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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Genter Workshop über Narrativität und Performance"
RessourcentypVerschiedenes (Workshops, Sommerschulen u.a.)
TitelGenter Workshop über Narrativität und Performance
BeschreibungGenter Workshop über Narrativität und Performance (11.06.2013, Universität Gent, Belgien)

Während die Überschneidungen von Narration und Drama bereits eingehend im Hinblick auf diegetische Funktionen narrativer Interventionen (Nünning/Sommer 2008) sowie bezüglich spezifischer Experimente innerhalb des Dramas (etwa Brechts episches Theater, Traumspiele usw.) untersucht worden sind, so zielt der Workshop auf die Auskundschaftung systematischer und konzeptueller Herausforderungen, die sich aus der unlängst verstärkt vorkommenden Interferenz von Narrativität und Performance erklären.
In Folge der einschlägigen Studien von Lehmann (1999) und Fischer-Lichte (2004) haben sich die Theaterwissenschaften im deutschsprachigen Raum hauptsächlich Aufführungen gewidmet. Sie richte(te)n ihr Augenmerk auf postdramatische Inszenierungspraktiken, die audio-visuelle oder gestische Qualitäten szenischer Theatralität hervorheben, wobei der narrative Plot und/oder ein inhaltlich-sprachliches Skript (sofern der Inszenierung eins voraus geht) ins Hintertreffen geraten sind. Indes erweist sich der Begriff des Narrativen, wie er im Bereich der Performance Studies (mit z.T. äußerst negativer Aufladung) Verwendung findet, im Licht jüngster konzeptueller Entwicklungen als revisionsbedürftig. Neuere Untersuchungen (Birkenhauer 2005, Bayerdörfer 2007, Vanhoutte 2011) betonen entweder die Bedeutung des Theatertexts aufs Neue oder sie beobachten eine Rückkehr zum Narrativen – letzteres insbesondere in transnationalen Performances (Breger 2012).
Mit Claudia Bregers An Aesthetics of Narrative Performance (2012) hat ein andauerndes Bemühen Ausdruck gefunden, eine neue konzeptuelle Werkzeugkiste bereitzustellen, mit der sowohl postdramatischer Inszenierungspraxis als auch experimentellen narrativen Formen Rechnung getragen werden kann. Die Frage, wie diese erneute Begegnung zwischen Narration und Performance angemessen in Begriffe zu fassen ist, steht aber weiterhin zur Debatte. Einige neuere Definitionen des Narrativen haben sich vom Primat der Indirektheit entfernt, um sich auf Verkörperung und (nachhaltige) Experimentalität sowie Ereignishaftigkeit/Präsenz zu konzentrieren (Caraciollo 2012). Gleichzeitig haben andere Theoretiker/innen argumentiert, dass mikronarrative Strategien plausible Erklärungsmodelle darstellen, um zu analysieren, wie konventionelle Erzählmuster in Performances unterbrochen werden (Martens/Elshout, in Vorbereitung).
Gerda Poschmann (1997) prägte den Begriff der „Texttheatralität“, womit die performative Ebene eines Textes hervorgehoben wird – im Gegensatz zur gewöhnlichen Perspektive auf den Text, der seine Performativität erst durch die szenische Umsetzung erfährt. Darüber hinaus ermöglicht die intermediale Ausrichtung zeitgenössischer Inszenierungen einen erweiterten Blick auf die Präsentation von Ereignissen, was eine Nähe zum Narrativen ausdrückt (vgl. Arteel 2007). Gerade durch Intermedialität werden die Voraussetzungen problematisiert, dass narrative Texte grundsätzlich vermittelt seien (etwa durch einen Erzähler) bzw. dass das Drama Ereignisse auf eine unmittelbare Art und Weise zeige (Puchner). Die intermedialen und postdramatischen Einflüsse fallen mit dem erneurten künstlerischen Interesse am antiken Drama zusammen, das mit chorischen Gesängen, Botenberichten und epischer Narration ausgestattet ist (De Jong 1991). Des Weiteren lässt sich beobachten, wie sich Theaterschaffende verstärkt (freien Adaptionen von) Romanen zuwenden, also vorzugsweise narrativem Material eher als dem Repertoire. Somit werden die spezifischen Genregrenzen zwischen Narration und Drama/Theatertext auch von Seiten der Künstler/innen herausgefordert.
Dieser Workshop zielt darauf ab, Spezialist/innen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen zu bringen, um die konzeptuellen Notwendigkeiten zu diskutieren, welche sich aus der wiederbelebten Begegnung von Narration und Performance ergeben.

Im Zuge des Workshops wird Prof. Claudia Breger (Indiana University) ihre neue Veröffentlichung An Aesthetics of Narrative Performance (Ohio UP 2012) an der Universität Gent vorstellen. Andere Forscher/innen werden sich der Debatte anschließen und methodologische sowie praktische Aspekte diskutieren.

13.30 - 14.00: Claudia Breger (Indiana University): An Aesthetics of Narrative Performance
14.00 - 14.30: Gunther Martens (UGent): Response
14.30 - 15:15: Kaffeepause
15.15 - 15.45: Nico Theisen (UGent): Narrative im Theater René Polleschs - Biografie, Wissenschaft und das Komische
15.45 - 16:15: Inge Arteel (VUB): Mayröcker, Reise durch die Nacht (Buch & Inszenierung Katie Mitchell)
16.15 - 17:30: Diskussionsrunde (zusammen mit Janine Hauthal sowie anderen Teilnehmer/innen)

Claudia Breger ist Associate Professor of Germanic Studies sowie Adjunct Associate Professor of Communication and Culture and Gender Studies an der Indiana University.
Gunther Martens ist Professor für Deutsche Literatur an der Universität Gent.
Nico Theisen ist Mitarbeiter im Projekt „Text Theatricality – An integrated approach through narratology and performance studies”, das vom Flämischen Forschungsfonds gefördert wird.
Inge Arteel ist Professorin für Deutsche Literatur an der Freien Universität Brüssel.
Janine Hauthal ist Geschäftsführerin des Zentrums für Graduiertenstudien (ZGS) der Bergischen Universität Wuppertal.

Die Teilnahme ist kostenfrei, für weitere Informationen bzw. Vorschläge für Beiträge zur Diskussion wenden Sie sich an Nico.Theisen@UGent.be.

Organisation durch die Forschergruppe Deutsche Literatur der UGent, die Projektgruppe „Texttheatralität” (UGent/VUB) und das SEL - Centre for the Study of Experimental Literature (UGent/VUB).

Konferenzsprachen: Englisch und Deutsch
Ort: Philosophische Fakultät, Blandijn 2, B-9000 Gent, Belgien
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGent
Beginn11.06.2013
Ende11.06.2013
PersonName: Nico Theisen 
E-Mail: Nico.Theisen@gmail.com 
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche Sprache und Literatur, Universität Gent 
Strasse/Postfach: Blandijn 2 
Postleitzahl: B-9000 
Stadt:  Gent 
Internetadresse: http://www.literarystudies.ugent.be/german 
LandBelgien
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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