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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "»Sollbruchstelle« - Jahrestagung des Graduiertenkollegs »Mediale Historiographien«"
RessourcentypCall for Papers
Titel»Sollbruchstelle« - Jahrestagung des Graduiertenkollegs »Mediale Historiographien«
Beschreibung»Sollbruchstelle«
Call for Papers

Jahrestagung »Mediale Historiographien«
Universität Erfurt, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Bauhaus-Universität Weimar

29.11. - 1.12.2012 Weimar

Mit der »Sollbruchstelle« möchte die Jahrestagung 2012 des Graduiertenkollegs »Mediale Historiographien« einen Begriff, der vorwiegend den Ingenieurwissenschaften zugerechnet wird, als Denkfigur und Gegenstand für die Kultur- und Medienwissenschaften erschließen. Während die Architektur und das Ingenieurwesen das Versagen spezifischer Konstruktionselemente planen, um einen möglichen Schaden in einem architektonischen Ensemble zu reduzieren oder bestenfalls zu verhindern, ist die Tragfähigkeit des Begriffes »Sollbruchstelle« für die Kulturwissenschaft noch zu klären. Dabei rücken Fragen nach Modellen der Risikokalkulation und nach Sicherheitssystemen, Überlegungen zu Agenturen verteilter Handlungsmacht und der konstitutiven Funktion von Störungen, Unfällen oder Katastrophen ebenso in den Vordergrund wie auch die Analyse materialer und symbolischer Operationen, die durch ein lokales Nachgeben die Funktion eines Systems steuern und regulieren sollen. Auch ließe sich nach den ästhetischen wie poetologischen Verfahren der Geschichtsschreibung fragen, welche sich mit institutionalisierten Brüchen in der Historiographie befassen, die ein bestimmtes Geschichtsbild verstetigen oder verunsichern und so gleichzeitig die Relation von Form und Inhalt thematisieren.

Sollbruchstellen sind konstruktive Schwachstellen, die einem Objekt in Form von Einkerbungen, Perforationen oder Knautschzonen zur Zukunftssteuerung eingeschrieben sind. Ihre Operationen werfen nicht nur die Frage auf, inwieweit eine Störanfälligkeit von Systemen von vornherein einkalkuliert, sondern inwieweit eine mögliche Gefahr von den Sollbruchstellen selbst hervorgebracht wird. Allen Sollbruchstellen ist es zudem gemein, dass sie in einem Netzwerk menschlicher und nicht-menschlicher Agenten operieren. Sie zielen auf einen Bruch innerhalb einer Ereigniskette, nach dessen Herbeiführung alle weiteren Aktionen entlang eines spezifischen Programms ablaufen. Die Tagung sondiert so die Funktion dieser ›gebauten Prognosen‹ als eine Denkfigur im Kreuzungsbereich von Kultur- und Medienwissenschaften, Architekturtheorie, Technikforschung wie auch Literatur-, Film- und Geschichtswissenschaften. Sie zielt auf Beiträge, die nach den epistemologischen, medialen und ästhetischen Funktionen der beteiligten Akteure fragen.

Die Tagung verortet die Sollbruchstelle dabei als eine Denkfigur zwischen »Wahn« und »Wirklichkeit« und befragt so das Gelingen ebenso wie das Scheitern von ›Sollbruchlogiken‹:
Einerseits fokussiert die Tagung also das phantasmatische Potential von Sicherheitsdispositiven, die für jede mögliche Fehlfunktion eine Lösung anzubieten suchen, um nachfolgende Abläufe wieder in eine bereits vorbestimmte Ordnung zu bringen. Gemeint sind hier all jene Anordnungen, aber auch Medien und Praktiken, die mit materialen oder symbolischen Ventilen und Knautschzonen operieren und dadurch die Vorstellung einer vollständigen Steuerbarkeit vermitteln. Sollbruchstellen ist also ein imaginäres Moment eingeschrieben, das zwischen Prognose und Paranoia oszilliert.
Zugleich müssen diese Sollbruch-Phantasmen von ihrem eigenen Versagen her gedacht und in ihrem Scheitern untersucht werden. Denn sie versprechen zwar, einen Regelkreislauf wiederherzustellen oder eine Ereigniskette in eine spezifische Richtung zu lenken, jedoch folgen sie nicht immer dem Prinzip der Einhegung eines Unfalls. Was geschieht, wenn die Sollbruchstelle nicht bricht, wenn Prozesse der Verselbständigung einsetzen oder ihre
Fehlfunktion zu einem Zusammenbruch des ganzen Systems führt? Könnte man methodische Denkfiguren zur Produktivität der Störung oder des Unfalls von den Funktionen der
Sollbruchstelle ableiten?

Es wird um Beiträge gebeten, die sich innerhalb der Themenkomplexe des Wissens, der agency, dem Sicherheitsphantasma und dem Scheitern von Sollbruchstellen bewegen und die die konkreten – historischen oder aktuellen – Schauplätze von Sollbruchstellen aufsuchen und den historischsystematischen Ort der Aussagen darüber in den Blick nehmen. Dabei kann es um die Frage gehen, welches Zukunftsnarrativ in den jeweiligen Objekten eingelassen ist und welche virtuellen Fassungen und damit Ereignisse entworfen werden. Welche Handlungsanweisung und welche Praktiken der Evaluierung, Prozessierung und Prävention sind in konkrete Sollbruchstellen eingeschrieben? Welche Brüche werden von Sollbruchstellen produziert und welche Kontinuitäten provoziert? Ließen sich biopolitische Maßnahmen mit dem Prinzip der Sollbruchstelle beschreiben? Welche Abweichungen innerhalb einer Gesellschaft werden bemerkt und durch welche Sicherheitssysteme aufgefangen?

Abstracts im Umfang von bis zu einer Seite erbitten wir bis zum 31.07.2012 an folgende Adresse:

philfak.sollbruchstelle@uni-erfurt.de

Die Tagung findet vom 29.11. bis 1.12. an der Bauhaus Universität Weimar statt. Die Konferenzsprache ist Deutsch.

Den Vortragenden werden die Kosten für An- und Abreise sowie Unterkunft erstattet.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWeimar
Bewerbungsschluss31.07.2012
Beginn29.11.2012
Ende01.12.2012
PersonName: Tobias Nanz, Sarah Sander, Mareike Vennen 
Funktion: Organisation 
E-Mail: philfak.sollbruchstelle@uni-erfurt.de 
KontaktdatenName/Institution: Graduiertenkolleg »Mediale Historiographien« 
Strasse/Postfach: Berkaer Str. 1 
Postleitzahl: D-99421 
Stadt: Weimar 
E-Mail: philfak.sollbruchstelle@uni-erfurt.de 
Internetadresse: www.mediale-historiographien.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.04.00 Wissenschaftsgeschichte; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
Ediert von  H-Germanistik
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