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Ergebnisanzeige "Die Unendlichkeit des Erzählens. Poetiken des Romans in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1989"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelDie Unendlichkeit des Erzählens. Poetiken des Romans in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1989
BeschreibungDie Unendlichkeit des Erzählens. Poetiken des Romans in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1989

Internationale Tagung des Instituts für Literaturwissenschaft des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe, 28.-30. März 2012

Tagungsort: Prinz-Max-Palais, Karlstraße 10, 76133 Karlsruhe

Veranstalter: Prof. Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann / PD Dr. Carsten Rohde

In der Forschung herrscht weitgehend Konsens darüber, dass der Mauerfall 1989 – analog zum Kriegsende 1945 – die letzte größere Zäsur in der jüngeren Geschichte der deutschsprachigen Literatur markiert. In der Nahbetrachtung fällt es naturgemäß schwer, die Entwicklungen seit diesem Epocheneinschnitt literaturgeschichtlich einzuordnen. Dennoch ist nach gut zwei Jahrzehnten und so manchen Literatur- und Feuilletondebatten der Zeitpunkt gekommen, eine erste Bilanz zu ziehen. Die Tagung "Die Unendlichkeit des Erzählens. Poetiken des Romans in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1989" möchte dabei jene Gattung genauer in den Blick nehmen, welche bei Publikum, Kritik und Wissenschaft gleichermaßen am meisten Aufmerksamkeit und Interesse auf sich zieht – den Roman. Der Roman ist die literarische Königsdisziplin in der Zeit der Jahrtausendwende, was zum Teil auch dem Bedeutungsverlust von Drama (durch Film und Fernsehen) und Lyrik (Beliebigkeit der Form) geschuldet ist. Nicht zufällig drehte sich die populärste Literatursendung im deutschen Fernsehen, das "Literarische Quartett", ausschließlich um diese Gattung. Die literaturwissenschaftliche Forschung zur Poetik des Romans hat die jüngsten Gattungsentwicklungen – so sie sie denn überhaupt im Blick hat – zumeist unter der Rubrik Postmoderne verhandelt. Nachdem indes die Epoche der Postmoderne zuletzt mehr und mehr zum Gegenstand der Historisierung geworden ist, stellt sich die Frage, was jenseits der mit ihr einhergehenden ästhetischen Paradigmen die zentralen Prinzipien und Formen einer zeitgenössischen Romanpoetologie sein könnten.
Die Leitfragen der Tagung lauten daher:
Welche signifikanten Bewegungen und Veränderungen haben sich in diesem literarischen Genre seit 1989 vollzogen? Gibt es innovative Romankonzepte und Erzählmodelle und wenn ja: worin genau bestehen sie? Welche Autoren und welche Genres verdienen mit Blick auf die Poetik des Romans besondere Beachtung? Welchen Aussagewert besitzen makro- und mirkoepochale Begrifflichkeiten wie Moderne, Spätmoderne, Postmoderne, Postpostmoderne etc. in Zusammenhang mit der Roman- und Erzählkunst? Wie gestaltet sich das Verhältnis zur romanpoetologischen Tradition, zu Roman- und Erzählformen der jüngeren und älteren Vergangenheit, in nationaler wie in internationaler Perspektive? Und damit zusammenhängend: Wo und wie positionieren sich die Romanciers der Gegenwart im literarischen Feld ihrer Zeit? Wo steht der deutschsprachige Roman der Gegenwart? Was kann er, was will er, was soll er?
Wie in diesen Leitfragen angedeutet, liegt das Augenmerk in besonderem Maße auf den formalen, erzählerischen Aspekten der jüngeren deutschsprachigen Romanliteratur. Gefragt wird letztlich nach den Möglichkeiten und nach der Wirklichkeit des Erzählens in der Literatur seit 1989.
Obschon der literaturwissenschaftliche Diskurs in der Aufarbeitung der Literatur der Gegenwart aufgrund der heuristischen Gebote der Distanzierung und Objektivierung seinem Gegenstand um einige Jahre 'hinterherhinkt', lassen sich mit Blick auf einschlägige Monographien und Sammelbände der vergangenen Jahre doch einige markante Akzente und Entwicklungslinien erkennen, welche die neuere Wirklichkeit des Erzählens und die Poetik des deutschsprachigen Romans der Gegenwart näherhin charakterisieren. So formuliert die Monographie "Die Wiederkehr des Erzählens" von Nikolaus Förster (1999) ihre Hauptthese bereits im Titel: zur Wirklichkeit des Erzählens in der neueren deutschsprachigen Literatur gehöre ganz essentiell die Renaissance des Erzählerischen in einem mimetisch-realistischen Sinne – ohne freilich mit naivem Aplomb hinter moderne und postmoderne Positionen des Erzählens, gleichsam mit einem Salto mortale in den vormodernen Realismushimmel, geradewegs zurückzufallen. Försters Studie steht beispielhaft für einen Diskurs, der insbesondere in den 1990er Jahre einen zentralen Streitpunkt in der Debatte um den deutschsprachigen Roman der Gegenwart darstellte. Der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur haftete traditionell das Etikett an, eine poietisch-artifiziell versponnene, weltabgewandte Kunstprosa zu sein. Als Gegenmodell wurden ihr nun die großen amerikanischen, bisweilen auch südamerikanischen Erzähler entgegengehalten, die einerseits eher der realistischen Tradition entstammen (zu nennen wären hier etwa John Updike, Richard Ford, Philip Roth), zum anderen genau in jenem poietisch-realistischen Mittelfeld positioniert sind, das beide Seiten idealerweise aufhebt (Thomas Pynchon, Gabriel García Márquez). Zu überprüfen wäre, ob diese Oppositionen mit Blick auf die jüngere Romanproduktion noch Gültigkeit haben – oder ob der deutschsprachige Roman der Gegenwart sich nicht vielmehr inzwischen in einem derartig breiten Feld von erzählerischen Anlagen und Ausführungen bewegt, dass das dichotomische Dogma "modernistisch" vs. "realistisch" als überwunden betrachtet werden kann.
Vieles spricht in der Tat für eine Aufhebung oder doch zumindest Abschwächung lange gültiger, kontrastiv operierender und sortierender Leitkategorien in der Theorie und Poetologie des Romans – dies erweist sich auch, zieht man die seinerzeit und seither vielbeachtete und -rezipierte Monographie von Moritz Baßler hinzu: "Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten" (2002). Das Cover des in einer populären Reihe des Beck-Verlages erschienenen Bandes zieren vier Gegenstände: eine Red-Bull-Getränkedose, einen Bikini, ein Handy und einen Turnschuh (neudeutsch: Sneaker). Sie sind Programm – und stehen vor allem für die Liaison des neueren deutschsprachigen Erzählens mit der Popkultur und mithin für ein definitives Ende der schroffen Distinktion von E und U auch im Felde der vermeintlichen Hochkultur (zu welcher das Medium Literatur respektive Roman traditionell zu zählen ist). In der Tat ist kaum zu bestreiten, dass die Impulse, die von der globalen Popkultur und ihren diversen analogen und digitalen Medien ausgehen, einen tiefen Einschnitt in die neuere Kulturgeschichte darstellen und nicht zuletzt auch die Bedingungen der Möglichkeit des Erzählens fundamental verändert haben. Auch hier wäre zu überprüfen, inwiefern und inwieweit sich diese kulturhistorischen Hintergründe und Entwicklungen realiter in den Formen und Fakturen des neueren Romanerzählens niedergeschlagen haben bzw. reflektiert finden.
Die medientechnischen Apriori, die unauflösliche Verknüpfung des Erzählens mit den mediologischen Gegebenheiten der Zeit, welche im Falle der Epoche um das Jahr 2000 unweigerlich in die digital-elektronische Unwirklichkeit des world-wide-web führt – all diese Aspekte führen schließlich auch in die Nähe eines Begriffs, der sich in der jüngeren erzähltheoretischen Debatte unübersehbar einiger Konjunktur erfreut und sich auch dokumentiert findet in einem jüngst von J. Alexander Bareis und Frank Thomas Grub herausgegebenen Sammelband: "Metafiktion" (2010). Gegenläufig oder vielmehr: komplementär zu den beiden Monographien von Förster und Baßler, welche die realistischen und populären Tendenzen des neueren Erzählens hervorkehren, wird hier der Akzent gelegt auf das artifiziell-poietische Moment, auf das genuin Erzählerische. In den Blick gerät dabei nicht zuletzt auch die spannungsvolle Interferenz von Wirklichkeit und Fiktion, die komplizierten Wechselverhältnisse (vermeintlich) faktualer und (vermeintlich) fiktionaler Erzählweisen.
Realismus – Popkultur – Metafiktion: mit diesen drei Begriffen sind drei Tendenzen des neueren deutschsprachigen Romanerzählens benannt; sie stehen darüber hinaus stellvertetend und repräsentativ für eine generelle ebenso spannungsreiche wie fruchtbare Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen im neueren deutschen Erzählen. Und sie stehen damit auch ein für jene im Titel der Tagung benannte Unendlichkeit des Erzählens, die es im Konkreten, an Autor und Werk(en), zu verifizieren gilt.

Mittwoch, 28. März 2012

15:00 Hansgeorg Schmidt-Bergmann (Karlsruhe): Begrüßung

15:15 Carsten Rohde (Karlsruhe): Einführung

15:30 Moritz Baßler (Münster): Die Unendlichkeit des realistischen Erzählens

16:30 Kaffeepause

17:00 Dieter Stolz (Berlin): "Ich begriff, dass es keine veralteten oder obsoleten Erzähltechniken gab" – Zur Poetik des Schriftstellers Ingo Schulze, eine wegweisende Skizze

18:00 Andreas Böhn (Karlsruhe): Poetik des Sachromans

20:00 Autorenlesung
Christian Kracht: Imperium


Donnerstag, 29. März 2012

09:30 Michael Rölcke (Berlin): Konstruierte Enge. Die Provinz als Weltmodell im deutschsprachigen Gegenwartsroman

10:30 Christian Klein (Wuppertal): "Günter Grass, du hast unsere Literatur zerstört". Zur Poetik des Manischen Realismus in Jan Brandts Roman "Gegen die Welt"

11:30 Kaffeepause

12:00 Carsten Rohde (Karlsruhe): Die mimetische und poietische Linie im Roman der Gegenwart

13:00 Mittagspause

15:00 Michaela Kopp-Marx (Heidelberg): Gleichzeitigsein: Patrick Roths Poetik der Verwandlung

16:00 Steffen Richter (Braunschweig): Felicitas Hoppes erzählte Topographien

17:00 Kaffeepause

17:30 Jens Hobus (Berlin): "Helplessly Hoping". Zur Semantisierung von Popmusik im Gegenwartsroman


Freitag, 30. März 2012

09:30 Michael Braun (Köln): Die Erfindung der Geschichte: 'Erinnerungsroman' und 'Gedächtnisroman' in der Gegenwartsliteratur

10:30 Julian Preece (Swansea): Baader-Meinhof Romane der Nuller Jahre: Über den versöhnlichen Umgang mit dem RAF-Terrorismus

11:30 Kaffeepause

12:00 Stefan Neuhaus (Innsbruck): Metafiktionalität und Ironie im Roman der Nullerjahre

13:00 Mittagspause

15:00 J. Alexander Bareis (Lund): Nach der Postmoderne ist vor der Postmoderne? Positionen der Postmoderne und das Erzählwerk Daniel Kehlmanns

16:00 Daniel Lutz (Karlsruhe): Gebote der Gegenwart. Die Transformierung des Managementratgebers durch den Roman der Nullerjahre (Ernst-Wilhelm Händler, Martin Walser, Bodo Kirchhoff)

19:30 Podiumsdiskussion
Thomas Lehr, Sibylle Lewitscharoff, Peter Stamm
In der Werkstatt der Gegenwart oder Über das Romaneschreiben
Moderation: Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Carsten Rohde


Kontakt:
Carsten Rohde, Hansgeorg Schmidt-Bergmann
E-mail: rohde@kit.edu, info@literaturmuseum.de
Web: www.literaturmuseum.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKarlsruhe
Beginn28.03.2012
Ende30.03.2012
PersonName: Rohde, Carsten [PD Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: rohde@kit.edu 
Name: Schmidt-Bergmann, Hansgeorg [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: info@literaturmuseum.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Literaturwissenschaft des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 
Strasse/Postfach: Kaiserstr. 12 
Postleitzahl: 76131 
Stadt: Karlsruhe 
Telefon: +49(0)721 / 608-42151 
Fax: +49(0)721 / 608-44778 
E-Mail: link-tschampel@kit.edu 
Internetadresse: http://.fakultaet.geist-soz.uni-karlsruhe.de/litwiss/ 
Name/Institution: Literarische Gesellschaft / Museum für Literatur am Oberrhein 
Strasse/Postfach: Karlstr. 10 
Postleitzahl: 76133  
Stadt: Karlsruhe 
Telefon: +49(0)721 / 133-4087 
Fax: +49(0)721 / 133-4089 
E-Mail: info@literaturmuseum.de 
Internetadresse: http://.literaturmuseum.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Erzähltheorie; Literarische Wertung/Literaturkritik; Literatur nach 1945; Motiv- u. Stoffgeschichte
Zusätzliches SuchwortRomanpoetik, Romantheorie, Romangeschichte
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.03 Epik; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.01.00 Forschung; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.06.00 Literarisches Leben; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.08.00 Gattungen und Formen; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.08.00 Gattungen und Formen > 19.08.03 Epik; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.09.00 Stoffe. Motive. Themen; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.13.00 Zu einzelnen Autoren
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