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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Provisorische und Transiträume: Raumerfahrung ‚Nicht-Ort’"
RessourcentypCall for Papers
TitelProvisorische und Transiträume: Raumerfahrung ‚Nicht-Ort’
BeschreibungWorkshop „Provisorische und Transiträume: Raumerfahrung ‚Nicht-Ort’“
14.09.2012
Universität Paderborn

In seiner anthropologischen Studie Orte und Nicht-Orte redet der Kulturwissenschaftler Marc Augé von einer „Verschiebung der räumlichen Parameter“, und mehr noch, von „einer Veränderung der Größenordnung“, einem „Wechsel der Parameter“ (Augé 1994, 40) schlechthin. Er bezieht sich damit auf den „Augenblick, da die Einheit des irdischen Raums denkbar wird“ (Augé 1994, 39), oder vielmehr: längst als realgeschichtliches Faktum und alltägliche Kultur-praxis – als Effekt veränderter Kommunikations- und Fortbewegungstechniken und als Resul-tat von Migration und Globalisierung – ausgerufen worden ist.

Wenngleich das Phänomen einer (vermeintlich) ‚zusammenrückenden’ Welt und die Erfor-schung seiner Ursachen (sprich: die Diskussion um Migration, Globalisierung und Technisie-rung) sich als überaus reizvolle wissenschaftliche Debatten erweisen, möchte der Workshop das Augenmerk auf ein anderes Sujet richten, das in den gegebenen Zusammenhängen bislang kaum oder nur unzureichend angesprochen worden ist: den Nicht-Ort.

Den Nicht-Ort kennzeichnet erstens, dass er – in Form von Bahnhöfen, Durch- und Über-gangslagern, Hotels, Verkehrsmitteln, Reiserouten, bestimmten Raumklischees oder bloßen Ortsnamen – den Gegensatz eines ‚Orts’ darstellt, der mit Augé als ein anonymer, austausch-barer Raum zu definieren ist. (Augé 1994, 92) Zweitens ist dem Nicht-Ort zueigen, dass er überall dort neu hervorgebracht und omnipräsent zu werden scheint, wo die Phänomene der Raumbeschleunigung und des Raumzerfalls – kurz: das (vermeintliche) Zusammenrücken der Welt – wirken.

So sind es eben nicht nur die Phänomene der Migration, der Globalisierung, der neuen Kommunikations- und Reisetechniken, die den Umgang mit Raum sowie den Alltag an sich (mit-) bestimmen: es ist vor allem deren Produkt – der Nicht-Ort –, der als „das Maß unserer Zeit“ (Augé 1994, 94) anerkannt werden kann.

Angesichts der Allgegenwart des Raumphänomens ‚Nicht-Ort’ drängt sich insbesondere die Frage nach dem Subjekt auf, das den Nicht-Ort wahrnimmt, erlebt, erfährt: eine Frage, die sich zwangsläufig zu stellen scheint, wird der Nicht-Ort doch häufig als eine nicht nur die räumliche, sondern auch als eine die geistige (Dis-)Position betreffende Befindlichkeit skan-diert, die etwa mit Michel Foucaults Konzept der Heterotopie verstanden werden könnte.

In diesen Zusammenhängen stellen sich u.a. folgende Fragen:
- Welche Arten von Beziehung zwischen Subjekt und Raum bringt ein Nicht-Ort hervor?
- Welche Befindlichkeiten befördert er?
- Ruft der Aufenthalt im Unspezifischen, im Provisorischen, im Übergang, im Dazwischen, im (N)Irgendwo zwangsläufig das Gefühl hervor, sich ‚vor Nicht-Ort’ verloren, quasi ort-los zu fühlen oder lassen sich auch gegenläufige Tendenzen aufzeigen?
- Ergeben sich mit dem Eintritt in Nicht-Orte Situationen der Befreiung oder der Belastung?
- Stellt der Nicht-Ort eine Herausforderung für die ‚Identität’ des Subjekts dar?
- Wirken Modi einer räumlichen Nivellierung oder – im Gegenteil – der Spezifizierung, sobald Begriffe wie ‚Raumzerfall’, ‚Raumbeschleunigung’, ‚Schwellen’- oder ‚Über-gangsräume’ nicht schlagwort- und versatzstückartig als kulturelles Phänomen der ‚Übermoderne’ verstanden, sondern aus individueller Perspektive des sich (fort-)bewegen-den Subjekts selbst beleuchtet werden?

Da der Workshop derartig eng auf das Raum wahrnehmende und erlebende Subjekt bezogene Fragen keinesfalls als anthropologische Bedingungen oder gar Konstanten verhandeln, son-dern sie an Einzelfällen diskutieren möchte, sollen konkrete Beispiele aus der Literatur disku-tiert werden. Erzähl- und Textbeispiele aus unterschiedlichen Genres werden besonders be-grüßt.

Der Workshop richtet sich insbesondere an NachwuchswissenschaftlerInnen mit literaturwis-senschaftlichem Schwerpunkt, wobei aber auch Beiträge aus anderen kulturwissenschaftli-chen Disziplinen sehr willkommen sind.

Vorgesehen sind Beiträge von 20 Minuten Redezeit.

Wir freuen uns auf Ihre Themenvorschläge und bitten Sie, diese in einem kurzen, höchstens halbseitigen Abstract zu skizzieren und sie gemeinsam mit einer Kurzbiografie bis spätestens zum 18.06.2012 an kannem@mail.uni-paderborn.de zu schicken.

Für Rückfragen steht Dr. Miriam Kanne gerne bereit. (kannem@mail.uni-paderborn.de)

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPaderborn
Bewerbungsschluss18.06.2012
Beginn14.09.2012
PersonName: Dr. Miriam Kanne 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: kannem@mail.uni-paderborn.de 
KontaktdatenName/Institution: Dr. Miriam Kanne / Universität Paderborn / Fakultät für Kulturwissenschaften  
Strasse/Postfach: Warburger Str. 100 
Postleitzahl: 33098 
Stadt: Paderborn 
Telefon: +49 (0)5251-60-2893 
E-Mail: kannem@mail.uni-pderborn.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
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