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Ergebnisanzeige "Das Rauschen der Tiefen. Entbergungsszenen und Transferprozesse zwischen Wissenschaft und Künsten um 1800"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelDas Rauschen der Tiefen. Entbergungsszenen und Transferprozesse zwischen Wissenschaft und Künsten um 1800
BeschreibungDas Rauschen der Tiefen. Entbergungsszenen und Transferprozesse zwischen Wissenschaft und Künsten um 1800

TAGUNG DES GRADUIERTENKOLLEGS „DAS REALE IN DER KULTUR DER MODERNE“

7.-8. Februar 2013, Universität Konstanz


Ausgangspunkt der Tagung ist die Beobachtung, dass um 1800 in vielen Diskursen die Unterscheidung zwischen Oberfläche und (latenter) Tiefe Bedeutung erlangt. Zur selben Zeit, in der die Naturforschung wachsende Einsicht in die Wirkmächtigkeit verborgener Prozesse gewinnt, kommt es zu einer allgemeinen Konjunktur von Latenzfiguren, von denen die des Unbewussten vielleicht die pro¬minenteste ist. Michel Foucault hat die entsprechende epistemische Konstellation bekanntlich zu einem Charakteristikum der Humanwissenschaften erklärt und mit dem Begriff der objektiven Transzendentalien zu fassen versucht.

Auf der Tagung soll der Vermutung nachgegangen werden, dass die Erforschung von Tiefendimensionen – des Inneren der Erde, des Körpers, der Untiefen des Meeres – ein Vokabular für Latenz- und Tiefenfiguren notwendig macht, das auch jenseits empirischer Disziplinen wie Geologie, Medizin oder Nautik epistemische Organisationskraft erhält.

Die Tagung verfolgt dementsprechend ein doppeltes Interesse. An Heideggers Begriff der Entbergung anknüpfend, soll es zunächst um die epistemische Funktionsweise von technischen Apparaturen und operationalen Graphien gehen, die ein Wissen über schwer zugängliche, bisher unbefragte Innenräume generieren. Es wird also zu fragen sein, welche spezifischen Verfahrensweisen und Medientechnologien – Instrumente, Repräsentationssysteme wie Tabellen, Listen, Protokoll¬bücher, Kurven etc. in ihrer jeweiligen Handhabung durch wissenschaftliche Akteure – bei der Erschließung verborgener Tiefen zum Einsatz kommen und welche Rückschlüsse die solcherart her- und dargestellten epistemischen Gegenstände ermöglichen.

Gleichzeitig soll sich die Tagung der rhetorischen Verfasstheit des erzeugten Wissens widmen und damit den Blick auf die Transferprozesse lenken, die sich in beiden Richtungen zwischen wissenschaftlichen Praktiken und den Künsten ergeben. Wenn das Erbeben bzw. das Brodeln im Untergrund als Metapher sozialer Unruhen dient, wenn unbewusste Reflexprozesse als Ausbrüche anarchischer Volks¬massen gedeutet oder anatomische Strukturen im geologischen Vokabular als ‚Strata’ bezeichnet werden, dann verweist dies gerade in der Verschiedenheit der Beispiele darauf, in welchem Maß genuin poetische Prozesse an der Her- und Darstellung opaker Tiefenräume beteiligt sind. Die Künste sollen dabei nicht auf eine nachträgliche Ästhetisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse reduziert werden, sondern auf ihren Beitrag zur Produktion und diskursiven Formung von Wissen hin befragt werden.

Die Tagung sieht sich damit vor die Aufgabe gestellt, sowohl die wissenschaftlichen Praktiken als auch die poetologischen Verfahrensweisen zu beschreiben, die in den unterschiedlichen Entbergungsszenen zum Einsatz kommen. Wie entstehen Tiefen und Latenzen um 1800, wie werden sie modelliert und inszeniert?


TAGUNGSPROGRAMM

Donnerstag, 07.02.2013
Tagungsraum K 7, Universität Konstanz

15:00-15:30 Begrüßung und thematische Einführung
(Johannes Kassar, Torsten Leine, Christian Ronneburger)

15:30-16:30 Lena Kugler (Konstanz): (Falsche) Fossilien um 1800.
Die Bergwerke zu Falun und die Fehlformen versteinerter Tiefenzeit

16:30-17:00 Kaffeepause

17:00-18:00 Nils Kasper (Graz/Berlin): „Der Formationsprocess unsrer Vorstellungen“.
Techniken des Entbergens im Wissen der Geologie um 1800

18:00-19:00 Peter Schnyder (Neuenburg): "Das Innere dieses jetzt so friedlichen Bodens".
Erdgeschichte und Literatur im 19. Jahrhundert


Freitag, 8. Februar
Tagungsraum K 7, Universität Konstanz

09:00-9:30 Überleitung/Einführung

09:30-10:30 Franz Fillafer (Konstanz): Tiefenrausch und Epochentektonik
Zur Entdeckung der „Tiefe“ in den Geisteswissenschaften um 1800

10:30-11:00 Kaffeepause

11:00-12:00 Natascha Adamowsky (Freiburg): "Der Traum ist das Aquarium der Nacht"
Seelenthierchen und Nachtmahre am Meeresgrund

12:00-13:00 Ingrid Kleeberg (Hannover): Aufsteigen, Niedersinken.
Johann Friedrich Herbarts Politik der Bewusstseinsschwelle

13:00-14:00 Mittagessen

14:00-15:00 Christian Kirchmeyer (München): Menschliche Abgründe? Zur Kriminalliteratur um 1800

15:00-16:00 Yvonne Wübben (Bochum): Ideale psychiatrischer Beobachtung.
Detail, Neutralität und Objektivität

ab 16:00 Abschlussdiskussion



Kontakt:

Universität Konstanz
Graduiertenkolleg
„Das Reale in der Kultur der Moderne“
Fach D 153
D-78457 Konstanz
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortUniversität Konstanz
Beginn07.02.2013
Ende08.02.2013
PersonName: Kassar, Johannes 
E-Mail: kassarjohannes@gmx.at 
Name: Leine, Torsten 
E-Mail: t_lein01@uni-muenster.de 
Name: Ronneburger, Christian 
E-Mail: Christian.Ronneburger@uni-konstanz.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Konstanz, Graduiertenkolleg „Das Reale in der Kultur der Moderne“ 
Strasse/Postfach: Fach D 153 
Postleitzahl: D-78457 
Stadt: Konstanz 
Telefon: +49 (0)7531-88-2537 
E-Mail: Alexander.Zons[at]uni-konstanz.de 
Internetadresse: http://www.uni-konstanz.de/reales 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteratur 1770 - 1830
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