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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Überschreitungen / Überschreibungen: Zum Werk von Sibylla Schwarz (1621-1638)"
RessourcentypCall for Papers
TitelÜberschreitungen / Überschreibungen: Zum Werk von Sibylla Schwarz (1621-1638)
BeschreibungErnst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
Institut für Deutsche Philologie

Call for Papers

»Überschreitungen / Überschreibungen:
Zum Werk von Sibylla Schwarz (1621-1638)«
(Greifswald 15. - 18. Mai 2013)

Organisation Prof. Dr. Hania Siebenpfeiffer und Dr. Monika Schneikart

Die Greifswalder Autorin Sibylla Schwarz, die ihr gerade einmal siebzehnjähriges Leben in dieser Stadt verbrachte, zählt zu den ersten, eigenständig publizierten Autorinnen der deutschsprachigen Literatur und ist doch heutzutage außerhalb von Spezialistenkreisen fast vollständig vergessen. Schon von ihren Zeitgenossen wurden ihre Gedichte als vollendete Dichtungen gepriesen und in einer Reihe mit der Dichtung von Andreas Gryphius und Catharina von Greiffenberg gestellt. Diese Wertschätzung ist umso bemerkenswerter, bedenkt man, dass die Autorin aufgrund ihres jungen Alters und ihres Geschlechts und nicht zuletzt aufgrund der großen räumlichen Distanz zu den literarischen Zentren ihrer Zeit keinerlei Zugang zu den damaligen Gelehrtenkreisen hatte. Sie schrieb vielmehr aus einer dezidierten biografischen und geografischen ‚Randexistenz‘ heraus, die durch den 30jährigen Krieg zusätzlich verstärkt wurde. Und dennoch wurden ihre Gedichte nach der postumen Veröffentlichung einer zweibändigen Werkausgabe im Jahr 1650 bis weit in das 18. Jahrhundert hinein gelesen, fanden Eingang z.B. in die Poetik von Morhof und galten noch im 19. Jahrhundert als überaus gelungene Zeugnisse einer frühen Opitzrezeption.

Während einzelne Gedichte in den USA und England inzwischen zum Kanon frühneuzeitlicher Lyrik zählen und in den entsprechenden Anthologien erscheinen, hat Sibylla Schwarz in der deutschsprachigen Forschung von wenigen Ausnahmen abgesehen bislang keine Aufmerksamkeit erhalten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, teils sind sie historischer, teils wissenschaftlich-institutioneller Natur. Aus Sicht der Organisatorinnen jedoch erzeugt die doppelte Diskrepanz, die sich zwischen den Rahmenbedingungen ihrer literarischen Produktivität und der poetischen Virtuosität, die aus ihren Gedichten spricht, einerseits sowie ihrer gefeierten Rezeption im 17. Jahrhundert und dem gegenwärtigen fast vollständigen Vergessen andererseits auftut, eine Spannung, der es in mehrerlei Hinsicht lohnt nachzugehen.

Die für Mai 2013 geplante Tagung will genau dies tun und indem sie nach den Überschreibungen und Überschreitungen im Werk von Sibylla Schwarz fragt und dessen Position innerhalb der deutschen wie internationalen Frühneuzeitforschung neu zu bestimmen sucht, schließt ihr Konzept bewusst an neuere literatur- und kulturwissenschaftliche Ansätze an. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Schreib- und Inszenierungsverfahren von Autorschaft, der Umschreibungen literarischer Gattungsbezüge, der Situierung deutschsprachiger Dichtung im europäischen Dichtungskontext, den Strategien und Verfahren der Affektpoetik, der Codierung literarischer Räume, den Formen eines weiblichen Petrarkismus sowie der frühen Opitzrezeption.

Bezogen auf das durch die Forschung weitgehend unerschlossene Werk von Sibylla Schwarz durchkreuzen diese Themen in fruchtbarer Weise die wenigen existierenden Zuordnungen, die sie pejorativ entweder als eine unorginelle Adeptin barocker Regelpoetik oder als geniehaft übersteigerte Repräsentantin einer Erlebnisdichtung avant la lettre klassifizieren. Über gattungspoetische, intertextuelle, rhetorische und genderspezifische Aspekten hinaus sollen deswegen größere literar-, wissens- und diskurshistorische Konstellationen erfasst werden, die es erlauben, das Werk von Schwarz ohne vorschnelle biografische Reduktionen in die literarischen, sozialen und politischen Zusammenhängen des 17. Jahrhunderts einzuordnen. Folgende Themen sollen diskutiert werden:

– Partizipation an literarischen Einflüssen und ihre Transformation(en) (u.a. zeitgenössische Gattungsparadigmen von Kasual- und laus ruris-Dichtung, geistlichem Lied, Ode, Schäferspiel und Bildgedichte; niederländische Poetiken im Umfeld von Opitz; frühe Optiziana; Opitzianismus versus Petrarkismus).
– Selbst- und Fremdkonstruktionen weiblicher Autorschaft (u.a. literarische Konstruktionen (weiblicher) Autorschaft in der Frühen Neuzeit; textimmanenten und textexterne Strategien der Selbstinszenierung; (posthume) Idealisierung versus Delegitimierung; Funktion des ‚Wunderkind‘-Topos; Schreiben als Rollenspiel und Camouflage, Hetero- und Homoglossie).
– Antikenrezeption und Antikentransformation (u.a. antike Figuren als Chiffren sozialer und affekthafter Konstellationen; explizite und implizite Antikenreferenzen; inter- und transtexuelle sowie dia- und synchrone Textbezüge).
– Darstellung von Krieg, Gewalt und Tod (u.a. Poetisierung und Literarisierung (weiblicher) Kriegserfahrung; Krieg und weibliche Lebenswelt; Krieg und Kindheit/Jugend).
– Poetisierung und Ästhetisierung von Affekten (u.a. genderspezifische Affektcodierung in der Frühen Neuzeit; affektive Inszenierungen poetischer Imagination; Topoi von Neid und Missgunst versus Freundschaft, Liebe und Geselligkeit in der Kasualdichtung; Freundschaftsgedichte als Empfindungs- und Erfahrungsdichtung; literarische, musikalische und bildliche Affektstrategien).
– Topologie und Semantik literarischer Räume (u.a. Funktion und Opposition literarischer Orte; öffentlich-städtischer versus privater-häuslicher Raum, literarische Utopien, Atopie, Heterotopien; Bezüge zwischen konkreten und poetischen Orten; reale, poetische und imaginative Topologie(n)).

Im Mittelpunkt der Tagung stehen die Gedichte von Sibylla Schwarz; Beiträge zu ihren weiteren Dichtungen, ihrer »Daphne«-Nachdichtung, dem Dramenfragment »Susanna« und ihrer Schäfererzählung, sind jedoch ebenso willkommen. Die Organisatorinnen bitten um die Zusendung von Vortragsthemen (Länge des Exposés: max. 1 Seite) bis zum 1. Oktober 2012 an die folgende Adresse: christina.vonrabenau@aol.de. Eine zeitnahe Publikation der Beiträge ist geplant.

Die Texte von Sibylla Schwarz sind in der von Gerlach besorgten Ausgabe über den OPAC der HAB zugänglich: http://opac.lbs-braunschweig.gbv.de/DB=2/SET=1/TTL=1/SHW?FRST=10

Ausgewählte Forschung: Ganzenmüller, Petra: Wider die Ges(ch)ichtslosigkeit der Frau. Weibliche Selbstbewußtwerdung zu Anfang des 17. Jahrhunderts am Beispiel der Sibylle Schwarz (1621-1638). Columbia1998;- Greber, Erika: Petrarkismus als Geschlechtercamouflage? Die Liebeslyrik der Barockdichterin Sibylle Schwarz. In: Andreas Kraß, Alexandra Tischel (Hg.): Bündnis und Begehren. Berlin 2002, S. 142-168;- Dies.: Paratext als Paartext. Sybille Schwarz und ihr Herausgeber. In: Frieder von Ammon, Herfried Vögel (Hg.): Die Pluralisierung des Paratextes. Münster 2008, S. 19-43;- Kerth, Thomas: Sibylle Schwarz and „die Art der Buhler“. In: Thomas Kerth, George C. Schoolfield (Hg.): Life's golden tree. Essays in German Literature from the Renaissance to Rilke. Columbia S.C. 1996, S. 15-55;- Niefanger, Dirk: Die Fretowische Fröligkeit. Die laus ruris-Dichtung von Sibylle Schwarz. In: Wolfgang Adam (Hg.): Geselligkeit und Gesellschaft im Barockzeitalter. Wiesbaden 1997, S. 411-425;- Schneikart, Monika: Grenzüberschreitungen in Pommern: Die „wilde“ Dichtung der Sibylla Schwarz (1621-1638) im Verhältnis zur res publica literaria. In: Monika Unzeitig (Hg.): Grenzen überschreiten – transitorische Identitäten. Bremen 2011, S. 105-122.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGreifswald
Bewerbungsschluss01.10.2012
Beginn15.05.2013
Ende18.05.2013
PersonName: Siebenpfeiffer, Hania [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: hania.siebenpfeiffer@uni-greifswald.de 
Name: Schneikart, Monika [Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: schneika@uni-greifswald.de 
KontaktdatenName/Institution: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, Insitut für Deutsche Philologie 
Strasse/Postfach: Rubenowstrasse 3 
Postleitzahl: 17489 
Stadt: Greifswald 
E-Mail: philosek@uni-greifswald.de 
Internetadresse: http://www.phil.uni-greifswald.de/philologien/deutsch.html 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeGenderforschung; Geschichte der Germanistik; Literatur 1580 - 1700; Lyriktheorie
Zusätzliches SuchwortSybilla Schwarz
Ediert von  H-Germanistik
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