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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Kleine Form - Medium der Kulturanalyse"
RessourcentypCall for Papers
TitelKleine Form - Medium der Kulturanalyse
BeschreibungCFP: Internationale Tagung 'Kleine Form – Medium der Kulturanalyse'
Datum: 24.4.2013-26.4.2013
Ort: Universität Paderborn

Kleine Formen, sei es im Bereich der Literatur, der Medien, der Künste, erweisen sich in Zeiten historischer und soziokultureller Umbrüche als besonders populär. Sie lassen sich, was die Literaturwissenschaften betrifft, nicht nur auf den Kanon epischer Kurzformen wie Aphorismen, Anekdoten, Embleme, Fabeln und Witze (Jolles (7. Auflage)1999) beschränken, sondern nehmen in der Moderne und Postmoderne Formate an, die über feste Gattungsgrenzen hinausgehen und in medialer Hinsicht hybrid ausgerichtet sind: ob als literarische 'Bilder' (Musil), Stenogramme (Canetti), Mikrogramme (R. Walser), Betrachtungen (Kafka), Denkbilder (Benjamin), als Feuilletons mit kulturkritischem Zuschnitt in zum Teil illustrierten Zeitschriften, als Miniaturen in der zeitgenössischen Kunst, Displays im Ausstellungswesen oder Werbespots im Fernsehen, als journalistische und bildliche Snapshots, die Ereignisse moderner und postmoderner Zerstreuungs- und Populärkultur fokussieren, eignet ihnen eine kulturkritische und kulturpolitische Funktion, die zum Gegenstand einer Internationalen Tagung an der Universität Paderborn gemacht werden soll.

Eine spezifische Definition des 'Kleinen' fällt dabei bisweilen schwer. Schon die an den österreichischen Feuilletonisten Alfred Polgar angelehnte Begriffsbildung entspringt einer gewissen Verlegenheit und Pragmatik, die dem Vollständigkeitsanspruch eines tradierten Kanons zwar mit Unbehagen begegnet (Bürgel 1983), dem heteronomen Erscheinungsbild der kleinen Formen jedoch nur unzureichend gerecht werden kann (Locher 2001). Eine Qualifizierung der Formen über ihre relative quantitative Kürze greift zu kurz und kann als Alleinstellungsmerkmal kaum genügen. Ihre vermeintlich banalen oder trivialen Erscheinungsweisen aber präsentieren sich alltagsaffin und -resistent, insofern sie innerhalb von Alltagsrhythmen verankert (Polgar 1926) und im Kontext von Alltagsästhetiken eingebettet sind. Kleine Formen erscheinen dabei häufig als die „flüchtige, zufällige, instabile […] ‚andere Hälfte‘“ einer kanonisierten, überzeitliche Geltung für sich beanspruchenden Kunst (Utz 2001). Das 'Kleine' geht dabei weder in Gesten der Bescheidenheit oder Einfachheit auf. Der Geltungsanspruch und die Inhalte Kleiner Formen deuten vielmehr auf eine Komplexitätsverdichtung, die dazu auffordert, das kulturkritische und kulturpolitische Potenzial ihrer zuweilen trivialen Erscheinungsweise genauer in den Blick zu nehmen. Die inhaltliche Komprimierung, Präzision und Konzentration kleiner Formate scheint eine Aufmerksamkeitsökonomie zu bedienen, die spezifisch moderne Erfahrungen der Beschleunigung, Vergegenwärtigung, Flüchtigkeit und damit verbundene ereignishafte Wahrnehmungskonstellationen ins Licht setzt. In diesem Sinne können Kleine Formen in ihrem diagnostischen Verhältnis zu Zeitmaßen als Seismographen kultureller Wandlungsprozesse und Krisen perspektiviert werden, denen sie in ihrem Aktualitätsgestus gerecht zu werden versuchen. Aus ihrer kulturdiagnostischen Funktion resultiert zugleich ihr Theorie bildender Status.

Die Internationale Tagung „Kleine Form – Medium der Kulturanalyse“ möchte eine interdisziplinäre Zusammenschau differenzierter Zugangsweisen zu kleinen Formen ermöglichen, die sowohl nach deren Genese, Poetologie und Typologie fragt, im Besonderen aber auch an Analysen ihrer Entstehungs- und Publikationskontexte respektive ihrer Darstellungs- und Präsentationsräume interessiert ist
Vor dem Hintergrund der Disziplinen übergreifenden Ausrichtung der Tagung sind literatur-, geschichts-, medien-, kunst- und kulturwissenschaftliche Beiträge ausdrücklich erwünscht, um eine möglichst breitgefächerte Perspektive auf den Untersuchungsgegenstand werfen zu können.

Abstracts zu den Vorträgen im Umfang von max. 300 Wörtern + 100 Wörter Biographie werden bis zum 01.06.2012 per Mail an claudia.oehlschlaeger@uni-paderborn.de erbeten. Bis zum 01.07.2012 erfolgt die Auswahl und Benachrichtigung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Reisekosten und Unterkunft werden, verfügbare Mittel vorausgesetzt, für die Referentinnen und Referenten übernommen. Eine anschließende Publikation der Tagungsbeiträge ist geplant.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPaderborn
Bewerbungsschluss01.06.2012
Beginn24.04.2013
Ende26.04.2013
PersonName: Öhlschläger, Claudia [Prof. Dr] 
Funktion: Veranstalter, Sprecher 
E-Mail: claudia.oehlschlaeger@uni-paderborn.de 
KontaktdatenName/Institution: Öhlschläger, Claudia [Prof. Dr.] Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft, Uni Paderborn 
Strasse/Postfach: Warburger Str. 100 
Postleitzahl: 33 098  
Stadt: Paderborn 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturtheorie: Themen
Ediert von  H-Germanistik
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