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Ergebnisanzeige "Pragmatik und Ästhetik des Kleinen. Literarische, visuelle und mediale Mikroformate im 20. und 21. Jahrhundert"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelPragmatik und Ästhetik des Kleinen. Literarische, visuelle und mediale Mikroformate im 20. und 21. Jahrhundert
BeschreibungInternationales Symposion: Pragmatik und Ästhetik des Kleinen. Literarische, visuelle und mediale Mikroformate im 20. und 21. Jahrhundert
Universität Paderborn, Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft, Warburger Straße 100, 33098 Paderborn, Raum P. 1.301

Vom 24.-26. April 2013 findet an der Universität Paderborn ein interdisziplinäres Symposion zu einem Thema statt, das sich mit einem noch nicht hinreichend erforschten Phänomen auseinandersetzt: Mit literarischen, bildkünstlerischen und medialen Formaten des Kleinen, die parallel zu der sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts rapide beschleunigenden Lebenszeit (Rosa 2005) an Signifikanz gewinnen. Es ist zu beobachten, dass Literatur, Kunst und (populäre) Medien des 20. und 21. Jahrhunderts auf die Dynamisierung von Vernetzungs- und Interaktionsprozessen und die daraus resultierende Begrenzung von Aufmerksamkeits- und Zeitressourcen mit dem „kommunikativen Imperativ“ (Maren Jäger) der Kürze reagieren. Sie stehen damit an der Spitze eines Transformationsprozesses von Zeiterfahrung, der im 19. Jahrhundert seinen Ausgang nimmt und im gegenwärtigen Zeitalter der Globalisierung, des Turbokapitalismus und Internets zu einem Höhepunkt gelangt ist. Informations- und Kommunikationsformate der Kürze finden sich in narrativen und visuellen wie objektbezogenen und installativen Mikroformaten, die sich als Resultat vorausgegangener Praktiken der Mikroanalyse, wie etwa der Zerschlagung großer Sinneinheiten, der Fokussierung von Details, oder der Neuordnung von Fragmenten präsentieren. Solche Mikroformate, soweit ihnen die temporale Qualität der Kürze eignet, reagieren auf die Erfahrung von Zeitknappheit, auf den Wunsch nach umstandsloser Erfassung des Gegenstands und die Distribution von Wissen in komplex gewordenen Lebenswelten; nicht selten werden sie aber zu Indikatoren eines zunehmenden Bedürfnisses nach Entschleunigung: Sie sistieren den Augenblick im Vollzug seines Vergehens, sie schärfen den Blick für die Materialität und Erscheinungsweise des Flüchtigen, Ephemeren und lenken die Aufmerksamkeit auf das Detail, auf das scheinbar Nebensächliche, Triviale, Unauffällige.

Weil das Kleine immer nur in Relation zum Großen als klein erscheint, ist die qualitative Größe des Kleinen schwer zu definieren, sie hat „viele Gesichter“ (Schuller; Schmidt 2003). Ihre erkenntnistheoretische und kulturpolitische Aufgabe systematisch zu erfassen, birgt also eine gewisse Herausforderung. Gleichwohl kann in Verbindung mit der temporalen Kategorie der Kürze eine Pragmatik und Ästhetik des Kleinen bestimmt werden, wie sie sowohl auf poetologischer, visueller, medialer wie materieller Ebene zu beobachten ist. In welcher Weise machen Mikroformate die Wirkungsrelevanz von Vergänglichkeit und Flüchtigkeit im Raum erfahrbar? Inwiefern schärfen sie das Bewusstsein für eine noch nicht absehbare Wende in der Neukonstituierung und Neuordnung kulturellen Wissens? Die Vorträge der Tagung möchten auch die in jüngster Zeit zu beobachtende Aufwertung kleiner Formate für kulturelle und gesellschaftliche Bildungskonzepte in den Blick nehmen. In welcher Weise scheint gerade im Kleinen das Große beschlossen zu liegen? (vgl. Schuller; Schmidt 2003/Schäffner; Weigel; Macho 2003) Und: Welche Bedeutung kommt dem Kleinen bei der Vermittlung von Normen und Werten und bei der Prägung von Identität und kollektiven Gedächtnissen zu? Aus erfahrungsgeschichtlicher Perspektive sind es insbesondere die kleinen, alltäglichen Geschichten (Oral History), durch die das Individuum einen Bezug zwischen einer Gegenwart und einer Vergangenheit herstellt und sich in seiner jeweiligen „Zeitheimat“ zu verorten versucht. (vgl. Nora 1998; Reulecke 2003, Reulecke; Schulz; Radebold 2009, Reulecke 2010)

Programm

Mittwoch, den 24. April 2013

8.30h-9.00h: Begrüßung und Einführung
Claudia Öhlschläger, Sabiene Autsch, Merle Tönnies, Christina Bartz (Paderborn):
Das Kleine denken/schreiben/zeigen.

9.00h-10.00h
Maren Jäger (Mainz):
Die Kürzemaxime im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund der antiken und (früh)neuzeitlichen brevitas-Diskussion

10.00h – 11.00h
Andreas Käuser (Siegen):
Zur Modernität kleiner Prosaformen

11.00h-11.30h Kaffeepause

11.30h-12.30h
Serena Grazzini (Pisa):
Kabarettistische Kleinkunst in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts

12.30h-13.30h
Christa Baumberger (Bern):
Emmy Hennings als Feuilletonistin der Zwanziger und Dreißiger Jahre

13.30h-14.30h Mittagspause

14.30h-15.30h
Monika Leipelt-Tsai (Taiwan):
Mikrologische Formen von Bildern und Texten Else Lasker-Schülers

15.30h-16.30h
Silke Horstkotte (Leipzig):
„Augenblicksbeobachtungen“: Wahrnehmungen beim frühen Kafka

16.30h-17.00h Kaffeepause

17.00h-18.00h
Robert McCulloch (Baltimore, USA):
Robert Walsers literarische Kurzformen

18.00h-20.00h Abendessen

20.30h Abendvortrag
Renate Brosch (Stuttgart):
Visualität der Short Story


Donnerstag, den 25. April 2013

9.00h-10.00h
Cornelia Blasberg (Münster):
Spannungsverhältnisse. Kleine Formen in großen

10.00h-11.00h
Jens Birkmeyer (Münster):
Kürze als Kritik der Zeit. Verdichtung und Verknappung in Alexander Kluges Erzählungen

11.00h-11.30h Kaffeepause

11.30h-12.30h
Matthias Thiele (Braunschweig):
Notizen

12.30h-13.30h
Johannes Süßmann (Paderborn):
Das Geschichtsfeuilleton in Deutschland und Frankreich (Friedrich Sieburg und Thédore Gosselin)

13.30h-14.30h Mittagspause

14.30h-15.30h
Jens Schröter (Siegen):
Sehr kurze Bewegungsbilder. Zur Geschichte und Theorie einer kleinen Form

15.30h-16.30h
Matthias Brütsch (Zürich):
Auf den Punkt gebracht. Formen der Verdichtung und Pointierung im Kurz- und Kürzestfilm

16.30h-17.00h Kaffeepause

17.00h-18.00h
Alexander Schlicker (München):
(Spiel)Filme/Trailer/Credits: Filmische Mikrostrukturen in medientheoretischer Perspektive

18.00h-19.00h
Christoph Jacke (Paderborn):
Verknappung, Vereinfachung und Konzentration in popkulturellen Formaten am Beispiel von Musik-Clips

19.00h Abendessen


Freitag, den 26. April 2013

9.00h-10.00h
Gunnar Schmidt (Trier):
Miniaturen in der Medienkunst (Bill Viola, Tony Oursler)

10.00h-11.00h
Jutta Ströter-Bender (Paderborn):
Historische Architekturmodelle: Materialität und ästhetische Präsenz

11.00h- 11.30h Kaffeepause

11.30h-12.30h
Lisa Gotto (Köln):
Über/Schreiben. Zur Vervielfältigungsform der TippExperience

12.30h-13.30h
Joseph Imorde (Siegen):
Nippes. Beheimatung in Kleiner Form

13.30h- 14.00h Mittagsimbiss

14.00h-15.00h
Therese Weber (Basel):
Kleinste Einheit der Form - Papierfaser

15.00h-16.00h
Michael Niehaus (Dortmund):
Mikro-Narration und Serialität im frühen Comic Strip

16.00h-16.30h Kaffeepause

16.30h -17.30h
Harald Lemke (Lüneburg):
Zur Ästhetik der Molekularküche. Gestaltungsprozesse im Nanobereich

17.30h-18.00h
Abschließende Überlegungen und Ausblicke

Kontakt:

Prof. Dr. Claudia Öhlschläger
Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft, Pb
05251/60-3212
claudia.oehlschlaeger@uni-paderborn.de

Prof. Dr. Sabiene Autsch
Institut für Kunst/Musik/Textil, Pb
05251/60-2985
sabiene.autsch@upb.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPaderborn
Beginn24.04.2013
Ende26.04.2013
PersonName: Öhlschläger, Claudia [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: claudia.oehlschlaeger@uni-paderborn.de 
Name: Autsch, Sabiene [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: sabiene.autsch@upb.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Paderborn, Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft 
Strasse/Postfach: Warburger Straße 100 
Postleitzahl: 33 098 
Stadt: Paderborn 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.)
Ediert von  H-Germanistik
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