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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Goethe und das Geld. Der Dichter und die moderne Wirtschaft"
RessourcentypVerschiedenes (Workshops, Sommerschulen u.a.)
TitelGoethe und das Geld. Der Dichter und die moderne Wirtschaft
Beschreibung- Eine Ausstellung im Frankfurter Goethe-Haus
- Veranstaltungsprogramm

GOETHE UND DAS GELD. DER DICHTER UND DIE MODERNE WIRTSCHAFT
Eine Ausstellung im Frankfurter Goethe-Haus, 14.9.-30.12.2012


Frankfurter Goethe-Haus, Freies Deutsches Hochstift, Großer Hirschgraben 23-25, 60311 Frankfurt am Main


Es ist bekannt, dass Goethe nicht nur Dichter und Denker, Naturforscher und Zeichner, sondern auch Geheimer Rat und als solcher unter anderem für Finanzfragen im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zuständig war. Doch welche Dimensionen umfasste seine Auseinandersetzung mit der Ökonomie? Welche – auch familiären – Prägungen im Umgang mit Geld und Wirtschaft brachte Goethe mit, setzte sie im Staatsdienst und in der eigenen Haushaltsführung um? In welchem Verhältnis standen seine politische und ökonomische und seine schriftstellerische Tätigkeit zueinander, seine Verhandlungspraktiken auf dem Buchmarkt eingeschlossen?

Die angekündigte Ausstellung, die das Frankfurter Goethe-Haus in Kooperation mit der Frankfurter Goethe-Universität zur Goethe-Festwoche im Frühherbst 2012 eröffnet, widmet sich diesen Fragen erstmals umfassend. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen international renommierter Fachleute aus Literaturwissenschaft, Ökonomie, Wirtschafts- und Buchgeschichte. Ausstellung und Katalog beleuchten Goethes Umgang mit Geld in all seinen Facetten. Neben dem über Generationen aufgebauten Vermögen des bürgerlichen Frankfurter Elternhauses, den engen Beziehungen zu Frankfurter Bankiersfamilien und Goethes geschicktem Taktieren mit seinen Verlegern gilt das Interesse der Ausstellung seinen vielfältigen Tätigkeiten am Hof zu Weimar. Ein Jahrzehnt beschäftigte sich Goethe als Leiter der Finanzverwaltung intensiv mit wirtschafts- und finanzpolitischen Problemstellungen, reformierte das Steuerwesen, verfasste ein Währungsgutachten, kümmerte sich um den Chausseebau und bemühte sich um die Wiederbelebung des Kupfer- und Silberbergbaus in Ilmenau. Damit einher ging ein lebhafter Austausch mit führenden Ökonomen der Zeit; eingehend setzte Goethe sich mit den wichtigsten zeitgenössischen Wirtschafts- und Gesellschaftstheorien auseinander: von Justus Möser über die französischen Physiokraten und die Lehren Adam Smiths bis hin zu den frühsozialistischen Schriften der französischen Saint-Simonisten.

Im Zentrum von Ausstellung und Katalog steht die These, dass Goethes Position in vielfacher Hinsicht typisch für das ökonomische Denken und Handeln in einer Epoche des Übergangs von der vormodernen zur modernen Wirtschaft war. Goethe vereinte in seiner Person charakteristische Gegensätze seiner Zeit: Als Bürgersohn aufgewachsen diente er dem Adel und setzte sich zugleich unternehmerisch und risikofreudig für das Wohl des ›gemeinen Volkes‹ ein. Von hausväterlichen und ständischen Vorstellungen geprägt wandte er sich suchend neuen ökonomischen Ideen zu. Goethe begeisterte sich für technische und wirtschaftliche Innovationen wie die Eisenbahn und das Papiergeld – jedoch nicht ohne kritisch deren Konsequenzen für die altbewährten Lebens- und Wirtschaftsformen zu hinterfragen. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in seinen literarischen Werken wider.

Ein roter Faden, der etwa ›Faust II‹ durchzieht, ist die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken des gerade anbrechenden Industriezeitalters – so jedenfalls eine Interpretation des Dramas, die bemerkenswerter Weise aus der Feder eines Ökonomen stammt. Insbesondere die berühmte Szene der Schaffung des Papiergelds markiert die spannungsreiche Konstellation, die Goethes Epoche kennzeichnet, – und verweist gerade in den Zeiten der heutigen Finanz- und Eurokrise auf Probleme der Gegenwart. Von Faust und Mephisto als Lösung der Finanzprobleme des Kaisers angepriesen, erweist sich das ›magische‹ Papiergeld letztlich als trügerische Hoffnung. Die erstaunliche Aktualität Goethes wird von Ausstellung und Katalog bewusst aufgegriffen, ohne das historische Beispiel für Gegenwartsanwendungen zu sehr zu strapazieren.

Öffnungszeiten der Ausstellung:
montags bis samstags 10-18 Uhr
sonn- und feiertags 10-17.30 Uhr

Der Katalog ist in deutscher und englischer Fassung zum Preis von je 25,- Euro im Goethe-Haus erhältlich (hrsg. von Vera Hierholzer und Sandra Richter im Auftrag des Freien Deutschen Hochstifts).


INHALTSVERZEICHNIS

Vorwort: Anne Bohnenkamp-Renken
Einleitung: Vera Hierholzer / Sandra Richter: Die neuen Welten von Geld und Poesie. Goethe und die moderne Wirtschaft

I. DAS GELD: PRAKTIKEN, THEORIEN UND DICHTUNG

»DER ZETTEL HIER IST TAUSEND KRONEN WERT«. POSITIONEN ZU ›FAUST II‹, PAPIERGELDSZENEN
Hans Christoph Binswanger: ›Faust II‹ Papiergeldszenen
Jean-Claude Trichet: Johann Wolfgang von Goethe, die Wirtschaft und das Geld
Otmar Issing: Inflation – Teufelswerk?
Werner Hamacher: Faust, Geld
Michael Jaeger: Fausts Ökonomie – oder: Produktion der Angst
Fotis Jannidis: »Und fehlt es da, so gräbt man eine Zeit«. Mephistos Papiergeldschwindel – ein Projekt der Moderne?

GELD BEWERTEN. GOETHE UND DIE FORMEN DES GELDES
Volker Benad-Wagenhoff: Zur Münzprägetechnik in der Frühen Neuzeit
Ulrich Rosseaux: »Höchst verwickelt«. Geld zur Zeit Goethes
Eric Achermann: Scheinhafter Zauber. Zu Papiergeld, Münze und Kredit bei Goethe

GELD VERSTEHEN. GOETHE UND DIE ÖKONOMEN
Jochen Klauß: Goethes Privatbibliothek
Bertram Schefold: Goethe und die Anschauliche Theorie
Thomas Wegmann: »Eine der schönsten Erfindungen des menschlichen Geistes«. Ökonomisches im literarischen Werk Goethes

II. GOETHES ÖKONOMISCHE ROLLEN

GELD BESITZEN. GOETHE ALS BÜRGERSOHN
Vera Hierholzer: »Zerstreuter Ameis-Wimmelhaufen«. Friedrich Wilhelm Hirts Blick auf Frankfurt
Werner Plumpe: Wirtschaft, Konsum und Erwerb in Goethes Elternhaus
Bernd Hamacher: Der »große Dietrich Geld«. Materielle und ideelle Grundlagen von Goethes schriftstellerischer Existenz

GELD BEWEGEN. GOETHE UND DIE BANKIERS
Wilfried Forstmann: ›Geldübermachung‹. Goethes Geldgeschäfte beim Bankhaus Bethmann
Ralf Banken / Wilfried Forstmann: Netzwerke. Goethe und die Bankiers seiner Zeit

GELD ERWERBEN. GOETHE ALS AUTOR
Sandra Richter: Autor im Streit um Recht und Geld. Nachdrucke von Goethes Werken
Stephan Füssel: Goethe und der Buchmarkt um 1800
Norbert Christian Wolf: »Heilige Uneigennützigkeit«? Goethes Umgang mit Geld als Autor und Herausgeber

GELD EINSETZEN. GOETHE UND DIE ›INDUSTRIE‹
Vera Hierholzer: »Verhäßlichungskunst«. Johann Heinrich Meyers Karikatur auf den Weimarer Unternehmer Friedrich Justin Bertuch
Guillaume Garner: »Lebendige Theilnahme«. Goethes Engagement für die Weimarer Wirtschaft
Bernd Blaschke: Goethes Unternehmer-Figuren. Wirtschaftsweisen in ›Faust‹, ›Wilhelm Meister‹ – und in Weimar

GELD VERWALTEN. GOETHE ALS MINISTER
Vera Hierholzer / Silke C. Schuck: Kritik am Weimarischen Steuerwesen? Carl August Schwerdgeburths Darstellung eines Steuerinspektors
Gerhard Müller: »Diesmal muß mirs nun freylich Ernst und sehr Ernst seyn …«. Goethe, Carl August und das Finanzwesen in Sachsen-Weimar-Eisenach
Gerhard Schmid: »Es sind zwar nur Kleinigkeiten …«. Goethes Haushalts- und Rechnungsführung für die Anstalten für Wissenschaft und Kunst

GELD AUSGEBEN. GOETHE ALS HAUSVATER
Ulrike Müller-Harang: »Ich bitte Gott, daß er mich täglich haushälterischer werden lasse«. Goethes Rechnungsbücher
Dieter Hein: Goethe und die bürgerliche Haushaltsführung um 1800
Jochen Klauß: Goethe als Sammler und Erblasser


VERANSTALTUNGSPROGRAMM

DONNERSTAG, 13. SEPTEMBER, AB 19 UHR
ERÖFFNUNG DER GOETHE-FESTWOCHE 2012 UND DER AUSSTELLUNG DES GOETHE-HAUSES
19 Uhr Festakt im Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Willy Brandt-Platz
ca. 20.30 Uhr Empfang und Führung durch die Ausstellung im Frankfurter Goethe-Haus

SONNTAG, 16. SEPTEMBER
FÜHRUNG UND VORTRAG »GOETHE UND SEINE FINANZEN«
Frankfurter Goethe-Haus, Seekatzsaal und Arkadensaal
16 Uhr Goethes Lebensführung im Spiegel seiner Rechnungsbücher
Ausstellungsrundgang mit Dr. Ulrike Müller-Harang, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar
17 Uhr Goethe und sein »Verleger-Mäzen« Cotta
Vortrag von Dr. Bernhard Fischer, Leiter des Goethe- und Schiller-Archivs Weimar

DONNERSTAG, 20. SEPTEMBER, 19 UHR
»KRISE UND AUFBRUCH. DIE WIRTSCHAFT DER GOETHE-ZEIT«
Vortrag Prof. Dr. Werner Plumpe, Goethe-Universität Frankfurt
Commerzbank, Vortragssaal 49. Etage, Kaiserplatz 1

SONNTAG, 23. SEPTEMBER, 13.30 UHR
PODIUMSDISKUSSION: »LITERATUR UND FINANZKRISE«
Schauspiel Frankfurt, Chagallsaal, Willy Brandt-Platz
Es diskutieren der Unternehmer und Autor Ernst Wilhelm Händler, die Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Sandra Richter, die Ökonomen Prof. Dr. Martin Hellwig und Prof. Dr. Bertram Schefold sowie N.N. Es moderiert Dr. Rainer Hank, Wirtschaftsredakteur der F.A.Z. In Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt.

DONNERSTAG, 27. SEPTEMBER, 9.15-13 UHR
»‘ALLES VELOCIFERISCH‘ – GOETHE UND DIE ENTSTEHUNG DER MODERNEN ÖKONOMIE«
Sektion auf dem 49. Historikertag 2012
Leitung: Dr. Vera Hierholzer / Prof. Dr. Thomas Wegmann
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Philosophicum, Jakob Welder-Weg 18, P 13, 55128 Mainz
Anmeldung erforderlich unter: www.historientag.de

DIENSTAG, 30. OKTOBER, 19 UHR
»ZWISCHEN MÜNZE UND PAPIER. GELD IN DER ZEIT GOETHES«
Vortrag Dr. habil. Ulrich Rosseaux, Geldmuseum Frankfurt
Geldmuseum der Deutschen Bundesbank, Vortragssaal 1. OG, Wilhelm-Epstein-Straße 14

DIENSTAG, 6. NOVEMBER, 19 UHR
»GOETHE UND SEINE VERLEGER. GOETHES MANUSKRIPTENHANDEL«
Vortrag Prof. Dr. Norbert Christian Wolf, Salzburg
Institut für Stadtgeschichte, Dormitorium, Münzgasse 9

DIENSTAG, 20. NOVEMBER, 19 UHR
»FAUST, DAS GELD UND DIE INFLATION. GOETHES PHÄNOMENOLOGIE DER KRISE«
Vortrag PD Dr. Michael Jaeger, Berlin
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Casino-Gebäude, Raum 1.801, Grüneburgplatz 1

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt am Main
Beginn14.09.2012
Ende30.12.2012
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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