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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Eine Schwester Kafkas? Nelly Sachs im Kontext"
RessourcentypCall for Papers
TitelEine Schwester Kafkas? Nelly Sachs im Kontext
BeschreibungUniversity of Oxford, The Queen’s College, 26. und 27. September 2012

Call for Papers
Eine ‚Schwester Kafkas’? Nelly Sachs im Kontext
Internationale Konferenz

Mit bereits zugesagten Vorträgen von:
Prof. Aris Fioretos (Stockholm/Berlin)
Prof. Karen Leeder (Oxford)
Prof. Leonard Olschner (London)

Nelly Sachs (1891-1970) galt für viele ihrer Zeitgenossen und vor allem für viele deutsch schreibende Dichter ihrer Zeit als eine der wesentlichen Stimmen deutscher Dichtung im 20. Jahrhundert. Als erste deutschsprachige Schriftstellerin und bislang als einziger Dichter deutscher Sprache erhielt sie im Jahr 1966 den Nobelpreis für Literatur. Als Jüdin musste sie 1940 aus Deutschland fliehen und lebte bis zu ihrem Tod in Stockholm. Auf einzigartige Weise verbindet ihr Werk nach der Shoa Geschichte und Literatur. Besonders diesem Aspekt trug eine große Wanderausstellung zu Leben und Werk Rechnung und versuchte Sachs wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu heben. Ebenso liefern eine Monographie (2010) und die neue kommentierte Werkausgabe (2010-2011) Grundlage und Anstoß für erneuerte Forschungen zu Sachs und ihrem Werk.

Diese internationale Konferenz wird diese neuen Grundlagen aufgreifen und die heute weltweit wieder an Sachs interessierten Forscher vernetzen und zu neuen Sicht- und Denkweisen auf das Werk Sachs’ anregen. Hierzu soll vor allem die Frage nach der Kontextualisierung der Werke Sachs’ dienen:

Auf mystische und biblische und spezifisch jüdische Kontexte hin hat man Sachs’ Werk wohl am häufigsten gelesen, hat sie mit Blick auf diese Kontexte mit Preisen geehrt. So wurde ihr der Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels unter anderem verliehen, weil sie laut Urkunde ohne Widerspruch Deutsches und Jüdisches versöhne. Den Nobelpreis wiederum erkannte man ihr „für ihre hervorragende lyrische und dramatische Dichtung“ zu, „die mit ergreifender Kraft von Israels Schicksal spricht.“ Nicht nur wurde Sachs somit zur ‚Dichterin der Versöhnung’ und ihr Werk politisch missbrauchter Teil einer deutschen ‚Vergangenheitsbewältigung’. Auch nach ihrem Tod sollte diese Sichtweise auf ihre Person und ihr Werk überwiegen und wohl zu beider Vergessen beitragen.

Und Sachs selbst? Sie nannte sich zwar ‚Mystikerin’ und eine ‚Schwester Kafkas’ und nahm die Preise an. Doch gleichzeitig äußerte sie mehrmals Bedenken gegenüber der vorherrschenden Sichtweise auf ihr Werk. Was meint es überhaupt, eine ‚Schwester Kafkas’ zu sein? Ist es auf die Formel Berendsohns zu bringen, der als ihr Freund und Förderer Sachs eine „Dichterin jüdischen Schicksals“ nannte? Eine ‚Schwester Kafkas’ meint doch vor allem den Kontext der literarischen Moderne, in dem Sachs mit ihrem Werk stand, und als dessen Teil diese Konferenz sie wieder verstehen will.

Sachs selbst benannte in zahlreichen Briefen an Freunde und Dichterkollegen Rainer Maria Rilke als einen ihrer Ausgangspunkte. Über ihn sah sie sich weit hinausgehend und eine Sprache für die zerbrochene Welt suchend. Überhaupt Briefe; Sachs’ zahlreiche Korrespondenzen vor allem mit jüngeren schwedischen und deutschen Dichtern weisen sie weniger als biblisch-prophetische Seherin, sondern vielmehr als Zeitgenossin von Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger, Hans Magnus Enzensberger und vielen anderen aus. Doch bis auf die Beziehung zwischen Celan und Sachs blieben die meisten anderen vielfältigen Verbindungen Sachs’ zu zeitgenössischen deutschsprachigen Schriftstellern relativ unbeachtet. Zudem muss bei der Lektüre von Sachs auch die schwedische Moderne (etwa Tranströmer, Martinson, Ekelöf) Betrachtung finden, und durch diese die beinah gesamte europäische Moderne, auch die englischsprachige (Dylan Thomas, T. S. Eliot, Samuel Beckett).

Vor dem Hintergrund der neuen kommentierten Ausgabe der Sachs’schen Werke will diese internationale Konferenz nach angemessenen Kontextualisierungen dieser Werke fragen. Es soll aber besonders die problematische Eindimensionalität bisheriger Kontextualisierungen überwunden werden. Dies muss auch bedeuten, sich nicht vorrangig auf die frühe Lyrik Sachs’ zu beziehen, sondern ihr Gesamtwerk, wie es in der neuen Ausgabe sichtbar wird, zu berücksichtigen.

Am Abend des 26. September wird eine Lesung aus dem Werk von Nelly Sachs in deutscher und englischer Sprache die Konferenz auch für ein breiteres Publikum öffnen.

Vorschläge für mögliche Vorträge in deutscher oder englischer Sprache (bis zu 300 Wörter) und eine kurze Biographie schicken Sie bitte bis zum 1. Mai an:

charlie.louth@queens.ox.ac.uk oder
florian.strob@queens.ox.ac.uk

Die Vorträge sollten eine Länge von 30 Minuten nicht überschreiten. Nach jedem Vortrag wird die Möglichkeit zur Diskussion gegeben sein. Vortragsvorschläge von Doktoranden und Postdoktoranden sind willkommen. Es wird eine Tagungsgebühr in Höhe von £35 erhoben (inbegriffen die Kosten für ein Dinner sowie Kaffeepausen). Fahrt- und Unterbringungskosten können nicht übernommen werden. (Es werden allerdings Zimmer im Queen’s College zu günstigen Preisen zur Verfügung stehen.)

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University of Oxford, The Queen’s College, 26th and 27th September 2012

Call for Papers
Kafka’s Sister? Nelly Sachs in context
International Conference

Confirmed speakers
Prof Aris Fioretos (Stockholm/Berlin)
Prof Karen Leeder (Oxford)
Prof Leonard Olschner (London)

Nelly Sachs (1891-1970) was regarded by her contemporaries and above all by many German-language writers of the time as one of the most significant poetic voices of the 20th century. In 1966 she was awarded the Nobel Prize in Literature – the first female German writer to be so and still the only German poet. As a Jew, she was forced to flee Germany in 1940 and spent the rest of her life in Stockholm. Her work is unique in its manner of bringing history and literature to bear on one another after the Shoa. A major recent touring exhibition, which sought to make the nature of this connection clear, has done something to reinstate Sachs and to reassert the importance of her work after decades of neglect. The exhibition was timed to coincide with the completion of a major new annotated edition and accompanied by a new appraisal of her life and work, all this providing the basis and need for further reassessment.

Sachs’s work has most often been read in the context of mystical, biblical and specifically Jewish references, and in her lifetime it was these that dominated the reception of her work and the prizes she was awarded. The Peace Prize of the German Book Trade she received because, according to the citation, her work ‘reconciled things German and Jewish without contradiction’. She was awarded the Nobel Prize ‘for her outstanding lyrical and dramatic writing, which interprets Israel’s destiny with touching strength’. Not only was Sachs thus made into a ‘poet of reconciliation’, her work manipulated into becoming part of a German ‘overcoming of the past’, but even after her death this way of seeing her person and work were to dominate, no doubt contributing significantly to the slipping from public consciousness which occurred in the 1970s and after.

As for Sachs herself, she was happy to be thought a mystic or a ‘sister of Kafka’s’ and accepted the prizes, yet at the same time she expressed discomfort on several occasions with the way her work was being received. What in any case does it mean to be Kafka’s sister? For Walter Berendsohn, who played an important role in the reception and interpretation of her work in her lifetime, it had to do with being a ‘poet of Jewish destiny’. But above all it points to the context of literary modernism, a context in which Sachs belongs and which this conference aims to make readable again.

In many letters to friends and fellow-writers Sachs mentions Rilke as one of her points of departure. She saw herself as reaching out beyond him in the search for a language adequate for the broken world she inhabited. The letters in general, particularly those to fellow Swedish and German writers, show her less as a prophet, and more as a contemporary of Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Ilse Aichinger, Hans Magnus Enzensberger and others. Yet the relation with Celan aside, most of Sachs’s connections with what was going on in German literature have received little attention. Beyond that, reading Sachs requires us to take the Swedish contemporaries she translated into account (such as Ekelöf, Martinson and Tranströmer), and via and independently of them large swathes of European modernism, including, in English, T.S. Eliot, Samuel Beckett and Dylan Thomas.

Against the background of the new annotated edition of Sachs’s work this international conference will seek out appropriate ways of contextualizing her writing. In particular, the problematic one-dimensionality of most contextualizations hitherto will be questioned and overcome. This also requires focussing less on Sachs’s early writing (up to about 1950), which has so far been the most widely commented on, and turning towards the later work as it has been made available in the edition.

We also plan to have a reading from Sachs’s work on the evening of 26th September, with new translations by poets working in English, concentrating in particular on Sachs’s later, little-known poems.

Papers should last no more than 30 minutes, leaving time for discussion after each. Proposals from doctoral students and in postdoctoral researchers are welcome. There will be a conference charge of £35, and participants will be expected to find funding for travel and accommodation. (Speakers will, however, be offered rooms in Queen’s College at affordable prices.)

Please send proposals of up to 300 words and a short biography to Florian Strob (florian.strob@queens.ox.ac.uk) or Charlie Louth (charlie.louth@queens.ox.ac.uk) by 1st May 2012.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortOxford
Bewerbungsschluss01.05.2012
Beginn26.09.2012
Ende27.09.2012
PersonName: Strob, Florian 
Funktion: Organisation der Konferenz 
E-Mail: florian.strob@queens.ox.ac.uk 
Name: Louth, Charlie 
Funktion: Organisation der Konferenz 
E-Mail: charlie.louth@queens.ox.ac.uk 
KontaktdatenName/Institution: The Queen's College 
Strasse/Postfach: High Street 
Postleitzahl: OX1 4AW 
Stadt: Oxford 
E-Mail: florian.strob@queens.ox.ac.uk 
LandGroßbritannien
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Zusätzliches SuchwortSchweden
Klassifikation05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.03.00 Literaturgeschichtsschreibung; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.07.00 Deutschsprachige Literatur des Auslandes; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.15.00 Exilliteratur; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.16.00 Gattungen und Formen; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.17.00 Stoffe. Motive. Themen; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.18.00 Zu einzelnen Autoren; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.06.00 Literarisches Leben; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.08.00 Gattungen und Formen; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.10.00 Bundesrepublik Deutschland bis 1990; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.14.00 Zu einzelnen Autoren; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.08.00 Gattungen und Formen
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