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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Tingeltangel, Schnulze, Trash. Populäre Musik und Kulturkritik "
RessourcentypCall for Papers
TitelTingeltangel, Schnulze, Trash. Populäre Musik und Kulturkritik
BeschreibungTingeltangel, Schnulze, Trash. Populäre Musik und Kulturkritik

Seitdem das Bürgertum sich im 19. Jahrhundert als kulturell maßgeblichen Schicht etablierte, wird Kulturkritik ein prägender Faktor: Die moderne westliche Gesellschaft zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass ihre kulturellen Erscheinungen der Kritik unterzogen werden, sondern, daraus folgend, dass die Kultur wesentlich eine der Kritik ist. Kritik der Kultur und Kultur der Kritik. Mit dem verstärktem Aufkommen des bürgerlichen Interesses an der Musik im 19. Jahrhundert geht als Konstante eine kulturkritische Auseinandersetzung mit der populären Musik einher. Die Tagung nimmt diese Kulturkritik zeitlich und thematisch vom Ende des 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart in den Blick, um nach Parallelen und Unterschieden in diesen Diskursen zu fragen. Dabei lassen sich, trotz einer charakteristischen Offenheit – Kulturkritik kann alles betreffen und jederzeit von jedem, der sich berufen fühlt, hervorgebracht werden –, fünf grundsätzliche Spannungsfelder festmachen, auf denen kulturkritische Debatten ausgefochten werden:

1. Ästhetik und Ethik

Ästhetische und ethischen Urteile über Popularmusik scheinen eine ambivalente und kaum zu trennende Verbindung einzugehen: Ebenso wie ästhetische Urteile an eine ethische Stellungnahme gekoppelt sind, werden auch moralische Urteile an Gestalt und Wirkung der Popularmusik begründet. Interessant ist hier das konstante Wortfeld in den sukzessiven Bezeichnungen Gassenhauer, Schlager, Hit: Popularmusik scheint nach dieser Isotopie eine körperliche, um nicht zu sagen brutale Dimension zu haben, in der Vergeistigung und Sub-tilität fehl am Platze sind.
Stichwörter: Adorno (Kulturindustrie, Jazzkritik); „Gewaltmusik-Musikgewalt“, gute Klänge und böse Klänge, Popmusik und Sex(ualisierung), Kitschdebatte, Primitivismus

2. Inklusion und Exklusion

Musik dient dazu, Identitäten durch Abgrenzung herzustellen. Die Kulturkritik hat an diesen Inklusions- und Exklusionstendenzen Anteil, indem sie die Musik „der anderen“ herabwürdigt. Dabei vermischen sich genuin politische Diskurse mit anderen Wertsphären: Die politisch unerwünschte Musik ist in dieser Perspektive auch die ästhetisch und ethisch Minderwertige.
Stichwörter: rechts/links, sozialistisch/kapitalistisch, arisch/jüdisch, schwarz/weiß, Mann/Frau, Underground/Establishment

3. Tradition und Moderne

Die im Übergang von Barock zur Klassik insbesondere in England und Frankreich erhitzt geführte Querelle des Anciens et des Modernes um die Frage, ob zeitgenössische Künstler den antiken Vorbildern das Wasser reichen oder diese gar übertreffen könnten, zeichnet sich auch hier unter ähnlichen Vorzeichen ab. In der Debatte über Popularmusik tut sich der Graben vor allem zwischen jung und alt, Traditionalisten und Erneuerern, U- und E-Musik oder auch regionaler Identität und Globalisierung auf.
Stichwörter: Volkslied vs. Gassenhauer, Verfalls- und Dekadenzdebatte, Topos der guten alten Zeit, Kritik an Mode/Hype, volkstümliche Musik

4. Künstlerischer Anspruch und „Kommerz“

Anerkennung, symbolisches Kapital im Sinne Pierre Bourdieus, gewinnt der Künstler, indem er sich einer autonomen Musikästhetik verschreibt und keinen äußerlichen Zwängen unter-ordnet. Kommerzieller Erfolg wird automatisch mit dem Verzicht auf künstlerischen Aus-druck und der Anpassung an den Massengeschmack in Verbindung gebracht, sei es als Anklage von Starkult und Kulturindustrie oder auch in internen Diskussionen in den unter-schiedlichsten Sparten der Popmusik (Rock, Elektro, HipHop, Heavy Metal etc.). Paradoxerweise verweist der inflationär gebrauchte Begriff independent dabei nicht nur auf künstlerische Autonomie, sondern auch auf eine enge Verpflichtung zur Traditions-bewahrung der jeweiligen Musik(sub)kultur.
Stichwörter: Mainstream, Gewinnerzielung, Kritik an Film- und U-Musik, Originalitätspostulat, Avantgarde-Gestus, Elitarismus

5. Authentizität und Medialisierung

Die Klage über die mediale Verbreitung der Musik und der einhergehende Aura-Verlust im Sinne Walter Benjamins ist eine weitere, sich immer weiter nach hinten verschiebende Konstante. So wie zunächst das Grammophon in Konkurrenz zur aufgeführten Musik tritt, konkurrieren dann die Schallplatte mit der CD um den gefühlten authentischeren Sound und schließlich der im Internet verfügbare mp3-Song mit der Original-CD. Das „ursprünglichere“ Musikformat wird dabei stets als origineller und authentischer als sein Nachfolger, der weitere Verbreitung ermöglicht, behauptet.
Stichwörter: Qualifizierung von Medienformaten, Kritik an einzelnen Medien (Schallplatte, Radio, Fernsehen, Internet ...), Medien-Nostalgie, web 2.0

Vorschläge für Ihren Tagungsbeitrag (Referat 20 Minuten) unter Angabe eines möglichen Panels richten Sie bitte bis zum 1.4. 2012 an:
Prof. Dr. Matthias Schmidt, Universität Basel: Matthias.Schmidt@unibas.ch
Dr. Fernand Hörner, Deutsches Volksliedarchiv: fernand.hoerner@dva.uni-freiburg.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.dva.uni-freiburg.de/forschung/tagungen
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBasel
Bewerbungsschluss01.04.2012
Beginn12.10.2012
Ende14.10.2012
PersonName: Fernand Hörner 
Funktion: Stellv. Komm. Leiter 
E-Mail: fernand.hoerner@dva.uni-freiburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Deutsches Volksliedarchiv 
Strasse/Postfach: Rosastraße 17-19 
Postleitzahl: 79098 
Stadt: Freiburg 
Telefon: 0761 7050318 
Fax: 0761 7050328 
E-Mail: fernand.hoerner@dva.uni-freiburg.de 
Internetadresse: www.dva.uni-freiburg.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
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