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Ergebnisanzeige "Geschichts(er)findungen. Felicitas Hoppe als Erzählerin zwischen Tradition und Transmoderne"
RessourcentypCall for Papers
TitelGeschichts(er)findungen. Felicitas Hoppe als Erzählerin zwischen Tradition und Transmoderne
BeschreibungCall for Papers

"Geschichts(er)findungen.
Felicitas Hoppe als Erzählerin zwischen Tradition und Transmoderne"

Oxford University, 30. November bis 1. Dezember 2012
Mit der Georg-Büchner-Preisträgerin 2012 FELICITAS HOPPE


„Glauben Sie nicht, ich wüsste nicht, was es mit der Wahrheit auf sich hat“, beteuerte Felicitas Hoppe im Rahmen eines Interviews ihrem Gesprächspartner Fridtjof Küchemann und versicherte weiter, dass es ihr im Schreiben immer auch um Annäherung an die Wahrheit gehe, die ihr erstrebenswert und unerreichbar zugleich sei (I). Selbstbezügliche Aussagen dieser Art sind es, die das philologische Interesse an der 1960 in Hameln geborenen Schriftstellerin schüren, die literarische und historische Elemente zu hochkomplexer Prosa schichtet.
Felicitas Hoppe gehört zu den eigenwilligsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Ihr Werk ist vielfach ausgezeichnet: u.a. mit dem Aspekte-Literaturpreis, dem Ernst-Willner-Preis, dem Literaturpreis der Stadt Bremen und zuletzt dem Georg-Büchner-Preis.
Auf ihr literarisches Debüt, die Prosaminiaturen "Picknick der Friseure" (1996) folgten der Seefahrerroman "Pigafetta" (1999) und der Reise- und Abenteuerroman "Paradiese, Übersee" (2003). Die latente spielerische Einverleibung historischen Personals im Frühwerk intensiviert sich in der Portraitsammlung "Verbrecher und Versager" (2004) und dem Campusroman "Johanna" (2006), der eine akademische Annäherung an die Jungfrau von Orléans karikiert. Die Integration des faktisch Verbürgten in den Bereich der Phantasie bis hin zur völligen Auflösung der Grenzen zwischen Fakt und Fiktion fand ihren Höhepunkt in der Biofiktion der Autor-Imago Felicitas Hoppe selbst, dem Roman "Hoppe" (2012). Werkgenetisch betrachtet verdichtet jeder weitere Text aufgrund des intertextuellen, auto-intertextuellen und intratextuellen Verweissystems das Œuvre insgesamt und setzt kontinuierlich die Semantisierung der früheren Texte fort.

Die Auseinandersetzung mit Felicitas Hoppes Erzählwerk von Seiten der Literaturwissenschaft erfolgte bislang vereinzelt und primär aus deutschsprachiger Sicht (II). Die erste Konferenz außerhalb des deutschen Sprachraums möchte an bisherige Ergebnisse anschließen, jedoch im Rekurs auf Positionen der internationalen Transmoderneforschung (AMIAN 2008, KIRBY 2006) zugleich neue Akzente setzen. Die Förderung eines Writer-in-Residence-Aufenthalts der Autorin durch den DAAD, die Faculty of Medieval and Modern Languages, das Queen’s College und das Lincoln College Oxford, ermöglicht eine Lesung und Diskussion mit Felicitas Hoppe im Rahmen des Tagungsprogramms. Prof. Dr. Michaela HOLDENRIED (Freiburg i. Br.) wird die Veranstaltung mit einem Gastvortrag eröffnen.

Der Leitbegriff der „Geschichts(er)findungen“ impliziert zweierlei: Zum einen akzentuiert er „Geschichte“ als faktische, verifizierbare Vergangenheit und damit als einen wesentlichen Ressourcenbereich, aus dem Felicitas Hoppe schöpft und den sie in wechselnden Genres und Modi produktiv transformiert. Zum anderen zielt „Geschichte“ als „histoire“, mithin als Ereignis- und Handlungsebene, auf eine wesentliche Kategorie erzählter Welten, deren konsequente formale Auflösung und Kontrafaktur kausallogischer Konstellationen einen Wesenszug der Poetologie Felicitas Hoppes ausmacht.
Folglich wären erzähltheoretische Fragestellungen wünschenswert, die entweder einzelne Ebenen oder Elemente der Narration fokussieren oder sich an kontextuelle Aspekte anlehnen. Diese sollten vorzugsweise den produktiven Umgang mit den historischen Implementen stofflicher, sprachlicher oder metaphorischer Art miteinbeziehen. Daran anschließend wäre in paradigmatischen Untersuchungen, die Strategien des Prosawerks aufgreifen, nach der literaturhistorischen Verortung der Erzählerin Felicitas Hoppe zwischen Tradition und Transmoderne zu fragen – und schließlich vice versa danach, inwiefern die Bestimmung ihres poetisch-ästhetischen Erzählprogramms einen Beitrag zur Literaturgeschichte in der ausgehenden Postmoderne leisten kann.

Besonders willkommen sind Vorschläge zu folgenden Fragestellungen:

1.) FELICITAS HOPPES ERZÄHLWERK ZWISCHEN TRADITION UND TRANSMODERNE

- Wie lässt sich Hoppes Werk in der gegenwärtigen Erzählliteratur verorten? Nehmen die Romane auf die Erzählpoetik jüngster Gegenwartsliteratur Bezug oder konterkarieren sie deren Verfahren (vgl. HELLSTRÖM/NEUHAUS 2008)?
- Wie lässt sich Hoppes Werk im Verhältnis zur literarhistorischen Tradition, wie beispielsweise der deutschen Romantik (CONTER 2008), bewerten? Welche Traditionen, Texte und Referenzen werden aufgegriffen und wie werden diese erzählerisch integriert? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich zu respektive gegenüber transmodernen Ästhetiken internationaler Literaturen ausmachen (vgl. u.a. AMIAN 2008, EPSTEIN 1999, HOLDENRIED 2005, KIRBY 2006)?


2.) FELICITAS HOPPES ERZÄHLWERK ZWISCHEN HISTORIE UND ERFINDUNG

- Welche Stoffe und Motive greift Hoppe in ihren historischen Erzählungen auf und wie werden diese rezipiert und umgeformt? Welche Konsequenzen resultieren daraus für einzelne Ebenen der Erzählung (z.B. den Erzähler, die Gestaltung von Zeit) und für die jeweiligen literarischen Gattungen?
- Welche Formen und Funktionen fiktionalen und faktualen Erzählens sind erkennbar? Welche funktionale und motivationale Bedeutung kommt diesen im Text zu und wie wandeln sie sich im Zuge der Werkgenese?
- Auf welche Art und Weise realisiert sich die dominante Metafiktionalität in einzelnen Texten und wie ist sie in Bezug auf die Transgression konventioneller Erzähl- und Gattungssysteme zu bewerten (vgl. A. NÜNNING 1995)?
- Felicitas Hoppes metaautobiografisches Schreiben, das mit deutlich akzentuierten Erzählerfiguren, Autorimagenes und autobiografischen Fakten (vgl. HOLDENRIED 2000) spielt, ist mitunter vom öffentlichen Auftritt der empirischen Autorin nicht zu trennen: Welche konzeptionellen und terminologischen Herausforderungen stellt dieses Phänomen an die Literaturwissenschaft und welche Vergleiche lassen sich zu weiteren Autorinszenierungen in der Gegenwartsliteratur ziehen?


3.) FELICITAS HOPPES ERZÄHLWERK IM KONTEXT VON LITERATUR, KRITIK, MARKT UND WISSENSCHAFT

- Hoppes Texte suggerieren intensive Vertrautheit mit zeitgenössischen Theoriediskursen ebenso wie mit akademischen Verfahrensweisen. Auf welche (philologischen, ästhetischen) Theoreme spielen die Texte an und wie ist die literarische Reaktion auf dieselben zu deuten?
- Welche Verbindungen lassen sich ausgehend von diesen selbstreferentiellen Verfahren zu anderen Autoren der Gegenwart ziehen?
- Welche methodologischen Probleme ergeben sich aus dieser wechselseitigen Beeinflussung für die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Gegenwartsliteratur?
- Die Verleihung des Büchnerpreises befördert die Kanonisierung Felicitas Hoppe in der deutschsprachigen Literatur. Die Autorin gibt somit Anlass zur exemplarischen Untersuchung der Beeinflussung von Preisvergaben und anderen Marktfaktoren auf die Bedingungen des Schaffens und die literaturwissenschaftliche Wahrnehmung (NEUHAUS 2012).


Interessentinnen und -en werden um Vortragsvorschläge in deutscher oder englischer Sprache in der Länge von maximal 500 Wörtern bis zum 31. August 2012 an die beiden Organisatorinnen Svenja Frank (svenja.frank@mod-langs.ox.ac.uk) und Julia Ilgner (julia.ilgner@germanistik.uni-freiburg.de) gebeten. Die Beiträge sollten eine Länge von 30 Minuten nicht überschreiten, um Raum für die anschließende Diskussion zu wahren.
Es wird eine Tagungsgebühr in Höhe von 30 £ (20 £ für Doktoranden) erhoben. Die Kosten für An-/Abreise und Unterbringung können nicht übernommen werden, jedoch erfolgen Hinweise auf preisgünstige Unterkünfte im Zuge der Teilnahmebestätigung.
Besonderer Dank für die freundliche Unterstützung gilt dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, der Faculty of Medieval and Modern Languages der Oxford University sowie dem Queen’s College und dem Lincoln College Oxford.

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I „Es klingt kokett: Ich möchte die Wahrheit sagen“. Felicitas Hoppe im Interview mit Fridtjof KÜCHEMANN, FAZ vom 17. Januar 2003.
II Nach wie vor einschlägig ist der Sammelband von Martin HELLSTRÖM und Stefan NEUHAUS (Hg.): Felicitas Hoppe im Kontext der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Innsbruck/Wien/Bozen 2008 (Angewandte Literaturwissenschaft 1), der die wesentlichen bis dato erschienenen Texte der Autorin im Kontext zeitgenössischer Literaturdiskurse betrachtet, wenn auch mit überwiegendem Fokus auf dem Roman Johanna (2006). Eine Erweiterung nicht nur in methodischer Perspektive ist von den Ergebnissen der Hamburger Tagung unter der Leitung von Ortrud GUTJAHR zu erwarten, die im Zuge der Gastprofessur Felicitas Hoppes für interkulturelle Germanistik am 13./14. Juni 2012 ausgetragen wurde und insbesondere den Motiv- und Gattungskomplex des Reisens würdigt, ebenso wie von dem jüngst erschienenen Band von Thomas HOMSCHEID und Esbjörn NYSTRÖM (Hg.): Geschichten des Reisens – Reisen zur Geschichte. Studien zu Felicitas Hoppe. Uelvesbüll 2012.. Weiterhin sei auf die vergleichend angelegte Studie von Gerhard SCHOLZ ebenfalls zu Johanna, verwiesen: Zeitgemäße Betrachtungen? Zur Wahrnehmung von Gegenwart und Geschichte in Felicitas Hoppes "Johanna" und Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt". Innsbruck/Wien/Bozen 2012 (Angewandte Literaturwissenschaft 15).



Svenja Frank
University of Oxford
Faculty of Medieval and Modern Languages
41 & 47 Wellington Square
Oxford OX1 2JF
Great Britain
svenja.frank@mod-langs.ox.ac.uk
http://www.mod-langs.ox.ac.uk/frank

Julia Ilgner
Graduiertenschule Kultur- und Sozialwissenschaften
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
Starkenstraße 44
D-79085 Freiburg i. Br.
julia.ilgner@germanistik.uni-freiburg.de

Autorenporträt und Werkverzeichnis der Autorin bei S. Fischer:
http://www.fischerverlage.de/autor/14383



ZITIERTE LITERATUR:

AMIAN, Katrin: Rethinking Postmodernism(s). Charles S. Peirce and the pragmatist negotiations of Thomas Pynchon, Toni Morrison and Jonathan Safran Foer . Diss. Phil. Amsterdam u.a. 2008 (Postmodern Studies 41).

EPSTEIN, Mikhail: „Conclusion: On the Place of Postmodernism in Postmodernity“. In: Russian Postmodernism: New Perspectives on Late Soviet and Post-Soviet Culture. Hg. und übers. von Slobodanka Vladiv-Glover. New York 1999, 456-468.

KIRBY, Alan: „The Death of Postmodernism and Beyond“. In: Philosophy Now, November/December
2006. Volltext: http://philosophynow.org/issues/58/The_Death_of_Postmodernism_And_Beyond.

HOLDENRIED, Michaela: Autobiographie. Stuttgart 2000.
– „Ein unbekannter Stubengenosse Schillers, das Tropenverdikt Ottiliens und die Suche nach dem Berbiolettenfell. Anmerkungen zur postmodernen Zitationspraxis und Autorschaft im Werk von Felicitas Hoppe“. Volltext unter http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/kk/df/ postkoloniale_studien/holdenried_hoppe.pdf, ins Netz gestellt am 11.7.2005.

NEUHAUS, Stefan: „Was macht Literatur preiswürdig?“ In: Literaturkritik.at vom 15. Juni 2012.
[http://www.uibk.ac.at/literaturkritik/zeitschrift/1003103.html]
– /HELLSTRÖM, Martin (Hrsg.): Felicitas Hoppe im Kontext der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Innsbruck/Wien/Bozen 2008 (Angewandte Literaturwissenschaft 1).

NÜNNING, Ansgar: Von historischer Fiktion zu historiographischer Metafiktion. 2 Bde. Bd. 1: Theorie, Typologie und Poetik des historischen Romans, Bd. 2: Erscheinungsformen und Entwicklungstendenzen des historischen Romans in England seit 1950. Trier 1995.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortUniversity of Oxford
Bewerbungsschluss31.08.2012
Beginn30.11.2012
Ende01.12.2012
PersonName: Svenja Frank 
Funktion: DAAD-Lektorin 
E-Mail: svenja.frank@mod-langs.ox.ac.uk 
KontaktdatenName/Institution: University of Oxford  
Strasse/Postfach: St Hilda's College  
Postleitzahl: 0X4 1DY 
Stadt: Oxford  
E-Mail: svenja.frank@mod-langs.ox.ac.uk 
LandGroßbritannien
Zusätzliches SuchwortFelicitas Hoppe Narratologie Geschichte Postmoderne Transmoderne Autobiografie
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