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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige ""Männer als Täter und als Opfer – zwischen Verletzungsmacht und Verletzungsoffenheit“"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
Titel"Männer als Täter und als Opfer – zwischen Verletzungsmacht und Verletzungsoffenheit“
BeschreibungArbeitskreis für interdisziplinäre Männer- und Geschlechterforschung -

Kultur-, Geschichts- und Sozialwissenschaften

AIM GENDER

und Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Referat Geschichte

Achte Tagung in Stuttgart-Hohenheim

29.–30. Juni 2012

Männer als Täter und als Opfer – zwischen Verletzungsmacht und Verletzungsoffenheit

Ziel des Arbeitskreises AIM GENDER ist die fächerübergreifende gegenseitige Wahrnehmung und Kooperation von Forschern und Forscherinnen aus Geschichts-, Literatur-, Kultur- und Politikwissenschaften sowie der Soziologie, die zum Thema Männlichkeiten und deren Auswirkungen auf Kultur und Gesellschaft in Vergangenheit und Gegenwart arbeiten.

Ein Blick in die alljährlich erscheinende Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt mit großer Regelmäßigkeit, dass bei den dort aufgeführten Gewaltdelikten Männer und insbesondere junge Männer sowohl die Täter- als auch die Opferstatistik dominieren. Lediglich bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung sind Männer nur selten unter den Opfern. Auch wenn man berechtigterweise die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik nicht als getreues Abbild der gesellschaftlichen Verbreitung und geschlechtlichen Verteilung abweichenden Handelns begreift, verweisen sie darauf, dass der Zusammenhang von Männlichkeit und Gewalt nur dann angemessen erklärt werden kann, wenn man den Fokus nicht nur auf Männer als Täter, sondern auch als Opfer von Gewalt richtet.

Heinrich Popitz hat in seinem Buch „Phänomene der Macht“ zwischen Verletzungsmacht und Verletzungsoffenheit als grundlegende, wechselseitig aufeinander verweisende Modi von Vergesellschaftung unterschieden. Mit Theresa Wobbe lassen sie sich zugleich als zentrale Modi der kulturellen Konstruktion der Geschlechterdifferenz begreifen. Die Geschlechterdifferenz ist zwar nicht die einzige, wohl aber die sichtbarste Differenzierungslinie, entlang der in unserer Kultur eine Zuweisung von Verletzungsmacht und -offenheit erfolgt. Die kulturelle Konstruktion von Männlichkeit bestimmt den männlichen Körper als verletzungsmächtig, die von Weiblichkeit den weiblichen Körper als verletzungsoffen. Dies sind vereinheitlichende Zuschreibungen, die in unterschiedlichen Diskursen und Praktiken, welche die wissenschaftliche Theorieproduktion gleichermaßen umfassen wie Medienberichte, alltagsweltliche Narrationen, Rituale und Gewalthandlungen, hervorgebracht werden. Zu ihrer Produktion im diskursiven Modus gehört, dass Gegenevidenzen, die sich nicht der binären Klassifikation fügen, ausgeblendet werden. Auf der Ebene der inkorporierten Geschlechterverhältnisse, auf der Verletzungsmacht und -offenheit als leibliche Realität erfahren werden, machen sich die Gegenevidenzen in Gestalt von Brüchen und ambivalenten Empfindungen bemerkbar, die allerdings zumindest von Männern vielfach individuell verdrängt und kollektiv in der Regel negiert werden. Das Muster der hegemonialen Männlichkeit hält für die Wahrnehmung einer verletzungsoffenen Männlichkeit bzw. von Männern als Opfer von Gewalt kein Vokabular bereit.

Die Forschung zum Verhältnis von Geschlecht und Gewalt ist durch eine nachhaltige Ausblendung männlicher Verletzungsoffenheit geprägt. Allenfalls wird dem männlichen Kind eine, angesichts der Macht der Erwachsenen gegebene, Verletz-ungsoffenheit zugestanden. Verletzungsoffenheit wird hier im Rahmen des Generationenverhältnisses, nicht in dem des Geschlechterverhältnisses thematisiert. Verletzungsoffen ist der noch ‚nicht fertige’ Mann. Mit der Ausbildung einer erwachs-enen Männlichkeit verliert er gemäß dieser impliziten Konstruktion von Geschlecht die Verletzungsoffenheit.

Eine Folge der geschlechtlichen Polarisierung von Täter- und Opferstatus ist, dass in sozialwissenschaftlichen empirischen Forschungen zum Verhältnis von Geschlecht und Gewalt bislang mit wenigen Ausnahmen Frauen nur als Opfer und Männer nur als Täter adressiert wurden. Auf diese Weise reproduzieren die kriminologische und ein Großteil der Geschlechterforschung die kulturelle Konstruktion der geschlechtlichen Verteilung von Verletzungsmacht und -offenheit. Das Gleiche lässt sich für Versuche der therapeutischen Bewältigung von Gewalt feststellen. Therapieangebote richten sich an weibliche Opfer und männliche Täter. Erst in jüngerer Zeit sind in Deutschland Studien erschienen, die sich entweder mit Formen weiblicher Gewalt oder mit männlichen Opfererfahrungen befassen.

Ziel der Tagung ist es nicht, den dominanten Diskurs des verletzungsmächtigen Mannes durch einen Gegendiskurs seiner Verletzungsoffenheit zu ersetzen. Vielmehr wird es Aufgabe sein, das Zusammenspiel von Verletzungsmacht und -offenheit bei der Konstruktion von Männlichkeit genauer zu betrachten. Hierzu müssen unterschiedliche Gewaltrelationen betrachtet und in ihren Beziehungsdynamiken entschlüsselt werden. Heterosoziale Gewaltbeziehungen unterscheiden sich von homosozialen, und auch für jede dieser beiden Dimensionen sind Differenzierungen vorzunehmen. Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse ist die symbolische Konnotation von Männergewalt gegen Frauen eine andere als die von Frauengewalt gegen Männer. Der jeweilige Opferstatus ist hinsichtlich der Art, wie er – vom Opfer selbst und von seinen Mitmen-schen – wahrgenommen wird, sowie der Folgen für die geschlechtlich-identitäre Positionierung des Opfers ein anderer. Homosoziale Gewalt zwischen Männern kann – in reziproken Gewaltkonstellationen (z.B. in Fights von Hooligans oder Prügeleien auf dem Schulhof) – mit einer Gleichzeitigkeit bzw. Ununterscheidbarkeit von Täter- und Opferstatus einhergehen, sie kann aber auch – in einseitig verfestigten Gewaltkonstellationen (z.B. in Gefängnissen) – von einer eindeutigen und dauerhaften Zuweisung von Verletzungsmacht und -offenheit an bestimmte Personen geprägt sein.


Programm

Freitag, 29. Juni 2012

12.30 Uhr Mittagessen

13.15 Uhr Begrüßung
Dr. Dieter R. Bauer, Prof. Dr. Martin Dinges

13.30 Uhr Gewalt und Geschlecht in soziologischer Sicht
Prof. Dr. Michael Meuser (Dortmund)

14.00 Uhr Sektion 1: Widerstände gegen Gewalt bei männlichen Jugendlichen…trotz prügelnder Mädchen
Leitung: Prof. Dr. Martin Dinges (Stuttgart)

Prof. Dr. Wassilis Kassis (Osnabrück): Verletzlichkeit Jugendlicher durch familiäre Gewalt und Charakteristiken des Widerstands gegen den Kreislauf der Gewalt

Mart Busche (Kassel): Männliche Gewaltresilienz im Kontext jugendlicher Lebenszusammenhänge

Stephanie Moldenhauer (Osnabrück): Jungs schlagen Jungs - Mädchen aber auch! Gender-Crossing in der Gewaltanwendung Jugendlicher


16.10 Uhr Pause

16.30 Uhr Sektion 2: Männliche Erzieher unter Generalverdacht
Leitung: PD Dr. Sylka Scholz (Dresden)

Anna Buschmeyer, M.A. (München): Männer als Opfer von Täterzuschreibungen? – Männliche Erzieher im Umgang mit dem Pädophilieverdacht

Michael Cremers und Jens Krabel (Berlin): Wie können Kitas ihre Erzieher vor dem Generalverdacht und Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen?


18.00 Uhr Abendessen

19.00 Uhr Sektion 3: Imaginierte Täter/Opferpositionen
Leitung: Prof. Dr. Toni Tholen (Hildesheim)

Jennifer Clare (Hildesheim): Stadtguerilleros, langhaarige Ersatzjuden und deaf, dumb and blind boys – Männer und (literarische) Täter- und Opferdiskurse in der deutschen Studentenbewegung

Johanna Meixner, M.A. (Göttingen): Blaubarts Verbrechen neu interpretiert? Der Mann als Täter und Opfer in Bachmanns „Das Buch Franza“ und Frischs „Blaubart“


Samstag, 30. Juni 2012

8.00 Uhr Frühstück

9.00 Uhr Sektion 4: Täter/Opferumdeutungen in „Männlichkeitsdomänen“
Leitung: Prof. Dr. Michael Meuser (Dortmund)

Prof. Dr. Nina Degele (Freiburg): „Ich dusch nur mit dem Arsch zur Wand“: Verletzungsmacht und Verletzungsoffenheit als simultane Konstruktion von Männlichkeit

Anna Binder (Potsdam), Andreas Häberle, M. A. (Hamburg) und Prof. Dr. Maja Apelt (Potsdam): Männlichkeit und Gewalt in den Organisationen des staatlichen Gewaltmonopols


11.00 Uhr Sektion 5: Verleugnete Gewalterfahrung
Leitung:. Dr. Dieter Bauer (Stuttgart)

Sebastian Knoll-Jung, M.A. (Stuttgart): „Unsolidarisch aber männlich?“ – Arbeitsunfallopfern und Arbeitergewalt in Kaiserreich und Weimarer Republik

Anne Kersten, Liz. Phil. (Fribourg): Männlichkeit und Opferstatus im öffentlichen Opferhilfe-Diskurs der Schweiz


12.30 Uhr Mittagessen

13.30 Uhr Ende der Tagung


Die Einladenden

Prof. Dr. Martin Dinges (Historiker) für AIM GENDER

Dr. Dieter Bauer (Historiker) Referat Geschichte der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Prof. Dr. Michael Meuser (Soziologe) TU Dortmund

PD Dr. Sylka Scholz (Soziologin) TU Dresden

Prof. Dr. Toni Tholen (Literaturwissenschaftler) Stiftung Universität Hildesheim



Rückfragen zum Programm bitte an martin.dinges@igm-bosch.de.


Anmeldung
Allen an der Teilnahme Interessierten empfehlen wir, sich mit dem Formular direkt bei der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart – Referat Geschichte, Im Schellenkönig 61, D-70184 Stuttgart (Tel: +49 711 1640 752) anzumelden. Diese Anmeldung ist unabhängig von der Präsentation oder Annahme eines Diskussionspapiers. Anmeldungen und Rückfragen bitte an Frau K. Hopfensitz, E-Mail-Adresse: hopfensitz@akademie-rs.de



Tagungspreise bis Samstag Mittagessen

Mit Übernachtung im Einzelzimmer, Mahlzeiten, Tagungsgebühr: 119,00 €
Mit Übernachtung im Doppelzimmer, Mahlzeiten, Tagungsgebühr: 109,00 €
Mit Übernachtung im Doppelzimmer ermäßigt für Studierende (bis 30. Lebens-jahr, kein Einkommen), Mahlzeiten, ohne Tagungsbeitrag: 76,00 €
Ohne Übernachtung, Mahlzeiten, Tagungsgebühr: 59,00 €
Ohne Übernachtung, Mahlzeiten, ermäßigt für Studierende (bis 30. Lebens-jahr, kein Einkommen): 44,00 €
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.fk12.tu-dortmund.de/cms/ISO/de/soziologie/soziologie_der_ge...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortStuttgart-Hohenheim
Beginn29.06.2012
Ende30.06.2012
PersonName: Martin Dinges [Prof. Dr.] 
E-Mail: martin.dinges@igm-bosch.de 
KontaktdatenName/Institution: Arbeitskreis für interdisziplinäre Männer- und Geschlechterforschung - Kultur-, Geschichts- und Sozialwissenschaften 
E-Mail: martin.dinges@igm-bosch.de 
Name/Institution: Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart - Referat Geschichte 
Strasse/Postfach: Im Schellenkönig 61 
Postleitzahl: 70184  
Stadt: Stuttgart 
Telefon: +49 711 1640 752 
E-Mail: hopfensitz@akademie-rs.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Genderforschung; Literatursoziologie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/26355

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