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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "B. Traven. Text – Autor – Textgeschichte"
RessourcentypCall for Papers
TitelB. Traven. Text – Autor – Textgeschichte
BeschreibungB. Traven. Text – Autor – Textgeschichte

Internationale Fachkonferenz
Deutsches Literaturarchiv Marbach a. N., 18. bis 20. März 2009


CALL FOR PAPERS

Die historisch-philologische Befassung mit B. Traven hat zum gegenwärtigen Zeitpunkt vornehmlich zwei dringliche Aufgaben.

Es ist zum einen nötig, das diskursive Profil der literarischen Persona Marut / Traven aus dem mentalitätsgeschichtlichen Konglomerat der Jahrhundertwende 1900 zu ‚erklären‘. Hierfür ist die Heranziehung der frühen Romanentwürfe und unveröffentlichten Erzählungen aus dem sog. Mermet-Nachlaß (Rivera Library, Riverside) letztlich unverzichtbar. Nach dem bisher bekannt Gewordenen scheint sich die Entwicklung von Maruts literarischem Denken im gesamten breiten Spannungsfeld von Nietzsche-Wirkung und Darwin-Mode, vitalistischem Monismus und Bewegungen der ‚Lebensreform‘, Anarchismus-Traditionen und Erzählinhalten des Kolportageromans zu vollziehen. Es bedarf der Klärung, wie das im Frühwerk sich herausbildende Ideen- und Plot-Amalgam durch den Schock der Konfrontation mit der Welt in Mexiko fast sofort zu der Gestalt gefunden hat, die uns im Werk Travens so unverkennbar begegnet.

Kaum weniger wichtig, allerdings früher zu Ergebnissen führend und deshalb aus pragmatischen Gründen zeitlich vorzuziehen dürfte zum andern sein, den Autor und das Werk durch die Applikation von Verfahren der literaturwissenschaftlichen Text- und Struktur­analyse nachhaltig zu ‚nobilitieren‘. Erkenntnisgewinn setzt die Bereitschaft zum Gebrauch eines anspruchsvollen Instrumentariums voraus; erst die Unterstellung des Vorliegens komplexer Textstrategien öffnet die Augen für entsprechende Befunde. Das ist für die Traven-Philologie öfter kein Leitprinzip gewesen – zum Schaden des Autors, der bei fragloser Geltung politisch linker Axiome ein genehmer Gewährsmann, in allen anderen Fällen aber eher nur ein Unterhaltungsschriftsteller oder auch grobschlächtiger Schwarz-Weiß-Maler war. Diese Konstellation von Alternativen muß aufgelöst werden. Bereiche, über welche das nach bisher bereits vorliegenden Arbeiten vielversprechend möglich erscheint, wären z. B.

– die linguistisch-stilistische Bestimmung der diversen Sprachregister,
– die Analyse der Logiken, nach denen die Kopplung unterschiedlicher Diskurse zu
Argumentationseinheiten vonstatten geht,
– die Interpretation der Wertevermittlung durch den Erzähler und dessen wechselnde
Positionsnahmen,
– die narratologische Untersuchung der Erzählverfahren.

Text- und strukturanalytische Fragen haben nun aber bei Traven – das ist seit längerem bekannt – vorab damit zu rechnen, daß die Textgeschichte der Romane in mehrfacher und z. T. präzedenzloser Hinsicht komplex ist. Dies gilt nicht nur für die vertikale (chronologische) Geschichte der deutschen Fassungen, sondern auch für die horizontale (topographische) Konstellation der Neufassungen in anderen Sprachen bzw. autorisierten Übersetzungen. Unter diesem Aspekt der Textgeschichte tritt zugleich und zusätzlich der Autor ins Blickfeld. Der Autor ist in diesem Fall selbstverständlich nicht als ein genealogisch zu entschlüsselndes Rätsel zu fassen, sondern als Handelnder im literarischen Feld: z. B. als der Korrepondenzpartner der Büchergilde Gutenberg und anderer Verlage, als der Exulant in Mexiko unter anderen deutschen Exilschriftstellern, als der späte Agent seiner früher erfolgreichen Bücher unter den Bedingungen der Jahre nach 1950 oder als das Kollektiv, das sich aus Traven und je neuen Übersetzern und Verlagslektoren bildete. Der zweite der heute dringlichen Aufgabenkomplexe verbindet demnach die Spielarten der Textanalyse mit den Aspekten der Textgeschichte (und der Textkritik) sowie mit der methodisch kontrollierten Konstruktion von Bildern des Autors.

So erklärt sich der Titel „Text – Autor – Textgeschichte“, unter dem die für das Jahr 2009 vorgesehene Tagung ausschließlich diesem zweiten Vorhaben gewidmet sein soll. Einige der in der Erforschung Travens ausgewiesenen Fachvertreter konnten für die Veranstaltung, deren unmittelbarer Anlaß die vierzigste Wiederkehr von B. Travens Todestag (26. März 1969) ist, bereits gewonnen werden. Die hier veröffentlichte Ausschreibung wendet sich daher besonders auch an jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Bitte um Vortragsangebote zur skizzierten Thematik. Dringend erwünscht sind nicht zuletzt Studien zu den teilweise unter Travens Mitwirkung entstandenen englischen und spanischen Ausgaben seiner Werke. Auch wenn grundsätzlich Deutsch die Konferenzsprache sein soll, wären für Beiträge von anglistischer bzw. hispanistischer Seite abweichende Regelungen möglich.

Vortragsangebote mit der üblichen kurzen inhaltlichen Skizze sowie einer Kurzbiographie werden postalisch oder elektronisch erbeten an eine der unten genannten Adressen bis zum 29. Februar 2008.

Ein Antrag auf finanzielle Unterstützung der Konferenz soll gestellt werden. Ob es dann möglich sein wird, Reise- und Übernachtungskosten zu erstatten, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings noch nicht zu sagen.


Ansprechpartner und Leitung der Tagung:
Prof. Dr. Günter Dammann
Institut für Germanistik II
Universität Hamburg
Von-Melle-Park 6
20146 Hamburg
Tel. +49-(0)40-42838-2734
Fax +49-(0)40-42838-3553
E-Mail (Univ.): fs7a026@uni-hamburg.de
E-Mail (priv.): guenter.dammann@ewetel.net


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMarbach
Bewerbungsschluss29.02.2008
Beginn18.03.2009
Ende20.03.0209
PersonName: Günter Dammann 
Funktion: Kontakt 
E-Mail: fs7a026@uni-hamburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Germanistik II, Universität Hamburg 
Strasse/Postfach: Von-Melle-Park 6 
Postleitzahl: 20146  
Stadt: Hamburg 
Telefon: +49-(0)40-42838-2734 
Fax: +49-(0)40-42838-3553 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.18.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
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