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Ergebnisanzeige "Friedrich Hebbel 1813/2013: Die Mission der Kunst"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelFriedrich Hebbel 1813/2013: Die Mission der Kunst
BeschreibungFriedrich Hebbel 1813/2013:
Die Mission der Kunst

Internationales Symposion Wien
zum 200. Geburtstag und 150. Todestag

16. bis 18. September 2013
Wien, Bezirksmuseum Josefstadt, Schmidgasse 18


Veranstaltung und Moderation:

Monika Ritzer (Hebbel-Gesellschaft Wesselburen / Universität Leipzig)
Konstanze Fliedl (Universität Wien)
Ida Koller-Andorf (Friedrich-Hebbel-Gesellschaft Wien)


Kunst ist „die lockende Arabeske um jene Chiffre von Geisterhand“, schreibt Hebbel zur biblischen Erzählung vom Menetekel des Belsazar: Während wir am Gastmahl des Lebens in ihren Formen und Farben schwelgen, zeichnet sie die dunkle Schrift an die Wand, die uns an unsere Natur, unser Dasein gemahnt – an all das, worum es für uns in diesem Leben eigentlich gehen sollte.
Darin liegt ein künstlerischer Anspruch, der seine Radikalität aus dem Wissen um das Ende der ‚Kunstperiode’ gewinnt. Hebbel gehört – wie Büchner, Wagner und Kierkegaard, die mit ihm 1813 geboren werden - zur Generation der Künstler, die die Kunst zum Seismographen für die Bruchstellen des modernen Lebens entwickeln. Hebbels großes Thema wird die Einsamkeit des Ich: die inneren Spannungen der Individualität und die sozialen Konflikte der Individuen. Erzählungen karikieren die Antinomien der menschlichen Natur, Gedichte artikulieren die großen Fragen, Dramen proträtierten die quälende Paradoxie der Emotionen und verfolgt die Gesten der Selbstbehauptung bis in die tödliche Kollision der Geschlechter und Generationen.
Während Hebbels Frühwerk den Nihilismus tangiert, der das 19. Jahrhundert schockiert und das frühe 20. Jahrhundert begeistert, wird die in in den Wiener Jahrzehnten entwickelte Tragödie, die sich im Bewusstsein der Nachwelt mit seinem Namen verbindet, zum subtilen Instrument der Vermittlung von Chaos und Form. In der Fatalität der Prozesse eruiert sie die Bedingungen des Scheiterns und spielt in der Katastrophe Gegenmodelle ein. Zunehmend macht sich der Autor künstlerisch zu eigen, was er bereits in den 40er Jahren als zentrales Problem der Moderne erkennt: die Frage nach der Legitimierbarkeit kultureller, sozialer, politischer Normen in einer unumkehrbar individualistischen Gesellschaft. Was folgt auf die Religion? Was meinen ‚Recht’, ‚Staat’, ‚Nation’: Wo liegen die Kriterien der Institutionen in einer säkularen Welt, und mit welchen Begründungen wären sie gegen den vitalen Anspruch der Individuen zu behaupten? Schließlich die in der Perspektive des 20. Jahrhunderts brisanteste Frage: Ist kollektiv verbindliche Ethik ein Auslaufmodell, das Individuum das Maß der Dinge? Der Tragiker bleibt skeptisch und kreiert wie der Konkurrent Wagner in mythischen Bildern eine Welt, in der die Mechanismen der Selbstzerstörung transparent werden.
Was attraktiert uns an dieser Mission der Kunst? Denn Hebbel ist – nach Phasen der Euphorie im Existentialismus, Jahren nationalsozialistischer Vereinahmung und Jahrzehnten soziologischer Antitheatralik – heute auf den Bühnen des In- und Auslandes präsenter denn je. Nahezu alle Dramen sind in aktuellen Inszenierungen zugänglich, vor allem die 'Nibelungen' inspirieren das Regietheater. Das Pathos seiner Kunst ist wieder Gegenstand der Forschung, Studenten stellen existenzielle Fragen, das Interesse an den Ausdrucksformen der Individualität führt den Buchhandlungen neue Leserschichten zu.
Das Symposion nimmt Hebbels doppelten Jahrestag zum Anlass, um in seiner Wahlheimat Wien das Spektrum seiner Modernität zur Diskussion zu stellen. Anthropologische Prämissen stehen ebenso zur Debatte wie Sujets und Rollenspiele, Konfliktstrukturen und Lösungsmodelle, Historismen des Ausdrucks und Strategien der Aktualisierung, Positionen der Forschung und die Praxis der Inszenierung.


Programm:

Montag, 16. September

9.00 Begrüßungsworte

I. Pathos der Existenz

9.30 Monika Ritzer (Leipzig)
Kunst oder Leben?

10.00 Rüdiger Görner (London)
Pathos der Individualität

11.00 Hargen Thomsen (Wesselburen)
Hebbels Selbst(er)findung als Künstler

11.45 Marta Gaal-Barotti (Szeged, Ungarn)
Das Wachsen des Individuums

II. Die Tragödie in der modernen Welt

14.30 Bernd Auerochs (Kiel)
Säkularisierung und Historismus

15.15 Jörg Rudolf Zimmer (Gerona, Spanien)
Zur Philosophie von Tragik und Schuld bei Hegel und Hebbel

16.30 Herbert Kaiser (Duisburg-Essen)
Hebbel und das Problem der Rechtfertigung

17.15 Burkhard Bittrich (Ahrweiler)
Hebbels Abgrund-Motivik zwischen Schelling und Heidegger

Dienstag, 17. September

9.00 Marianne Wünsch (Kiel)
Explizite und implizite Psychologie in Hebbels Dramen

9.45 Hartmut Reinhardt (Trier)
Das Traumorakel der Heroine. 'Judith' als Antizipation der Moderne

10.30 Hans Christian Stillmark (Potsdam)
Perturbationen im dramatischen Werk

11.30 Rebecca Elaine Steele (Wyoming, USA)
Gender/Sexualität in Hebbels Dramen

12.15 Antonia Eder (Genf)
Ein starker Abgang. Dramatische Auf- und Abtritte der Frauenfiguren

III. Zeitgenossenschaften/Interkulturalität

15.00 Lorenza Rega (Triest)
Hebbels Sprache

15.45 Martin-M. Langner (Krakau)
Hebbel im literarischen Kontext der Epoche

16.45 Werner Michler (Salzburg)
Hebbels Formbegriff und die Gattungspoetik des 19. Jahrhunderts

17.30 Lorenz Mikoletzky (Wien)
Hebbel und das Geschichtsdrama

Mittwoch, 18. September

9.30 Jürgen Söring (Neuchâtel)
Transfiguration: Von der Sendung der Poesie. Betrachtungen zu Hebbels Gedichten

10.15 Matthias Grüne (Leipzig)
Historische Narratologie: Hebbels Epos 'Mutter und Kind'

11.15 Oliver Pfau (St. Petersburg/Wien)
Hebbels Lyrik: Aufbruch in die Moderne

12.00 Xiaoqiao Wu (Peking)
Die Rezeption Hebbels in China

13.00 Schlussdiskussion

Zu allen Veranstaltungen sind Gäste willkommen.


Kontakt:

Prof. Dr. Monika Ritzer
Institut für Germanistik
Beethovenstr. 15
04109 Leipzig

Prof. Dr. Konstanze Fliedl
Institut für Germanistik
Universitätsring 1
1010 Wien

Friedrich-Hebbel-Gesellschaft Wien,
Friedrichstr. 2/23
1010 Wien
www.hebbel.at

Hebbel-Gesellschaft Wesselburen
Österstr. 6
25764 Wesselburen
www.hebbel-gesellschaft.de


Die Veranstalter danken:

Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung
Wien Kultur.Wissenschafts- und Forschungsförderung
Bezirksvorstehung Josefstadt



Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://ritzer@uni-leipzig.de/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWien
Beginn16.09.2013
Ende18.09.2013
PersonName: Monika Ritzer 
Funktion: Veranstaltung 
E-Mail: ritzer@uni-leipzig.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Leipzig 
Strasse/Postfach: Beethovenstraße 15 
Postleitzahl: 04197 
Stadt: Leipzig 
Telefon: 0314 97 37 403 
E-Mail: ritzer@uni-leipzig.de 
Internetadresse: www.monika-ritzer,net 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Dramentheorie; Literatur 1830 - 1880; Medien- u. Kommunikationstheorie; Theater (Aufführungspraxis)
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik > 03.08.03 Dichtung und Kunst; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.02 Drama; 15.00.00 19. Jahrhundert; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.05.00 Österreich; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.07.00 Literarisches Leben; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.09.00 Biedermeier; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.10.00 Junges Deutschland; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.11.00 Vormärz und Revolution 1848; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.12.00 Realismus; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.13.00 Gattungen und Formen > 15.13.02 Drama. Theater; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.12.00 Österreich; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.12.00 Österreich > 18.12.03 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.12.00 Österreich > 18.12.05 Literarisches Leben
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