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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Heinrich von Kleist: Leben und Werk. Die Geschichte einer Beziehung"
RessourcentypCall for Papers
TitelHeinrich von Kleist: Leben und Werk. Die Geschichte einer Beziehung
BeschreibungHeinrich von Kleist: Leben und Werk. Die Geschichte einer Beziehung.


Call for Papers


Im Rahmen der Frankfurter Kleist-Festtage 2013 veranstaltet das Kleist-Museum am 18. Oktober 2013 ein wissenschaftliches Kolloquium. Den Mittelpunkt der diesjährigen Kleist-Festtage, die unter dem Motto "PerspektivWechsel" stehen, bildet die neue Dauerausstellung des Kleist-Museums: "Rätsel.Kämpfe.Brüche. Die Kleist-Ausstellung". Sie ordnet erstmalig Kleists Werke nicht in die biographische Erzählung ein bzw. dieser unter, sondern präsentiert Leben und Werk mit Hilfe unterschiedlicher Herangehensweisen. Diesen Wechsel der Perspektiven im Bereich Literaturausstellung nimmt das Kolloquium zum Anlaß, ein Perspectiv auf die literaturwissenschaftliche Diskussion der Beziehung zwischen Leben und Werk Heinrich von Kleists zu richten – "wodurch man entfernte Dinge deutlich sehen kann", wie es in der Oeconomischen Encyclopädie des Johann Georg Krünitz heißt.

Die Frage nach dem Verhältnis des Autors zu seinem Werk spielt in der Literaturwissenschaft eine grundlegende Rolle und wird je nach Theorie und Methode unterschiedlich beantwortet. Im 19. Jahrhundert herrschte in der germanistischen Philologie – unter starkem Einfluß der Goetheforschung – die biographische Methode: Sie setzt eine Autorintention voraus, die es in der Interpretation zu rekonstruieren gilt, und parallelisiert die geistige und mentaleAutorverfassung mit der Figuren- und Textgestaltung. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts rückte der Text als ästhetischer Gegenstand immer stärker in den Blick, und in den 1950-70er Jahre etablierten sich literaturwissenschaftliche Theorien, die die Bedeutung des Autors für eine Textinterpretation negierten, den Autor sozusagen hinter seinem Text verschwinden ließen: Eingeführt wurden eine von der Autorintention unabhängige Textbedeutung (Wimsatt/Beardsley), die Unterscheidung zwischen Autor und Erzähler (Hamburger, Kayser), der implizite Autor als Textkonstrukt (Booth) und der 'Tod des (individuellen) Autors' zugunsten verschiedener historischer Autorfunktionen (Foucault) und eines autonomen, eigendynamischen Textes, dessen Bedeutung in der Lektüre entsteht (Barthes). In der Folge dominierten autorferne Interpretationen. Im Rahmen der seit den 1970/80er Jahren aufkommenen Frauen- und Geschlechterstudien sowie der postkolonialen Theorien trat der reale Autor hinsichtlich Geschlecht und Ethnie jedoch wieder in den Vordergund und hinterfragte die literaturtheoretische Verdammung der Autorinstanz. Die dergestalt wiederbelebte Debatte um Autorschaft unternahm in den letzten beiden Jahrzehnten eine kritische Revision der theoretischen Positionen im Verhältnis zur literaturwissenschaftlichen Praxis und konstatierte unter dem Schlagwort "Rückkehr des Autors" eine gewisse Zählebigkeit des Autors in germanistischen Interpretationen. Mit Hilfe begrifflicher Differenzierungen, die zwischen realem Autor, Autorkonzepten, Autorschaftsmodellen unterscheiden, gehen neuere Untersuchungen der Frage nach, in welchen Gestalten und mit welchen Funktionen und Begründungen eine Autorinstanz in Textanalysen auftauchen kann (insbesondere Winko 2002).

Das Kolloquium schlägt eine fruchtbare Anwendung dieser aktuellen Problemstellung auf die Kleistforschung vor: Wie wird der Autor Kleist in Beziehung zu seinen Werken thematisiert, inszeniert, instrumentalisiert? Ist er bloßer Urheber der materiellen Vorlage oder unhintergehbarer Bedeutungsgeber – um zwei Extreme zu nennen. Welche Bezüge zwischen Leben und Werk stellen die Interpretationen her und zu welchem Zweck? Welche Autorkonzepte entstehen angesichts eines Lebens, das weiße Flecke aufweist, und eines Werks, das kaum entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge erkennen läßt?
Auf Grund der Tatsache, daß in den vergangenen zehn Jahren ungefähr fünfzehn Kleistbiographien, in den dreißig Jahren zwischen 1970 und 2000 insgesamt aber nur ca. zehn erschienen sind, soll ein Seitenblick der Textsorte Biographie gelten. Wie gehen Biographen mit dem Verhältnis zwischen Leben und Werk um?

Als mögliche Themenkomplexe für Vorträge bieten sich an:
- Autorschaftsmodelle
- Überblick über literaturwissenschaftliche Praktiken bezüglich der Autor-Werk-Beziehung
- Reflexionen der Kleistforschung auf den 'Tod des Autors'
- Analyse der Beziehung zwischen Autor und Werk in Sekundärliteratur zu Kleist
- Biographieforschung am Beispiel Kleist


Das Kolloquium möchte Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern aller Fachbereiche ein Podium geben, eigene Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Deshalb fordern wir insbesondere fortgeschrittene Studierende, Doktorand/innen und Postdoktorand/innen herzlich auf, uns die kurze Zusammenfassung eines Themenvorschlags (max. 500 Wörter) zu schicken.
Die Vortragsdauer sollte 20 Minuten nicht überschreiten.

Bitte senden Sie uns Ihre Vorschläge bis zum 29. August 2013; die Entscheidung über eine Teilnahme wird am 2. September 2013 bekanntgegeben.


Dr. Barbara Gribnitz
Tel. +49.335-387.14.53
gribnitz@kleist-museum.de

Fahrt- und eventuelle Übernachtungskosten (bei längerer Anreise) können übernommen werden. Eine Publikation der Beiträge im Kleist-Jahrbuch 2014 ist vorgesehen.


Kleist-Museum
Faberstraße 7
15230 Frankfurt (Oder)
www.kleist-museum.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.kleist-museum.de
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt/Oder
Bewerbungsschluss27.08.2013
Beginn18.10.2013
Ende18.10.2013
PersonName: Dr. Barbara Gribnitz 
Funktion: wissenschaftliche Mitarbeiterin 
E-Mail: gribnitz@kleist-museum.de 
KontaktdatenName/Institution: Kleist-Museum 
Strasse/Postfach: Faberstraße 6-7 
Postleitzahl: 15230 
Stadt: Frankfurt (Oder) 
Telefon: 0335-3871453 
E-Mail: info@kleist-museum.de 
Internetadresse: www.kleist-museum.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeGeschichte der Germanistik; Literarische Wertung/Literaturkritik; Literatur 1770 - 1830; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Themen
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.04.00 Methodik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.12.00 Interpretation. Hermeneutik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.13.00 Literaturkritik. Wertung; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben > 03.16.02 Schriftsteller; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.03.00 Literaturgeschichtsschreibung; 13.00.00 Goethezeit > 13.01.00 Forschung; 13.00.00 Goethezeit > 13.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 13.00.00 Goethezeit > 13.14.00 Zu einzelnen Autoren
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