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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Schlusspunkt. Poetiken des Endes "
RessourcentypCall for Papers
TitelSchlusspunkt. Poetiken des Endes
BeschreibungSchlusspunkt. Poetiken des Endes
Universität Duisburg-Essen, Campus Essen (5. – 7.12.2013)

5. bis 7. Dezember 2013
Universität Duisburg-Essen, Casino
Universitätsstraße 12, 45141 Essen

Zusammen mit öffentlichen Debatten um Naturkatastrophen und Havarien von Finanzsystemen oder technischen Anlagen finden künstlerische Fiktionen vom Ende mit Schrecken seit langem breite öffentliche Resonanz. Filme wie »Oblivion«, »Children of Men«, »Melancholia«, Romane wie »Der Bademeister«, »Die Abschaffung der Arten«, »Die Möglichkeit einer Insel« oder Computerspiele wie »I am Alive«, »Fallout«, »Borderlands« malen das Ende der Zivilisation, der Menschheit oder des Planeten aus und fragen nach dem, was wohl nach dem Ende kommen mag.

Endszenarien sind allerdings nicht auf diesen Fundus von Eskalationsfantasien beschränkt. In jeder Zeit sind die Anfangs- und Endpunkte einer Kultur durch die in ihr geltenden moralischen Werte, durch ihre juristische Kodifizierung und durch die technologischen Rahmenbedingungen neu zu bestimmen. Die Bedeutung von »Anfang« und »Ende« unterscheiden sich in einer Agrargesellschaft fundamental von denen einer Überflussgesellschaft: War vor der technisch-industriellen Moderne im 19. Jahrhundert noch eine auf Kontinuität abgestellte Lebenswelt zu beobachten, in der Kirche, Staat, Betrieb und Familie dem Handlungsspielraum des Individuums mitunter enge Grenzen setzten, so kann nach dem Zweiten Weltkrieg durch politische, soziale und ökonomische Liberalisierungsprozesse eine Vervielfältigung von Handlungsoptionen beobachtet werden, durch die individuelle und gesellschaftliche Grenzen beziehungsweise Haltepunkte neu verhandelt und verschoben werden.

Der traditionelle Kulturraum ist, so zumindest der erste Eindruck, zugunsten eines Feldes flexibel handelnder Akteure entgrenzt worden. Diese Form von Gesellschaft hat einerseits mehr Handlungsspielräume, andererseits birgt sie aber auch die Gefahr eines »verpassten Endes«, das sich in Überforderungserscheinungen niederschlägt. Der Imperativ, beruflich und privat an Grenzen zu gehen oder sie zu überschreiten, ist mit dem Paradox eines ›zurückweichenden Horizonts‹ verknüpft: Statt an ein Ziel zu gelangen, ist das moderne Subjekt auf Selbstoptimierung getrimmt und kaum in der Lage, bereits Erreichtes angemessen wertzuschätzen.

Ziel der Tagung »Schlusspunkt – Poetiken des Endes« ist es, zu klären, in welcher Form in künstlerischen, politischen und wissenschaftlichen Beiträgen über Enden, Haltepunkte und Grenzen reflektiert wird, welche Exit-Strategien favorisiert, welche Ausstiegsszenarien negiert werden und wo sich im Diskurs über das Ende in den letzten Jahrzehnten ein Umdenken beobachten lässt. Thematisiert werden dabei auch Narrative des Ausstiegs, des Abschieds und des Todes in einer medizinisch aufrüstenden Zeit.

Im Rahmen eines breiten medialen Zugangs sollen drei verschiedene Perspektiven die Diskussion ordnen:

Die erste Perspektive betrachtet das ENDE ALS THEMA und fragt danach, welche aktuellen Themensets (Ereignisse wie terroristische Anschläge, Banken- und Euro-Krise, politische Rücktritte, Umweltkatastrophen) und Diskurse (z.B. solche der Palliativmedizin und Sterbehilfe in der Bioethik, der Depression und des Burn-Outs in der Psychologie) die Menschen seit 1989 mit dem ›Ende‹ konfrontiert haben und entlang welcher expliziter und impliziter diskursiver Normen diese Beiträge organisiert sind.

In einer zweiten Perspektive wird nach der GESCHICHTE DES ENDES gefragt. Hier gilt es, eine Periodisierung in den Darstellungstraditionen von End-Szenarien vorzunehmen. Welche End-Geschichten wurden in den letzten Jahrzehnten bevorzugt aufgegriffen und erzählt? Welche kulturgeschichtlichen Periodisierungsversuche wurden unternommen, um das eigene Zeitempfinden abgrenzend konturieren oder vergleichend benennen zu können?

Die dritte Perspektive interessiert sich für die FORMEN DES ENDES. Es geht nicht mehr nur darum, welche End-Szenarien gegenwärtig zirkulieren, sondern auch darum, welche Genres und ästhetischen Kategorien (wie die des ›Erhabenen‹) sich in der Kulturgeschichte herausgebildet haben, um über das Ende zu reflektieren. Neben Moritaten und Epitaphen, Kriminalgeschichten und Dystopien soll auch die Frage im Vordergrund stehen, ob sich aus bestimmten Themen (z.B. ausgehend von der christlichen Apokalypse oder den griechischen und römischen Dramen zum Freitod) originäre Darstellungsweisen und poetologische Programmatiken herausgebildet haben, die über Jahrhunderte hinweg adaptiert wurden und damit eine Form von epochenübergreifender Kommunikation über die Grenzen des Lebens sicherstellen.

Beispiele für mögliche Themenfelder sind:

- Postmoderne Erinnerungskulturen und die These(n) vom Ende der Geschichte

- »Persistente Welten«: Zeiten der Virtualität und Simulation

- Dystopie und Apokalyptik im Comic

- Diskurse der Kybernetik

- Kapitalistische Duplikationslogiken: Narzissmus, Schizophrenie, Fetischismus

- Strukturwandel der Öffentlichkeit? Rücktrittsforderungen, Kritik und das Primat der Medien

- Die jungen Alten, die alten Jungen: Entgrenzungen des Generationenkonzepts

- Bioethik: Genetik, Palliativmedizin und die Neuverhandlung der Endlichkeit

- Terrorismus, Piraterie, Geiselnahmen: Politiken des Sterbens und Tötens

- Dracula, Sensenmann und Apokalyptiker: Eine Figurenlehre der Kaltmacher frei nach Umberto Eco

- Auf dem Weg in den Westen? Der Arabische Frühling, die »Europäisierung« der Türkei und das Ende des »religiösen« Staates in postkolonialer Perspektive

- Third Culture: Das Ende der Akademie oder die neue Position der entauratisierten Wissenschaft in der Informationsgesellschaft

- Kommende Wüsten: Meteorologische Prognostiken und die Poetik der Geo-Literatur

- Politische Theorie zwischen Postdemokratie und Postfundamentalismus

Die Tagung wird von Markus Engelns (Universität Duisburg-Essen), Philipp Hubmann (Universität Innsbruck), Kai Löser (Universität Bielefeld), Dr. Immanuel Nover (Universität Bonn) und Prof. Rolf Parr (Universität Duisburg-Essen) ausgerichtet. Organisiert wird sie vom Studiengang »Literatur- und Medienpraxis« an der Universität Duisburg-Essen.

Themenvorschläge aus den Gebieten Literatur- und Filmwissenschaft, Comicforschung, Kunstgeschichte, Philosophie, Geschichte, Soziologie, Theologie, Pädagogik und Ethnologie mit einem kurzen Abstract (1500 bis 2000 Zeichen) erbitten wir bis zum 15. August 2013. Über die Annahme Ihres Vorschlags werden wir Sie bis Anfang September 2013 informieren.

Die Übernahme der Kosten für Anfahrt und Unterkunft ist angestrebt, kann aber noch nicht zugesichert werden. Eine Publikation der Beiträge ist geplant.

Exposés für Vorträge und Anmeldungen zur Teilnahme (gern auch ihren Vortrag) bitte an:

Markus Engelns
Universität Duisburg-Essen
markus.engelns@uni-due.de

Rückfragen richten Sie bitte an einen der Veranstalter:

markus.engelns@uni-due.de
philipp.hubmann@uibk.ac.at
kai.loeser@uni-bielefeld.de
i.nover@uni-bonn.de
rolf.parr@uni-due.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortEssen
Bewerbungsschluss15.08.2013
Anmeldeschluss30.11.2013
Beginn05.12.2013
Ende07.12.2013
PersonName: Markus Engelns 
Funktion: Organisator 
E-Mail: markus.engelns@uni-due.de 
KontaktdatenName/Institution: Markus Engelns / Universität Duisburg-Essen 
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 12, R12 R05 A36 
Postleitzahl: 45141  
Stadt: Essen 
E-Mail: markus.engelns@uni-due.de 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeComputerphilologie; Erzähltheorie; Genderforschung; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturpsychologie; Literatursoziologie; Medien- u. Kommunikationstheorie; Motiv- u. Stoffgeschichte
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