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Ergebnisanzeige "Populäre Erscheinungen: Der deutsche Schauerroman um 1800 im internationalen Kontext/ Popular Visions: The German Schauerroman and its International Contexts"
RessourcentypCall for Papers
TitelPopuläre Erscheinungen: Der deutsche Schauerroman um 1800 im internationalen Kontext/ Popular Visions: The German Schauerroman and its International Contexts
BeschreibungCall for Papers:

Populäre Erscheinungen: Der deutsche Schauerroman um 1800 im internationalen Kontext/ Popular Visions: The German Schauerroman and its International Contexts

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vom 30.01-1.02.2009

English version below


In den angloamerikanischen Literaturwissenschaften ist die Gothic Novel seit einigen Jahren ein integraler Bestandteil der Literaturgeschichte und der Kulturwissenschaften; dies kann man vom deutschen Schauerroman mitnichten behaupten, der zur Blütezeit als trivial abgewertet und trotz moderner Kritik an Kanonisierungsprozessen seitdem kaum untersucht wurde. Obwohl der englische und der deutsche Schauerroman gleichermaßen in ihrer gemeinsamen Entstehungszeit um 1780 von Zeitgenossen rezipiert und teilweise aufs Schärfste kritisiert wurden, ist der deutsche Schauerroman fast gänzlich in der Literaturgeschichtsschreibung verschwunden (was im tatsächlichen Verschwinden vieler Werke gespiegelt wird). Im Gegensatz zum angloamerikanischen Kontext ist so gut wie keine differenzierte, germanistische oder komparatistische Auseinandersetzung mit dem deutschen Schauerroman auf der Basis zeitgenössischer literatur- und kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse erkennbar. Ziel dieser Tagung zum Phänomen des Schauerromans ist nicht nur die wohlmeinende „Rehabilitierung“ einer vergessenen Gattung; im Mittelpunkt unserer Tagung soll eine differenzierte, kritische Auseinandersetzung mit einer vernachlässigten Gattung auf der Basis moderner theoretischer Konzepte stehen, wie dies vor allem in den wenigen Untersuchungen jüngeren Datums zum Schauerroman sichtbar wird. Anstatt den Schauerroman als bloßes antirationales, antimodernes und triviales Gegenstück zur Literatur der Spätaufklärung und der Weimarer Klassik zu betrachten, ermöglichen moderne kulturwissenschaftliche Methoden wie Cultural Materialism, New Historicism oder Historische Anthropologie eine gerechtere literaturgeschichtliche Bestimmung des Schauerromans. Betrachtet als Begleiterscheinung literarischer und sozialer Modernisierungsprozesse seit der Spätaufklärung, die auf einer Achse nicht gegen, sondern neben dem bewussten, rationalen, sozialen und kulturellen Leben verläuft und den verborgenen, internen Schwachstellen, den Ängsten, dem Unsagbaren und Tabuisierten der Modernität ein Artikulationsmedium verleiht, kann man sich vom pejorativen und unzureichenden Umgang mit dem Schauerroman als etwas „Trivialem“ verabschieden. Der Schauerroman wird somit als Probefall für einen differenzierten Umgang mit Phänomenen der Populärkultur zu betrachten sein; es wird zu fragen sein, inwieweit der Schauerroman sogar als erstes modernes literarisches Massenphänomen untersucht werden kann. Von besonderer Bedeutung sollen ebenso inter- wie intrakulturelle Transferprozesse sein: Um 1800 ist der Schauerroman eine durchweg internationale Gattung und entsteht als Konglomerat von Übersetzungen, Adaptionen und Plagiaten und ist somit das Paradebeispiel für die entstehenden Prozesse des Kulturtransfers in der Moderne. Vor allem der Bereich deutsch-englischer Kulturbeziehungen erlebt seine erste konzentrierte Phase im Rahmen dieses Austausches und weder das englische Gothic noch der deutsche Schauerroman ist denkbar ohne diesen Kontext.
Die folgenden Fragen sollen im Mittelpunkt unserer Tagung stehen.

Nähere Begriffsbestimmung des Schauerromans: Begriffsgeschichte, Ritter-, Räuber- und Schauerromane als problematische und verwischte Gattungsbezeichnungen. Ist „Schauerroman“ ein epochenübergreifender Gattungsbegriff oder nur bedingt als historischer Begriff für die Literatur bis zur Romantik brauchbar? Wie verhalten sich diese Dimensionen des Begriffs zueinander? Ist der Schauerroman nur eine Sonderform der Phantastik? Soll man diese Begriffe differenzieren? Wäre es sinnvoll, eine begriffliche Unterscheidung zwischen Schauerroman und Schauerliteratur (als Parallele zur englischen Gothic novel und Gothic Fiction) einzuführen? Welche Werke und Autoren kommen überhaupt in Betracht, und lässt sich vielleicht so etwas wie ein „Kanon“ dieser Werke zusammenstellen?

„Grenzen“ des Schauerromans: Die mysteriösen Begebenheiten im Schauerroman sind nicht mehr als märchenhaft oder wunderbar zu bezeichnen, sondern setzen einen ästhetischen einen ästhetischen und rezeptionsästhetischen Störfaktor voraus. Wo lassen sich die Grenzen zu einer Literatur des Wunderbaren ausmachen? Lässt sich der Schauerroman vielleicht hierdurch besser definieren? Welche Bedeutung kommt dem Schauerroman im Rahmen aufklärerischer Poetiken (des Wunderbaren) zu? Wo und wann hört der Schauerroman auf (wenn er tatsächlich aufhört)? Wie differenziert man den Schauerroman von Formen phantastischen Erzählens in und nach der Romantik? Sind solche Unterscheidungen überhaupt hilfreich oder notwendig? Zudem wird zu fragen sein, welche Verbindungslinien man zwischen dem Schauerroman und der E-Literatur ziehen kann.
Der Schauerroman um 1800 ist Teil eines intensiven Kulturtransfers zwischen England, Frankreich und Deutschland. Wie soll man mit der Internationalität der Gattung umgehen? Welche Bedeutung haben diese wichtigen Transferprozesse für die Entwicklung des Schauerromans? Welche Übersetzungs- und Rezeptionsvorgehensweisen lassen sich hier erkennen? Welche Folgen hat diese Internationalität für die Begriffsformation?

Was ist das Verhältnis des Schauerromans zur E-Literatur der Spätaufklärung und Weimarer Klassik (Goethe, Schiller, Bürger, Hainbund)?
Schauerroman und die Geschichte seiner Literaturgeschichte: z. B. ist die traditionelle Bezeichnung des Schauerromans als „Trivialliteratur“ ein Hindernis für Kritik und Einschätzung seiner literaturgeschichtlichen Bedeutung? Kann man den Schauerroman durch zeitgenössische Theorien zum Populären (anstatt des pejorativen „Trivial“) „rehabilitieren“ oder zumindest besser kontextualisieren? Lassen sich Erkenntnisse für die Literaturgeschichtsschreibung aus der Publikations- und Lesezustände um 1800 gewinnen?

Ist der Begriff „Schauerroman“ ein Indiz für eine Kontextualisierung im Rahmen aufklärerischer Anthropologie? Kann man Thesen zur „Lust“ an der Angst als generelles Merkmal der Spätaufklärung erläutern? Sind diese überhaupt ausreichend, um das Phänomen Schauerroman zu verstehen und geschichtlich zu verorten?

Schauerliteratur in kulturwissenschaftlicher Sicht: Ist eine kulturwissenschaftliche Verortung des Schauerromans als Teilphänomen von Aufklärungs- und Modernisierungsprozessen, wie dies in der angloamerikanischen Literatur ausgemacht wurde, überhaupt im deutschen Kontext vertretbar? Kann man in Figuren wie Gespenstern, monströsen Gestalten oder künstlichen Menschen metaphorische oder symbolische Formen zur Verarbeitung oder Problematisierung technologischer, wissenschaftlicher oder medialer Erneuerungen erkennen (inwiefern lassen sich z. B. Gespenstererzählungen mit neuen visuellen Medien wie der Phantasmagorie verbinden)? Dient der historische Ritterroman als heterotopischer Raum, um zeitgenössische politische und gesellschaftliche Phänomene zu artikulieren? Welche Inhalte und Themen (z. B. Geheimgesellschaften, Religion usw.) lassen sich hier untersuchen?

Schicken Sie Ihr Vortragsvorhaben in englischer oder deutscher Sprache im Umfang von nicht mehr als 250 Wörtern bis zum 15.02.2008 an die folgenden Adressen:

Barry Murnane
Institut für Germanstik
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
06099 Halle (Saale)
Germany
barry.murnane@germanistik.uni-halle.de

Andrew Cusack
Dept. of Germanic Studies
Trinity College Dublin
Dublin 2
Rep. of Ireland
acusack@tcd.ie


English Version:

The Gothic has long been recognised as an integral component of literary history and cultural studies in anglo-american literary studies. This is by no means true of the German “Schauerroman”. Although German and English forms of the Gothic were the object of similarly intense critical debate from the late 1780s, the Schauerroman has almost completely disappeared from German literary histories (and indeed many of these works have actually disappeared into the vaults of German libraries). From its inception, the Schauerroman was criticised as populist and trivial, and this entirely negative portrayal has continued, with few exceptions, until the present. Despite critical questioning of concepts of canonization since the 1960s, there has been almost no considered Germanist or comparative study of the German Schauerroman on the basis of modern literary, critical and cultural theory. The aim of this conference, organised in conjunction with Trinity College Dublin, is not, however, merely the “rehabilitation”, but a differentiated and critical reconsideration of a forgotten literary mode on the basis of modern theoretical concepts. Rather than merely dismissing the Schauerroman as the anti-rational, anti-modern and trivial pendant to the rational works of the Enlightenment and Classicism, modern analytical methods such as Cultural Materialism, New Historicism and Historical Anthropology can enable an important reconsideration of the mode. When viewed as a concomitant element of literary and social processes of modernization in the course of the Enlightenment, existing on an axis running parallel with and not opposite to the rationalization of social and cultural modernity and providing a medium for the articulation for the uncertainties and anxieties, the taboos and internal problems of modernity, then one can move beyond the unsatisfactory and pejorative labelling of the Schauerroman as trivial. The Gothic thus becomes a test-case for critical approaches of dealing with popular cultural phenomena; indeed there is a case to be made, that the Gothic be considered as the first modern literary phenomenon of mass-culture. Of importance are also the inter- and intra-cultural transfer processes: the Gothic around 1800 is a thoroughly international mode and develops as a conglomerate of translations, adaptations and plagiarisms and is thus an important example of developing processes of cultural transfer in modern Europe and beyond.

Some (by no means all) of the central questions to be addressed are:
Can the Schauerroman be defined more precisely: where does the term first arise and how has it been defined (e.g. “Ritter-, Räuber- and Schauerromane” as a problematic and confusing “moniker” that requires re-consideration)? Does “Schauerroman” transcend historical borders as a meta-term or is it historically limited to the period “around 1800”? Would a differentiation between “Schauerroman” and “Schauerliteratur” (as parallel to Gothic novel and Gothic Fiction) be constructive? How do these different dimensions of the term interact? Is Schauerroman merely a particular form of the Fantastic or should one differentiate these? Which works can be considered as Schauerromane and can one reconstruct a “canon”?

The “limits” of the Schauerroman: the mysterious events in the Schauerroman are no longer considered wonderful or fairytale-like, rather they are coloured by a disruption either in the text itself or at the level of reader-reception. The question that arises is where the borders to a literature of the wonderful can be drawn? Can the Schauerroman be better defined through these limits? What role does the Schauerroman have in Enlightenment poetics (of the wonderful)? Where and when (if at all) does the Schauerroman end? Can one differentiate the Schauerroman from forms of the literary fantastic in and after Romanticism? Are such differences actually useful or helpful? The question of the relations between the Schauerroman and “High-Literature” shall also need to be addressed.

The Schauerroman “around 1800” is part of an intense process of cultural transfer between England, France and Germany. How should one deal with this international nature of the mode? How important are these transfer processes for the development of individual national forms such as the Schauerroman? What translation and reception processes can one identify in these international relations? Does this international nature have consequences for the definition of “Schauerroman” as a literary historical term?

What is the relationship of the Schauerroman to the canonical “High-Literature” of the late Enlightenment prose-market, poetry and Weimar Classicism (e.g. Goethe, Schiller, Bürger, Göttinger Hain)?

The Schauerroman and the history of its own literary history: e.g. how does the traditional categorization of the Schauerroman as trivial and populist hinder its criticism and consideration within literary history? Can one “rehabilitate” or better contextualise the Schauerroman through recourse to modern theories of popular culture studies? What role can the consideration of the literary market (publishing, readership, distribution of works etc.) play in these critical methods? Does the important role of women as writers and readers of this fiction influence such critical procedures?

Is the term “Schauerroman” an indication of its contextualisation within (late-) Enlightenment anthropology? Can theoretical concepts of the pleasure of anxiety be explained as general trend within the (late-) Enlightenment? Are such theories satisfactory for explanations and historical contextualisation of the Schauerroman?

The Gothic as part of Cultural Studies: is the identification of the Schauerroman and the Gothic as a part of late-Enlightenment modernization and modernity (as has become apparent in Anglo-American discussions) also relevant for the German context in the light of theories of a delayed modernity? Can tropes such as the spectre and monstrosity be considered as metaphorical or symbolic forms to articulate or problematize technological, scientific or medial modernization (e.g. can one view ghost stories as a means of integrating the phantasmagoria into society)? Is the historical novel of chivalry a heterotopic space in which contemporary social and political issues can be addressed? What themes and areas of modernity come into question here (e.g. secret societies, religion etc.)?

Please send your abstracts (in English or German) of no more than 250 words by 15th February 2008 to:

Barry Murnane
Institut für Germanstik
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
06099 Halle (Saale)
Germany
barry.murnane@germanistik.uni-halle.de

Andrew Cusack
Dept. of Germanic Studies
Trinity College Dublin
Dublin 2
Rep. of Ireland
acusack@tcd.ie


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHalle
Bewerbungsschluss15.02.2008
Beginn30.01.2009
Ende01.02.2009
PersonName: Andrew Cusack; Barry Murnane 
Funktion: Kontakt 
E-Mail: acusack@tcd.ie; barry.murnane@germanistik.uni-halle.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch; Englisch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1770 - 1830
Klassifikation04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.06.00 Beziehungen einzelner Völker zur deutschen Literatur; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.03 Epik; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.08 Unterhaltungsliteratur; 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.11.00 Gattungen und Formen > 12.11.03 Epik; 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.12.00 Stoffe. Motive. Themen; 13.00.00 Goethezeit > 13.12.00 Gattungen und Formen > 13.12.03 Epik; 13.00.00 Goethezeit > 13.13.00 Stoffe. Motive. Themen; 14.00.00 Romantik > 14.10.00 Gattungen und Formen > 14.10.03 Epik; 14.00.00 Romantik > 14.11.00 Stoffe. Motive. Themen
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