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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Gefühlskulturen. Narrative und Kontexte"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelGefühlskulturen. Narrative und Kontexte
BeschreibungGefühlskulturen.
Narrative und Kontexte

Internationale Konferenz
organisiert durch das
European PhD-Network Literary and Cultural Studies (PhDnet) und das
International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC)

Justus-Liebig-Universität Gießen
7.-9. November 2012

Seit jeher versetzen literarische, filmische und dramatische Narrative ihre Figuren in fiktionale Experimentalräume, entwerfen so exemplarische kulturelle Konflikte und durchdenken sie hinsichtlich ihrer Aporien und Lösungsmöglichkeiten. Gleichermaßen entwerfen faktuale Narrative – Nachrichten-, Geschichts-, Alltagserzählungen etc. – prototypische Konflikte zwischen Akteur/innen und kulturellen Strukturen. In beiden Fällen sind es oft die Gefühle von erzählten Figuren, die mit kulturellen und sozialen Regimen konfrontiert werden: Einerseits sind Gefühle das Produkt solcher Regime und aufs engste mit ihren Regelungen verbunden (dies betrifft schon die Möglichkeiten der Artikulation von Gefühlen), andererseits richten sich Gefühle nicht selten gerade gegen ihr ‚Außen‘, erscheint letzteres als das Gefühl einengend und normierend. Auf der geplanten Tagung ist beabsichtigt, fiktionale und faktuale Narrative mit Blick auf das Erzählen von Gefühlen zu untersuchen. Im Mittelpunkt sollen dabei die Aushandlungsprozesse zwischen Gefühlen und den ‚Gefühlskulturen‘ stehen, in die sie eingelagert sind und zu deren Konstitution sie beitragen. Zu fragen ist nicht zuletzt nach der analytischen und theoretischen Tragfähigkeit des erst ansatzweise eingeführten Konzepts der ‚Gefühlskultur‘.

Mit dem Begriff ‚Gefühlskultur‘ soll hier die Annahme ausgedrückt werden, dass Gefühle historisch und kulturell jeweils verschieden mit Diskursen und Praktiken verbunden sind, in denen ihre Bedeutung, ihre un/angemessenen Orte und Situationen sowie die Modi ihrer Artikulierbarkeit ausgehandelt und reguliert werden. Zugleich verbinden diese Diskurse und Praktiken Gefühle mit geschlechtlichen, religiösen, nationalen und weiteren kulturellen Differenzkriterien. Auch über diese Kopplungen werden Gefühle in die soziale Dynamik der In- und Exklusion integriert und mit Machtbeziehungen verbunden. Fiktionale und faktuale Erzählungen scheinen ein prototypischer Ort zur Reflexion, Hervorbringung oder Dekonstruktion gefühlskultureller Festlegungen zu sein – und tragen ihrerseits durch die Provokation emotionaler Reaktionen zur Gefühlskultur bei. Die Tagung soll dies in grundlegenden theoretischen Überlegungen sowie am Beispiel konkreter Text-Kontext-Analysen thematisieren.

Die Analysen sollen dabei die folgenden oder weitere Fragen diskutieren: (1) Welche gefühlsbezogenen Konflikte werden in literarischen Texten, in Filmen, Comics, Nachrichten, Alltagserzählungen etc. aufgeworfen? Welche Gefühle werden dabei thematisiert, wie werden sie bestimmt? Geht es um ein Zuwenig oder ein Zuviel an Gefühl? Um die Nicht-Artikulierbarkeit von Gefühlen? Um die Unangemessenheit von Gefühlen in bestimmten sozialen Kontexten? (2) Wie werden Gefühlskonflikte inszeniert, welche Aporien, Lösungsmöglichkeiten etc. werden aufgezeigt? Welche narrativen Subtexte werden im untersuchten Text aufgegriffen? Lassen sich Figurentypen identifizieren, mit denen historisch übergreifend ähnliche Gefühlskonflikte verbunden sind (der Enthusiast, die Leserin etc.)? (3) Welche soziale und kulturelle Verortung von Gefühlen wird in den untersuchten Erzählungen vorgenommen (Gender, Religion, Generation usw.)? Wie werden der emotionalen Intensität von Figuren Grenzen gesetzt, welche Kontrollregime werden um sie herum errichtet (z. B. Diskurse des Maßhaltens, der Effizienz, Formen der Medikalisierung etc.)? In welchen Kontexten sind die Gefühle der Figur erlaubt oder gefordert? (4) Auf welche Weise reflektieren die narrativ inszenierten Konflikte gefühlskulturelle Problemstellungen aus der Entstehungszeit der Narration? Was symbolisiert der Konflikt kulturell und sozial für seine jeweilige Zeit? Welche Funktion hat der Text innerhalb einer umfassenderen Gefühlskultur? Welche Emotionen werden durch die Erzählungen provoziert, auf welche Weise geschieht dies?


Konferenzprogramm


Mittwoch, 7. November 2012

2:30 BEATRICE MICHAELIS/ANSGAR NÜNNING/KAI SICKS/MARTIN ZIEROLD (GIESSEN)
Einführung

3:00 Keynote
ISABEL CAPELOA GIL (LISSABON): Burial E/Affects from Antigone to bin Laden
Moderation: Ansgar Nünning

4:00 Kaffeepause

4:30
Panel 1: Die Maß/Regelung von Gefühlen
Moderation: Beatrice Michaelis

SABRINA HUFNAGEL (BAMBERG):gehabe dich als ein man. Zur weiblichen Disziplinierung von männlicher Klage in der mittelhochdeutschen Literatur
CLAUDIA ANSORGE (GIESSEN): Emotionen auf der Leinwand. Die Nibelungen-Verfilmungen von Fritz Lang (1924) und Harald Reinl (1967)
DORIT MESSLIN (ERFURT):Mediocritas est optima regula. Diskurse des Maßhaltens und der Probabilität in den Lexika der Aufklärung (Zedler, Sulzer, Adelung)
PHILIPP HUBMANN/SETH BERK (MÜNSTER): Unentdeckte Affekte. Heinrich Leopold Wagners Die Kindsmörderin und das Konzept der Manie in der frühen Criminalpsychologie

Panel 2: Towards a Cognitive Poetics of Emotions
Moderation: Martin Zierold

JEAN-PIERRE PALMIER (BIELEFELD): Prescribed Emotions. Narrative and Neural Contextualization of Emotions, Feelings, and Moods
CAROLINE PIRLET (GIESSEN): Why Bother? A ‚Natural‘ Account of Literary Emotions – Affectively Narrativizing Eveline
PETER HANENBERG (LISSABON): “Schöne Tage”. Zur Rekonstruktion diskursiver und kognitiver Gefühlskulturen in Peter Handkes Die schönen Tage von Aranjuez
TERESA HIERGEIST (ERLANGEN-NÜRNBERG): Emotionen im Leser. Partizipationspotentiale narrativer Texte anhand von Leopoldo Alas’ La Regenta

6:30 Aufbruch zum gemeinsamen Abendessen


Donnerstag, 8. November 2012

9:30 Keynote
TILMAN HABERMAS (FRANKFURT/MAIN): How to Elicit Indignation: Reflections of Feeling Rules, Display Rules, and Other Norms in Narratives of Everyday Annoying Experiences
Moderation: Hubertus Büschel

10:30 Kaffeepause

11:00
Panel 3: Was ist Liebe?
Moderation: Doris Bachmann-Medick

STELLA LANGE (GRAZ): Transparenz und Intransparenz der Gefühle
MEIKE DACKWEILER (DÜSSELDORF): Der Ehebruch in deutschsprachigen Romanen am Beginn des 21. Jahrhunderts
MICHAEL GRATZKE (ST. ANDREWS): Steinzeitmenschen, Gefühlsingenieure und Turbokapitalismus. Narrative der Liebe heute

Panel 4: Affect and Affection
Moderation: Florian Sprenger

CARSTEN JUNKER (BREMEN): The Slave Ship as Textual and Visual Site of Abolitionist Sentiments
MAJA FIGGE (OLDENBURG): Fear, Melancholia, Rage. On the Filmic Economy of Emotions
ANJA MICHAELSEN (BOCHUM): “You Are Not Alone”. Generalizing Nonprivileged Subjectivity in Sentimental Popular Culture

1:00 Mittagspause

2:30
Panel 5: Bildung der Gefühle
Moderation: Doris Bachmann-Medick

BURKHARD MEYER-SICKENDIEK (BERLIN): Zärtlichkeit. Über die aristokratischen Ursprünge der bürgerlichen Gefühlskultur
ANNA-KATHARINA GISBERTZ (MANNHEIM): Erwartungen und die Folgen: Anton Reiser und Heinrich von Ofterdingen
KAI SICKS (GIESSEN): Enthusiasmus als Anomalie. Ludwig Tiecks William Lovell (1795/96) und die Gefühlskultur der Spätaufklärung

Panel 6: Translation of Feelings
Moderation: Robert Ryder

TARA BEANEY (BERLIN):Extreme Emotions and the Threat of Becoming Other
POLINA SHVANYUKOVA (BERGAMO): How Many Ways to Say Love? Love and Friendship in Contemporary Italian Migrant Literature
LEONOR SÁ (LISSABON): Fear, Attraction and so Much More: Powerful Feelings Underneath the Apparently Unemotional and Stereotyped Criminal Judiciary Portrait

4:30 Kaffeepause

5:00
Panel 7: Gefühle zwischen Berührung und Distanz
Moderation: Lorenz Aggermann

SEBASTIAN TREYZ (BASEL): „Tränen […] der sich fühlenden Menschlichkeit“. Regime der Traurigkeit im Theater des 18. Jahrhunderts
CHRISTINE SCHWANECKE (GIESSEN): Ein Genre des Gefühls, ein gefühliges Genre oder gar ein Genre der Vernunft? Die englische empfindsame Komödie am Beispiel von Richard Cumberlands The West Indian (1771)
PHILIPP SCHULTE (GIESSEN): „Bitte Abstand wahren“? Zeitgenössische Performance Art zwischen Coolness und Melancholie

Panel 8: Narrating Emotions
Moderation: Pirjo Lyytikäinen

MATTI KANGASKOSKI (HELSINKI): Emotions as Bodily Functions. Serge Carrefax in Tom McCarthy’s Novel C
ANGELA MÜLLER (GIESSEN): The Failure of Love in the Novels of J. M. Coetzee
STEPHANIE FRINK (HEIDELBERG): Narrative, Identity, and Emotion in British Fiction at the Turn of the 21st Century: the Role of Emotions in the Process of Narrative Self-Making

7:00 Aufbruch zum gemeinsamen Abendessen


Freitag, 9. November 2012

9:30 Keynote
CLAUDIA BENTHIEN (HAMBURG):
Affektkulturen. Kulturtheoretische Überlegungen am Beispiel von Scham und Schuld in der Tragödie um 1800
Moderation: Kai Sicks

10:30 Kaffeepause

11:00
Panel 9: Die (Un-)Sagbarkeit von Gefühlen
Moderation: Beatrice Michaelis

JÁN DEMČIŠÁK (TRNAVA): „In solcher Taubheit bleibt nur körperliche Berührung zwischen den Männern”. Zum Problem der Artikulation homosexueller Gefühle in frühen Dramen von Bertolt Brecht
ELISA PRIMAVERA-LÉVY (KONSTANZ): “How do you put hell on paper?” Narrative chronisch Schmerzkranker als Kartierung unbekannten Gebiets
MAREN LICKHARDT (SIEGEN): Angst-Störung. Schemen, Codes und Zeichen der Emotionalisierung in der zeitgenössischen Populärliteratur

Panel 10: Political Transformations as Emotional Transformations?
Moderation: Isabel Capeloa Gil

ANA FABÍOLA MAURÍCIO (LISSABON): Modern Feelings. Emotional Landscapes in early Portuguese Modernism
BEATRICE SELIGARDI (BERGAMO):The Metacultural Representation of Emotions: the Case of A. S. Byatt’s The Virgin in the Garden
KATRINA NOUSEK (CORNELL): Bestellt Werden. Experiences of Interrogation in Contemporary German Novels

1:00 Abschlussdiskussion

1:30 Ende der Konferenz

Die Teilnahme ist kostenlos. Bitte melden Sie sich an unter phdnet@uni-giessen.de.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://phdnet.uni-giessen.de/wps/pgn/home/phdnet/; http://gcsc.uni-giessen.de/wps/pgn/home/gcsc_eng/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGießen
Bewerbungsschluss01.06.2012
Beginn07.11.2012
Ende09.11.2012
PersonName: Dr. Kai Sicks 
Funktion: Koordinator, Mitarbeiter 
E-Mail: phdnet@uni-giessen.de 
KontaktdatenName/Institution: GCSC, JLU Gießen 
Strasse/Postfach: Alter Steinbacher Weg 38 
Postleitzahl: 35394  
Stadt: Gießen 
Telefon: 0641/9930021 
E-Mail: phdnet@uni-giessen.de 
Internetadresse: http://phdnet.uni-giessen.de/wps/pgn/home/phdnet/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
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