VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Denken der Bilder der Geschichte Denkbilder der Geschichte und ihre Medialität in Mittel-Ost Europa"
RessourcentypCall for Papers
TitelDenken der Bilder der Geschichte Denkbilder der Geschichte und ihre Medialität in Mittel-Ost Europa
BeschreibungCall for Papers

Denken der Bilder der Geschichte
Denkbilder der Geschichte und ihre Medialität in Mittel-Ost Europa
Internationale Tagung an der Eötvös-Loránd Universität Budapest

Voraussichtlicher Termin: 18-20. September 2014


In Angelus Novus beschreibt Benjamin den „Engel der Geschichte“ aufgrund einer Zeichnung von Paul Klee. Diese Beschreibung könnte auch mit Benjamins Bezeichnung „Denkbild“ in Verbindung gesetzt werden. Das Wort „Denkbild“ verknüpft seit seinem ersten nachgewiesenen Gebrauch durch Johann Joachim Winckelmann das Denken mit der Bildlichkeit: Hegel zufolge ist das Denkbild eine denkend angeschaute Idea, ein sinnlich angeschautes Bild, das ein Nachdenken verlangt, d. h. eine sinnliche Erkenntnisform, „eine denkende Beobachtung“. Es vereint das Bildliche der Kunst mit intellektueller Besinnung, um das Hintergründige, das rein rational nicht Erschließbare, in der Bildlichkeit der Erkenntnis anzuerkennen. In Verbindung mit dem Begriff des Denkbildes wurden in den letzten Jahren nicht nur neue Überlegungen zur Erforschung der Bildlichkeit des in der Sprache verwurzelnden Denkprozesses versus vereinfachende Thesen zu „visual culture“ präsentiert sondern auch etwa der früher oft bestrittene Erkenntniswert der Lyrik neu diskutiert. Aufgrund dieses neuen Stands der Forschung intendiert die Tagung Benjamins Texten folgend nach einer Theorie der Denkbilder der Geschichte zu fragen.

An Benjamins maßgebende Schriften (Berliner Kindheit, Einbahstraße, Passagenwerk etc.) erinnernd wollen wir darüber nachdenken, wie Bilder in Sprache und in den visuellen Medien Geschichte gegenwärtig machen? Welche Gestalt nimmt die Geschichte in ihren medialen Vermittlungen, im Roman, in der Photographie und im Film? Von den vielen Anregungen, die Benjamins Werk uns auch heute zu bieten vermag, seien hier nur einige erwähnt. Zu den Motti unserer Tagung könnten etwa die folgenden Zitate aufgenommen werden:

- „Geschichte zerfällt in Bilder, nicht in Geschichten...“ (V, 596)

- „Ein Bild der Geschichte in den unscheinbarsten Fixierungen das Dasein, in seinen Abfällen gleichsam festzuhalten.“ (V, 1060)

- „Die Sprache hat es unmißverständlich bedeutet, daß das Gedächtnis nicht ein Instrument für die Erkundung des Vergangnen ist, vielmehr das Medium. Es ist das Medium des Erlebten wie das Erdreich das Medium ist, in dem die alten Städte verschüttet liegen. […] Gewiß ist‘s nützlich, bei Grabungen nach Plänen vorzugehen. Doch ebenso ist unerlässlich der behutsame, tastende Spatenstich ins dunkle Erdreich. Und der betrügt sich selber um das Beste, der nur das Inventar der Funde macht und nicht im heutigen Boden Ort und Stelle bezeichnen kann, an denen er das Alte aufbewahrt. So müssen wahrhafte Erinnerungen viel weniger berichtend verfahren als genau den Ort bezeichnen, an dem der Forscher habhaft wurde.“ (IV,1, 400)


Neben theoretischen Vorträgen, die über die Kontroversen der Benjamin-Forschung (Bolz, Menke, Fenves etc.) hinausgehend auch neue Reflexionen auf die Benjaminschen Texte anbieten, streben wir an, mit Benjamins Texten auf das Lesen der Kulturgeschichte Mittel-Ost-Europas der Nachkriegszeit zu fokussieren.

Wir fragen nach der eigentümlichen Bildlichkeit dieser Medien der Geschichtsschreibung, nach ihren signifikanten, in mehreren Werken und Medien nachweislichen Denkbildern wie es in der Literatur und Kunst, vor allem aber in der Photographie und Film geschieht.

Das Denken nähert sich dabei an die Arbeit des Eingedenkens, das Benjamin zufolge das Geschichtliche zur Gegenwart verdichtet, dessen Augenblicke wie „Offenbarungen“ sich kristallisieren. Eine weitere Frage wäre, inwiefern messianische und utopische Zeitstrukturen in der philosophischen Besinnung, in Literatur und Photographie der Epoche zu erkennen sind, die ja Benjamins Geschichtsphilosophie kennzeichnen.

Insbesondere wären Vorträge willkommen, die komparatistisch verfahren, entweder die Medien oder die Regionen Ost-Mittel-Europas (neben den Ländern des sogenannten Ostblocks sind auch Studien zum ehemaligen Kulturraum der Donaumonarchie willkommen) vergleichend recherchieren.

Wir erwarten Vorschläge zu Vorträgen, die etwa den folgenden Sektionen passen würden:

Die Medialität des Eingedenkens

Geschichte darzustellen: das Spannungsfeld von Narrativität und Bildlichkeit

Denkbilder der Geschichte: Geschichtsphilosophie auf den Spuren Benjamins in Ost-Mittel-Europa

Denkbilder der Zeit: Messianismus, Utopie, Parusie der Geschichte

Denkbilder in Literatur und Photographie - Photographie als Medium der Geschichtsschreibung

Wir erwarten Vorschläge bis zum 15. August 2013.

Mit freundlichen Grüßen

Die Veranstalter:



ELTE Universität Budapest

Institut für Philosophie



Professor Dr. Gabor Boros

E-Mail: h13556bor@mail.iif.hu



Professor Dr. Eva Kocziszky

E-Mail: kocziszky.eva@iif.hu



Dr. Csaba Olay

E-Mail: olaycsaba@gmail.com
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss15.08.2013
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/33167

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 27.06.2013 | Impressum | Intern