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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Was erzählt Pop? Narrative und Archive der Populärkultur "
RessourcentypCall for Papers
TitelWas erzählt Pop? Narrative und Archive der Populärkultur
BeschreibungWas erzählt Pop? Narrative und Archive der Populärkultur
5. Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien der Gesellschaft für Medienwissenschaft in Kooperation mit der Universität der Künste

Termin: 10.–12. Januar 2013
Ort: Universität der Künste Berlin


»Ey, Story, Alter!« (Tanutscha in Bettina Blümners "Prinzessinnenbad", 2007)

Pop erzählt, klar doch. In Popromanen und Songs, in Interviews und Bilderserien. Doch was erzählt Pop nun eigentlich genau? Erzählt Pop vom täglichen Leben oder von glamourösen Begegnungen? Erzählt Pop von niederdrückendem Alltagsleben oder imaginierten Ahnenreihen im Extraterrestrischen, Mike Leigh oder George Clinton? Erzählt Pop von Widerstand, dem harten, entbehrungsvollem Kampf um eigene Individualität (»Did I ever tell ya that this here jacket represents a symbol of my individuality, and my belief in personal freedom?« Nicolas Cage als Sailor in David Lynchs "Wild At Heart", 1990); oder erzählt er doch nur von phallischer Markenerotik und kapitalistischem Realismus: PRADA GUCCI AFRICOLA ED HARDY METALHEADZ IPAD ZYNGA ANDROID NEXUS GALAXY?

Diese 5. Jahrestagung der AG Populärkultur und Medien in der Gesellschaft für Medienwissenschaft wendet sich ausdrücklich der gesamten Breite aller denkbaren Artefakte und Performanzen zu, die POP! sein können: allen Materialien, allen Körperlichkeiten – und ihren jeweiligen Erzählformen. Nicht nur Songs und T-Shirts, sondern auch Designobjekte und Zeitschriften, Kleidungsstücke und Webdesign, Pop-up-Stores und virale Meme und vieles mehr umfasst die Empirie, der wir uns zuwenden möchten und deren Erzählmuster wir identifizieren wollen.

Wir erkunden die narrativen Aspekte des Pop dabei in vier Sektionen anhand von (a) Materialitäten des Pop, (b) Narrationen des Pop, (c) Körper des Pop und (d) Archive des Pop.

A. Materialitäten des Pop

Die Dinge des Pop sind nicht nebensächlich. Welche Schuhe Du trägst und welches Regal Du nutzt ist eine ebenso bedeutsame Entscheidung wie der Ort, an dem Du wohnst, und die Fortbewegungsmittel, die Du nutzt. Welche Musik Du hörst und welche Zeitschriften Du liest, welche Modelabels Du trägst oder welche Softwaremarken Deinen Alltag prägen: das alle begründet popkulturelles Handeln und Bedeuten. Wir wenden uns in den Beiträgen dieser Sektion den kleinen Dingen, den Texturen, Körnungen, Oberflächen und Schichtungen an einzelnen Popdingen zu – im mikroskopischen Blick auf die Pophaptik und den Look des Pop. Wir suchen Dinge und Dingserien, wir suchen Dingtypen, anhand derer Pop erzählt: Handtaschen und Gürtelschnallen, Heißgetränke und motorisierte Zweiräder, Apps und Schallplattenhüllen, Schrifttypen und Frisuren. Die Beiträge dieser Sektion sollten theoretisch ambitioniert und detailreich an einzelnen Fallbeispielen – gerne auch anhand von Feldforschungen – den Entstehungs- wie den Nutzungszusammenhang dieser Materialitäten darstellen und analytisch auf sein narratives und diskursives Potenzial hin untersuchen. Mit welchen Dingerzählungen konfrontiert uns Pop?

B. Narrationen des Pop

Von Interesse ist der erzählende Gestus des Pop in zwei Richtungen: Erstens wäre zu fragen, ob Pop nicht insgesamt als Narrativ, als ›mittlere Erzählung‹ seit der Nachkriegszeit anzusehen ist. Mit Narrativ wäre dann ein übergreifendes Erzählmuster der Kultur gemeint – analog zu anderen ›mittleren Erzählungen‹ wie dem Konsumnarrativ, dem Beratungsnarrativ, dem Partizipationsnarrativ oder dem apokalyptische Narrativ, von den ›großen‹ Narrativen wie der christlichen, der romantischen oder marxistischen Erzählung ganz zu schweigen. Zu fragen wäre dann: Welche Komponenten, Versprechungen und Muster weist dieses Pop-Narrativ dann auf und welche anderen Narrative verkoppelt es? Die andere Richtung, die befragt werden sollte, betrifft die konkreten Narrationen und Erzählmuster des Pop: Welche Issues werden wie erzählt? Welche Muster kehren wiederholt als Stereotype auf? Finden sich hier (oder dominieren gar?) Campbells »Heldenreise«, aristotelische Dreiakter mit dem Fokus auf einem Wendepunkt, Propps morphologische Märchenmuster, Lotmans Raumsemantiken (bevorzugte Räume der Pop-Erzählungen, Oben-unten-dazwischen-Schemata, Laufwege der Pop-Protagonisten), Loser-Geschichten, Coming-of-Age-Erzählmuster, serielles Erzählen, exzessives und expressives Gesten-Erzählen u.a.? Und schließen sich Narrationen des Pop kurz mit der Erzählskepsis des modernen Romans; also mit der Infragestellung von Ich-Perspektiven, von Plot-Orientierung, von Anfang-Ende-Muster, weil es doch zumeist um diesen einen Moment der Intensität geht oder um den kleinen Ruck im Loop? Oder sind Pop-Erzählungen im Gegenteil Teil einer postmodern behaupteten und im Feuilleton akklamierten »Wiederkehr des Erzählens« (Nikolaus Förster)? Songs, Plattencover, Musik-Clips, Events, Filme, Platten- und Konzertberichte bis hin zu Pop-Romanen sollen hier narratologisch geprüft werden. Schließlich stellen wir uns die narratologische Grundsatzfrage: Adaptieren, klauen und transformieren Pop-Narrationen nur geläufige und tradierte Erzählmuster oder existiert so etwas wie eine eigenständige, eine popspezifische Narration? Entlang von und in Konfrontation mit vorfindlichen Erzähltheorien sollen konkrete, beispielhafte Antworten und Vertiefungen gesucht werden.

C. Körper des Pop

Pop ist eine Körpertechnik. Die Körper des Pop bilden Lebensformen, Widerstandspraktiken und Formen des Genusses wie der Arbeit in sich ab: Der Körper des jungen Rebellen und des alten Bluesmusikers, der Pro-Anorexia-Aktivistin und der Transgender-Sänger, der künstlich gerenderte Körper von Vocaloids wie auch der verschwendungsfroh und todessüchtig sich zerstörende Leib heroisierter Junkies und Hobos. Auf und in diesen Körpern erzählt sich Pop: Körper sind seine eminenten Bühnen. Wir suchen Beiträge aktueller Forschung, die sich diesen erzählenden Körperbildern, -transformationen und -einschreibungen zuwenden und versuchen, ihrem Erleben und ihrer Selbstdarstellung anhand aktueller Theorieansätze näher zu kommen. Wie entstanden bestimmte Körperpraktiken und Körperkonzepte des Pop historisch? Welche Substanzen und Materialitäten sind in welcher Weise in diese Körper eingegangen, eingedrungen, haben sie gezeichnet und transformiert? In welche Richtungen verändern aktuelle Tendenzen der frühen 2010er Jahre den Pop-Körper? Warum sind manche Körpertechniken verschwunden – und welche Auswirkungen haben Körperpraktiken der Pop-Jugendkultur auf alternde Körper des Pop? Auch die Beiträge dieser Sektion sollen (Feldforschungen sind auch hier gesucht) den historisch-kulturellen Zusammenhang dieser Körperkonzepte darstellen und analytisch auf sein narratives und diskursives Potenzial hin untersuchen. Durch welche Körper erzählt sich Pop?

D. Archive des Pop

Auch diese Sektion – wie schon Sektion B – geht einem doppelten Impuls nach. Zum einen: Was archiviert Pop? Zum anderen: Wie wird Pop archiviert? Dass Pop auch als Archiv (mit Siegfried Zielinski als »An-Archiv«) fungiert, ist längst Thema im Pop selbst. Aber was für ein Archiv-Verständnis bietet sich für dieses wilde, unordentliche Archiv an? Helfen hier Denkfiguren aus den Archiv-Theorien von Foucault oder Didi-Huberman oder doch besser Warburg und Warhol weiter? Baßler hat auf dem Höhepunkt der Pop-Literatur von den »neuen Archivisten« gesprochen und dabei vor allem Groys’ »profanen Raum« im Gepäck gehabt. Was wird überhaupt archiviert: Wünsche, Gesten, Gefühlsmomente, Erlebnisse, Töne, Sounds, Techniken, Stile, Einschreibungen, Praktiken und mehr? In welchen Daten-Materialisierungen? Die andere Fragerichtung stellt sich vor allem vor dem Hintergrund der Entwicklung des Internet und des Social Web. So sind Beiträge zur Übersicht, Durchmusterung und Theoretisierung von analogen und digitalen Pop-Archiven erwünscht, die sich der Frage widmen: wie wird Pop archiviert? Dies impliziert Aspekte des Zugangs und der Exklusion wie bei allen Archiv-Analysen. Schließlich sollte es von Interesse sein, zu klären, inwieweit diagrammatische Ansätze Beschreibungs- und Erklärungshilfen liefern können.


Veranstalter:
Prof. Dr. Thomas Düllo (Universität der Künste Berlin / Kommunikationskulturwissenschaft)
Prof. Dr. Holger Schulze (Humboldt-Universität zu Berlin / Sound Studies)


Abstracts:
Bitten senden Sie Ihre Vorschläge für Tagungsbeiträge bis zum 15. September 2012 in elektronischer Form an die folgende Adresse: pop@soundstudieslab.org
1. Länge: max. 1000 Zeichen
2. Zuordnung zu einer der vier Sektionen
3. Expliziter Bezug auf Untersuchungsgegenstände der Popkultur
4. Expliziter Bezug auf Theorieansätze zur Untersuchung der Popkultur
Wir benachrichtigen Sie über Ihre Einladung zu einem Vortrag bis spätestens zum 15. Oktober 2012.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.gfmedienwissenschaft.de/gfm/ag_populaerkultur_und_medien/in...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss15.09.2012
Beginn10.01.2013
Ende12.01.2012
PersonName: Prof. Dr. Thomas Düllo, Prof. Dr. Holger Schulze 
Funktion: Veranstalter der Tagung für die AG Populärkultur und Medien 
E-Mail: pop@soundstudieslab.org 
KontaktdatenName/Institution: Dr. Charis Goer, Universität Bielefeld 
Strasse/Postfach: Postfach 100131 
Postleitzahl: 33501 
Stadt: Bielefeld 
Telefon: 0521/106-3479 
E-Mail: charis.goer@uni-bielefeld.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Erzähltheorie; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie; Literaturtheorie: Themen; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie; Motiv- u. Stoffgeschichte
Zusätzliches SuchwortPop, Popkultur, populäre Kultur, Medien, Literatur, Narration, Archiv, Materialität, Körper
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.11.00 Stoffe. Motive. Themen; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.06.00 Literarisches Leben; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.08.00 Gattungen und Formen; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.09.00 Stoffe. Motive. Themen; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.10.00 Bundesrepublik Deutschland bis 1990; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.14.00 Zu einzelnen Autoren; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.06.00 Literarisches Leben; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.08.00 Gattungen und Formen; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.09.00 Stoffe. Motive. Themen; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.13.00 Zu einzelnen Autoren
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