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Ergebnisanzeige "Narrationen der Übergänge. Geschichten von Ende und Anfang in der deutschsprachigen Literatur vom Ende des 19. bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts"
RessourcentypCall for Papers
TitelNarrationen der Übergänge. Geschichten von Ende und Anfang in der deutschsprachigen Literatur vom Ende des 19. bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts
BeschreibungNarrationen der Übergänge. Geschichten von Ende und Anfang in der deutschsprachigen Literatur vom Ende des 19. bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts

Die Herausgeber des 34. Bandes der Studia Germanica Posnaniensia laden Sie ein, die Nummer mitzugestalten:

Abstracts im Umfang von max. 1 500 Zeichen - bis 28. Februar 2013
Entscheidung über die Annahme des Vorschlags - bis zum 15. März 2013
Frist für fertige Texte - 30. Juni 2013.
Email-Adressen der Herausgeber - spiontek@amu.edu.pl oder mwalkow@amu.edu.pl
Weitere Informationen - http://stgp.amu.edu.pl




Call for papers - Studia Germanica Posnaniensia, vol. 34 (2013)

Narrationen der Übergänge.
Geschichten von Ende und Anfang in der deutschsprachigen Literatur vom Ende des 19. bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts


Das Rahmenthema des geplanten nächsten Bandes der Zeitschschrift Studia Germanica Posnaniensia ist die Problematik von literarischen Narrationen der Umbruchszeit vom Ende des 19. bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts im deutschsprachigen Bereich. Geschichten von Ende und Anfang – im Mittelpunkt der Beiträge sollen also Prozesse von Wandel und Veränderung stehen, sowie die Frage, wie sie in literarischen Texten Ausdruck finden. Im 20. Jahrhundert scheint nämlich Wandel in der Zeitgeschichte die einzige Determinante zu sein, die konstant bleibt. Das für akzelerierte Modernisierungsprozesse charakteristische Phänomen mag und soll in drei grundsätzlich bedeutenden Dimensionen thematisiert werden: es sind historisch-politische, ökonomisch-materielle und gesellschaftlich-mentale Dimensionen.

In der hier in Frage kommenden Zeitspanne werden die wichtigsten Zäsuren des 20. Jahrhunderts analysiert. Die erste ist das mentale Ende des langen 19. Jahrhunderts – nämlich das Jahr 1914. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges bringt die erste große Zäsur mit sich. Zerstört wird nicht nur die Welt von belle epoque – es werden auch damit wesentliche Verwandlungsprozesse in Gang gesetzt, die bis heute weiter gehen. Im Hintergrund dieser Reflexion steht auch der kritische Gedanke von Niklas Luhmann, der in seinem opus magnum Die Gesellschaft der Gesellschaft zu finden ist: es ist nämlich der Abschied von Alteuropa, das mit allen seinen Potentialen endgültig in jener Zeit Vergangenheit wird, wobei Neueuropa durch den sekundären Geist gekennzeichnet ist und Alteuropa nur noch immer wieder aufs Neue zu rezipieren sucht. Die zweite wesentliche Zäsur ist das Jahr 1918: Kriegsniederlage(n) – Deutschland und Österreich-Ungarn gehen ja aus dem ersten Weltkrieg als große Verlierer hervor –, was ein bedeutender Umbruchspunkt ist. Für Deutschland bringt er die unerwünschte Demokratie und Verwandlungen in allen drei früher erwähnten Dimensionen. In den beiden Ländern steht infolgedessen auch die Identitätskrise im Mittelpunkt, die in die Literatur hineingeht und ein relevantes Thema bleibt. Die dritte Zäsur bietet das Jahr 1933. Der Zusammenbruch der Weimarer Republik und der Anfang des Dritten Reiches sind ja besonders folgenschwer – nicht nur für die deutschsprachigen Länder. Dieser gravierende Umbruch bewirkt zusätzlich die Teilung der deutschen und nach dem Anschluss Österreichs (1938) auch der österreichischen Literatur in die Exilliteratur und die „Landesliteratur“. Diese Problematik eröffnet große Explorationsräume, die auch innerhalb des hier gebotenen Rahmenthemas thematisiert werden können. Als Exempel kann hier der Text Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers von Stefan Zweig erwähnt werden, in dem gestern und heute antipodisch profiliert werden.

Das Jahr 1945 als ein Neubeginn, der im Zeichen der Folgen des Zweiten Weltkrieges steht, ist die markanteste historisch-politische Zäsur des 20. Jahrhunderts. Aber auch wenn sich für den Umfang der darauffolgenden Veränderungen nur schwer ein geschichtlicher Vergleichsmaßstab finden lässt, kann man nicht übersehen, dass gleichzeitig für Europa bis 1989 eine Periode der Stabilität begann. Die Stabilität hinter dem Eisernen Vorhang lässt sich wegen ihres restriktiven Charakters nicht mit jener der demokratischen Welt gleichsetzen, nichtsdestotrotz ist die Nachkriegszeit 1945-89 in Europa in historisch-politischer Perspektive als eine außerordentlich konstante Periode (mit Ausnahme des politischen und sozialen ‚Großereignisses’ des Jahres 1968) zu positionieren.

Die theoretische Reflexion über die menschliche Verfassung nach dem Ende der Moderne, und vor allem nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, hat dynamische soziale und kulturelle Veränderungen diagnostiziert, die insgesamt als Hinwendung zur Vielzahl, Veränderbarkeit, Inhomogenität und Diskontinuierlichkeit angesehen werden können. Diese Veränderungen sind als eine verständliche Reaktion auf die im Modernismus u. a. präsente Hinwendung zum Monolithischen und Einheitlichen und deren tragische politische Folgen aufzufassen. Bereits 1947 untersuchten Adorno und Horkheimer in ihrer kritischen Schrift den Totalitätsanspruch der Aufklärung, der jenem der mythischen Weltsicht gleichkomme, und 1972 verwies Kołakowski auf eben diese Weltsicht als einen parallelen Modus der Erkenntnis. Konsequenterweise führte weiterhin die Reflexion zu Diagnosen vom Ende der „großen Erzählungen” (Lyotard 1979), darunter auch utopischer politischer Vorstellungen, die jeweils den Endpunkt einer geschichtlichen Entwicklung markieren sollen, somit auch überhaupt vom Ende der Idee einer solchen Entwicklung (Baudrillard).

Als 1989 das kurze zwanzigste Jahrhundert zu Ende ging, schien dennoch die politische und soziale Situation dermaßen stabil zu werden, dass sie zu Theorien vom „Ende der Geschichte“ (Fukuyama 1989), auf das kein neuer Anfang erfolgen soll, verleitete. Doch die Vorstellung vom Vorrang der liberalen Demokratie und der Marktwirtschaft als dem Zielpunkt der geschichtlichen Entwicklung hat schnell neuen Theorien, z. B. vom „Kampf der Kulturen“ (Huntington 1993) Platz gemacht. In Europa wurden durch soziale Bewegungen und politische Bestrebungen, durch das Ende der Teilung das Kontinents und die Erweiterung der Europäischen Union, sowie durch den biologisch bedingten Generationenwechsel die Strukturen der Nachkriegswelt weitgehend abgeschafft, mit ihr aber auch die Stabilität, die sich im Rückblick immer mehr als eine ‘posttraumatische Erstarrung‘ wahrnehmen lässt. Europa hat es zwar geschafft, in der neuen Lage die Gefahr der Konflikte zu externalisieren, aber die politische Situation innerhalb des Kontinents hat sich ungeheuer dynamisiert. Gleichzeitig traten auch andere Faktoren der neuen Zeit auf den Plan: Die konsumtiv-mediale Dominante der postmodernen Welt wurde seit den 1990er Jahren um die digital-virtuelle Dimension erweitert, deren Folgen – u.a. die Transformation des Begriffs der „Realität“ und deren Wahrnehmung, die Veränderung der sozialen Relationen und Bande, die Empfindung der Zerteilung, Vervielfachung oder Flüchtigkeit der Identität, die Informationenflut – sich im Moment nicht absehen lassen. Dies führt im Moment zur Erfahrung der Unbeständigkeit der „flimmernden“ Welt und der Labilität des Daseins, einer Wanderung auf „Treibsand“ – und der Ruf nach dem Ende „of the world as we know it“ drückt gleichzeitig Verzweiflung und Hoffnung aus.

In diesem Kontext ist es nicht verwunderlich, dass die Wiederkehr der Narration, der Rückgriff auf das Erzählen, sei es innerhalb der literarischen Fiktion, der dokumentarischen Faction oder als eine „narrative Geschichte“ über Kulturen (Burszta 1998) nicht nur als ein Indikator einer Zeitwende aufzufassen war, sondern auch eine konsequente Abwehrreaktion, ein Rückgriff auf ursprüngliche Stabilisierungsmechanismen.

Als Herausgeber des 34. Bandes von Studia Germanica Posnaniensia laden wir Sie herzlich ein, die Nummer mit einem Beitrag zum Thema Narrationen der Übergänge mitzugestalten. Die fertigen Texte sollten in deutscher Sprache verfasst sein. Wir bitten um Zusendung eines Abstracts im Umfang von max. 1 500 Zeichen bis spätestens 28. Februar 2013 an die Adresse: spiontek@amu.edu.pl oder mwalkow@amu.edu.pl. Die Herausgeber werden bis zum 15. März 2013 über die Annahme entscheiden und die Beiträgerinnen und Beiträger über die Entscheidung per E-Mail informieren. Auf die fertigen Texte, deren Umfang (samt Bibliographie) 15 Seiten nicht überschreiten soll, warten wir bis zum 30. Juni 2013. Hinweise zur Gestaltung einer Druckvorlage finden Sie unter http://stgp.amu.edu.pl/autor.html. Über alle Beiträge werden von externen Gutachtern anonym Gutachten verfertigt, die die Grundlage für die redaktionelle Entscheidung über die endgültige Annahme des Beitrags bilden.

Mit freundlichen Grüßen
Sławomir Piontek
Maciej Walkowiak
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss28.02.2013
Ende30.06.2013
PersonName: Piontek, Slawomir [Prof. Dr.] 
Funktion: Mitherausgeber 
E-Mail: spiontek@amu.edu.pl 
Name: Walkowiak, Maciej [Prof. Dr.] 
Funktion: Mitherausgeber 
E-Mail: mwalkow@amu.edu.pl 
KontaktdatenName/Institution: Instytut Filologii Germanskiej UAM 
Strasse/Postfach: Al. Niepodległosci 4 
Postleitzahl: 61-874 
Stadt: Poznań 
Telefon: 0048618293540 
E-Mail: stgp@amu.edu.pl, ifguam@amu.edu.pl 
Internetadresse: http://stgp.amu.edu.pl/ http://germanistyka.amu.edu.pl/pl/ 
LandPolen
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.12.00 Interpretation. Hermeneutik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.04.00 Studien; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.11.00 DDR; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.12.00 Österreich; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.13.00 Schweiz; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.11.00 Österreich; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.12.00 Schweiz
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