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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Theater der Revolution. Brecht und Büchner"
RessourcentypCall for Papers
TitelTheater der Revolution. Brecht und Büchner
BeschreibungTheater der Revolution. Brecht und Büchner
15.02.2013, Literaturforum im Brecht-Haus, Berlin


Die Passagen, in denen man in Brechts Schriften auf den Namen Büchner stoßen kann, sind spärlich. Und auch wenn er im „Messingkauf“ neben Wedekind als einer der Dichter eingeführt wird, die den größten Einfluss auf Brecht ausübten, so muss er doch sogleich wieder hinter „Clown Valentin“ zurücktreten, der als wichtigster Lehrer geehrt wird. Die Konjunktion Brecht und Büchner, der sich die Tagung im Rahmen der Brecht-Tage 2013 zuwenden will, leitet sich daher auch nicht aus dem Interesse traditioneller Einflussgeschichte her. Ausgangspunkt soll vielmehr ein Gegenstand sein, um den dramatische, tagespolitische und agitatorische Texte beider Autoren immer wieder aufs Neue kreisen: die Frage der Revolution.

Hier finden sich nicht nur die intensivsten intertextuellen Verklammerungen – „Woyzeck“ und „Trommeln in der Nacht“ etwa, oder „Dantons Tod“ und „Die Tage der Commune“. Vor allem eröffnet das Denken der Revolution ein Feld geteilter Fragestellungen und Probleme: ein Erproben von Geschichtsmodellen, die voranschreiten oder aber sich in endloser Wiederholung drehen; ein Materialismus, der der Moral auch das Fressen entgegenhält; der Blick auf Bürgersöhne wie auf das niedrigste Volk als wechselnde Darsteller des Aufruhrs.

Zugleich und darüberhinaus findet sich sowohl bei Büchner wie bei Brecht die Theatralität der Revolution immer schon überführt in die Frage nach einer notwendigen Revolution des Theaters – Brecht selbst situiert Büchners Dramatik in seiner eigenen genealogischen Deutung auf einer „Linie, die zu gewissen Versuchen des epischen Theaters gezogen werden kann“. Die Versuche, die Revolution in Szene zu setzen, berühren Fragen, die die Ästhetik des Theaters in ihrem Innersten betreffen. Das zeigt sich etwa im Ausloten der Möglichkeiten von Massenszenen (für die Brecht nicht zuletzt „Dantons Tod“ als lehrreiches Exempel anführt); in der Rolle der Volkslieder oder Balladen, die dem Fortschritt der Revolution den Takt vorgeben, oder in der Frage einer je spezifischen Dingästhetik (wie Woyzecks roten Mond, der in „Trommeln in der Nacht“ zitiert wird, sich in einen Lampion verwandelt und schließlich in einen Fluss ohne Wasser stürzt). Umgekehrt findet die Rhetorik der Revolution eine neue Fortsetzung in Brechts Beschreibung alternativer Theaterarbeitsmodelle: in der Rhetorik des Experiments, der wissenschaftlichen Revolution und nicht zuletzt in Brechts Selbstbeschreibung als „Einstein der neuen Bühnenform“ – ein seltsamer Nachhall jener Verschränkung von revolutionärem Diskurs, ästhetischem Versuch und exakter physiologischer Beobachtung, wie sie Büchner nicht nur mit der Inszenierung des Doktors im „Woyzeck“ vorführte.

Die Tagung zielt darauf, die Verhandlungen der Revolution bei Brecht und Büchner systematisch zu untersuchen, konkrete Textbeziehungen näher in den Blick zu nehmen und die je spezifischen Theaterästhetiken herauszuarbeiten. Auf der Tagung soll dazu möglichst auch der Dialog mit TheaterpraktikerInnen hergestellt werden. Als Gegenstand der Beiträge sind sowohl Studien zu einzelnen Texten und Phänomenen als auch übergreifende Überlegungen zu beiden Autoren willkommen. Die Tagung ist Teil der Brecht-Tage des Literaturforums im Brecht-Haus Berlin 2013 und soll innerhalb dieser als Plattform neuer Perspektiven der Brecht-Forschung fungieren; ausdrücklich sind daher auch junge WissenschaftlerInnen eingeladen, sich zu bewerben.

Vorschläge für Vorträge (Arbeitstitel und Abstract, max. 300 Wörter) und knappe Angaben zur Person bitte per Email bis zum 15.10. 2012 an unten aufgeführte Emaildresse. Geladene ReferentInnen erhalten eine Pauschalvergütung von 150 Euro. Eine Publikation ausgewählter Beiträge ist vorgesehen.


Kontakt:

Hendrik Blumentrath
Humboldt Universität zu Berlin
Institut für deutsche Literatur
Dorotheenstraße 24
Raum 3.438
(Postadresse: Unter den Linden 6, 10099 Berlin)

Email: hendrik.blumentrath@hu-berlin.de


Veranstalter und Tagungsort:
Literaturforum im Brecht-Haus Berlin
Chausseestr. 125
10115 Berlin
www.lfbrecht.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss15.10.2012
Beginn15.02.2013
PersonName: Blumentrath, Hendrik 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: hendrik.blumentrath@hu-berlin.de 
KontaktdatenName/Institution: Literaturforum im Brecht-Haus  
Strasse/Postfach: Chausseestr. 125 
Postleitzahl: 10115  
Stadt: Berlin  
Internetadresse: http://www.lfbrecht.de/content/  
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Dramentheorie; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Theater (Aufführungspraxis)
Zusätzliches SuchwortBertolt Brecht, Georg Büchner, Literaturforum im Brecht-Haus
Ediert von  H-Germanistik
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