VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Haut und Hülle - Umschlag und Verpackung. Techniken des Umschließens und Verkleidens (Sammelband)"
RessourcentypCall for Papers
TitelHaut und Hülle - Umschlag und Verpackung. Techniken des Umschließens und Verkleidens (Sammelband)
BeschreibungCfP – Call for Papers für einen Sammelband (Buchpublikation)


Haut und Hülle – Umschlag und Verpackung.
Techniken des Umschließens und Verkleidens.
Herausgegeben von Michael Fisch und Ute Seiderer.
(Erscheint vorr. 2014).


Techniken des Umschließens und Verkleidens, seien es Kulturtechniken als eine Serie von Operationen, die Dinge in Zeichen transformieren (Kittler, Latour) sowie literarische und künstlerische Praktiken (Metaphern, Rhetorik), verfolgen nicht selten die Intention, das Darunterliegende, das Verborgene, den Kern des Verdeckten, aufzuwerten, repräsentativer, schöner, befremdlicher oder auch unkenntlich zu machen. Das gilt für Umhüllungen von Gedanken (Sprache/n) wie für Umhüllungen der Haut durch Kleidung, Schleier, Maskeraden (wobei die Haut selbst schon die Hülle ist) oder für das Verpacken von Gebäuden und von Natur (Beuys, Christo, Vostell). Hülle und Verpackung unterscheiden sich durch ihren Grad der Dichte des Abschließens, sie sind mehr als bloße Bedeckung; der Umschlag dagegen gewährt meist schnelleren Einblick.

Das Umgebende, Schmückende, Verbergende, Schützende dient als Blickfang und Türöffner; damit wird das Haptische, Sinnliche, angesprochen, und natürlich zuvorderst das Visuelle. Selbst Nacktheit erscheint vor diesem Hintergrund als Verpackung. Sprache als Verpackung von Inhalten ist abzugrenzen von rhetorischen oder metaphorischen Formen der Verhüllung von „Bedeutung“. Verpackte Natur erscheint befremdlich, weil der anthropomorphe Zugriff die ursprüngliche Funktionalität eher zu stören scheint – aber tut er das nicht grundsätzlich? Was wäre jedoch die Welt ohne Verpackungen? Das Geschenk ohne Schleife, der Mensch ohne Schmuck, das Bild ohne Rahmen, das Gedachte ohne das Gezeigte, der Gegenstand ohne seine Abbildung? Inwiefern ist das Umschließen auch ein Ausschluss-Verfahren?

Dieser Sammelband möchte aus den Bereichen der Literatur, der Kunst und Photographie, der Populär- und Subkultur, der Mode wie der Alltagskultur den historischen wie gegenwärtigen Techniken des Umschließens und Verkleidens nachspüren, um zu eruieren, welche kulturellen Prägungen diesen Verfahren jeweils zugrunde liegen. Die verschiedenen Codes der einzelnen Gebiete, z.B. Dresscodes bei modischer Kleidung (Signalwirkung, Leder, Farbe, Stoffe), bei religiöser Kleidung (Kopftuch, Schleier, Talar) oder Uniformen schließen ebenso Körpertechniken ein (Mauss, Foucault), d.h. Körperkulturen im Sinne ihrer Habitualisierungen und Verhaltensformen (Geschlecht, Funktion, Haltung, Nacktheit und Scham). Der Begriff der Techniken soll hier – in Anlehnung an den erweiterten Begriff der Kulturtechnik – nicht auf den elementaren symbolischen Begriff des Bild-, Schrift- und Zahlgebrauchs eingeschränkt verstanden werden, sondern beinhaltet neben den Techniken des Körpers als Repräsentationsverfahren auch andere Techniken der Hervorbringung (Bhabha, Maye). Selbstverständlich sind auch die sprachlichen Techniken der Grammatik und der Rhetorik Gegenstand der Betrachtung, insofern sie sich auf einer sinnstiftenden und anschlussfähigen Ebene der Kommunikation bewegen.

Erwünscht sind für diesen Band Beiträge über einerseits dasjenige, was Anspruch auf Realität erhebt und sich andererseits selbst in die Ebene des Symbolischen übersetzt. Natur und Kultur bleiben dabei duale Bezugssysteme, zwischen denen sich die Techniken des Umschließens und Verkleidens bewegen: Verpackte Natur als kultureller Akt, umhüllte Haut als zivilisatorischer Gestus, das Heilige als Verpackung des „natürlich“ Profanen, Mumifizierung als Verpackung der Verstorbenen, der Sarg als Verpackung und Herberge der Toten, das Situative als Verpackung des Gegenwärtigen, Verpackungsformen in der Werbung als „natürliche“ Formen der Reproduktion, das Covering in den Medien und in der Musik zur Konstituierung neuer Realitäten etc.

Die Frage nach der Funktionalität ist dabei jeweils die interessanteste: weshalb wird verhüllt und verpackt? – Inwiefern stehen bei diesen Techniken Nützlichkeit, Funktionalität oder Sinnverschleierung einander diametral gegenüber? Welche Rolle spielen dabei Vorschriften, gesellschaftliche Codes oder kulturelle Grundlagen? Werden sie durch Übung oder Nachahmung von Vorbildern initiiert, stellen sie sich als Widerstandshandlungen dar oder verstehen sie sich lediglich als Phänomene der Selbstreferentialität?
Diesen Fragen möchten wir nachgehen.

Wir bitten für diesen Sammelband um Einsendung eines abstracts (2.500 bis 3.000 Zeichen) mit Titel bis spätestens zum 15. August 2013 an die e-mail-Adressen: michaelfisch@ymail.com und USeiderer@culture.hu-berlin.de


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss15.08.2013
PersonName: Prof. Dr. Michael Fisch / Dr. Ute Seiderer  
Funktion: Helwan University Kairo / TU Dresden  
E-Mail: michaelfisch@ymail.com / USeiderer@culture.hu-berlin.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/32770

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 08.06.2013 | Impressum | Intern