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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Formeln / Formulae / Formules (Variations 21, 2013)"
RessourcentypCall for Papers
TitelFormeln / Formulae / Formules (Variations 21, 2013)
BeschreibungCall for papers – Variations 21 (2013)
Formeln / Formulae / Formules

In der Moderne scheinen sich Literatur und Wissenschaft im Zuge eines immer weiter fortschreitenden Ausdifferenzierungsprozesses voneinander zu entfernen. Ein Blick auf die semiotischen Grundlagen macht dies besonders augenfällig: Literatur und Wissenschaft unterscheidet zunehmend nicht mehr nur die Art der Sprachverwendung, sondern es trennen sie unterschiedliche Symbolsysteme. Wahre Sätze werden nach den Naturwissenschaften verstärkt in den Wissenschaften vom Menschen (wie der Psychologie oder Soziologie) sowie den Wirtschaftswissenschaften auf mathematischer Grundlage formuliert. ‚Formeln‘ treten auf. Diese werden aus unterschiedlichen Elementen gebildet: aus Konstanten, Variablen und/oder Zahlen, meist in Gestalt einer Gleichung, in der Operatoren verschiedene Größen zueinander in Beziehung setzen; allesamt hat die Literatur – mit wenigen Ausnahmen – lange Zeit nicht in ihren Zuständigkeitsbereich aufgenommen und entsprechend wenig beachtet. Doch die Umstrukturierungen der Wissenschaften erhöhten im ausgehenden 19. Jahrhundert den Druck, eine solche Auseinandersetzung zu beginnen. Im Vergleich zu vorangegangenen Debatten verschärfte sich auch die Problemlage, als die Literatur nun fürchten musste, möglicherweise nicht mehr kreativ über das elaborierteste Zeichensystem zu verfügen. Mit besonderer Vehemenz wurde sie daher zur Reflexion, Antwort und zu neuen Ausdruckmöglichkeiten herausgefordert. Diesen Umstrukturierungen und Auseinandersetzungen im literarischen Feld widmet sich Heft 21 der Variations. Die komparatistische Perspektive soll dabei auf engstem Raum Regelmäßigkeiten und Abweichungen der unterschiedlichen Zugriffe auf die neue lingua franca sichtbar werden lassen.

Wir sind besonders an Texten interessiert, die
1. auf kulturwissenschaftlicher Basis die Konfrontation der angesprochenen Symbolsysteme historisch möglichst exakt verorten und/oder im Kontext einer gesamteuropäischen Entwicklung diskutieren.
2. unter poetologischem Blickwinkel die Ausdrucksspielräume von Formeln und ihren Elementen (Konstanten, Variablen, Zahlen, Gleichungen, logischen Operatoren, mathematischen/physikalischen Größen) in der Literatur ergründen. Kann man eine Formel erzählen? Gibt es Variablen – „x“ – in der Literatur? Wie prägen bestimmte Formeln – z.B. „E=mc² oder „2+2=4“ – das kollektive Gedächtnis; unter welchen Bedingungen werden sie in literarische Texte aufgenommen? Welche Effekte bewirken Formeln, mathematische Symbole und Zahlen bei der Rezeption; welche Rolle spielt dabei der Bildanteil?
3. Einzeltexte, Autoren, Gattungen, Strömungen, Organisationen, Verlage, Städte usw. behandeln, die einen eigenständigen Beitrag zur Debatte im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert leisten. Dabei werden Neuentdeckungen bevorzugt.
Gefragt werden könnte u.a.: (Wie) reagiert der Expressionismus auf diese Entwicklung? Findet eine Auseinandersetzung mit Formeln auch abseits der Metropolen statt? (Warum) erweist sich der Roman als aufnahmefähiger als z. B. die Kurzprosa; kann man verallgemeinerbare Verschiebungen im traditionellen Gattungsgefüge beobachten? Sind in erster Linie Privatinteressen der Autoren Ursachen der Beschäftigung oder schufen auch der Literaturbetrieb (Lektoren, Zeitschriften, Verlage) und/oder wirtschaftliche Interessensgemeinschaften konkrete Anreize?
4. (überreizte) Verwerfungen mathematischer Formelsprache, missglückte literarische Projekte und Sackgassen, in die der Anpassungsdruck führte, beschreiben und analysieren.
5. das angesprochene Diskussionsfeld historisch rahmen. Vorgestellt werden können also:
a) einerseits literarische Phänomene, die der Debatte um 1900 unmittelbar vorangehen, z.B. aus Aufklärung, Romantik, Realismus;
b) andererseits Texte, die in der jüngeren Vergangenheit entstanden sind und die im Wissen um die Schwierigkeiten und Möglichkeiten der klassischen Moderne, Wege fortsetzen, die sich als gangbar erwiesen haben, aber auch aussichtslose Ideen präsentieren und verwerfen.

Abstracts (300–400 Wörter) sowie eine kurze Bio-Bibliographie können der Redaktion bis zum 31. Oktober 2012 unter folgender Adresse eingereicht werden: variations@rom.uzh.ch. Wir publizieren Artikel in deutscher, englischer und französischer Sprache. Die Benachrichtigung über Annahme oder Ablehnung erfolgt im Dezember 2012. Die fertigen Artikel müssen der Redaktion bis spätestens 30. April 2013 vorliegen und dürfen 32'000 Zeichen nicht überschreiten.
Zudem besteht auch die Möglichkeit, nicht an das Thema gebundene Artikel, literarische Texte und künstlerische Beiträge wie z. B. Zeichnungen, Collagen oder Fotografien zu veröffentlichen.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.variations.uzh.ch
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss31.10.2012
KontaktdatenName/Institution: Redaktion Variations. Literaturzeitschrift der Universität Zürich 
Strasse/Postfach: Schönberggasse 9 
Postleitzahl: 8001  
Stadt: Zürich 
Telefon: +41446342578 
E-Mail: variations@rom.uzh.ch  
Internetadresse: http://www.variations.uzh.ch 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur- u. Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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