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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Dichterdarsteller - Selbstporträts des Autors als Autor"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelDichterdarsteller - Selbstporträts des Autors als Autor
BeschreibungDICHTERDARSTELLER - Selbstporträts des Autors als Autor
Internationaler Workshop an der Universität Zürich, 27.-28. Juni 2013

Veranstalter:
Robert Leucht, Deutsches Seminar der Universität Zürich
Magnus Wieland, Schweizerisches Literaturarchiv (SLA), Bern

Ort: Rämistrasse 71, Raum KOL-E-21 / *Thomas-Mann-Archiv


Der russische Linguist und Literaturwissenschaftler Boris Victorovic Tomasevskij (1890-1957) unterscheidet in seinem erstmals 1923 publizierten Aufsatz Literatur und Biografie (Literatura i biografija) zwischen zwei Formen von Biografie: der „reale[n], amtliche[n] Biographie“ eines Autors und seiner „ideale[n] biographische[n] Legende“. Während sich die erste aus der Angabe von Geburts- und Sterbedatum, Zivilstand, Wohnort, etc. zusammensetze und für den Beruf des Schriftstellers keineswegs spezifisch sei, wäre die zweite ein literarisches Faktum, das vom Literaturhistoriker als solches ernst genommen werden müsse. Was Tomasevskij mit dem Begriff der „ideale[n] biographische[n] Legende“ in den Blick rückt, sind all jene Praktiken, die von Autoren verfolgt werden, um ein bestimmtes Bild – oder um das englische Lehnwort zu verwenden: ein bestimmtes Image – ihrer eigenen Person und ihres eigenen Lebens herzustellen und zu vermitteln.

Der Workshop richtet den Blick auf einzelne Autoren, die sich in besonderer Weise um ihre, wie Tomasevskij schreibt, „Biographie sorgen“, das heißt in die Erzeugung einer „biographische[n] Legende“ investiert haben bzw. investieren. In vorläufig noch unverbundenen Fallstudien soll insbesondere den folgenden drei Fragenkomplexen nachgegangen werden:
(1) Konstruktion: Wie genau wird die „vom Autor selbst geschaffene Legende seines Lebens“ erzeugt? Welche Verfahren sind hier am Werk, und wie lassen sich diese von jenen in den jeweiligen literarischen Texten unterscheiden oder mit diesen vergleichen? Welche Medien werden hierbei bedient? Wie lassen sich Fremd- und Eigeninszenierungen unterscheiden?
(2) Tradition: Inwiefern sind Selbstinszenierungen auf tradierte Dichterbilder bezogen? Werden gewisse Stereotype (poeta vates, poeta laureatus, poeta alter deus, poeta doctus, poeta faber, poète maudit, écrivain engagé etc.) bedient, modifiziert, kombiniert oder aufgebrochen? Wie Erfolg versprechend sind solche Anleihen und Übernahmen? Welche Signale, Implikationen und Assoziationen setzen solche Übernahmen in diachroner, aber auch in transkultureller Perspektive frei?
(3) Rezeption: Welche unterschiedlichen Funktionen erfüllen inszenierte Schriftstellerbiografien mit Blick auf die jeweiligen literarischen Texte? Handelt es sich um Fortsetzungen und/oder Intensivierungen literarischer Illusionsbildung in der Lebenswelt, um Strategien der Lektüresteuerung, um Zugeständnisse an die Funktionsweisen des literarischen Marktes?

Im Workshop soll keinem neuen (naiven) Biographismus die Tür geöffnet werden. Das Projekt strebt dezidiert keine Interpretation literarischer Werke auf der Basis von Autorenbiographien an, sondern ist vielmehr um eine kritische Analyse auktorialer Selbstinszenierungspraktiken und ihren Rückkopplungseffekten auf Rezeption und Werkverständnis bemüht.


Donnerstag, 27. Juni 2013

13.00 ROBERT LEUCHT (ZÜRICH), MAGNUS WIELAND (BERN)
Begrüssung und Einleitung

13.30 HANJO BERRESSEM (KÖLN)
»Follow me on Twitter«: Das Bild des Schriftstellers in der neuen Medienökologie

14.15 CHRISTOPH STEIER (ZÜRICH)
Staatsfernsehen: Ästhetik des Klagenfurter Autorenporträts im 21. Jahrhundert

16.15 ANNA-KATHARINA GISBERTZ (MANNHEIM)
Paradoxe Selbstporträts: Hugo von Hofmannsthals geistige Abenteuer

17.00 SUSANNE REICHLIN (MÜNCHEN)
Kommentar und anschliessende Diskussion

*18.00 KATRIN BEDENIG (ZÜRICH)
Thomas Mann und sein Schreibtisch – Identität, Symbol, Heimat
[Der Vortrag findet im Thomas-Mann-Archiv statt; begrenzte Platzzahl]


Freitag, 28. Juni 2013

9.15 JAN CHRISTOPH HAUSCHILD (DÜSSELDORF)
»Wer ist Traven? Lesen Sie seine Bücher!«: B. Travens Selbstinszenierung als Abenteuerschriftsteller

10.00 WERNER MICHLER (SALZBURG)
Brecht, der Klassiker

11.00 ANDREAS MAUZ (ZÜRICH)
Kommentar und anschliessende Diskussion

14.00 FRANZ EYBL (WIEN)
»Wenn das Werk lacht, weint der Dichter«: Thomas Bernhards Dichtermasken

14.45 KARL WAGNER (ZÜRICH)
Der Popstar im Elfenbeinturm: Handke in Princeton 1966 und die Folgen

15.30 ROBERT LEUCHT (ZÜRICH)
Kommentar und anschliessende Diskussion

16.45 Abschlussdiskussion


Kontakt:
Dr. Robert Leucht
E-mail: robert.leucht@ds.uzh.ch

Dr. Magnus Wieland
E-mail: magnus.wieland@nb.admin.ch

Web: http://www.ds.uzh.ch/Agenda/

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortZürich
Beginn27.06.2013
Ende28.06.2013
PersonName: Dr. Robert Leucht 
Funktion: Seminaroberassistenz 
E-Mail: robert.leucht@ds.uzh.ch 
Name: Dr. Magnus Wieland 
Funktion: Wissenschaftlicher Mitarbeiter 
E-Mail: magnus.wieland@nb.admin.ch 
KontaktdatenName/Institution: Dr. Robert Leucht / Universität Zürich / Deutsches Seminar 
Strasse/Postfach: Schönberggasse 9 
Postleitzahl: 8001 
Stadt: Zürich 
E-Mail: robert.leucht@ds.uzh.ch 
Internetadresse: http://www.ds.uzh.ch 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945
Zusätzliches SuchwortAutorschaft; Biographie; Selbstinszenierung
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.18.00 Zu einzelnen Autoren; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.14.00 Zu einzelnen Autoren; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.13.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
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