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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Literatur zwischen Staatenbeschreibung und Statistik. Narrative des (Nicht-)Wissens in Mitteleuropa (1750-1850)"
RessourcentypCall for Papers
TitelLiteratur zwischen Staatenbeschreibung und Statistik. Narrative des (Nicht-)Wissens in Mitteleuropa (1750-1850)
BeschreibungCall for Papers
*Literatur zwischen Staatenbeschreibung und Statistik. Narrative des (Nicht-)Wissens in Mitteleuropa (1750-1850)*
Workshop der Forschungsstelle Kulturtheorie und Theorie des politischen Imaginären und des Zukunftskollegs der Universität Konstanz

Ort: Universität Konstanz
Termin: 6.-8. Dezember 2012
Organisatoren:
Gunhild Berg: gunhild.berg@uni-konstanz.de,
Borbála Zsuzsanna Török: borbala-zsuzsanna.toeroek@uni-konstanz.de,
Marcus Twellmann: marcus.twellmann@uni-konstanz.de

Im deutschsprachigen Raum bezeichnet das seit etwa 1750 gebräuchliche Wort „Statistik“ zwei durchaus unterschiedliche Wissenspraktiken: „Statistik“ nannte sich sowohl eine beschreibende Staatenkunde, die an den preußischen Reformuniversitäten gelehrt wurde, als auch eine numerische Datenerhebung und –verarbeitung, die zunächst von Verwaltungsbeamten praktizierte wurde. Idealtypisch lässt sich also ein buchstabengestütztes Wissen vom Staat von einem anderen, zahlenbasierten Wissen unterscheiden. Der um 1800 ausbrechende „Statistiker-Streit“ weist darauf hin, dass zwischen diesen Wissensformen, obwohl diese stets als Mischformen auftreten, ein genuines Spannungsverhältnis besteht. Die Vertreter der älteren universitär gelehrten „Schriftsteller-Statistik“, die vorwiegend deskriptiv verfuhr, sahen sich durch die von ihnen so gescholtenen „Tabellenknechte“, den Vertretern einer numerisch operierenden Statistik, herausgefordert. Ein zentraler Streitpunkt ist die unterschiedliche Selektivität von Tabelle und Beschreibung: Die Umstellung auf zahlenbasierte Verfahren, so monieren die Anhänger der deskriptiven Statistik, gehe mit einer Vernachlässigung solcher Gegenstände einher, die sich nicht quantifizieren lassen. Die Zahlenstatistik erzeugt demnach nicht nur ein besseres Wissen, sondern auch ein Nichtwissen vom Staat.

Im Rahmen dieser Tagung ist zu erkunden, wie dieses Spannungsverhältnis sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa entwickelte. Im Vergleich mit Westeuropa fällt auf, dass die sich selbst in die Tradition der „Political Arithmetic“ einreihende Zahlenstatistik mit einiger „Verspätung“ erst nach der Auflösung des Alten Reichs zum Durchbruch kam. Positiv ließe die Besonderheit dieses Herrschaftsgebildes sich als Voraussetzung eines anderen Wissenskonzepts begreifen, dessen Geschichte über das Ende der Universitätsstatistik hinaus zu verfolgen ist. So sollte die Wissensform der literalen Beschreibung eine neuartige Verbindung mit jenem Ordnungsprinzip eingehen, das zuerst von den Universalhistorikern der Aufklärung als „ethnographisch“ bezeichnet wurde. In der Präferenz für deskriptive Darstellungstechniken ist eine dauernde Nähe der Volks- und Völkerkunde zur Literatur begründet. Die Reisebilder, Dorfgeschichten, Sittengemälde und Sozialromane des Realismus sind vielfach ethnographisch informiert und sollten ihrerseits vorbildlich werden für spätere Ethnographien. Allerdings wirkte darin auch eine aufklärungskritische, romantische Tradition nach, die, wohl durch die besondere politische Geschichte Mitteleuropas begünstigt, das „Volk“ naturgeschichtlich als eine vorstaatliche Gegebenheit auffasste. Die vielen Verknotungen der zumeist nur isoliert betrachteten Geschichten von Literatur, Rhetorik und Arithmetik, Gelehrtenkommunikation, Universität und Verwaltung sowie Reichs- und Nationalstaatsbildung bedürfen der genaueren Untersuchung.

Mögliche Themenschwerpunkte:
1. Evidenztechniken der Statistik
2. Das Nichtwissen der Statistik
3. Statistik als imperiale/koloniale Wissenspraxis
4. Das politische Apriori der Ethnographie
5. Netzwerke der Statistik: Wissenstransfer in Mitteleuropa
6. Literatur und Verwaltung
7. Die biopolitische Imagination der Statistik

Wir erbitten Vorschläge von ca. 1 Seite für etwa 30-minütige Vorträge bis zum 30.06.2012 an:
PD Dr. Marcus Twellmann
Forschungsstelle Kulturtheorie und Theorie des politischen Imaginären, Universität Konstanz
marcus.twellmann@uni-konstanz.de

oder an:
Dr. Borbála Zsuzsanna Török
Zukunftskolleg, Universität Konstanz
borbala-zsuzsanna.toeroek@uni-konstanz.de

oder an:
Dr. Gunhild Berg
Zukunftskolleg, Universität Konstanz
gunhild.berg@uni-konstanz.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKonstanz
Bewerbungsschluss30.06.2012
Beginn06.12.2012
Ende08.12.2012
PersonName: Twellmann, Marcus 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: marcus.twellmann@uni-konstanz.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Konstanz 
Strasse/Postfach: Fach 213 
Postleitzahl: 78457 
Stadt: Konstanz 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Ediert von  H-Germanistik
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