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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Tötungsarten/ Ermittlungspraktiken. Zum literarischen und kriminalistischen Wissen von Mord und Detektion."
RessourcentypCall for Papers
TitelTötungsarten/ Ermittlungspraktiken. Zum literarischen und kriminalistischen Wissen von Mord und Detektion.
BeschreibungTötungsarten / Ermittlungspraktiken. Zum literarischen und kriminalistischen Wissen von Mord und Detektion.
-- Organisator/innen: Prof. Dr. Maximilian Bergengruen, Gideon Haut, Stephanie Langer, Sina Friedrichs --

Kindsmord, Giftmord, Lustmord; Mord aus Motiven wie Habgier, Eifersucht, Rache und Zorn; Mord im Kontext von organisierter Kriminalität – literarische Reflexionen auf Mord und Totschlag sind so vielfältig wie die jeweils angewandten Praktiken der Verbrechensaufklärung. Friedrich Schillers Der Verbrecher aus verlorener Ehre, E.T.A. Hoffmanns Fräulein von Scuderi, Annette von Droste-Hülshoffs Die Judenbuche und Theodor Fontanes Unterm Birnbaum sind nur die bekannteren der zahlreichen deutschsprachigen Texte, die sich in diesem Wissensfeld bewegen. Sie machen deutlich, wie sehr und auf welch unterschiedliche Weise Literatur jeweils zeitgenössisches Wissen von Mord und Detektion zu reflektieren und auf sein Funktionieren zu befragen vermag.
In der für Juni 2014 geplanten Tagung steht diese Beziehung zwischen Verbrechen mit Todesfolge und deren Rekonstruktion in Literatur und Kriminalistik des späten 18., des 19. und des frühen 20. Jahrhundert im Zentrum der Betrachtung. Ausgangspunkt der Tagung ist die These, dass Tötungsarten und Ermittlungspraktiken in einer intrikaten und jeweils historisch spezifischen Relation stehen. Zunächst erweist sich der Bezug zwischen Mord und Detektion als kausal und chronologisch, denn jeder Mord bedarf, strafrechtlich gesehen, der Aufklärung. Darüber hinausgehend ist es notwendig, gerade weil die Detektion in einem Verhältnis der Nachträglichkeit an den Mord anschließt und Techniken der Ermittlung damit zeitversetzt auf spezifische Tötungsarten antworten, nicht allein die Techniken der Tatrekonstruktion in den Blick zu nehmen, sondern auch die Praktiken der Tat selbst. Mord wie Detektion müssen als Teile eines jeweils zeitgenössischen Wissens begriffen werden. Ob sie einander dabei ergänzen, ob sie interferieren oder ob sie einander kontrastiv gegenüber gestellt sind, gilt es am jeweiligen Beispiel zu entwickeln. Da Tötungsarten und Ermittlungspraktiken als diskursiv vernetzt begriffen werden, bietet sich ein Fokus an, der auf jenen historischen Umbruchstellen liegt, an denen sich das zeitgenössische strafrechtliche, forensische und medizinische Wissen von spezifischen Tötungsarten und damit einhergehend den Praktiken der Detektion verändert. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ereignen sich neben Veränderungen im medizinischen Wissen und der diagnostischen Methodik, wie Foucault sie in Die Geburt der Klinik beschreibt, zahlreiche Wandlungen im Verhältnis von Tätern und Ermittlungsinstanzen. Hierzu zählen etwa die Abschaffung der Folter als Mittel der Wahrheitsfindung und damit einhergehend die Aufwertung von Zeugenaussage und Indiz, welche die Prädominanz des Geständnisses als regina probationum beendete. Bemühungen um die juristische Kodifikation, den kriminalistischen Nachweis und die strafrechtliche Ahndung von Morden müssen also, ebenso wie die jeweils mit diskursivem Aufwand verhandelten Tötungsarten, im Kontext des zeitgenössischen Wissens analysiert werden.
Für die Tagung erwünscht sind Beiträge, die dem Verhältnis von Mord und Detektion in deutschsprachiger Literatur und Kriminalistik des späten 18., des 19. und des frühen 20. Jahrhundert nachspüren (wobei einzelne über diesen Zeitraum hinausgehende Beiträge denkbar sind) und sich dabei mit einer der folgenden Fragestellungen auseinandersetzen: In welche Diskursfelder schreiben sich spezifische Tötungsarten/Ermittlungspraktiken ein? Wie werden diese Einschreibungen in literarischen Texten reflektiert, werden sie aufgegriffen, überboten, hinterfragt, gebrochen, ignoriert? Reflektieren literarische Texte, wenn sie spezifische Tötungsarten/Ermittlungspraktiken entwerfen, jeweils aktuelles – juristisches, medizinisches, anthropologisches – Wissen oder finden sich umgekehrt Rückgriffe auf ältere Wissensbestände und unzeitgemäße Techniken der Wahrheitsfindung? Wie stellt sich das Verhältnis von Tötungsarten/Ermittlungspraktiken zur Literatur im weiteren Sinne sowie dasjenige zum Genre im engeren Sinne dar? Inwiefern wird die Einbindung und Darstellung von kriminalistischen Sujets durch gattungs- und genrespezifische Vorgaben limitiert? Welche Narrative, Szenarien und Chronotopoi werden etwa vom Drama, der Fallgeschichte, der Novelle oder der Kriminalerzählung eröffnet? Bringt eine kriminalistische Signatur auch Verschiebungen im Fiktionskontrakt mit sich, die Auswirkungen auf die Genrezuschreibungen zeitigen?
Diese und verwandte Fragestellungen sollen von eingeladenen Keynote Speaker und weiteren Beiträger/innen interdisziplinär diskutiert werden. Erwünscht sind darum Beiträge aus Germanistik, Geschichte, Rechtswissenschaft, Medizin, Philosophie und weiteren angrenzenden Disziplinen.
Die Tagung wird vom 18. – 20. Juni 2014 im Tagungszentrum Crêt Bérard bei Lausanne stattfinden. Die Reise- und Übernachtungskosten der Referent/innen können im Rahmen des SNF-Projekts „Das unsichere Wissen der Literatur“ (http://unsichereswissen.ch.) übernommen werden. Eine Publikation der Tagungsbeiträge in einem Sammelband ist geplant.
Wir laden dazu ein, bis zum 30. November 2013 ein ca. einseitiges Exposé des geplanten Tagungsbeitrags gemeinsam mit einem kurzen Lebenslauf (Angaben zur Person, akademischer Werdegang, Fachrichtung sowie Forschungsschwerpunkte) an die folgenden E-Mail-Adressen zu senden: Gideon.Haut@unige.ch, Stephanie.Langer@unige.ch
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.unsichereswissen.ch/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortTagungszentrum Crêt-Bérard bei Lausanne
Bewerbungsschluss30.11.2013
Anmeldeschluss01.06.2014
Beginn18.06.2014
Ende20.06.2014
PersonName: Friedrichs, Sina 
Funktion: Koordinatorin 
E-Mail: sina.friedrichs@unige.ch 
KontaktdatenName/Institution: Université de Genève - Département de langue et de littérature allemandes - Faculté des Lettres 
Strasse/Postfach: Bd des Philosophes 12  
Postleitzahl: 1205 
Stadt: Genève 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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