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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Archiv für Mediengeschichte, No. 13, 2013"
RessourcentypCall for Papers
TitelArchiv für Mediengeschichte, No. 13, 2013
BeschreibungCall for Papers
Archiv für Mediengeschichte, No. 13, 2013
Mediengeschichte nach Friedrich Kittler

Das 13. Heft des Archivs für Mediengeschichte wird der Mediengeschichte nach Friedrich Kittler gewidmet sein, wobei der Doppelsinn von „nach“ Orientierung geben soll. Zum einen soll entsprechend eines Verständnisses von „nach“ im Sinne von „gemäß“ das Besondere einer Kittlerschen Mediengeschichtsschrei¬bung reflektiert werden. Diese Art der historischen Medienwissenschaft, die sich in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts vor allem in Teilen der Literaturwissenschaft, der Philosophie, der Psychoanalysetheorie und der Computerwissenschaft in Westdeutschland formierte, zielte nicht auf eine Theorie und Geschichte von Einzelmedien ab, die längst zur Ausdifferenzierung von einzelnen Forschungsdisziplinen geführt hatte (Fotografie-, Film-, Fernsehen-, Radio-, Computer-Studies), sondern auf eine Geschichte der Literatur, des Geistes, der Seele und der Sinne, die man der Literaturwissenschaft, der Philosophie, der Psychoanalyse und der Ästhetik wegzunehmen gedachte, um sie auf einem anderen Schauplatz aufzuführen: dem der Medien. Weil aber gar nicht die Medien im Fokus der Entdeckung standen, sondern ein Wechsel des Referenzrahmens der traditionellen Gegenstände der Geisteswissenschaften, d.h. eine „Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften“ (Kittler), kam von vornherein anderes in den Blick als diejenigen Medien (Presse, Film, Fernsehen, Radio), die die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, die Massenmedienforschung, die Mediensoziologie oder die Einzelmedienwissenschaften als ihre primären Untersuchungsfelder auswiesen. Eine Mediengeschichte „nach/gemäß“ Kittler rückte unscheinbare Wissenstechniken wie Zettelkästen, Schreibwerkzeuge und Schreibmaschinen, Diskursoperatoren wie Anführungszeichen, Medien der Pädagogik wie die Schiefertafel, Sekretäre und Sekretärinnen, Instrumente wie das Klavier oder Disziplinierungen wie die Alphabetisierung an die Stelle des ,Autors‘ oder des ,Stils‘ und an den Grund geistes- und kulturgeschichtlicher Umbrüche. Bei diesem Wechsel des Referenzrahmens der Geisteswissenschaften ging es darum, entgegen dem in den Geisteswissenschaften hegemonial herrschenden Imperativ des Verstehens, der Sinn stets in einer Spielart der Subjektivität (oder Selbstpräsenz) gründen ließ, Materialitäten – Nichtsinn – als Grund und Abgrund von Sinn erscheinen zu lassen.

Zum anderen aber sollen entsprechend eines Verständnisses von „nach“ im Sinne eines historischen „nach“ Chancen und Anschlußmöglichkeiten der Kittlerschen Mediengeschichtsschreibung vorgeführt und diskutiert werden. Nachdem die Kittlersche Archäologie kultureller Sinnsysteme vielfach des Technodeterminismus’ verdächtigt wurde, hat sich überall dort, wo Mediengeschichte im oben skizzierten Sinne betrieben wird, also zum Beispiel in den Kulturwissenschaften oder in der Wissenschaftsgeschichte, ein Pluralismus- und Interdependenzdenken verbreitet, das im Bemühen, jeden Determinismusverdacht zu vermeiden, dahin tendiert, jede Chance eines medienhistorischen Erkenntnisgewinns gleich mit zu opfern. Andererseits gibt es zweifellos im Bereich der Actor-Network-Theorie, der posthumanistischen Anthropologie oder der neuerdings sogenannten Thing-Theory in Frankreich, England und den USA ein Denken, das mit einer Mediengeschichte nach Kittler vielfache Überschneidungen aufweist, die indes noch nicht reflektiert und nach ihren Möglichkeiten befragt worden sind: das Interesse an einem Begriff von Materialität, der hinsichtlich seiner Gemeinsamkeiten und Unterschiede mit/zu Friedrich Kittlers Begriff von Hardware zu befragen wäre, die Dezentrierung des Sinns, die Depotenzierung des Subjekts und die Kritik am abendländischen Hylemorphismus (Tim Ingold), die Zuschreibung geschichtsmächtiger Agency an „assemblages“ (Manuel DeLanda), Gefüge (Deleuze/Guattari) oder Kollektive (Bruno Latour), die den Foucaultschen Dispositiv-Gedanken und das Modell der Aufschreibesysteme Kittlers aufgreifen und verändern, bis hin zur These einer „wesentlichen Technizität der Existenz“ (Jean-Luc Nancy) und zur Kritik an einer Technik- und Dingvergessenheit in den Human- und Gesellschaftswissenschaften, die wie schon bei Kittler nun erneut an Heidegger anschließt. Die Frage ist mithin, wie mediengeschichtliches Denken „nach“ Kittler einerseits anschlußfähig an internationale Richtungen posthumanistischer Theorie- und Methodenbildung werden kann, ohne dabei andererseits lau zu werden oder von den generellen Trends zum Netzwerkdenken oder zum Neovitalismus verschluckt zu werden.

Beiträge, die möglichst beide Bedeutungen des „nach“ in „Mediengeschichte nach Friedrich Kittler“ in innovativer und origineller Weise verbinden, sind höchst willkommen. Sie sollten 30.000 Zeichen nicht überschreiten und bis zum 01.09.13 vorliegen. Wir erbitten Kurzfassungen (Abstracts, Exposés) mit Kurzbiographien bis zum 13.04.13 an die Redaktion (rupert.gaderer[@]rub.de).

Die Herausgeber
(Friedrich Balke, Bernhard Siegert, Joseph Vogl)


Weitere Informationen zum Archiv für Mediengeschichte unter:
http://www.uni-weimar.de/de/medien/forschung-und-kunst/archiv-fuer-mediengeschichte/

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.uni-weimar.de/de/medien/forschung-und-kunst/archiv-fuer-med...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss13.04.2013
PersonName: Gaderer, Rupert 
E-Mail: rupert.gaderer@ruhr-uni-bochum.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Medienwissenschaft 
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 150 
Postleitzahl: 44780  
Stadt: Bochum 
E-Mail: rupert.gaderer@ruhr-uni-bochum.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationstheorie
Ediert von  H-Germanistik
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