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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Guter Rat. Glück und Erfolg in der Ratgeberliteratur, 1900-1940"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelGuter Rat. Glück und Erfolg in der Ratgeberliteratur, 1900-1940
BeschreibungGlück und Erfolg können als regulative Leitideen bei der Gestaltung individueller Lebensläufe im 20. Jahrhundert gelten. Als „trading zone“ (Gallison 1997) zwischen Gegenwartsgestaltung und Zukunftsplanung, Psychologie und Lebensphilosophie, kollektiven Ansprüchen und individuellen Wünschen, ökonomischer Realität und phantasmatischer Anspruchshaltung hat sich dabei die Ratgeberliteratur etabliert. Ihre Analyse ermöglicht die Rekonstruktion konkreter alltäglicher Praktiken, die Glück und Erfolg mit spezifischen Subjektivierungsformen kombinieren und dadurch in eine symbolische Ordnung überführen. Durch solch eine praxeologische Annäherung will der Workshop die vielfältigen und keineswegs immer harmonischen Beziehungen zwischen Glück und Erfolg thematisieren. Indem er zudem das Augenmerk auf die Zeitspanne von 1900 bis 1940 legt, wird ein von der historisch, soziologisch und literaturwissenschaftlich ausgerichteten Forschung, deren Interesse bislang mehr der Genealogie der Therapiegesellschaft nach dem 2. Weltkrieg (Brüsemeister 2004; Duttweiler 2007; Traue 2010; Illouz 2011; Maasen 2011) oder einer zeitübergreifenden Kulturgeschichte des Ratgebens (Helmstetter 1999) galt, wenig behandelter Zeitraum ins Zentrum des Interesses gerückt. Diese Zurückhaltung überrascht umso mehr, als die Expansion des Beratungswissens, wie insbesondere am Beispiel der Sexualberatung nachgewiesen worden ist (Maasen ; Jensen 2011), schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beginnt (Himes 1940). In diesem Zeitraum werden durch die Psychoanalyse die Grundlagen für die Therapiegesellschaft gelegt, zentrale Konzepte wie die Autosuggestion eingeführt, die Unsicherheiten der Moderne als Zeitalter der Extreme durch stark normativ gefärbte Verhaltenslehren bekämpft (Lethen 1994). Nicht zufällig fallen Klassiker wie Emile Coués "La maîtrise de soi-même par l’autosuggestion consciente" (1922), Gustav Großmanns "Sich selbst rationalisieren" (1927), Napoleon Hills "The Law of Success" (1928) oder Franz Jungs Essays über Glückstechniken (1921-23) in diese Sattelzeit der Ratgeberliteratur. Anders als in der späteren Ratgeberliteratur stand in diesen Ratgebern nicht das Phantasma einer direkten Interaktion, wie sie durch die therapeutische Szene vorgegeben ist, im Mittelpunkt, sondern die indirekte suggestive Einflussnahme in Schriftform, die sich in Rezeptionsanweisungen, aber auch in der Empfehlung bestimmter Aufschreibepraktiken niederschlug. Die medialen Implikationen schriftlicher Ratgeber, die sich an ein zerstreutes Rezepientenkollektiv richteten, sollen am geplanten Workshop mitreflektiert werden.

Der Workshop verfolgt daher primär zwei Erkenntnisinteressen: 1) Zunächst geht es darum, anhand der Ratgeberliteratur eine historische Typologie glücks- und/oder erfolgsbasierter Subjektivierungsformen aufzustellen, um dadurch einen Rahmen zu schaffen, der die mit ihnen verbundenen Formen sozialer Agency vergleichbar macht; 2) gilt das Interesse der den Ratgebern eigenen Mediologie, d.h. jenen Techniken der indirekten Lenkung, die Individuen in die Lage versetzen sollen, sich selbsttätig auf in der Zukunft liegende Glücks- und Erfolgsmomente auszurichten.

Das komplette Konzept findet sich unter: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=20118


Workshopprogramm (Konzept und Organisation: Stephanie Kleiner/Robert Suter):

Donnerstag, 11. April 2012

09.00-09.30h: Stephanie Kleiner/Robert Suter (Konstanz): Einleitung

Panel I (Moderation: Robert Suter)

09.30-10.30h: Rudolf Helmstetter (Erfurt): Erfolg – ein Begriffs-Parvenu. Zu einem Phantasma der Moderne

10.30-11.00h: Kaffeepause

11.00-12.00h: Stefanie Duttweiler (Zürich): Glück durch dich Selbst. Subjektivierungsformen in der Ratgeberliteratur der 1920er Jahre

12.00-13.30h: Mittagspause

Panel II (Moderation: Bernhard Kleeberg)

13.30-14.30h: Wim Peeters (Dortmund): Selbsthilfe durch die „Macht des Beispiels“. Der Weg zum Erfolg durch eigene Kraft von Hugo Schramm-Macdonald

14.30-15.30h: Astrid Ackermann (Jena): „Das Glück im Kleinen“. Weibliche und männliche Wege zum Glück in der Ratgeberliteratur

15.30-16.00h: Kaffeepause

16.00-17.00h: Roman Rossfeld (Zürich): „Kundschaft ist kein Erbgut“. Handelsreisende im Spiegel der modernen Ratgeberliteratur, 1880-1930

17.00h-18.00h: Malte Bachem (Zürich): Beruf und Persönlichkeit. Zuordnungsroutinen der Berufsberatung in der Schweiz um 1920


Freitag, 12. April 2012

Panel III (Moderation: Stephanie Kleiner)

09.00-10.00h: Stefan Rieger (Bochum/Konstanz): (Selbst-)Induktion. Zur Physik des Glücks

10.00-11.00h: Heiko Stoff (Braunschweig): Der erfolgreiche Mensch. Ludwig Lewins transatlantisches Projekt, 1928

11.00-11.30h: Kaffeepause

11.30-12.30h: Thomas Steinfeld (SZ): „Ich will, ich kann“. Über den doppelten Übergang der Lebensphilosophie zu Selbstoptimierung und Formalismus bei Broder Christiansen

12.30-13.00h: Abschlussdiskussion
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKonstanz
Beginn11.04.2013
Ende12.04.2013
PersonName: Robert Suter 
Funktion: Wissenschaftlicher Mitarbeiter exc16 
E-Mail: robert.suter@uni-konstanz.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Konstanz 
Strasse/Postfach: Fach 213 
Postleitzahl: 78457 
Stadt: Konstanz 
Telefon: 0049-7531-88-5633 
E-Mail: robert.suter@uni-konstanz.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
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