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Ergebnisanzeige "Inseln – Archipele – Atolle. Ordnungen des Insularen"
RessourcentypCall for Papers
TitelInseln – Archipele – Atolle. Ordnungen des Insularen
BeschreibungCFP: Inseln – Archipele – Atolle. Ordnungen des Insularen.

III. Nachwuchstagung der Philosophischen Fakultät der Universität Mannheim.
11.- 13. September 2008.

Deadline: 31. Januar 2008

Die DoktorandInnen der Philosophischen Fakultät der Universität Mannheim veranstalten vom 11.-13. September 2008 eine wissenschaftliche Tagung zum Thema „Ordnungen des Insularen“.

Der Blick vom Kontinent auf die Insel oder von der Insel auf die Insel – also die jeweilige Perspektive – sowie die je spezifische geographische/geomorphologische Beschaffenheit bzw. Konstitution von Räumlichkeit bedingen in unterschiedlicher Weise die politischen, ethischen, epistemologischen und ästhetischen Konzeptionen von Inseln: Der kulturell codierte Raum prägt somit die mit ihm zusammenhängenden Phänomene und in ihm stattfindende Handlungen.

Die Besonderheit des Insularen manifestiert sich augenscheinlich in seiner räumlichen Konfiguration. Dies ist umso mehr von Bedeutung, wenn kulturelle Akte als eine Form der räumlichen Einbettung verstanden werden, die sich durch Raumnahme, Raumbearbeitung und letztendlich die semantische und symbolische Aufladung räumlicher Strukturen vollzieht. Raumkonzepte präfigurieren und codieren Handlungen, prägen Weltsicht und Erkenntnismodi. Vor diesem Hintergrund ist der exzeptionellen Raumlage und -beschaffenheit der Insel besondere Beachtung zu schenken. Gerade der Inselraum legt scheinbar aufgrund seiner natürlichen räumlichen Strukturen und Gegebenheiten (umgeben von Wasser, getrennt vom Festland) eine bestimmte Interpretation nahe. Diese Inselvorstellung als Isolations-Idee ist jedoch auch immer das Produkt einer symbolischen Praxis. Die Insel ist mithin kein natürlicher Ort, sondern ein soziales Artefakt.

Eine gängige Unterscheidung abendländischer (besonders kontinentaler) Inselvorstellungen ist diejenige zwischen kontinentalem Festland und randständiger Insel. Die Insel wird (vom Festland aus) in einer marginalen Position wahrgenommen, was ihr gegenüber dem Kontinent den Status des Abgeleiteten, Sekundären verleiht. Hiermit ist die Vorstellung von Zeitlosigkeit und Stagnation auf der Insel verknüpft. Sie wird, abgekoppelt von der kontinentalen merkantilen und kulturellen Zirkulation, als (paradiesischer) Fluchtort oder Ort der Vergessenheit gedacht. Eine weitere Unterscheidung ist die raumsemantische Leitdifferenz zwischen Land und Meer, zwischen Festem mit klar definierter Gestalt und formlos Flüssigem. Der insulare Raum erscheint überschau-, greif- und beherrschbar, er wird gleichsam als „natürliche Kolonie“ begriffen.
So erleichtern die der Insel vom westlichen bzw. kontinentalen Denken zugeschriebenen Attribute der Begrenztheit, Marginalität, Statik und der inneren Homogenität nicht allein den kolonialen, sondern auch den intellektuellen Zugriff. Inseln gelten als dankbare Erkenntnisobjekte (für Naturgeschichte, Biologie, Ethnologie, Anthropologie etc.) und heuristische Erkenntnisinstrumente – sie finden in metaphorischer Weise Verwendung für die Illustration und Veranschaulichung jeglicher Form „abgrenzbarer“ Phänomene, so beispielsweise in der Linguistik (Text-, Sprachinseln), der Kognitionswissenschaft (Wissensinseln), den Wirtschaftswissenschaften (Marktinseln), der Epistemologie oder der Ethnologie.

Andere Inselvorstellungen als die der Konzeption der Insel als fixe und begrenzte Lokalität sind denk- und nachweisbar: auch innerhalb der okzidentalen und kontinentalen kulturellen Überlieferung lässt sich die alternative Vorstellung von der Insel als schwankendes, flüchtiges und nicht klar fassbares, hybrides Gebilde finden. Darüber hinaus existieren Auffassungen von Inseln, in denen das Meer nicht als Grenze, sondern als verbindendes Medium begriffen wird, das die einzelnen Inseln in ein komplexes Netzwerk einbindet und nach außen hin öffnet. Offensichtlich werden Inseln als Archipele nicht in der ihnen sonst zugeschriebenen Abgeschlossenheit – Isolation – sondern geradezu als Paradigma für Vernetzung und Kommunikation wahrgenommen.

* * *

Der von der Tagung verfolgte Diskurs des Insularen bewegt sich zwischen Inseln in realer, fiktiver/fiktionalisierter oder metaphorischer Form. Diese heuristischen Analysekonstruktionen stellen die Eckpunkte dar, zwischen denen sich das Spannungsfeld der Ordnungen des Insularen entfaltet. Sie sollen als grobes Orientierungsraster dienen und nicht verdecken, dass zwischen den einzelnen Kategorien unterschiedliche reziproke Verhältnisse und mannigfaltige Querverbindungen bestehen (können), wie sich auch die Rede vom Insularen selten auf einer der Ebenen allein bewegt.

Hinsichtlich der Beschreibung und Untersuchung von Inseln sind zunächst Fragen der politischen, sozio-kulturellen oder gesellschaftlichen Konstitution ebenso wie Fragen der Historie von Entdeckung, der Geschichte von Landnahme und Kolonisation zu nennen. Gleichfalls stehen im kulturellen Wissen verankerte, präsente und unterschiedlich besetzte Inseldarstellungen im Vordergrund. Das Motiv der Insel in Literatur und Film steht meist für einen Ort des Anderen (Heterotopie) ebenso wie für erwünschte oder gefürchtete Un-Orte (Utopie, Dystopie, Atopie). Im Zusammenhang mit fiktiven/fiktionalisierten Inseln ist auch die Frage der Narration des Insularen zentral. Wie kann von der Insel erzählt werden, ohne die Voraussetzungen ihrer Existenz (Isolation, Zeit- und Geschichtslosigkeit, Fremde etc.) zugleich aufzuheben?
Überdies finden spezifische Züge der Insel in metaphorischer Weise in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen Verwendung. Das Insulare erscheint im Metaphernrepertoire der Philosophie, der Naturwissenschaften, der Kognitions- und Sprachwissenschaften oder der Ethnologie.


Sich hieraus ergebende Fragen-/Themenkomplexe können sein:
 Das Verhältnis von insularem Raum und Identität, Handlungen und Kultur.
 Beziehungen zwischen Inseln und Kontinenten oder Beziehungsgeflechte in maritimen Großräumen (Atlantic-, Pacific-Studies).
 Abschottung oder imperialistische Landnahme? – Interne/endogene Abläufe und zentrifugale Kräfte vs. externe/exogene Beeinflussung und Auflösung der Insel.
 Prozesse und Besonderheiten der insularen Kultur-Entwicklung und eine etwaige Verbindung zu geomorphologischen Konzepten.
 Landnahme und Kolonisation des Insel-Raumes als paradigmatische Praktik der Kulturisation?
 Einbruch des Fremden – Kolonialisierungserfahrungen von InsulanerInnen.
 Die Insel als gesellschaftlich-soziale oder politische Utopie.
 Die Insel als Ort der Verwandlung.
 Gewünschtes oder verwünschtes Inseldasein? – Einsiedelei oder Verbannung?
 Okzidentale Inselkonzeptionen im Vergleich mit außereuropäischen Inselvorstellungen.
 Schreckensbilder der unzivilisierten Inselwelt: verrückte Forscher und übermächtige Natur.
 Das neuzeitliche Erkenntnissubjekt als Insel.
 Isolationsphänomene: Sprachinseln, insulare Lebensphasen des Menschen; medizinische und kognitionswissenschaftliche Inselfiguren.
 Leben des Menschen als Aneinanderreihung temporaler und lokaler Inseln.
 Isolierte Gruppen: politische, soziale, kulturelle (etc.) Inselexistenzen.
 Das Insulare und Archipelische als Form des Wissens.
 Motivgeschichte der Wissens-Metaphorik des Insularen.


Ausführlichere Informationen, auch zum geplanten Rahmenprogramm, finden Sie in Kürze auf der Tagungs-Homepage unter:
www.phil.uni-mannheim.de/doktoranden/nachwuchstagung_2008.

Die Beiträge sollen im Frühjahr 2009 in einem Tagungsband veröffentlicht werden.

Bitte senden Sie Ihren Titelvorschlag zusammen mit einem aussagekräftigen Abstract (3000 Zeichen) sowie einem akademischen Kurz-CV bis zum 31. Januar 2008 an die unten stehende Adresse. Beiträge in englischer Sprache sind möglich.

Institut für Neuere Germanistik II
c/o Stefanie Ablaß
EW 236, Schloss
Universität Mannheim
68131 Mannheim
E-Mail: stefanieablass@gmx.de

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Call For Papers: Islands– Archipelago – Atolls. Orders of the Insular.

The 3rd Graduate Conference of the University of Mannheim’s Philosophical Faculty.
September 11 - 13, 2008.

Deadline for abstracts: January 31, 2008

The graduate students of the University of Mannheim’s Philosophical Faculty are organizing a scholarly conference from September 11th to 13th on the topic “Orders of the Insular.”

The view of the island from the continent or that of the island from the island together with the specific geographical/geomorphological composition – or rather constitution – of spatiality determines the political, ethical, epistemological and aesthetic conceptions of islands in various ways. This culturally coded space thus influences the phenomena connected to it as well as the events that take place within it.

The special status of the insular is most readily apparent in its spatial configuration. This acquires even more significance if cultural acts are understood as a form of spatial embedding that occur through the appropriation and processing of space, and also ultimately through the semantic and symbolic charging of spatial structures. Spatial concepts prefigure and encode events, they influence our views on the world as well as our modes of cognition. Against this backdrop, particular attention should be devoted to the island’s exceptional spatial position and composition. Indeed, the island’s natural spatial structures and situation (the fact that it is surrounded by water and separated from the mainland) would seem to invite certain interpretations. This representation of the island as a concept of isolation is, however, also always the product of a symbolic practice. Consequently, the island is not a natural place but rather a social artifact.

A prevalent distinction of Western (and especially Continental) representations of islands is that between the continental mainland and the peripheral island. The island is perceived (from the mainland’s standpoint) to be in a marginal position, which lends it a derivative, secondary status with respect to the continent. The representation of timelessness and stagnation is hereby connected to the island. Uncoupled from the mercantile and cultural circulation of the continent, the island is conceived of as a (paradisical) place of refuge or as a place of oblivion. A further distinction is the spatial-semantic difference between land and sea, between the solid (with its defined form) and the (formless) fluid. The insular space appears manageable, palpable and controllable – it is grasped as a “natural colony,” so to speak.

Thus, the attributes of limitedness, marginality, stability and inner homogeneity that Western or rather Continental thought ascribes to the island paves the way for not only colonial access but also intellectual access. Islands are considered to be rewarding objects of knowledge (for natural history, biology, ethnology, anthropology, etc.) and heuristic instruments of knowledge – they can have metaphorical applications for the illustration of many “definable” phenomena, for example in linguistics (textual islands and islands of speech), cognitive science (islands of knowledge), economics (market islands), epistemology and ethnology.

Representations of the island other than those of a fixed and limited locality are both conceivable and demonstrable: The alternate representation of the island as an obscure, unsteady and elusive hybrid object can be found even within Western and Continental cultural traditions. Furthermore, there are other views of the island in which the sea is not conceived of as a border but rather as a linking medium that opens outwards and binds the single islands together in a complex network. Here, islands are obviously not perceived as the secluded archipelago that they are so often made out to be (isolation), but rather as paradigms of integration and communication.

* * *

This conference will pursue a discourse of the insular that navigates among islands in real, fictitious/fictionalized or metaphorical forms. These heuristic constructions of analysis map out the area of tension in which the orders of the insular unfold. They are meant to serve as rough categories of orientation and are not intended to conceal the fact that different reciprocal relationships and diverse links exist (or can exist) among the individual categories, in much the same way that the discourse on the insular is rarely limited to the physical plane.

With regards to the description and investigation of islands, issues surrounding their political, socio-cultural or societal constitution are of particular interest, as well as those related to histories of discovery, landgrabs and colonization. Likewise, anchored, present and variously nuanced depictions of islands take center stage in cultural knowledge. The island motif in literature and film generally stands for a place of the Other (heterotopia) and/or for either a dreaded or desired non-place (utopia, dystopia, atopia). In connection with fictitious/fictionalized islands, the question of the narration of the insular is central: How can the island be narrated without the conditions of its existence (isolation, timelessness, lack of history, foreignness, etc.) being brought up at the same time?

Furthermore, specific traits of the island find metaphorical applications in different scientific domains. The insular appears in the metaphor repertoires of philosophy, the natural and cognitive sciences, linguistics and ethnology.

The following topics / questions could be included in papers:
 The relationship(s) between insular space and identity, between events and culture.
 The relations between islands and continents or the tangled relational webs in large maritime areas (Atlantic and/or Pacific Studies).
 Isolation or imperialistic landgrabs? – Internal/endogenous processes and centrifugal forces vs. external/exogenous pressure and the dissolving of the island.
 Processes and particularities of insular cultural development and any connection to geomorphological concepts.
 Landgrabs and colonization of the island-space as paradigmatic practices of civilizing?
 The foreigner breaks in: islanders’ experiences of colonialism.
 The island as a social or political utopia.
 The island as a place of transformation.
 Is insular existence to be cursed or desired? – Solitude or banishment?
 Occidental conceptions of islands compared with those of non-Europeans.
 Terrifying images of the uncivilized island-world: insane researchers and uncontrollable forces of nature.
 The modern subject of knowledge as an island.
 Phenomena of isolation: speech islands and insular phases of human life; medical and cognitive figures of the island.
 Human life as an ordering of temporal and local islands.
 Isolated groups: political, social and cultural island existences.
 Islands and archipelagos as forms of knowledge.
 The history of the insular as a metaphor for knowledge.

Detailed information on the conference (including the program) will soon appear on the conference homepage: www.phil.uni-mannheim.de/doktoranden/nachwuchstagung_2008.

The conference proceedings will be published in book form in the spring of 2009.

Please send the proposed title of your paper together with a detailed abstract (around 3000 characters) and a short CV to the address below by January 31st, 2008. Presentations can be in German or in English.

Institut für Neuere Germanistik II
c/o Stefanie Ablaß
EW 236, Schloss
Universität Mannheim
68131 Mannheim
E-Mail: stefanieablass@gmx.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMannheim
Bewerbungsschluss31.01.2008
Beginn11.09.2008
Ende13.09.2008
PersonName: Ablaß, Stefanie 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: stefanieablass@gmx.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Mannheim, Institut für Neuere Germanistik II 
Strasse/Postfach: EW 236, Schloss 
Postleitzahl: 68131 
Stadt: Mannheim 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Klassifikation00.00.00 ohne thematische Zuordnung
Ediert von  H-Germanistik
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