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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Interpretieren nach den turns"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelInterpretieren nach den turns
BeschreibungKonferenz: Interpretieren nach den turns
14.-15. Februar 2013
Universität zu Köln (Neuer Senatssaal)

Seit es Literaturwissenschaft als Disziplin gibt, interpretieren diejenigen, die mit dieser Disziplin befasst sind, Texte. Bei dieser Interpretation (lat.: interpretatio = „Auslegung“, „Übersetzung“, „Erklärung“) geht es immer – irgendwie – um „Verstehen“. Was aber ein solches Verstehen genau bedeutet, darüber gibt es keinen Konsens. Manche Philologen operieren, gewissermaßen nach dem Vorbild Sigmund Freuds, als Detektive, die sich um das Verstehen klandestiner Zusammenhänge bemühen. So hat Freud, der Gründervater der Psychoanalyse, immer wieder darauf verwiesen, dass es seine Strategie sei, „aus geringgeschätzten oder nicht beachteten Zügen, aus dem Abhub – dem ‚refuse‘ – der Beobachtung, Geheimes und Verborgenes zu erfahren“ (Freud, Der Moses des Michelangelo). Nicht nur Scharfsinn, geradezu ein Übermaß an Scharfsinn zeichnet psychoanalytische Argumentationen aus: „Gegen die Psychoanalyse erhebt sich […] der Vorwurf, daß sie einfache Verhältnisse in spitzfindiger Weise kompliziert, Geheimnisse und Probleme dort sieht, wo sie nicht existieren, und daß sie dies bewerkstelligt, indem sie kleine und nebensächliche Züge, wie man sie überall finden kann, übermäßig betont und zu Trägern der weitgehendsten und fremdartigsten Schlüsse erhebt. Vergeblich würden wir dagegen geltend machen, daß durch diese Abweisung so viele schlagende Analogien aufgehoben und feine Zusammenhänge zerrissen werden, die wir in diesem Falle aufzeigen können. Die Gegner werden sagen, diese Analogien und Zusammenhänge bestehen eben nicht, sondern werden von uns mit überflüssigem Scharfsinn in den Fall hineingetragen.“
Andere Philologen fokussieren nicht ‚abwegige Details‘, sondern zielen im Vollzug des Text-Verstehens auf die „Verschmelzung“ eines gegenwärtigen mit einem vergangenen Horizont. An diese hermeneutische Position hat die Literaturwissenschaft der 1960er Jahre angeknüpft; genannt seien nur Peter Szondi oder, als Theoretiker der „Rezeptionsästhetik“, Hans-Robert Jauss. In den letzten Jahrzehnten etabliert haben sich Diskursanalyse, Dekonstruktion (die möglicherweise als Modernisierung der Hermeneutik verstanden werden muss und nicht als ihre Ablösung, auch wenn sie sich selbst als solche in Szene setzte) oder der New Historicism. In den 1990er und 2000er Jahren jagen sich schließlich die „turns“ – der cultural turn, der performative turn, der spatial turn, der iconic turn, der philological turn – die Liste ließe sich verlängern.
Die Konferenz stellt die Frage nach dem state of the art der Interpretation. Was heißt es für die Literaturwissenschaft, für die Literaturwissenschaftler nach den turns der letzten Jahrzehnte, Texte zu interpretieren und zu verstehen? Welche neuen Paradigmen haben sich nicht bereits verschlissen, sondern optimieren aus heutiger Sicht Verstehensprozesse? Gibt es ‚alte‘ Paradigmen, deren Renaissance notwendig erscheint?

Organisation: Claudia Liebrand und Rainer Kaus

Programm:

Donnerstag, 14. Februar 2013

14.00 Uhr: Claudia Liebrand und Rainer Kaus
Begrüßung und Einführung

14.15 Uhr: Anja Gerigk
Kultur am Text. Wie lässt sich theoretisch interpretieren?

15.00 Uhr: Stefan Börnchen
„Dumme Semantik“ oder: Wie klug muss eine Metasprache sein? Ein Stimmungs-Bild

15.45 Uhr: Kaffeepause

16.15 Uhr: Thomas Anz
Interpretieren nach dem emotional turn. Kognition und Gefühl beim Verstehen von Texten

17.00 Uhr: Franziska Schößler
Konstellationen. Kulturwissenschaftliches Lesen

17.45 Uhr: Gerhard Neumann
Franz Kafkas Poetologie der Wahrnehmungsordnungen. Ein Blick auf das Frühwerk.

Freitag, 15. Februar 2013

09.30 Uhr: Claudia Liebrand
Strong readings, Paranoia und Friedrich Kittlers Habilitationsverfahren. Prolegomena einer Fallstudie

10.15 Uhr: Achim Geisenhanslüke
Kritik der imaginären Vernunft. Jacques Lacans ‚docta ignorantia‘

11.00 Uhr: Kaffeepause

11.30 Uhr: Andrea Polaschegg
Böses Wort ‚Linearität‘. Epistemologische und praxeologische Überlegungen zu einer verdrängten Dimension literarischer Texte

12.15 Uhr Esther Kilchmann
Return to Babel – mehrsprachige Texte als literaturwissenschaftliche Herausforderung

13.00 Uhr: Mittagspause

15.00 Uhr: Rainer Kaus
„Über philologische Erkenntnis“ – revisited. Anmerkungen zu Peter Szondis Studie

15.45 Uhr: Thomas Wortmann
Zurück in die Zukunft? Die Literaturwissenschaft und ihr Material

16.30 Uhr: Abschlussdiskussion


Weitere Informationen unter: http://philtypo3.uni-koeln.de/fileadmin/phil-fak/aktuelles/2013/2013_01_13_Turns.pdf


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://philtypo3.uni-koeln.de/fileadmin/phil-fak/aktuelles/2013/2013_0...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKöln
Beginn14.02.2013
Ende15.02.2013
PersonName: Prof. Dr. Claudia Liebrand 
Funktion: Organisatorin 
E-Mail: c.liebrand@uni-koeln.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche Sprache und Literatur I 
Strasse/Postfach: Albertus-Magnus-Platz 
Postleitzahl: 50923 
Stadt: Köln 
Ediert von  H-Germanistik
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