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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Nachricht - Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelNachricht - Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“
BeschreibungKomik der Integration:
Grenzpraktiken des Sozialen

Konferenz im Rahmen des Exzellenzclusters „Kulturelle Grundlagen der Integration“ an der Universität Konstanz, 11.-13. Juli 2013

Konzeption: Özkan Ezli (Universität Konstanz), Deniz Göktürk (University of California, Berkeley), Uwe Wirth (Universität Gießen)

Mit der internationalen Konferenz Komik der Integration sollen all jene Grenzpraktiken in den Blick genommen werden, die Widersprüche bei Zugehörigkeitsverhandlungen in Szene setzen, und so sowohl Praktiken als auch Konzepte der Integration komisch in Frage stellen.
Die interdisziplinär ausgerichtete Konferenz will einen Beitrag zur Erkundung der kulturellen Grundlagen von Integration leisten, indem sie das Komische als Grenzphänomen des sozialen Vertrags und kultureller Übereinkünfte in den Mittelpunkt rückt. Zugleich soll eine Brücke zu jener avancierten theoretischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Komischen geschlagen werden, wie sie mit dem Poetik und Hermeneutik Band "Das Komische" begründet wurde. So kann man im Anschluss an Hans Robert Jauß fragen, inwiefern das Umschlagen eines distanzierenden Lachens über in ein solidarisierendes Lachen mit als Momentum komischer Integration zu werten ist, nämlich als "lachendes Einverständnis", in dem zugleich ein Perspektivenwechsel vollzogen wird. Das Spiel von Lachen über und Lachen mit offenbart jedoch noch in anderen Hinsichten Bezüge zum Thema kulturelle Grundlagen von Integration:
Erstens: Worüber wird gelacht? Über fremde Sitten und Gewohnheiten, aber auch über 'fremdartiges' Verhalten. Das heißt: Das Lachen über ist das Resultat eines Vergleichs, der Ähnlichkeit oder Differenz – häufig kulturelle Differenz – am Anderen feststellt. Die 'Komik der Integration' tritt hier als komische Des-Integration zu Tage. Im Rekurs auf Sigmund Freuds Witztheorie werden derartige im Lachen adressierte kulturelle Differenzen als affekt- und aggressionsgeladene Aufwandsdifferenz des Lachenden konzeptionalisierbar: "Solche Aufwanddifferenzen entstehen zwischen dem Fremden und dem Eigenen, dem Gewohnten und dem Veränderten, dem Erwarteten und dem Eingetroffenen". Auszuloten gilt es, inwiefern Freuds Konzept der Aufwandsdifferenz ein Modell nicht nur von innerpsychischer Ökonomie, sondern auch von transkulturellen Beziehungen in multiethnischen, vielsprachigen und multikonfessionellen Zusammenhängen liefert.
Dies führt zweitens zur Frage: Mit wem wird gelacht? Das Freudsche Witzkonzept ist ein Modell der verlachten Dritten und diese Dritten sind immer die Anderen (bei Freud die Frauen oder die sich assimiliert gebärdenden Ostjuden). Mit Blick auf die Frage nach den kulturellen Grundlagen von Integration muss daher geklärt werden, unter welchen Bedingungen es zu einem Lachen mit dem Anderen kommt – unter welchen Bedingungen der oder die Andere ins lachende Publikum integriert wird. Die Komik der Integration eröffnet hier die Möglichkeit eines Integriert-Werdens in die Gesellschaft der Lachenden – unter der Voraussetzung, dass es zu wechselnden Lach-Allianzen kommt, die ein Spiel von Integration und Des-Integration in Gang setzen.
Hier wäre zu fragen, in welcher Form sich Wolfgang Isers Überlegungen zur Kipp-Figur in Anschlag bringen lassen, etwa im Sinne einer transkulturellen Kipp-Figur, bei der die im Komischen zusammengeschlossenen Positionen sich in einer Weise wechselseitig negieren oder in Frage stellen, dass eine Position die andere kippen lässt. Im Rahmen der Konferenz wollen wir dabei zum einen klären, inwiefern die witzige Indienstnahme dieses "Umkippens", aber auch dessen Nachvollzug durch Produzenten und Rezipienten komischen Verhaltens eine instabile Situation erzeugt, die sowohl die Möglichkeit der Integration als auch der Des-Integration eröffnet; zum anderen, unter welchen Bedingungen die Komik der Integration zu einer Instabilität kultureller Verhältnisse führt, die womöglich sogar das Konzept Integration kippen lässt.
Besondere Aufmerksamkeit soll dabei der karikierenden Darstellung von kulturellen Stereotypen gelten, und zwar ausgehend von der Arbeitshypothese, dass man in den letzten 20 Jahren die Verbreitung eines besonderen Typus von transcultural comedy beobachten kann, die implizit ablaufende 'Zugehörigkeitsverhandlungen' – aber auch Grenzpraktiken – explizit macht und damit die doppelte Dynamik von Integration und Des-Integration performativ zur Schau stellt. Mit der Vorführung der türkischdeutschen Migrationsgeschichte als Familienkomödie in Almanya – bei den Berliner Filmfestspielen 2011 unter Applaus des Bundespräsidenten – ist die Komödie auf die Integration gekommen. Dabei gab es schon früher Modelle des transethnischen Humors, der zugeschriebene Identitätsmuster im Rollenspiel verflüssigt – von Charlie Chaplins "The Immigrant" (1916) über die anarchistische Komödie der Marx Brothers in der frühen Tonfilmzeit bis hin zu Verkleidungen von Schelmen wie Hussi Kutlucan in "Ich Chef, Du Turnschuh" (1998), Kaya Yanar in "Was guckst du?" oder den cyberaktivistischen Interventionen von Kanak TV. Die medienhistorische Dimension soll jedoch noch weiter zurückverfolgt werden mit Beiträgen zu klassischen Trickster-Figuren aus Ost und West, beispielsweise Nasreddin Hodscha als transnationale Kristallisationsgestalt (die in der Türkei, im Iran oder arabischen Ländern jeweils gerne als Nationalheld in Anspruch genommen wird) und Till Eulenspiegel als medialer Pop-Ikone der frühen Neuzeit. Die Konferenz verfolgt daher ein multimediales Konzept in den Sparten Literatur, Karikatur, Film, Rundfunk, Fernsehen, Kabarett und Performance-Kunst. Gesucht wird das Gespräch zwischen Theoretikern aus den Kultur-, Sozial- und Rechstwissenschaften und Praktikern der Komik wie Autoren, Kuratoren und Künstlern.
Damit stellt sich drittens die Aufgabe, im Anschluß an Fragestellungen des Graduiertenkollegs „Die Figur des Dritten“ an der Universiät Konstanz, das Komische als eine Grenzpraktik zu beschreiben, die zum einen zu einer Destabilisierung von Grenzen führt, indem sie sie durch unabsichtlich komisches und absichtlich komisierendes Verhalten in Frage stellt; zum anderen aber diese Grenzen im Vollzug komischer Verhaltensweisen überhaupt erst explizit macht. Das heißt: Komik thematisiert Kultur als Geflecht von impliziten, stillschweigend vorausgesetzten Regeln, die im Sinne einer tacit integration unsere Weltanschauung und unser soziales Verhalten bestimmen. Komische Unfälle und komisierende Strategien führen umgekehrt zu einem Explizit-Werden dieser impliziten kulturell, vor allem aber auch institutionell vorausgesetzten Codes.
In Bezug auf die Thematik des Exzellenzclusters "Kulturelle Grundlagen von Integration" will die Konferenz erkunden, inwiefern die Komik der Integration als "Beschreibungsmodell für dezentrierte Organisationsweisen des Sozialen" fruchtbar gemacht werden kann.



Programm

Donnerstag, 11. Juli 2013

15.00 Uhr
Begrüßung

15.00–17.45 Uhr
Einführungen

Uwe Wirth: Inkongruenzen des Komischen

Deniz Göktürk: Soziale Dynamik des Komischen

Özkan Ezli: „Der verkleidete Priester, der jedes Paar kopuliert.“ Komik und Grenzpraktiken in deutsch-türkischen Komödien


Freitag, 12. Juli 2013

9.30-13.00 Uhr
Identität und Desintegration

9.30 Uhr
Helga Kotthoff: Ethno-Comedy zwischen Inklusion und Exklusion

10.15 Uhr
Bernd Stiegler: Türken, Schwule und Klingonen. Versuch über intergalaktische Kommunikation

11.00 Uhr
Kaffeepause

11.30 Uhr
Werner Röcke: Gewalt und Gelächter. Integration und Desintegration durch komische Eskalation in der Literatur des Mittelalters

12.15 Uhr
Albrecht Koschorke: Kommentar mit anschließender Diskussion

13.00 Uhr
Mittagspause

14.30-18.00 Uhr
Performanz und Gemeinschaft

14.30 Uhr
Jurij Murašov: Sozialistische Lachgemeinschaften. Filmkomödien in der DDR und der Sowjetunion der 60er Jahre

15.15 Uhr
Rainer Dachselt: „Ich mach dich Rundfunkrat, Alta“ – Integration und Komik im medialen Kontext

16.00 Uhr
Kaffeepause

16.30 Uhr
Halyna Leonity: Migration und Bühnenkomik zwischen Satirefreiheit, Integrationszwang und Fremdheit

17.15 Uhr
Levent Tezcan: Komik im Widerstand - Impressionen aus Resistanbul



20.30 Uhr

Stadttheater Konstanz, Werkstatt, Inselgasse 2-6

Muhsin Omurca: Kanakmän – tags Deutscher, nachts Türke



Samstag, 13. Juli 2013

9.30-13.00 Uhr
Dezentriertes Gedächtnis

9.30 Uhr
Annika Orich: Komik, Gedächtnis und Genetik in Serdar Somuncus und Oliver Polaks Stand-up Comedy

10.15 Uhr
Aleida Assmann: Große Erwartungen und Rückschläge im Gelobten Land. Komik in Mary Antins Einwanderungsroman The Promised Land

11.00 Uhr
Kaffeepause

11.30 Uhr
Marija Sruk: Der Vergangenheit entgegenlachen: Komik als alternative Integration des Holocaust in die deutsche Erinnerungslandschaft

12.15 Uhr
Özkan Ezli, Deniz Göktürk, Uwe Wirth: Kommentar mit anschließender Diskussion

13.00 Uhr
Mittagessen im Brigantinus Biergarten, Reichenaustr. 15, Konstanz

14.30 Uhr
Pradeep Chakkarath: Postkoloniales Lachen – Inder und Westler im Bollywood-Film

15.15 Uhr
Corinna Assmann: Differenzen und Ähnlichkeiten im British Asian Film

16.00 Uhr
Kaffeepause

16:30 Uhr
Friedrich Block: Kommentar und Abschlussdiskussion

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.exc16.de/cms/54.html?&L=0%20&cHash=73bd3ce67734f37c46c33758...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortUniversität Konstanz
Beginn11.07.2013
Ende13.07.2013
PersonName: Özkan Ezli [Dr.], Deniz Göktürk [Prof.], Uwe Wirth [Prof.] 
Funktion: Koordinatoren 
E-Mail: oezkan.ezli@uni-konstanz.de, dgokturk@berkeley.edu, uwe.wirth@germanistik.uni-giessen.de 
KontaktdatenName/Institution: Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration" Universität Konstanz 
Strasse/Postfach: Universitätsstraße 10 
Postleitzahl: 74587 
Stadt: Konstanz 
Telefon: 07531 88-4019 
E-Mail: exc16@uni-konstanz.de 
Internetadresse: www.exc16.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLinguistik; Soziolinguistik (Varietätenlinguistik, div. Lekte, Register, Code); Sprache in den Medien / Medienwissenschaft (Sprache in Massenmedien, Internet und Hypertext, Medienentwicklung); Sprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Literaturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Medien- u. Kommunikationstheorie
Zusätzliches SuchwortKomiktheorien, Integrationstheorien
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
Ediert von  H-Germanistik
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