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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Terror und Erlösung. Robert Musil und die zwanziger Jahre"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelTerror und Erlösung. Robert Musil und die zwanziger Jahre
BeschreibungKonferenz: Terror und Erlösung
Robert Musil und die zwanziger Jahre, 4.-7. Oktober 2007

Interdisziplinäre wissenschaftliche Konferenz, veranstaltet von der Freien Universität Berlin

Organisation:
Hans Feger (Berlin), Hans-Georg Pott (Düsseldorf), Norbert Christian Wolf (Berlin)


Aus kulturgeschichtlicher Perspektive erweist sich der thematische Konnex von Terror und Erlösung, der momentan in aller Munde ist, keineswegs als vollkommen neu. Die Konfliktlinie verlief schon in den zwanziger Jahren grosso modo zwischen ‚modernen’ und ‚antimodernen’ Ideologien, nur fanden die Auseinandersetzungen damals nicht zwischen dem Westen und dem islamischen Kulturkreis, sondern innerhalb der europäisch geprägten Welt – und insbesondere in den deutschsprachigen Ländern (Musil: „Versuchsstation Europa“) – statt.

Ein in diesem Zusammenhang noch viel zu wenig gewürdigter Autor ist der österreichische Schriftsteller Robert Musil, der sich sowohl in seinen Essays wie in seinen Dramen, besonders aber in seinem großen und unvollendeten Epochenroman Der Mann ohne Eigenschaften (1930/32) kritisch mit der genannten Problematik auseinandersetzte. Als Zeitgenosse und zutiefst Betroffener versuchte er, kritische Distanz zu den Zeitläufen und intellektuellen Moden zu bewahren. Seine objektivierende Haltung, die jegliche Form von ideologischer Vereinnahmung von sich wies und sich dadurch auch um eine breitenwirksame Rezeption brachte, schlägt sich in der Struktur des monumentalen Erzähltextes nieder: Hier werden die verschiedensten Strömungen seiner Zeit porträtiert und zugleich kritisch durchleuchtet.

Aufgabe der Tagung soll es sein, die zeitgenössischen diskursiven Kontexte systematisch zu erschließen, sie mit dem Romantext zu korrelieren und durch Vergleiche mit Positionen der aktuellen Forschung zum Phänomen ‚Terror und Erlösung’ historisch zu profilieren bzw. zu perspektivieren. Das große Spektrum von Musils Interessen, das sich auf Philosophie und Psychologie, Ethnologie, Gestalttheorie, Massensoziologie, mediale Konfliktbewältigungen, Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik erstreckte, bietet eine einzigartige Gelegenheit, die geistige Konstellation der zwanziger Jahre exemplarisch zu untersuchen. Zu analysieren sind dabei die Facetten eines Gewaltdiskurses, der seine Legitimität und Legalität aus Erlösungshoffnungen bezieht, nicht aber aus der Bewältigung einer modernen Realität, die ständig entgleitet. Stets handelt es sich um Kontingenzbewältigung mit untauglichen Mitteln, zumeist um den Versuch, den Traditionsverlust mit Hilfe von Zugriffen vor allem auf religiöse Bestände zu reparieren.

In scharfem Gegensatz zur Pseudoreligiösität der „reaktionären Moderne“ (Jeffrey Herf) der faschistischen Avantgarden, die sich auch aus dem Fundus archaischer Kulte bedienen, ist der Ort der Utopie bei Musil neu zu bestimmen. Die negativen Utopien apokalyptischer Gewaltphantasien werden dadurch als Perversionen entkleidet, die gegen sich selbst agieren. Aber auch die Strategien kultureller Selbstbehauptung, wie sie in der Ideologisierung der Wertbegriffe ‚Seele’, ‚Nation’, ‚Volksgemeinschaft’ und ‚Rasse’ auftreten, ebenso wie die Problematik von „säkularen Religionen“ (Eric Voegelin) oder die einer „Utopie als Notstandsdenken“ (Karl Schlögel), können mit Musils literarischer Kulturtheorie und Anthropologie einer Revision unterzogen werden. Dies dürfte folgenreich sein für die Beurteilung jeglicher „Kritik der Gewalt“ (Walter Benjamin), sei es die Beschreibung des Terrors als „eigentlichem Wesen der totalitären Herrschaft“ (Hannah Arendt), der „Ordnung des Terrors“ als „Zerstörungsmacht modernen Organisation“ (Wolfgang Sofsky), oder – aktuell – der „balance of terror“ in den apokalyptischen Szenarien der Gegenwart.


Kontakt:

PD Dr. Hans Feger
Prof. Dr. Norbert Christian Wolf
Freie Universität Berlin
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Habelschwerdter Allee 45
D-14195 Berlin

Tel.: -49/30/838-54421 bzw. +49/30/838-52490
Sek.: +49/30/838-55403
Fax: +49/30/838-56749
hdfeger@zedat.fu-berlin.de
NCWolf@germanistik.fu-berlin.de



Programm

Mittwoch, den 03.10.2007

Empfang: 19.00 Uhr im Clubhaus der FU Berlin (Goethestr. 49, 14163 Berlin)


Donnerstag, den 04.10.2007

Tagungsort: Akademischer Senatsaal der FU Berlin im Henry-Ford-Bau (Garystr. 35, 14195 Berlin)

Panel 1: Einführung

11.00 – 12.00
Klaus Amann (Klagenfurt): Der politische Musil

12.00 – 13.00
Hans Feger (Berlin): Terror und Erlösung

13.00 – 14.30
Mittagspause


Panel 2: Zeitgeschichtliche Kontexte

14.30 – 15.30
Michael Makropoulos (Erfurt): Technisierung, Möglichkeitssinn, Kontingenz

15.30 – 16.30
Manfred Gailus (Berlin):Säkularisierungsfurcht im protestantischen Milieu nach 1918 – Messianismus und Märtyrologie

16.30 – 17.00
Kaffeepause

17.00 – 18.00
Uwe Hebekus (Konstanz): Terror, inwendig und auswendig. Carl Schmitts Weg zur 'Bewegung'

18.00 – 19.00
Izabela Surynt (Wroclaw): Gottes Freunde, aller Welt Feinde und Märtyrer der Nation. Zur Figur des Freikorpskämpfers bei Ernst von Salomon


Freitag, den 05.10.2007

Panel 3: Musil im Kontext

9.30 – 10.30
Florence Vatan (Syracuse/USA): Beruf: Entzauberer? Robert Musil, Max Weber und die Propheten des Untergangs

10.30. – 11.00
Kaffeepause

11.00 – 12.00
Wolfgang Riedel (Würzburg): Die Psychologie der Doppelrichtung und die Ambivalenz des ‚anderen Zustands’

12.00 – 13.00
Hans-Georg Pott (Düsseldorf): Anderer Zustand / Ausnahmezustand

13.00 – 14.30
Mittagspause

14.30 – 15.30
Kai Evers (Irvine/USA): „Krieg ist das gleiche wie ‚anderer Zustand’“: Über die Versprechen von Gewalt und Erlösung in den Nachkriegsschriften von Robert Musil

15.30 – 16.00
Kaffeepause

16.00 – 17.00
Gunther Martens (Gent): Rhetorik der Evidenz, Schreibstrategien der Kontingenz: Robert Musil und Ernst Jünger


Samstag, den 06.10.2007

Panel 4: Terror und Erlösung im ‚Mann ohne Eigenschaften’

10.00 – 11.00
Inka Mülder-Bach (München): Von Fall zu Fall. Anfang und Ende im ‚Mann ohne Eigenschaften’

11.00 – 11.30
Kaffeepause

11.30 – 12.30
Norbert Christian Wolf (Berlin): Verkünder des Terrors, Propheten der Erlösung: Meingast, Hans Sepp und Schmeißer

12.30 – 14.00
Mittagspause

14.00 – 15.00
Walter Fanta (Klagenfurt): Sex und Krieg – die Zuflucht des Zeitalters

15.00 – 15.30
Kaffeepause


Panel 5: Terror und Erlösung in anderen Musil-Texten

15.30 – 16.30
Joachim Harst (Tübingen): „Seltsam erregte Leere“: ‚Die Vollendung der Liebe’

16.30 – 17.30
Wendelin Schmidt-Dengler (Wien): Dummheit – der Versuch an einem würdigen Gegenstand

17.30 – 18.00
Abschlussdiskussion

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Beginn04.10.2007
Ende07.10.2007
PersonName: Hans Feger; Norbert Christian Wolf 
Funktion: Kontakt 
E-Mail: hdfeger@zedat.fu-berlin.de; NCWolf@germanistik.fu-berlin.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Deutsche und Niederländische Philologie, Freie Universität Berlin 
Strasse/Postfach: Habelschwerdter Allee 45 
Postleitzahl: 14195  
Stadt: Berlin 
Telefon: +49/30/838-55403 
Fax: +49/30/838-56749 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.18.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  H-Germanistik
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