VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige ""Grenzen des Wissens – Wissen der Grenze" - Studium Universale-Ringvorlesung im Sommer 2012"
RessourcentypVortragsreihen
Titel"Grenzen des Wissens – Wissen der Grenze" - Studium Universale-Ringvorlesung im Sommer 2012
Beschreibung"Grenzen des Wissens – Wissen der Grenze"
Studium Universale-Ringvorlesung im Sommer 2012

Der Grenzbegriff ist ein sehr schillernder Begriff und erfreut sich in den jüngeren
Kulturwissenschaften großer Beliebtheit. Den Begriff Grenze kennen
wir aus dem alltäglichen Gebrauch (Grundstücks- oder territoriale Grenzen),
der metaphorischen Umschreibung (Grenzen des Zumutbaren) oder in der
Begrifflichkeit von Schwelle, Rand, Kontaktzone oder Saum. So
wird Grenze heute als ein Bereich begriffen, der durch Übergänge, Kommunikationen
und Verhandlungen zwischen Personen oder wissenschaftlichen
Diskursen geprägt ist.
Es stellt sich zunächst also für die Ringvorlesung die Frage nach der
Reichweite und der Begrenztheit des wissenschaftlichen Wissens. Die
Grenzen des wissenschaftlichen Wissbaren sind dabei vielfältiger Natur und
können in der selbstbescheidenden Form der Wissenschaftsethik bestehen,
die fragt, welche Dinge unerforscht bleiben sollen, oder ob alles wissenschaftlich
Mögliche auch erlaubt sein soll. Selbstverständlich stößt wissenschaftliches
Wissen bspw. bei Fragen der (religiösen) Letztbegründung
auch an Grenzen.

Die Ringvorlesung "Grenzen des Wissens – Wissen der Grenze" will sich
aber insbesondere jenen Grenzen der Wissenschaften zuwenden, die sie
vom Bereich des vorgeblich "Nicht-, oder Außer-Wissenschaftlichen" trennen. Es wird gefragt werden, ob dieses Wissen der Wissenschaften nicht
oft genug doch von einem „Wissen der Leute“ (Michel Foucault) profitiert,
oder ohne dieses „Außen“ gar nicht gewonnen werden kann.
Und vielleicht müssen wir genauer hinsehen, um zu erkennen, dass ein
Wissen der Grenze auch ein Wissen um das Verbindende ist. Offenheit und
nicht die Abschließung, Übergänge und Verhandlungen sind somit bedeutende
Voraussetzungen für eine ständige Aktualisierung des Wissens.
In fünf Vorträgen wird die Ringvorlesung Studium Universale der Heinrich-
Heine-Universität diese Fragestellungen aus philosophischer, medizinischer,
öko- und nachhaltigkeitstheoretischer, kulturwissenschaftlicher/
künstlerischer sowie medienwissenschaftlicher Perspektive beleuchten.


Termine
9. Mai 2012
Paradoxien des Wissens
Prof. Dr. Elke Brendel, Institut für Philosophie, Universität Bonn, Fellow
Lichtenberg-Kolleg der Universität Göttingen
Die Frage nach der Natur menschlichen Wissens beschäftigt Philosophen
schon seit der Antike. Bereits Platon hat dafür argumentiert, dass Wissen
epistemisch wertvoller ist als eine bloße wahre Meinung. Erst dann, wenn
eine Person auch über gute Gründe für die Wahrheit ihrer Meinung verfügt,
besitzt sie nach Platon Wissen. Es zeigt sich jedoch, dass die traditionelle
platonische Auffassung von Wissen als wahrer und gerechtfertigter Meinung
einer logischen Analyse nicht standhält, da sie zu Widersprüchen und
Paradoxien führen kann. Auch die sehr wirkmächtige Wissenstheorie René
Descartes‘, die Wissen als eine bestimmte Form subjektiver und objektiver
Gewissheit konzipiert, impliziert Widersprüche und führt zu einem radikalen
Wissensskeptizismus.
Im Vortrag soll anhand einer kritischen Analyse philosophischer Wissenskonzeptionen
die paradoxale Struktur des Wissensbegriffs aufgezeigt und
die Möglichkeiten und Grenzen für eine philosophisch befriedigende Wissenskonzeption
diskutiert werden.


23. Mai 2012
Placebowirkungen in der Medizin - maximieren, minimieren oder personalisieren?
Prof. Dr. Paul Enck, Universitätsklinikum Tübingen, Psychosomatische Medizin
und Psychotherapie
Seitdem wir wissen, dass Placebos (Pillen ohne Wirkstoff) wenn nicht
Krankheiten heilen, so doch Krankheitssymptome mildern können, stellt
sich die Frage, ob wir die Placeboeffekte nicht im medizinischen Alltag vermehrt
nutzen sollten, zum Vorteil des Patienten. Andererseits sind dem
Einsatz von Placebos in der Medizin enge ethische und rechtliche Grenzen
gesetzt, zum Schutz der Patienten. Der gegenwärtige Stand der klinischen
und experimentellen Placeboforschung erlaubt es (noch) nicht, die Frage zu
beantworten, ob Placebowirkungen zu minimieren oder zu maximieren sind.
Im Vortrag sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie in einer zukünftigen
Medizin der Placeboeffekt nicht als Mythos oder Ärgernis betrachtet wird,
sondern als Chance genutzt werden kann.


6.6.2012
Grenzen zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft am Beispiel
von Großprojekten wie Energiewende oder Klimaschutz und wie sie
überwunden werden können (Arbeitstitel)
Dr. Dr. Mario Tobias; Generalsekretär des Institute for Advanced Sustainible
Studies, Potsdam



27.6.2012
Kunstvolle Wissenschaften – Wissenschaftliche Künste
Prof. Dr. Frank Böhme, Hochschule für Musik und Theater, Hamburg
Der Vortrag versucht, der Grenze zwischen zwei scheinbar ungleichen
Partnern, der Kunst und der Wissenschaft, auf die Spur zu kommen. Wo
verläuft die Demarkationslinie und ist diese als solche wahr zu nehmen?
Einen Absolutheitsanspruch kann heute keine Seite mehr für sich in Anspruch
nehmen. Die Wissenschaft ist nicht fragloser Orientierungsansatz im
gesellschaftlichen Getriebe und Kunst ist nicht auf einen „l’art pour l’art-
Gedanken“ zu reduzieren.
Künstler als Forscher oder Forscher als Künstler haben bspw. ästhetische
Verfahrensweisen entwickelt, die einen festen Platz innerhalb der kulturellen Praktiken haben. Diese Methoden gilt es aufzuzeigen, zu beschreiben
und weiterzuentwickeln.
Der Vortrag wirft einen Blick in die Geschichte und zeigt an Beispielen auf,
wie Akteure bewusst Schnittstellen geschaffen haben, und hinterfragt die
heutige kulturelle Praxis nach dieser Offenheit.


4. Juli 2012
Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaft, Universität Tübingen
Der entfesselte Skandal. Das Verschwinden der Grenzen im digitalen
Zeitalter
Ein Verteidigungsminister stürzt über Plagiate, die im Netz detailgenau dokumentiert
werden – und löst eine Welle von Enthüllungen aus, die zahlreiche
Politiker Ansehen und Doktortitel kosten. Greenpeace zwingt ein Weltunternehmen
mit Hilfe von Social-Media-Diensten und einer raffinierten
Kampagne in die Knie. Heute Manchmal reicht schon ein einziger Klick, und
in falsche Kanäle geratene E-Mails und Fotos, Handyvideos und SMSBotschaften
beenden eine Laufbahn und besiegeln ein Schicksal. Immer
mehr Daten lassen sich immer leichter durchsuchen, verknüpfen, kopieren,
verbreiten – und eines Tages benutzen, um den Ruf eines anderen zu zerstören.
Smartphones und Digitalkameras, Netzwerk- und Multimedia-
Plattformen, persönliche Websites, Blogs und Wikis sind die neuartigen
Instrumente der Enthüllung. Sie liegen heute in den Händen aller. Dieser
Vortrag geht von einer zentralen These aus: Der Skandal ist kein Distanzereignis
mehr, sondern hat unser aller Leben erreicht.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortDüsseldorf
Beginn09.05.2012
Ende04.07.2012
BenutzerführungDeutsch
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/26404

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 25.04.2012 | Impressum | Intern