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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Zur Genealogie des Zivilisationsprozesses: Friedrich Nietzsche und Norbert Elias"
RessourcentypCall for Papers
TitelZur Genealogie des Zivilisationsprozesses: Friedrich Nietzsche und Norbert Elias
BeschreibungZur Genealogie des Zivilisationsprozesses: Friedrich Nietzsche und Norbert Elias
Interdisziplinäre Tagung an der Humboldt-Universität Berlin vom 26.-27.09.2008

Call for Papers (15.11.2007)

Friedrich Nietzsche und Norbert Elias haben in der Philosophie und der Soziologie für die europäische Kultur ohne Zweifel folgenreiche zivilisationsgeschichtliche Großdeutungen vorgelegt. Überdies haben beide mit hoher Leidenschaft und Konsequenz gegen die klassischen Ausprägungen ihrer Disziplinen angedacht und auf diesem Wege einem prozessorientierten Denken zur Geltung verholfen. Die systematische Aufarbeitung verbindender inhaltlicher Schwerpunkte und interpretatorischer Strukturanalogien im Denken von Elias und Nietzsche ist Hauptanliegen der Konferenz. In ihr wird die Nietzsche-Elias-Frage überhaupt zum ersten Mal in einem größeren Rahmen aufgeworfen und diskutiert.

In der "Genealogie der Moral" hat Nietzsche die abendländische Kultur weitgehend als Moral des "asketischen Ideals" ausgelegt und als Transformation desselben zu beschreiben versucht. Auch im "Prozess der Zivilisation" kommt Praktiken der Selbstdisziplinierung und "Affektkontrolle" eine kulturierende Schlüsselfunktion zu. Elias scheint hier in quellennaher präziser Interpretationsarbeit Wissenschaft werden zu lassen, was bei Nietzsche oft spekulativer und provokativer Entwurf bleibt.

Beide Denker richten ihren Blick auf das Veränderliche, Werdende, Prozessuale der Lebensverhältnisse. Gegen ein Denken in dualistischer Statik und die Rationalisierung im mechanistischen Schema von Ursache und Wirkung haben beide eine "flüssige" Interpretationspraxis kultiviert und damit auch ihre jeweilige Wissenschaft zu revolutionieren gesucht: Nietzsche hat seine genealogischen Sinnverschiebungen als "dionysischen" Gegenentwurf gegen das europäische Philosophieren begriffen; Elias wiederum die Soziologie durch sein Denken in "flüssigen Figurationen" vor allem vom abstrakten Gegensatz von Individuum und Gesellschaft befreien wollen. Bei Nietzsche und Elias ist "Sinn" nichts Vorgegebenes mehr, sondern jeweils als Funktion auf Zeit gegeben, die innerhalb einer sich stets verschiebenden Ordnung von sich wechselseitig limitierenden Elementen bestimmt ist. Dem gemäß haben sich beide von einem eindimensionalen Denken der Macht als einer "bösen", nur restriktiven Größe verabschiedet. Nietzsche hat dem dynamischen Charakter des Lebens dadurch Rechnung zu tragen versucht, dass er in allen seinen Gestaltungen eine Interaktion gegeneinander agierender Machtwillen erblickte. Seine vermeintliche Lehre vom "Willen zur Macht" ist längst als Interpretationshypothese einer Pluralität aufeinander bezogener Machtquanten erkannt. Elias wiederum hat die Gesellschaftsverhältnisse generell als "Machtbalancen" auf Zeit aufgeschlossen, in denen Individuen immer schon auf anderen Individuen bezogen und dementsprechend in ihren Handlungsspielräumen sozial begrenzt sind. Scheinbar faktische Herrschaftsverhältnisse sind unter diesem Gesichtspunkt dann ihrerseits nur Effekte von Machtkonstellationen.

Die angeführte Skizze gibt den inhaltlichen und methodischen Rahmen der Konferenz ab. Im hiermit aufgerissenen Horizont ließen sich diese und zahlreiche weitere Fragen aufwerfen und erörtern: Welche Konsequenzen zeitigt das Bewusstsein von der Fragilität der zivilisatorischen Errungenschaften im Denken von Nietzsche und Elias? Wie und in welcher Absicht konzipieren Nietzsche und Elias Eliten? Welche Berührungspunkte gibt es zwischen den geschichtsphilosophischen Grundsatzüberlegungen beider Denker? Gibt es jenseits der Argumente eine wirkende implizite Rhetorik?

Die Tagung richtet sich gleichermaßen an alle Kultur-, Geistes-, und Sozialwissenschaften. Interessent(inn)en werden gebeten, ein Exposé (1-2 Seiten) bis zum 15. November 2007 per Email an eine der drei folgenden Adressen zu schicken: Friederike.Guenther@TU-Berlin.de, acholzer@princeton.edu, EnricoDietrich@gmx.de


Dr. des. Friederike Felicitas Günther
Fachgebiet Neuere Deutsche Philologie/ Allg. u. Vergl. Literaturwissenschaft
Technische Universität Berlin
Sekr. H 60
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin

Angela C. Holzer
Ph.D. (ABD)
203 East Pyne Building
Department of German
Princeton University
Princeton, NJ 08544
USA

Dr. Enrico Müller
Institut für Philosophie
Baderstraße 6-7
17487 Greifswald

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss15.11.2007
Beginn26.09.2008
Ende27.09.2008
PersonName: Müller, Enrico [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: EnricoDietrich@gmx.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte)
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie
Ediert von  H-Germanistik
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