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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Philosophie - Philologie - Edition"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelPhilosophie - Philologie - Edition
BeschreibungPhilosophie - Philologie - Edition

Universität Zürich, 14. bis 16. September 2012

Universität Zürich, Deutsches Seminar, Schönberggasse 9, 8001 Zürich

Der idealtypischen Unterscheidung von Philosophie und Philologie August Boeckhs zufolge, die bis heute in das disziplinäre Selbstverständnis nachwirkt, erkennt die Philosophie "primitiv", die Philologie aber sekundär, indem sie versucht, das einmal Erkannte und (sprachlich) Fixierte zu rekonstruieren, zu bewahren und zu verstehen. In den verschiedensten Versionen haben dergleichen Vorstellungen einen dominierenden Einfluss auf die Abgrenzung zwischen Philosophie und philosophischer Edition gehabt. Einer verbreiteten Auffassung zufolge komme die Philosophie, insofern sie Erkenntnis ist, im Prinzip ohne Texte und also auch ohne Textkritik aus. Wo sie sich mit Aussagen, Meinungen und Überzeugungen anderer Denker beschäftige, spielen Überlieferungs- oder Kontextfragen keine entscheidende Rolle. Philologie ist hier im besten Falle irrelevant, im schlechtesten vernebelt sie nur den Blick auf die wahren philosophischen Probleme. Jene Philosophie, die aus der Auseinandersetzung mit den philosophischen Texten der Tradition entsteht, verdient diesen Namen in Wahrheit nicht, sondern ist bereits – Philologie.

Indes lässt sich mit Recht fragen, ob es ohne Philologie und speziell ohne Editionsphilologie große Teile der historisch wirksamen Philosophie überhaupt gäbe. Bereits bei den so genannten Vorsokratikern handelt es sich um ein philologisches Konstrukt. Die Edition Wittgensteins, Kierkegaards, Nietzsches und zahlreicher anderer Philosophen hat nicht nur das Bild dieser Autoren, sondern die Philosophie insgesamt erschüttert. Darin liegt für die Philologie freilich weniger eine Legitimation, auf die sie sich unbeschwert berufen kann, als vielmehr ein Anspruch, dem sie nicht immer gewachsen ist. Lassen sich philosophische Texte überhaupt ohne Rücksicht auf ihre philosophische Potenz "erkennen" und konstituieren? Können nicht scheinbar rein technische Lösungen editorischer Eingriffe von unabsehbarer philosophischer Tragweite sein? Nach Jahrzehnten avancierter editorischer Praxis auch auf dem Gebiet der philosophischen Edition macht sich der Mangel einer grundsätzlichen Debatte zum Verhältnis von Philosophie und Edition immer schmerzlicher bemerkbar. Es ist der Mangel einer Debatte sowohl des Nutzens und Nachteils der Philologie für die Philosophie wie auch, in eben so hohem Maße, der philosophischen Voraussetzungen der Philologie.

Die Tagung "Philosophie – Philologie – Edition" an der Universität Zürich setzt sich vor diesem Hintergrund das Ziel, die fällige Debatte anzustoßen. Inhaltlich und systematisch an den zentralen philosophischen Editionsprojekten der letzten Jahrzehnte, aber auch an der Geschichte der philosophischen Edition insgesamt ausgerichtet, plädiert sie für eine "Philosophie der Philologie" (Friedrich Schlegel), die das Boeckh'sche Paradigma hinter sich lässt und am Beispiel der Edition die gegenseitige Abhängigkeit von Philosophie und Philologie begreiflich macht. Die Genetivkonstruktion der Philosophie der Philologie hierarchisiert nicht, sondern prüft die Philologie als eigenständige Form der Philosophie. Die Edition tritt so aus ihrer dienenden Rolle und wird selbst Moment der philosophischen Reflexion. Diese wiederum ist der erste Schritt zur Praxis der Edition. Dabei gilt es heute insbesondere, den Schritt von historisch gewordenen Editionen und Editionstechniken zu einer an Dokumentation und Materialität ausgerichteten Editionsphilologie auch in philosophischer Hinsicht zu wagen. Die "Philosophie der Philologie" fragt nicht allein, ob aktuelle philosophische Editionsprojekte sinnvoll mit Hinblick auf ihren philosophischen Ertrag sind, sondern auch und vor allem, ob es überhaupt schon eine Philosophie gibt, die dem Stand der Editionsphilologie entspricht.

Programm

Freitag, 14.9.2012

15.30 Begrüßung durch Wolfram Groddeck, Zürich

16.00 Roland Reuß, Heidelberg: Philologie als Aufmerksamkeit

18.30 André Laks, Paris: Voraussetzungen, Bedingungen und Probleme einer anthologischen Edition der ersten griechischen Philosophen

Samstag, 15.9.2012

9.00 Thomas Forrer, Luzern: "Aura", "Monade", "Frage der Darstellung". Die Walter Benjamin-Ausgaben und das Verhältnis von Edition und Gehalt

10.00 Johann Kreuzer, Oldenburg: Mikrologie: oder vom Zeitkern der Texte. Benjamins ästhetisch-philosophische Schriften

11.30 Felix Christen, Zürich: Heideggers Philologie

15.00 Walter Jaeschke, Bochum: Vom gesprochenen zum gedruckten Wort. Überlegungen zur Edition von Vorlesungen

16.00 Joachim Schulte, Zürich: Wittgenstein hat’s gesagt - aber wo?

17.30 James Conant, Chicago: Vom Nutzen und Nachteil der Editionen für die Philosophie

Sonntag, 16. September 2012

9.00 Klaus Müller-Wille, Zürich: "Man skrev paa flyvende Blade" ("Man schrieb auf fliegenden Blättern") - Zu einer Poetologie des Zettels in Kierkegaards losen Papieren

10.00 Christine Abbt, Zürich/Frankfurt am Main: Verstanden werden wollen. Zum Zusammenhang zwischen Form und Freiheit

11.30 Round-Table-Gespräch: Philosophieren ohne Text? Moderation: Wolfram Groddeck, Zürich

Veranstaltungsort: Universität Zürich, Deutsches Seminar, Raum SOD-1-105, Schönberggasse 9, 8001 Zürich

Die Tagung ist öffentlich.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Felix Christen (felix.christen@ds.uzh.ch) oder Christian Benne (c.benne@litcul.sdu.dk).
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortZürich
Beginn14.09.2012
Ende16.09.2012
PersonName: Christen, Felix  
Funktion: Wissenschaftlicher Assistent 
E-Mail: felix.christen@ds.uzh.ch 
KontaktdatenName/Institution: Universität Zürich, Deutsches Seminar 
Strasse/Postfach: Schönberggasse 9 
Postleitzahl: 8001 
Stadt: Zürich 
Telefon: +41 44 634 25 44 
Fax: +41 44 634 49 05 
E-Mail: felix.christen@ds.uzh.ch 
Internetadresse: http://www.ds.uzh.ch/ 
LandSchweiz
SchlüsselbegriffeEditionstheorie; Geschichte der Germanistik; Literaturtheorie: Themen
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.04.00 Methodik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.05.00 Editorik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie
Ediert von  H-Germanistik
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