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Ergebnisanzeige "Konturen der Subjektivität in den Literaturen Ostmitteleuropas im 20. und 21. Jahrhundert"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelKonturen der Subjektivität in den Literaturen Ostmitteleuropas im 20. und 21. Jahrhundert
BeschreibungEine literaturwissenschaftliche Konferenz der Hungarologie und der Slawistik,
gewidmet dem Andenken der ungarischen Dichterin Ágnes Nemes Nagy (1922-1991)

Collegium Hungaricum Berlin, Dorotheenstr. 12, 10117 Berlin

Die Lyrik der Dichterin Ágnes Nemes Nagy, deren Andenken diese Tagung gewidmet ist, wird unter anderem von der Suche nach den Möglichkeiten der poetischen Gestaltung der Subjektivität geprägt. Es scheint, ihre Texte sollten das Wesentliche und das Gültige poetisch verewigen und dabei das vergängliche Individuelle zurückstellen, so dass poetische Formationen der Entsubjektivierung entstanden. In einem der letzten Gedichte wird dies erkennbar überschrieben, als wäre das Individuelle existenziell wichtiger: „Aber da war ja... Aber ich. Nur eine. Einmal. Eine einzige / Katze doch erzählen, eine beinahe folgenlose Katze, wie sie / die Straße überquert...”. Das Thema Subjektivität knüpft sich also an die zeitlose Frage, was Dichtung sei. Das nicht endende Gespräch über Literatur kreist bei dieser Tagung um die Lyrik Nemes Nagys.
In welchem literaturgeschichtlichen Kontext ist Nemes Nagys Lyrik zu verorten? Sie war ein Kind der Moderne. 1901 schreibt Rainer Maria Rilke Im Buch von der Pilgerschaft: „Keiner lebt sein Leben. / Zufälle sind die Menschen, Stimmen, Stücke, / Alltage, Ängste, viele kleine Glücke“. In diesen Worten wird die Entthronung des Individuums in der Moderne deutlich. Die literarischen Epochen des 20. Jahrhunderts haben für diese Tatsache immer weniger Bedauern und suchen nach poetischen Mitteln, die Leere des Subjektes anschaulich zu machen oder vor dieser Leere eine Maskerade in Szene zu setzen. In der Postmoderne agieren schließlich nur noch verschiedene Machtmechanismen, die sich je aber als unüberschaubar und unkontrollierbar erwiesen.
So stellt sich heute die Frage, wie von dem Subjekt zu reden ist. Denn um die Jahrtausendwende scheint auch die Postmoderne überholt zu sein und mit der überlieferten Verunsicherung wird wiederum ein Verlangen nach Orientierungspunkten merkbar, von denen aus beispielsweise Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen geäußert oder ein Gegenhalten formuliert werden kann, das einer strikten Objektivierung eines engstirnig wissenschaftlichen Denkens standhält. Im Rahmen des immer lauter werdenden sog. ‚emotional turn‘ diskutiert man so etwa die bisher ignorierte Rolle der Emotionen für das menschliche Verhalten, die als Verbündeter der Rationalität neue Hoffnungen wecken könnten.
Diese unlängst aufgekommenen Fragen können ohne ein Subjektkonzept allerdings nicht nachhaltig diskutiert werden. Ist das Subjekt zurückgekehrt oder war es eigentlich auch nie zu tilgen? Welche literarischen Formationen der Subjektivität zeigen sich heute im Verhältnis zu früheren Epochen? Könnten etwa angeblich überholte Subjektkonzepte wieder aktuell sein? Worin besteht die Differenz zwischen Subjektivität und Individualität? Diese Fragen werden vor einem vergleichenden literaturwissenschaftlichen Hintergrund diskutiert.

Diese Konferenz ist eine gemeinsame Veranstaltung des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig, des Instituts für Slawistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und des Collegium Hungaricum Berlin.


19|04|2012
14.00 | Eröffnung des Workshops
Erste Sektion | Moderation Valéria Lengyel | Leipzig

14.15–15.00 | Csongor Lőrincz | Berlin
Subjekt und Individualität in der Lyrik der Spätmoderne

15.00–15.45 | Zornitza Kazalarska | Berlin
Schwindlige Subjekte: Raumgefühl als Lebensgefühl in tschechischen pásmo-Gedichten des 20. Jahrhunderts

Kaffeepause

16.00–16.45 | Christine Gölz | Leipzig
Multiples Ich. Else Lasker-Schülers und Anna Achmatovas späte Theaterprojekte

16.45–17.30 | Péter Urbán | Piliscsaba
Konsequenzen eines wirkungsgeschichtlichen Zusammenhangs: Das Konzept des Dinggedichts bei Rainer Maria Rilke und Ágnes Nemes Nagy

20|04|2012
Zweite Sektion | Moderation Alfrun Kliems | Berlin

10.00–10.45 | Birgit Krehl | Potsdam
„Kobiecość“ – Rafał Wojaczek und das weibliche „Wesen“

10.45–11.30 | Valéria Lengyel | Leipzig
Signale des Subjektiven in der Lyrik von Ágnes Nemes Nagy

Kaffeepause

11.45–12.30 | Theresia Wirth | Berlin
‚Ich bin eine Rüstung der Bienen‘ – Auflösungstendenzen und Subjektkonstitution bei Jiřina Hauková (Cizí pokoj)

Mittagspause

Dritte Sektion | Moderation Christine Gölz | Leipzig

14.00–14.45 | Alfrun Kliems | Berlin
„Die Stadt gehört mir!“ Marcin Świetlicki und Jacek Podsiadło

14.45–15.30 | Hajnalka Halász | Berlin
Das Ich und das Gedicht. Über die Dichtung von Szilárd Borbély

15.30–16.15 | Stephan Krause | Leipzig
Subjekt und Geschichte bei Lutz Seiler
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Beginn19.04.2012
Ende20.04.2012
PersonName: Valéria Lengyel 
Funktion: Wissenschaftliche Mitarbeiterin 
E-Mail: valeria.lengyel@uni-leipzig.de 
KontaktdatenName/Institution: Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. an der Universität Leipzig (GWZO) 
Strasse/Postfach: Reichsstr. 4-6 
Postleitzahl: 04109 
Stadt: Leipzig 
Telefon: +49 (0)341-97 355 83 
E-Mail: gwzo@rz.uni-leipzig.de 
Internetadresse: http://www.uni-leipzig.de/gwzo/ 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
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