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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Helmut Krausser und die Gegenwartsliteratur der Romantik"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelHelmut Krausser und die Gegenwartsliteratur der Romantik
BeschreibungDas Kolloquium "Helmut Krausser und die Gegenwartsliteratur der Romantik" findet im Anschluss an die Poetikprofessur der LMU statt. Von Wolfgang Frühwald begründet wird die Poetikprofessur seit dem WS 2007/08 von Oliver Jahraus weitergeführt und in diesem Jahr an den Schriftsteller Helmut Krausser verliehen. Das Kolloquium untersucht das spannungsreiche Verhältnis zwischen signifikanten Tendenzen der Gegenwartsliteratur und der Rezeption der Romantik im Werk Helmut Kraussers. Es analysiert die Aufnahme europäischer Literaturtraditionen wie der Romantik und des realistischen Erzählens in der Gegenwartsliteratur. Zugleich blickt das Kolloquium exemplarisch am Beispiel des Werks von Helmut Krausser auf das zeitgenössische literarische Feld in Deutschland und die Rezeption
deutscher Literatur im Ausland.

Helmut Krausser gehört zu den avanciertesten Literaten der deutschen und internationalen Gegenwartsliteratur. Er gehört zu den Erzählern, die es verstehen, an die großen europäischen Erzähltraditionen der Romantik und des Realismus anzuknüpfen und diese Tradition eigenständig weiterzuführen, innovativ und geradezu avantgardistisch mit Erzählkonstruktionen umzugehen, ungeahnte erzählerische Raffinessen in Texte einzubauen und die Plots auf sehr komplexe Weise zu entfalten. Das ist nicht zuletzt durch die thematischen Interessen seiner Texte vorgegeben. Will man es auf den Begriff bringen, so könnte man Helmut Krausser den letzten Romantiker, den Romantiker in der Gegenwartsliteratur nennen - und zwar durchaus in einem literarhistorisch kritischen Begriff von Romantik. Romantik wäre hierbei weniger als eingeschränkte Epochenbezeichnung zu verstehen, denn vielmehr als Begriff eines komplexen Problempotenzials epochalen Ausmaßes im Ausgang des Aufklärungsdenkens und am Beginn der Moderne. Gemeint ist hier ein Verständnis von Romantik, in dem sich in seiner literarischen Ausprägung in ganz besonderer Weise jene Aporien bündeln, die mit der Idee eines sich selbst ästhetisch begründenden Subjekts im Kontext einer freiheitlichen Grundordnung verknüpft sind. Als typisch
romantische Problempotenziale verstanden werden können in diesem Sinne Fragen nach den Bedingungen der Möglichkeit, aber auch nach den Grenzen und nach (den Formen) der Unmöglichkeiten subjektiver Selbstbegründung, nach dem Selbstverlust, nach der daraus resultierenden Bedeutung der Liebe und Sexualität ("Eros"), aber auch ihrer Nachtseiten, Verwerfungen, Verzerrungen, einerseits und der Kunst und vor allem der Musik andererseits ("Melodien"), auch nach den Formen scheiternder Selbstbegründung im Wahnsinn und Tod und schließlich auch die Frage nach den Folgelasten dieser scheiternden Subjektkonstitution für die soziale Ordnung, also nach Verbrechen, Gewalt und Perversion ("Hagen Trinker", "UC").

Helmut Krausser greift in seinem Werk diese Problempotenziale auf und aktualisiert sie, indem er sie an die Bedingungen moderner oder postmoderner, bürgerlicher oder spätkapitalistischer Lebenswelten anpasst, dabei aber zugleich auch ihre zeitüberdauernde Relevanz ausstellt. Als eines der wichtigsten literarischen Instrumente dient ihm hierzu der Mythos: Er mythisiert seine Helden und Sujets und reflektiert doch gleichzeitig den Mythos als eine Form der Rede, die das historisch spezifische Problempotenzial überzeitlich aktualisiert, indem sie es auf grundlegende Bedeutungen zurückführt. So wird z.B. der Wahnsinn durchaus in psychotherapeutische Kontexte gestellt, aber gleichzeitig die Unmöglichkeit des analytischen Zugriffs aufgezeigt, der vor einer
Konstellation kapitulieren muss, in der die Infragestellung auch auf die Formen ihrer Beschreibung ausgreift ("Der große Bagarozy",
"Schmerznovelle").

Das sind die großen Themen, die Helmut Krausser, wohl als einer der ganz wenigen Autoren der Gegenwartsliteratur, nicht scheut: das gefährdete oder scheiternde Subjekt, den Wahnsinn, die Kunst, die Musik, aber auch die Literatur, die Liebe und die Sexualität an den extremen Rändern der Gesellschaft, ganz unten oder ganz oben, im Spannungsfeld von Mittellosigkeit und überbordendem Wohlstand. Hauchdünn ist dabei die Linie zwischen einer elaborierten Kultur und ihren Abgründen in der Obsession, der Perversion und dem Verbrechen, auf der sich die Protagonisten seiner Texte bewegen. Nachzuvollziehen, wie die Gegenwartsliteratur Helmut Kraussers gerade durch den äußerst produktiven Umgang mit der literarischen Tradition ihre Gegenwärtigkeit gewinnt, ist die leitende Perspektive des Kolloquiums. Es zeichnet dieses Werk geradezu aus, dass die Formen seiner Aktualität zugleich jene Formen sind, die dem Werk einen inneren Zusammenhalt geben.

Die Tagung findet statt im Literaturhaus in München vom 6. - 8. Dezember 2007
Salvatorplatz 1, 80333 München

Organisation:
Oliver Jahraus und Claude D. Conter
Ludwig Maximilians Universität München
Institut für deutsche Philologie
Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur und Medien
Schellingstr. 3, RGB 414
D-80799 München
089 / 2180-2377
oliver.jahraus@germanistik.uni-muenchen.de
claude.conter@lmu.de
www.oliverjahraus.de
www.claudeconter.de

Weitere Informationen: www.poetikprofessur.lmu.de


Tagungsprogramm

*Donnerstag *
14.00
Grußwort: Reinhard G. Wittmann (Literaturhaus München)
Eröffnung : Oliver Jahraus (München)

Figurationen der Romantik im Werk von Helmut Krausser
Aktualisierungen der Romantik

14.15 - 15.00
Jochen Hörisch (Mannheim): Die Politik der Liebe

15.00 - 15.45
Friedhelm Marx (Bamberg): Schwarze Romantik? Helmut Kraussers Teufelsgeschichte "Der große Bagarozy"

15.45 - 16.15 Kaffeepause

16.15 - 17.00
Claude D. Conter (München): Tatphantasien und Wahnsinn: Romantisches im Werk von Helmut Krausser

17.00 - 17.45
Christoph Jürgensen / Tom Kindt (Göttingen): Kunst und Macht im Werk Helmut Kraussers. Ein philologisches Destillat

17.45 - 18.30
Oliver Jahraus (München): Die Geburt des Autors Helmut aus dem Geist der Romantik


*Freitag *

Poesiekonzeption - Gattungsvielfalt
Tagebücher und Medien-Cross-Over

9.00 - 9.45
Dirk Niefanger (Erlangen): Kraussers Selbstinszenierungen. Die Tagebücher als Werbetexte in eigener Sache

09.45 - 10.30
Lutz Hagestedt (Rostock): Komisches. Eine poetologische Blütenlese

10.30 - 11.00 Kaffeepause

11.00 - 11.45
Eckhard Schumacher (München): "Abfall für alle - und keinen." Helmut Krausser im Netz

11.45 - 12.30
Lothar Bluhm (Koblenz-Landau): Helmut Krausser und das Tagebuch. Facetten des literarischen Schreibens im Diarium

12.30 - 14.15 Mittagspause

Poesiekonzeption - Gattungsvielfalt
Lyrik und Drama

14.15 - 15.00
Wulf Segebrecht (Bamberg):Der Lyriker Helmut Krausser. Eine Vorstellung

15.00 - 15.45
Johannes Birgfeld (Saarbrücken): Helmut Krausser - ein verkannter Dramatiker?

15.45 - 16.15 Kaffeepause

Poesiekonzeption - Gattungsvielfalt
Prosa

16.15 - 17.00
Steffen Martus (Erlangen): Kindermörder in der Erlebnisgesellschaft. Helmut Kraussers Hagen-Trinker-Trilogie im Kontext der
Literaturgeschichte seit 1989

17.00 - 17.45
Moritz Baßler (Münster): Blutiger Realismus. Zum Verfahren der Sinnstiftung in Helmut Kraussers Prosa

17.45 - 18.30
Klaus Maiwald (Augsburg): Nachtseiten. Susanne Straßers und Helmut Kraussers Bilderbuch "Wenn Gwendolin nachts schlafen ging"


*Samstag*

Figurationen der Romantik im Werk von Helmut Krausser: Musik und Künstlertum

9.00 - 9.45
Friedrich Vollhardt (München): Helmut Krausser und der historische Roman

9.45 - 10.30
Inga Mai Groote (München): Traurige Tropoi: Anmerkungen zu Kraussers "Melodien" und der Ideengeschichte des musikalischen Ethos

10.30 - 10.45 Kaffeepause

Helmut Kraussers Rezeption

10.45 - 11.30
Martin Rehfeldt (Bamberg): "anfänglich spannend, dann immer abstruser" - "bewußtseinsverändernd". Eine Annäherung an nicht-professionelle Lektüren von "UC"

11.30 - 12.15
Hans Peter Ecker (Bamberg): Professionelles Figuren- und Handlungsdesign. Helmut Kraussers "Die wilden Hunde von Pompeji"

12.15 - 13.00
Ingrid Bennewitz (Bamberg): "Unser Lied" - ein neues Lied? Helmut Kraussers "Gesang vom Untergang Burgunds" im Kontext zeitgenössischer Nibelungen-Rezeption.

13.00 - 14.30 Mittagspause

Krausser-Rezeption

14.30 - 15.15
Stefan Neuhaus (Innsbruck): "Zwischen Wahn und Wirklichkeit". Helmut Krausser und die Literaturkritik

15.15 - 16.00
Bernd Kiefer (Mainz):. Schockbehandlung. Krausser im Kino

Abschließende Diskussion


Die Tagung wird gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, vom Deutschen
Literaturfonds e.V. und von der Münchener Universitätsgesellschaft.

Dr. Claude D. Conter

Ludwig Maximilian Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstraße 3 / RG. - Zi. 420
D-80799 München

Telefon: 089 / 2180-3920
Mail: claude.conter@germanistik.uni-muenchen.de
www.claudeconter.de
Fachreferent für "Literatur und POlitik" bei IASLonline

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMünchen
Beginn06.12.2007
Ende08.12.2007
PersonName: Conter, Claude [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: claude.conter@lmu.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche Philologie an der Ludwig Maximilians Universität München 
Strasse/Postfach: Schellingstr. 3 
Postleitzahl: 80799  
Stadt: München 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur nach 1945
Klassifikation19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.13.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
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