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Ergebnisanzeige "K/konkretes Erzählen. Semiotisierung und Narrativierung von Sexualität und Gewalt in Literatur und Film"
RessourcentypCall for Papers
TitelK/konkretes Erzählen. Semiotisierung und Narrativierung von Sexualität und Gewalt in Literatur und Film
BeschreibungDeutsche Gesellschaft für Semiotik DGS e.V.

12. Internationaler Kongress 9.-12. Oktober 2008

Das Konkrete als Zeichen.
Mensch - Modell - Metamorphose - Modifikation - Material - Medium - Montage

Universität Stuttgart


CALL FOR PAPERS

"K/konkretes Erzählen. Semiotisierung und Narrativierung von Sexualität und Gewalt in Literatur und Film"
(Jan-Oliver Decker, Sektion Literatur- und Medienwissenschaft)

Nach Jurij M. Lotman sind Literatur und Film sekundäre semiotische Systeme, das heißt, Literatur und Film bilden Zeichensysteme zweiter Stufe: Sie bedienen sich vorgegebener primärer Zeichensysteme (Sprache, Schrift, Filmbilder, Musik, Geräusche), mit denen sie eigene, textuell manifeste Welten entwerfen und auf diese Weise sekundäre Zeichensysteme konzipieren. Literatur und Film verwenden also Zeichen und bilden in ihren Texten selbst neue Zeichen. Auf diese Weise entwerfen literarische und filmische Texte „Welten" als Modelle von „Realität", die mit dieser in historisch und kulturell variabler Beziehung stehen. Solche Weltentwürfe vermitteln Werte- und Normensysteme und sind Medien der kulturellen Selbstverständigung, mittels derer eine Kultur, eine Epoche, eine Gesellschaft Ideologeme bestätigt und einübt oder in Frage stellt oder verwirft. Ein genuin ‚Konkretes‘ entzieht sich in dieser zweifach gestuften Semiose. In Literatur und Film lassen sich dagegen prinzipiell zwei Arten unterscheiden, durch die ein ‚Konkretes‘ zeichenhaft vermittelt werden kann:

1. Das ‚Konkrete‘ in sekundären semiotischen Systemen sind die primären semiotischen Systeme und damit im Falle der Literatur vor allem die sprachlichen Zeichen und im Falle des Films die an die audiovisuellen Informationskanäle gebundenen Zeichensysteme Filmbild, Sprache, Schrift, Geräusch und Musik. Diese werden als ‚konkretes‘ Textmaterial bewusst gemacht und damit die Ebene der Signifikanten fokussiert, die von ihren Signifikaten und möglichen Referenten entkoppelt werden (Stichwort „konkrete Poesie").

2. In sekundären semiotischen Systemen wird genau dann ein ‚Konkretes‘ auf Signifikatebene konzipiert, wenn in Literatur und Film die vermittelten Signifikate nichts weiter bedeuten als sich selbst und scheinbar nicht in ein übergeordnetes Bedeutungsgefüge des literarischen oder filmischen Textes eingebunden sind (Stichworte „Realitätseffekte", reiner Objektbezug, bloße Referenz auf das „So-sein" an sich).

Gleichgültig ob die Ebene der Signifikanten oder die der Signifikate betrachtet wird, wird hier zum einen evident, dass in Literatur und Film das ‚Konkrete‘ ein Texteffekt ist, der erst mittels textueller und damit mittels semiotischer Verfahren überhaupt erzeugt wird. Zum anderen wird deutlich, dass sich das ‚Konkrete‘ in sekundären semiotischen Systemen im Spannungsfeld von ‚Selbstreferenz vs. Fremdreferenz‘ und somit zwischen den Polen ‚Unmittelbarkeit - Authentizität vs. Semiotisierung - Narrativität‘ bewegt. Das heißt, dass sich ein ‚Konkretes‘ einerseits den semiotischen Kohärenzbildungsverfahren entzieht, andererseits aber gleichzeitig auch in Verfahren textuell manifester Bedeutungsproduktion eingebunden ist.
Genau hier möchte die Sektion ansetzen und die Konstruktion eines ‚Konkreten‘ in literarischen und filmischen Texten sowie sein Zusammenwirken mit generellen Verfahren der Semiotisierung und insbesondere der Narrativierung beleuchten. Exemplarisch möchte die Sektion dabei der Vermittlung und der Funktion von Sexualität und Gewalt in Literatur und Film nachgehen, zum Ersten weil Sexualität und Gewalt Konstanten unserer medialen Kultur und damit besonders stark semiotisiert sind, zum Zweiten weil Sexualität und Gewalt paradigmatische in Literatur und Film inszenierte semantische Felder darstellen, in denen sich ein ‚Konkretes‘ konstituiert, das sich kulturellen Sinngebungs- und Semiotisierungsversuchen widersetzt.
In Anknüpfung an die theoretische Diskussion sollen in der Sektion am Beispiel von Sexualität und Gewalt beispielhafte Kategorien der Beschreibung für eine literatur- und filmsemiotische Analyse des ‚Konkreten‘ entwickelt werden, welche die Potenziale und Probleme des Begriffs für Bedeutungszusammenhänge in literarischen und filmischen Texten und/oder Textkorpora funktionalisiert.
Vorstellbar sind also literatur- und medienwissenschaftliche Beiträge, die die Konzeption eines ‚Konkreten‘ im Bedeutungsgefüge von Texten instrumentalisieren. Natürlich sind auch Beiträge willkommen, die detailliert ein Arsenal/Inventar zur Beschreibung der Konzeption des ‚Konkreten‘ in Literatur und Film in einer theoretisch-semiotischen Ausrichtung entwickeln und zur Diskussion stellen.
Zentrale Fragestellungen der Sektion könnten sein:

1. Mittels welcher textuellen Verfahren wird in Literatur und Film überhaupt welches ‚Konkretes‘ signalisiert und produziert? - Wie lassen sich diese Verfahren semiotisch fundieren (theoretisch und/oder methodologisch) und mittels welcher Beschreibungsinventare überhaupt erfassen und klassifizieren?

2. In welchem Ausmaß und auf welche Weise ist die Konfrontation und Montage von Zeichensystemen und Medien notwendig, um ein ‚Konkretes‘ in sekundären semiotischen Systemen zu erzeugen? - Welche Rolle spielen damit auch Verfahren der Dekonstruktion und Dekontextualisierung von Zeichen und Zeichensystemen?

3. In welchen übergeordneten, textuell manifesten Bedeutungsstrategien wird ein ‚Konkretes‘ in literarischen und filmischen Texten seinerseits zum Bedeutungsträger? - Welche Strategien der Semiotisierung lassen sich grundsätzlich systemisch oder in historisch variablen Zusammenhängen erfassen?

4. Inwiefern sind Verfahren der Narrativierung privilegierte Verfahren der Semiotisierung eines medial-semiotisch konstruierten ‚Konkreten‘? - Welche Auswirkungen hat umgekehrt die Konzeption eines ‚Konkreten‘ auf narrative Verfahren und das literarische und filmische Erzählen selbst?

5. Wie gestalten literarische und filmische Texte den Widerspruch zwischen der selbstreferenziellen Dimension des ‚Konkreten‘ einerseits und seiner Abhängigkeit von kulturellen Kontexten, Diskursen und Wissens- und Denksystemen andererseits? - Lassen sich Präferenzen für ein spezifisches ‚Konkretes‘ kulturell und epochal ausmachen und erklären?

Damit möchte die Sektion am Beispiel von Sexualität und Gewalt insgesamt sowohl zu theoretisch orientierten Beiträgen als auch zu exemplarischen Fallanalysen konkreter Texte oder Textkorpora aufrufen, anhand derer sich die Bedeutungsdimensionen des ‚Konkreten‘ in Literatur und Film aus einer semiotischen Perspektive im Allgemeinen und aus einer narratologischen Perspektive im Besonderen beschreiben und erklären lassen.
Abstracts von möglichen Referaten (Umfang ca. 2000 bis 3000 Zeichen) bitte bis zum 29. Februar 2008 an:


KONTAKT:

Prof. Dr. Jan-Oliver Decker
Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Leibnizstr. 8
D-24118 Kiel

E-Mail: jdecker@litwiss-ndl.uni-kiel.de
Homepage: http://www.ndl-medien.uni-kiel.de/mitarbeiter/decker/decker1.htm

Voraussetzung für die Aufnahme eines Referats in das Kongressprogramm ist die Anmeldung zum Kongress, das Einreichen eines Abstracts bis zum 29. Februar 2008 sowie die Annahme dieses Beitrages durch die Sektionsleitung. In das Programm aufgenommene Referate werden in der Programmvorschau auf der Website der DGS (http://www.semiose.de/) veröffentlicht, die über Organisatorisches und den jeweils aktuellen Stand der Kongressplanung Auskunft

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortStuttgart
Bewerbungsschluss29.02.2008
Beginn09.10.2008
Ende12.10.2008
PersonName: Decker, Jan-Oliver [Prof. Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: jdecker@litwiss-ndl.uni-kiel.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 
Strasse/Postfach: Leibnizstr. 8 
Postleitzahl: 24118 
Stadt: Kiel 
Internetadresse: http://www.ndl-medien.uni-kiel.de/mitarbeiter/decker/decker1.htm 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeSprache in den Medien / Medienwissenschaft (Sprache in Massenmedien, Internet und Hypertext, Medienentwicklung)
Klassifikation02.00.00 Deutsche Sprachwissenschaft (in Auswahl) > 02.10.00 Sprache im 20. Jahrhundert. Gegenwartssprache
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