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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Fortschritt. Bildung. Kultur. Kritische Theorie heute"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelFortschritt. Bildung. Kultur. Kritische Theorie heute
BeschreibungFortschritt. Bildung. Kultur. Kritische Theorie heute


In der Kritischen Theorie ist der Begriff der Kultur mit der erhofften Befreiung ebenso innig verbunden wie mit der Gefahr der Erstarrung. Spätestens seit der Erfahrung von Auschwitz dominiert die Herausarbeitung des herrschaftlichen Charakters von Kultur: In ihr sei die Unterdrückung der inneren und äußeren Natur sowie die Herrschaft des Menschen über den Menschen ebenso angelegt wie der Rückfall in unvermittelte Gewalt. Jedoch hält insbesondere Adorno an dem Gedanken an Emanzipation, an die befreite Gesellschaft fest. Dabei misst die Kritische Theorie der Kultur eine zentrale Rolle zu: Als Sphäre der Reflexion von Herrschaft ebenso wie als mögliche Statthalterin der Hoffnung auf Emanzipation. Befreiung wird nicht als Befreiung von der Kultur, sondern als Reflexion der Kultur auf ihre repressiven Züge verstanden. Dies trennt die Texte der Kritischen Theorie deutlich von der konservativen Kulturkritik deutscher Romantiker, mit der sie immer wieder in eins gesetzt wird. Diese doppelte Bedeutung des kritisch-theoretischen Kulturbegriffs bildet den Ausgangspunkt der Konferenz 'Fortschritt. Bildung. Kultur. Kritische Theorie heute'. Ihr Interesse konzentriert sich anhand der beiden Themenfelder auf die Frage, inwiefern die aktuelle sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung von den kritisch-theoretischen Ansätzen profitieren kann und inwieweit die Kritische Theorie angesichts gegenwärtiger gesellschaftlicher und gesellschaftstheoretischer Entwicklungen zu aktualisieren wäre.

Panel I:
Kultur, Zivilisation und Fortschritt in der Kritischen Theorie

In der Dialektik der Aufklärung entwerfen Adorno und Horkheimer eine Kulturtheorie, die den Prozess der Zivilisation aus der Gleichzeitigkeit von Regression und Fortschritt zu erklären versucht. Der Kulturbegriff der älteren Kritischen Theorie ist ausdifferenziert durch das in ihm ausgearbeitete Verhältnis von Herrschaft und Befreiung, von Zivilisation und Barbarei. Die neuere Kritische Theorie legt im Gedanken an kulturelle Differenz eine stärkere Betonung darauf, dass Kultur nicht nur im Singular existiert. Beide Denkrichtungen ziehen aus unterschiedlichen Gründen den Vorwurf des Eurozentrismus auf sich. Adorno zeigt jedoch bereits früh eine Herangehensweise an einen Kulturbegriff auf, der einen differenzierten, stets auf Freiheit orientierten Umgang gestattet. Eine Aktualisierung der Kritischen Theorie kann eine Brücke zwischen Adornos universalistischem Kritik- und Freiheitsbegriff einerseits und der Realität differenter Vorstellungen andererseits schlagen.

Panel II:
Kritische Theorie der Bildung

In den bildungstheoretischen Schriften von Adorno und Horkheimer werden die Begriffe der Bildung und Erziehung nahezu synonym verwendet. Bildung wird hier verstanden als Prozess mit dem Ziel der Erfahrungsfähigkeit und Mündigkeit. Bildungsprozesse sollen zum kritischen Bewusstsein - die Erziehung zu Anpassung und Widerstand - führen. Dabei steht die Entbarbarisierung der Menschen im Fokus. Adorno konstatiert: "Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen" (in: Minima Moralia). Bildungs- und Erfahrungsfähigkeit stellen als Fundament für ein demokratisches Bewusstsein und damit einhergehender gesellschaftlicher Partizipation das Gegenteil zu kalter Gleichgültigkeit dar. Das Bildungsverständnis der Kritischen Theorie steht in Zeiten von G8 und Bologna allerdings grundsätzlich zur Debatte.


Programm:

05.07.2012


14.00: Begrüßung
14.15: Einführung ins Panel 1: Kultur, Zivilisation und Fortschritt in der Kritischen Theorie
14.30: Jan Friedrich: Rehabilitation der List. Odysseus vs. Trickster


15.30: Pause
15.45: Markus Baum, Sebastian Weirauch: Kritik der Kultur. Geschichte und Fortschritt in der älteren und aktuellen Kritischen Theorie


16.35: Janne Mende: Kulturelle Identität – identitäre Kultur?


17.30: Pause
18.00: Keynote-Vortrag: Paul Geyer
20.00: Ende


06.07.2012


10.00: Sebastian Tränkle: Le prix du progrès. Adornos Kritik der technisch-instrumentellen Sprache


10.50: Einführung ins Panel 2: Kritische Theorie der Bildung
11.05: Stefan Müller: Bildung als Herrschaft und Autonomie


12.00: Mittagspause
13.30: Iris Dankemeyer: Zur „Idiotie des Landlebens“


14.20: Daniel Burghardt: G8 und Bologna. Institutionalisierte Halbbildung


15.15: Pause
15.45: Raphael Beer: Das problematische Verhältnis zwischen Bildung und Demokratie


16.35: Wolfram Ette: „Konstellation“ und Mündlichkeit. Adornos Impulse für die aktuelle Bildungsdiskussion


17.30: Pause
18.00:

Keynote-Vortrag: Ruth Sonderegger: "Kritisches Verhalten. Bei Horkheimer, Foucault und darüber hinaus"
20.00: Ende


Ort: Alexander-von-Humboldt-Haus, Rathenaustraße 24 A, 35394 Gießen
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://gcsc.uni-giessen.de/wps/pgn/home/GCSC_eng/fortschritt_bildung_k...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGießen
Anmeldeschluss30.06.2012
Beginn05.07.2012
Ende06.07.2012
PersonName: vincenzo martella 
Funktion: Mitorganisator 
E-Mail: vinmarte@gmail.com 
KontaktdatenName/Institution: International Graduate Centre for the Study of Culture  
Strasse/Postfach: International Graduate Centre for the Study of Culture Alter Steinbacher Weg 38  
Postleitzahl: 35394  
Stadt: Giessen 
Telefon: 641 / 99-30 041  
Fax: 641 / 99-30 049  
E-Mail: konferenz-kritische-theorie@gcsc.uni-giessen.de, gcsc@uni-giessen.de  
Internetadresse: http://gcsc.uni-giessen.de/wps/pgn/home/GCSC_eng/fortschritt_bildung_kultur/, http://gcsc.uni-giessen.de/wps/pgn/home/gcsc_eng/ 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Klassifikation17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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