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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Das Ende des Exils? Briefe von Frauen nach 1945"
RessourcentypCall for Papers
TitelDas Ende des Exils? Briefe von Frauen nach 1945
BeschreibungIrene Below / Inge Hansen-Schaberg / Maria Kublitz-Kramer

Call for Papers
Die Arbeitsgemeinschaft „Frauen im Exil“ in der Gesellschaft für Exilforschung e.V. plant, ihre 23. interdisziplinäre, internationale Tagung vom 25.-27.10.2013 wiederum in der Georg-von-Vollmar-Akademie e.V. Schloss Aspenstein in Kochel am See zu veranstalten zum Thema

Das Ende des Exils?
Briefe von Frauen nach 1945

Das Kriegsende und der Sieg über den Nationalsozialismus bedeuten für die aus Deutschland Geflüchteten und Vertriebenen eine entscheidende Zäsur. Die Welt öffnet sich wieder, für Leben und Arbeiten ergeben sich neue Möglichkeiten – gerade in solchen Fluchtländern, in denen sie ohne Arbeitserlaubnis, in Lagern oder in der Illegalität leben mussten. Auch die Suche nach Familienmitgliedern, Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen und der briefliche Austausch werden wieder möglich, mit denen, die ebenfalls im Exil oder in einem durch die Zeit des Nationalsozialismus gründlich veränderten Deutschland und Österreich lebten. Sehr viele werden mit der Gewissheit konfrontiert, dass es keine überlebenden Angehörigen und Freunde gibt.

Briefeschreiben ist für die Exilierten lebensnotwendig und hilft die Distanz zu verringern, die durch das Exil erzwungen ist (s. vorausgehende Tagung 2012 „Auf unsicherem Terrain. Briefeschreiben im Exil“). Nachdem in den letzten Kriegsjahren der Briefverkehr ins nationalsozialistische Deutschland und nach Österreich fast gänzlich zum Erliegen gekommen ist, verzeichnen die Jahre des Nachkriegszeit eine neue Phase des brieflichen Austauschs, in den sich anbahnenden Kontakten zwischen Exilierten und den in Deutschland Gebliebenen, aber auch zwischen den in verschiedene Länder und Kontinente Emigrierten. In diesen Ersten Briefen wird versucht sowohl an (alte) Beziehungen anzuknüpfen als auch die Entfremdung, vor allem aber die als traumatisch erlebte Vertreibung zu überwinden und ggf. die Akkulturation im Exilland zu beschreiben und zu begründen. Wenn eine Rückkehr angestrebt oder nicht kategorisch ausgeschlossen wird, wird sie in den Ersten Briefen vorbereitet und / oder die eigene Mitwirkung beim Wiederaufbau Deutschlands, ob in westlicher oder in östlicher Richtung, reflektiert. Das trifft insbesondere für Kulturschaffende, in sozialen Berufen Tätige wie auch für sich in der Politik Engagierende zu.

Diesem Problemkomplex widmet sich seit einigen Jahren das First Letters- / Erste Briefe-Projekt mit Workshops am Deutschen Literaturarchiv in Marbach (2008), am Trinity College in Hartford / Connecticut (2008), am Bard College (2009) und in der Universität Mainz (2010). Es konzentriert sich „auf Briefkorpora, mittels derer die Exilanten der NS-Zeit aus dem deutschsprachigen Raum nach 1945 wieder in einen Kommunikationsprozess mit früheren, abgebrochenen Beziehungen in Deutschland und Österreich eintreten.“

Das First Letters-/ Erste Brief-Projekt hat sich vornehmlich auf berühmte Kulturschaffende bezogen. Die geplante Tagung der AG „Frauen im Exil“ will auch unbekanntere Briefeschreiberinnen und Briefeschreiber und Adressatinnen und Adressaten in den Blick nehmen und dabei geschlechtsspezifische Aspekte berücksichtigen.

Auf dieser Tagung soll es insbesondere um folgende Fragen gehen:

• In welcher Weise ereignet sich im Brief die erste Kontaktaufnahme? Wie wird über die Situation im Herkunftsland informiert, wie über das Exilland? Wie können unterschiedliche Erfahrungen und Ansichten über das Leben „drinnen“ und „draußen“ in Einklang gebracht werden?
• Welche Bemühungen sind erkennbar, neue Vorhaben mit zurückgelassenen Freundinnen / Freunden oder anderen Emigrierten zu verhandeln?
• Inwieweit sind die Briefe geprägt von Heimweh und Schmerz über die Verluste?
• Spiegelt sich in ihnen die Befürchtung, dass die nationalsozialistische Ideologie in Deutschland (und Österreich) auch nach 1945 weiterlebt?
• Wie wird mit emotionalen Belastungen umgegangen, z.B. Trauer, Wut, Scham, Angst?
• Wie können alte Freundschaften wiederhergestellt werden, wie geschieht das Herantasten an Beziehungen und das Erörtern der Frage, ob und ggfs. wann die Exilierte nach Hause zurückkehren wolle bzw. könne?
• Wie werden Wünsche nach Rückkehr oder Aufbruch in andere Länder artikuliert und Bedingungen und Möglichkeiten verhandelt?
• In welcher Weise wird das Gastland in den Blick genommen, z.B. als temporäres oder auch endgültiges Exil?
• Wie wird das Exil bewertet, als Erfolg oder Scheitern, Herausforderung und/oder Schicksal etc.?
• Wie positionieren sich die Briefeschreiberinnen im anbahnenden Ost-West-Gegensatz, auch hinsichtlich der Frage nach dem räumlichen Ziel der Remigration?
• Wie wird das Politische neu verhandelt, auch im Hinblick auf politische Utopien?


Vortragsangebote mit einem kurzen Exposé bitte bis zum 31. Januar 2013 an:
Prof. Dr. Inge Hansen-Schaberg
Birkenweg 15
D-27356 Rotenburg
e-mail: hansen.schaberg@t-online.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKochel am See
Bewerbungsschluss31.01.2013
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
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