen Mainstream jedoch nicht als gelungen bezeichnet werden können. Keeping visible und making visible gehören als Dynamik zusammen, erfordern aber unterschiedliche Praktiken und methodische wie strategische Reflexionen. Der Themenband lädt dazu ein, diesen aktuellen Befund kritisch aufzunehmen, Revisionen bzw. Perspektive-Verschiebungen vorzunehmen und neue Akzente vorzuschlagen. Gemäß der interdisziplinären Ausrichtung und Methodenvielfalt des geplanten Bandes sind Beiträge willkommen, die Aspekte des Sichtbarmachens oder Sichtbarhaltens in historischen oder aktuellen Handlungskontexten mikro-analytisch und quellenkritisch aufgreifen. Dabei kann auf der Grundlage autobiographischer Werke, selbst verfasster biographischer Texte (beispielsweise als Bestandteile in Gerichts- oder Krankenakten), von Briefen, lebensgeschichtlichen Interviews und anderen Ego-Dokumenten argumentiert werden.

Aus der Perspektive verschiedener Disziplinen könnte ebenso danach gefragt werden, welche Mechanismen der Tradierung von Geschlechterwissen beim Schreiben von Autobiographien oder Biographien jeweils aktiv waren oder sind. Wie entsteht Geschlechterwissen in biographischen Kontexten? Wo und wie wird dieses Wissen sichtbar, welches alternative oder nicht-hegemoniale Wissen wird dabei ein- oder ausgeschlossen? Welche Machtstrukturen werden in diesen Prozessen wirksam? Wie kann das "subjektive Potenzial von AkteurInnen" (Dölling 2005, 55) sichtbar gemacht werden? Wie formen einerseits spezifische Handlungskontexte das individuelle Geschlechterwissen (und vice versa), wie wirkt andererseits alltagsweltliches Geschlechterwissen auf Wissenschaft, Archivbildungs- oder Kanonisierungsprozesse ein? Welche Mechanismen der Tradierung von Wissen werden beim Schreiben von Biographien und Autobiographien aktiv? Ist ein Frauenlexikon aus den 1980er-Jahren beispielsweise unkommentiert als historisches Dokument digital bereitzustellen ("sichtbarhalten") oder sind die Beiträge auf einen heutigen Wissensstand und ein heutiges Medium zu adaptieren ("sichtbarmachen")? Braucht es für die heute sichtbar zu machenden Daten und Erkenntnisse auch neue Strategien unter Benutzung neuer Verwaltungsformen (wie Online-Archive, Datenbanken, digital Repositories)? Populäres, "schnelles" Wissen wird nun beinahe ausschließlich in der digitalen Welt vermittelt. Feministische Kritik an der Auswahl der Werke für die Transformierung in das digitale Medium (Textsammlungen, Langzeitarchivierungen, Datenbankeinträge, repositories, Kataloge usw.) ist angebracht: Welches Wissen wird medial transformiert und also aktualisiert, welches wird übergangen und ausgeschieden, und wer entscheidet darüber? Warum funktioniert die Nutzung der durch Sichtbarkeitsarbeit gewonnenen Daten und Inhalte nicht wie geplant? Wie kann das gewonnene Wissen nachhaltig in den aktuellen Diskurs eingebunden werden? Zum Problemkreis der Sichtbarkeit gehört in der Informationsgesellschaft ebenso die Problematisierung von Quantität und Qualität der biographischen Informationen. Wie ändern sich Konzept sowie Bewertung von Autor_innenschaft? Der Begriff des making visible muss in der heutigen "Erfolgsgesellschaft", oder eher "Repräsentationsgesellschaft" (Steinsiek), anders gefüllt oder spezifiziert werden als in einer Leistungsgesellschaft, in einer sozialen Marktwirtschaft anders als unter neoliberalen Vorzeichen.

Für den projektierten Band suchen wir Annäherungen von Seiten verschiedener Disziplinen: Geschichte, Theologie, Medizin, Archiv-, Literatur-, Politik-, Sozial- und Wirtschafts-, Natur- und Technikwissenschaften etc., aber auch Strategien von Organisationen, die mit Forschung bzw. Forschungsförderung befasst sind. Die Beiträge sollen einerseits auf einen aktuellen Befund zu diesen Fragestellungen abzielen, andererseits Geschlechterwissen in historischen Kontexten auf Grundlage von biographischen oder autobiographischen Texten und Quellen untersuchen und der Spannung von diskursivem Wissen und handlungsrelevantem praktischem Wissen Rechnung tragen. Theoretische Reflexionen über das making und/oder keeping visible von Geschlechterwissen sind ebenso gefragt wie Beiträge, die anhand von Fallstudien die biographische Dimension des Geschlechterwissens untersuchen.

Bitte senden Sie Ihr Exposé (max. 300 Wörter) bis zum 15. November 2013 an nina.kogler@uibk.ac.at. Die Ausarbeitung der akzeptierten Vorschläge wird bis 1. März 2014 erwartet.

Forschungsgruppe Auto_Biografie -- De_Rekonstruktionen
www.uibk.ac.at/geschlechterforschung/geschlechterforschungprofil/autobiografiehome.html

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss15.11.2013
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
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